17.06.2024
ACCELERATOR

Grow: Das sind die Sieger-Startups 2024

Der dritte Durchgang des Acceleration-Programms "Grow" von Deloitte Österreich und Impact Hub Vienna ist abgeschlossen. Die Sieger-Teams kommen aus Graz und Niederösterreich.
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Sonnenschmiede aus Graz holte den ersten Platz bei Grow | (c) Deloitte
Sonnenschmiede aus Graz holte den ersten Platz bei Grow | (c) Deloitte

Aus zahlreichen Bewerbungen wurden im Februar sechs Startups für den dritten Durchgang des Accelerator-Programms „Grow“ ausgewählt – brutkasten berichtete. Mit dem Programm von Deloitte Österreich und Impact Hub Vienna sollen Jungunternehmen mit Nachhaltigkeitsfokus gefördert werden.

10.000 bzw. 5.000 Euro und je 50 Beratungsstunden für Siegerteams

Nach mehreren Monaten mit Workshops und Mentoring Sessions mit Expert:innen von Deloitte und Impact Hub fanden nun die finalen Pitches statt. Eine Fachjury kürte im Anschluss die Grow-Gewinner 2024, die 10.000 Euro (erster Platz) bzw. 5.000 Euro (zweiter Platz) Preisgeld sowie je 50 Stunden Beratung durch Deloitte-Expert:innen erhalten.

Grow: Teams mit Erneuerbare-Energie-Fokus setzten sich durch

„Auch heuer waren wieder einige vielversprechende Geschäftsideen dabei. Das hat die Juryentscheidung nicht einfach gemacht“, kommentiert Harald Breit, CEO von Deloitte Österreich. „Die Preisträgerinnen und Preisträger haben uns schlussendlich aber mit ihrem Fokus auf Erneuerbare Energien besonders überzeugt.“ Und Jakob Detering, Geschäftsführer des Impact Hub Vienna, meint: „Die vielfältigen Herangehensweisen der Gewinnerteams an das Thema Energie zeigen einmal mehr, wie viel wirtschaftliches Potenzial hier schlummert.“

Sonnenschmiede aus Graz vor Cosmotaics aus Niederösterreich

Den ersten Platz holte sich letztlich das Grazer Startup Sonnenschmiede. Das Jungunternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, bei Mehrparteienhäusern in Österreich erstmals den Strom aus Photovoltaikanlagen rechtssicher direkt vom Dach in die Wohnungen zu bringen. Die „Grow“-Jury habe sich von der Umsetzbarkeit und dem Potenzial dieser Idee besonders überzeugt gezeigt, heißt es in einer Aussendung.

Das Wiener Startup Cosmotaics landete bei Grow 2024 auf Platz 2 | (c) Deloitte
Das niederösterreichische Startup Cosmotaics landete bei Grow 2024 auf Platz 2 | (c) Deloitte

Auf Platz 2 landete das niederösterreichische Startup Cosmotaics. Das Unternehmen arbeitet an einer neuen Technik, um den Tau in Solarparks in besonders heißen, trockenen Gegenden von einer Problemquelle in eine erneuerbare Wasserquelle umzuwandeln.

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Das Gründerteam von vioom: Lucia Studer und Ronny Türtscher | (c) vioom

Wer auf dem Land lebt, kennt das Problem: Der nächste Bus fährt erst in zwei Stunden und ohne eigenes Auto wird selbst der Weg zum Arzt oder zum Einkaufen zur Herausforderung. Diese Erfahrungen hat auch das Gründerteam des Vorarlberger Startups vioom gemacht. Sie kommen aus dem Großen Walsertal, wo öffentliche Verkehrsverbindungen teilweise nur im Zwei-Stunden-Takt angeboten werden.

„Wir haben als Jugendliche immer Autos gestoppt“, erzählt Mitgründer und Co-CEO Ronny Türtscher. Aus Bedarfserhebungen zur Mobilität in der Region, die Türtscher selbst begleitete, entstand schließlich die Idee zu vioom.

Hinter dem Startup steht die im Februar 2026 gegründete VAREO Innovations GmbH mit Sitz in Ludesch. Als CEOs fungieren Ronny Türtscher und Lucia Studer. Das Gründerteam bringt nach eigenen Angaben gemeinsam mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung mit.

Personen- und Warentransporte gemeinsam organisieren

Vioom setzt auf sogenannte On-Demand-Mobilität: Fahrgäste können über eine App eine Strecke innerhalb eines festgelegten Gebiets buchen. Das System organisiert daraufhin ein verfügbares Shuttle. Anders als bei klassischen Anrufsammeltaxis sollen die Fahrzeuge zusätzlich regionale Waren transportieren. „Wir versuchen, die Ausnutzung so hoch wie möglich zu halten und diese Wege von A nach B mit mehreren Erlösströmen zu gestalten“, sagt Türtscher. So könnte ein Shuttle beispielsweise eine Gemüsekiste bei einem Bauernhof abholen, anschließend einen Fahrgast vom Bahnhof transportieren und die Ware danach bei einem Hotel abliefern.

Ziel ist es, Leerfahrten zu reduzieren und Fahrzeuge auch außerhalb der Stoßzeiten auszulasten. Gleichzeitig soll das Angebot bestehende Bus- und Bahnverbindungen ergänzen und insbesondere die sogenannte „First und Last Mile“, also den Weg zur beziehungsweise von der nächsten Haltestelle, abdecken. Durch die gemeinsame Nutzung der Fahrzeuge und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr sollen zudem CO₂-Emissionen reduziert werden. Die Regionen entscheiden dabei selbst, wann Personen- beziehungsweise Warentransporte angeboten werden. Die Durchführung übernehmen beispielsweise regionale Taxiunternehmen. Vioom selbst stellt keine Fahrzeuge oder Fahrpersonal bereit, sondern liefert die Software und begleitet die Umsetzung.

Wie sich die regionale Mobilität rechnen soll

Mit seinem Geschäftsmodell richtet sich vioom an Gemeinden und Regionen. Diese zahlen je nach Modell eine monatliche Gebühr für die Nutzung der Plattform. Zusätzlich erhält das Startup eine Vermittlungsprovision für jede gebuchte Fahrt. Die Fahrgäste und Unternehmen bezahlen für die jeweiligen Personen- oder Warentransporte. Diese Einnahmen fließen grundsätzlich an die Regionen selbst. Die Abrechnung erfolgt vollständig automatisiert über die Plattform.

Durch die Kombination von Personenbeförderung und Warenlogistik sollen die Fahrzeuge besser ausgelastet und zusätzliche Einnahmen erzielt werden. Langfristig will vioom damit die Wirtschaftlichkeit regionaler Mobilitätsangebote verbessern und deren Abhängigkeit von öffentlichen Förderungen verringern.

Technologiepartnerschaft mit ioki

Für die technische Umsetzung arbeitet vioom mit dem Mobilitätstechnologie-Anbieter ioki zusammen. Das Unternehmen ist ursprünglich aus der Deutschen Bahn hervorgegangen und bietet Software für bedarfsgesteuerte Mobilitätsangebote an. Vioom nutzt Teile dieser Technologie und hat darauf aufbauend ein eigenes Logistikmodul entwickelt.

Die Partnerschaft soll auch die Skalierung erleichtern. Für jede Region wird zwar eine individuelle Mobilitätsanalyse durchgeführt, die anschließende Umsetzung erfolgt jedoch über eine standardisierte, anpassbare Plattform.

Eigenfinanziert und erste Pilotprojekte geplant

Bislang wurde vioom vollständig aus Eigenmitteln der CEOs finanziert, mit einem Stammkapital von 12.000 Euro. An der VAREO Innovations GmbH sind die LOONEY GmbH (gehört unter anderem Lucia Studer) mit 66,67 % und scale.out (gehört Ronny Türtscher) mit 33,33 % beteiligt. Für externe Investoren zeigt sich das Unternehmen grundsätzlich offen.

Die größte Herausforderung besteht laut Türtscher darin, erste Referenzprojekte umzusetzen und nachzuweisen, dass die Kombination aus Personen- und Warentransporten tatsächlich wirtschaftliche Vorteile bringt. „Viele Kunden fragen: Was habt ihr schon gemacht und was könnt ihr nachweisen?“, erzählt der Gründer.

Der erste Pilotbetrieb ist derzeit in Vorarlberg in Vorbereitung, ein konkreter Starttermin steht noch nicht fest. Parallel führt vioom Gespräche mit zwei Landkreisen und einer Stadt in Deutschland. Bis Ende 2027 will das Startup drei bis fünf Regionen an die Plattform angebunden haben. Zusätzlich sollen weitere Partnerschaften und Anwendungen, etwa im Tourismus, entstehen.

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