27.09.2023

Gropyus: Wiener Soonicorn investiert 8-stellig in neue Produktionsanlage

In Kooperation mit dem deutschen Konzern Kuka will Gropyus mit der neuen Anlage den Automatisierungsgrad in seiner deutschen Fabrik maximieren.
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Gropyus-CEO Markus Fuhrmann
Gropyus-CEO Markus Fuhrmann | Foto: Gropyus

„In Deutschland können bis zum Jahr 2025 zwischen 900.000 und einer Million Wohnungen fehlen. In Kombination mit digitalisierten Prozessen kann serielles Bauen den Wohnungsbau bei geringeren Kosten erheblich beschleunigen“, sagt Markus Fuhrmann, Gründer und CEO des Scaleups Gropyus mit Sitz in Wien. Mit „seriellem Bauen“ meint er quasi Wohnhäuser vom Fließband. Die mehrgeschossigen Holz-Hybrid-Gebäude des Unternehmens sollen dabei aber „klimapositiv“ sein.

Gropyus: Viel Kapital für ambitionierte Ziele

Die Ziele des Scaleups sind ambitioniert: Ende 2024 will man die volle Produktionskapazität erreichen und dann pro Jahr 240.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche – etwa 3.500 Wohnungen – errichten. Dazu hat sich Gropyus mit ordentlich Kapital versorgt – zuletzt in diesem Jänner mit einer Finanzierungsrunde über 100 Millionen Euro. Damit positionierte sich das Unternehmen auch weit oben auf der Liste der heimischen Soonicorns.

Neue Anlage von Kuka soll Automatisierungsgrad auf bis zu 86 Prozent erhöhen

Ein substanzieller Teil dieses Kapitals – ein nicht genau bezifferter „mittlerer zweistelliger Millionenbetrag“ wird nun in eine neue Produktionsanlage im Gropyus-Werk in Richen, Baden-Württemberg, gesteckt. Die Anlage kommt vom auf Automatisierung spezialisierten deutschen Konzern Kuka und arbeitet mit 45 Robotern sowie zwölf „Automated Guided Vehicles“. Der Automatisierungsgrad im Werk erhöhe sich dadurch auf bis zu 86 Prozent, heißt es in einer Aussendung. Dennoch sollen durch die Erweiterung am Standort Richen bis Ende 2024 weitere 100 Arbeitsplätze entstehen.

So soll die neue Anlage Aussehen | (c) Gropyus / Kuka

Gropyus-CEO: „Auf industriellem Niveau ein leistbares, marktfähiges und nachhaltiges Produkt fertigen“

„Dank der Kooperation mit unserem erfahrenen Automatisierungspartner Kuka sind wir in der Lage, unsere Produktionskapazität bis Ende nächsten Jahres massiv auszubauen – und somit auf industriellem Niveau ein leistbares, marktfähiges und nachhaltiges Produkt zu fertigen“, kommentiert Gropyus-CEO Fuhrmann.

Kuka-Systems-CEO: „Ein Aushängeschild für ganz Europa“

Kuka-Systems-CEO Gerald Mies sieht eine besondere Bedeutung in der Umsetzung am Standort in Deutschland: „Außerhalb Europas konnten wir unsere eigens entwickelten Anwendungen bereits einsetzen und ein immenses Prozess-Know-how entwickeln. Als globaler Konzern mit Stammsitz in Augsburg ist es umso bedeutender, nun auch gemeinsam mit Gropyus in Deutschland ein Aushängeschild für ganz Europa zu errichten.“

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REEDuce-Gründerin Birgit van Duyvenbode (Mitte) bei der Eröffnung der neuen Schilf-Lärmschutzwand | (c) Strabag

An der A1 Westautobahn bei Völlerndorf nahe St. Pölten geht eine neue Lärmschutzanlage in Betrieb. Statt auf herkömmliche Materialien wie Beton oder Aluminium setzt diese auf Schilf, Thermoholz und Lehm. Dahinter steckt das Wiener Startup REEDuce rund um Gründerin und CEO Birgit van Duyvenbode. Gemeinsam mit der Asfinag und dem Baukonzern Strabag wurde die Technologie nun auf einem rund einen Kilometer langen Autobahnabschnitt umgesetzt.

REEDuce-Geschäftsführerin Birgit van Duyvenbode, Infrastrukturminister Peter Hanke und ASFINAG-Vorstand Hartwig Hufnagl bei der Präsentation der neuen Schilf-Lärmschutzwand an der A1.

4.000 Schilfbündel für einen Kilometer Lärmschutz

Die Anlage entstand im Zuge der Sanierung der A1 zwischen St. Pölten und Völlerndorf. Auf einer Fläche von rund 2.690 Quadratmetern wurden Lärmschutzelemente mit einem Rahmen aus thermisch behandeltem Holz, einer Lehmfüllung und beidseitiger Schilfabdeckung verbaut.

Das verwendete Schilf stammt aus dem Raum Neusiedler See. Für den rund einen Kilometer langen Abschnitt wurden insgesamt 4.000 Schilfbündel benötigt. Das entspricht etwa 1,5 Prozent der gesamten österreichischen Schilfernte. Die Nutzung des Rohstoffs soll gleichzeitig zur Pflege des Ökosystems am Neusiedler See beitragen.

Anders als konventionelle Lärmschutzwände soll die Konstruktion nach Angaben von REEDuce vollständig kreislauffähig sein. Zugleich soll sie dieselben technischen Anforderungen hinsichtlich Lärmschutz und Haltbarkeit erfüllen, wie herkömmliche Systeme.

„Mit dem ersten Autobahn-Kilometer unserer Lärmschutzwand aus Schilf, Thermoholz und Lehm erreichen wir einen wichtigen Meilenstein“, sagt Gründerin van Duyvenbode. Die Technologie zeige, dass Lärmschutz und Umweltschutz gemeinsam funktionieren können.

Von der Idee des Vaters zum Startup

Der Ursprung der Idee reicht bis ins Jahr 2008 zurück. Damals entwickelte das Sägewerk von van Duyvenbodes Vater im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts eine ökologische Lärmschutzwand, die an der A22 bei Langenzersdorf errichtet wurde. Die Gründerin griff die Idee später auf und entwickelte die Technologie unter dem Namen REEDuce weiter.

Bereits Anfang 2022 berichtete brutkasten über das Startup. 2023 wurde REEDuce bei der #glaubandich Challenge zum „Startup des Jahres“ gekürt. Im selben Jahr folgte ein erstes Pilotprojekt mit der Asfinag: An der S33 bei Herzogenburg wurde eine 16 Meter lange Testwand errichtet, um die Technologie unter realen Bedingungen zu erproben.

Mit der neuen Anlage an der A1 kommt die weiterentwickelte Technologie nun in deutlich größerem Umfang zum Einsatz. Für die Asfinag ist das Projekt zugleich eine Möglichkeit, weitere Erfahrungen mit der Bauweise aus regionalen Naturmaterialien zu sammeln.

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