07.05.2025
INNOVATION

Greiner-CEO Saori  Dubourg: „Werden Materialen der Zukunft noch stärker in den Fokus nehmen“

Der oberösterreichischen Kunststoff- und Schaumstoffherstellers Greiner präsentierte am Dienstag sein Jahresergebnis. Greiner-CEO Saori  Dubourg äußerte sich auch zur Innovationsschmiede.
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Saori Dubourg, Vorstandsvorsitzende (CEO) der Greiner AG | (c) Andreas Pohlmann

Handelskonflikte, fragmentierte Lieferketten, hohe Realzinsen und schwankende Energiepreise sorgen 2025 für ein unruhiges globales Umfeld. Vor diesem Hintergrund präsentierte Greiner am Dienstag in Wien – mit den drei Sparten Packaging, Bio‑One und Neveon – seine Geschäftszahlen 2024. Das Familienunternehmen meldete trotz des volatilen Umfelds einen nahezu unveränderten Umsatz von 1,991 Mrd. Euro. Erstmals präsentierte Saori  Dubourg als Vorstandsvorsitzende gemeinsam mit CFO Hannes Moser die Jahreszahlen. Die Managerin hatte 2024 Axel Kühner abgelöst, der nach 15 Jahren an der Spitze des Konzerns ausgeschieden war (bruktasten berichtete).

Wie die drei Sparten von Greiner abschneiden

Mit 44 Prozent Umsatzanteil bleibt Greiner Packaging die größte Division. Während die Kunststoffproduktion in Deutschland 2024 um sechs Prozent schrumpfte, steigerte Packaging seine Ausstoßmenge um genau diesen Wert und setzte um 3,6 Prozent mehr um.

 © Michaela Kraus / Greiner AG

Die Medizintechniksparte Greiner Bio-One erzielte 666 Mio. Euro Umsatz. 51 Prozent davon kommen bereits aus Nicht‑EU‑Märkten, vor allem aus den USA. Nach dem Covid‑Peak normalisierten sich die Volumina im Geschäftsfeld PreAnalytics; mittelfristig kalkuliert das Management mit durchschnittlich 4,7 Prozent organischem Wachstum pro Jahr. Bioscience profitiert weiter vom Boom bei Zell‑ und Gentherapien (erwartete Wachstumsrate 6 bis 9 Prozent).

Die Schaumstoff‑Sparte musste 2024 hingegen einen Umsatzrückgang auf 455 Mio. Euro (‑17,4 Prozent) hinnehmen. Gründe waren sogenannte „Vorzieheffekte“ bei Matratzen während der Pandemie, eine schwache Baukonjunktur und Konsumzurückhaltung. Werksschließungen in Deutschland und eine Verlagerung von Kapazitäten nach Polen sollen die Kostenbasis an den neuen Marktzyklus anpassen.

Investitionen und Greiner Innoventures

Zudem machte Greiner auch Angaben zur Investitionstätigkeit. Der Konzern investierte im letzten Jahr rund 129 Mio. Euro, was 6,5 Prozent des Umsatzes entspricht. 40 Prozent flossen nach Österreich, schwerpunktmäßig in Automatisierung, Energieeffizienz und die Erweiterung des Sterilisations­geschäfts. Weitere Mittel dienten dem Ausbau der US‑Präsenz, um Kunden vor möglichen Handels­barrieren abzusichern.

Bereits seit 2010 betreibt die Greiner AG mit der „Greiner Technology & Innovation“ eine eigene Gesellschaft für Innovationsmanagement. Seit 2021 firmiert diese unter dem Namen Greiner Innoventures GmbH, die laut Eigendefinition Ausschau nach „zukunftsweisende Technologien“ hält. Über die Gesellschaft wurden in den letzten Jahren auch zahlreiche Startup-Beteiligungen getätigt, darunter auch am Wiener Matratzen-Startup Matr (brutkasten berichtete).

Im Juni 2023 wurde bekannt, dass Greiner Innoventures Stellen streicht und sich neu ausrichtet. Damals hieß es, dass man einen stärkeren Fokus auf „Circular Economy und neue Materialien“ legen möchte. Der Kurs soll fortgesetzt werden, wie Saori  Dubourg gegenüber brutkasten bestätigt. „Wir haben die letzten Jahre stetig investiert in neue Technologien und Applikationen. Künftig werden wir die Materialien der Zukunft noch stärker in den Fokus nehmen.“ Zudem soll es in Zukunft auch Beteiligungen an Startups geben, wie Dubourg versicherte. Nähere Details dazu wurden vorerst allerdings nicht kommuniziert.


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Fawks AI
© LinkedIn/Canva - Neha Agarwal, Co-Founderin Fawks AI.

Eigentlich geht es hier nicht um ein Startup aus Indien, aber dennoch muss es kurz erwähnt werden: über 86 Millionen US-Dollar Umsatz, eine geschätzte Firmenbewertung von 200 Millionen US-Dollar, 500 Mitarbeiter:innen. Und das gebootstrapped. Das ist die Geschichte des indischen Proptech Housiey. Gegründet wurde es 2016 von Neha Agarwal und ihrem Bruder Ankit.

Problem Intransparenz

Der Ausgangspunkt der Geschwister damals war ein Markt, in dem es zwar viele Immobilienportale gab, aber es aufgrund laxer Regulierung immer wieder zu Fällen kam, in denen Makler:innen Objekte zu Preisen anboten, die vom tatsächlichen Endpreis stark abwichen. Auch Angaben zu Steuern, Regulierung und Mindestpreisen fehlten und Käufer:innen zahlten häufig zu viel für Immobilien.

Darin sahen die beiden eine Marktlücke. So bauten sie eine Plattform, auf der Bauträger direkt vertreten sind. Ihr Bruder übernahm als CEO den Vertrieb, Agarwal verantwortete die gesamte Technik. Dazu gehörte die Suchmaschinenoptimierung, die die heute in Wien lebende Gründerin als einen der Eckpunkte für den investorenlosen Erfolg nennt. „Housiey sollte bei Google gut ranken, ohne viel Geld für Werbung auszugeben. Das war noch vor dem KI-Zeitalter“, sagt sie. Außerdem entwickelte Agarwal den Anmeldeprozess für Nutzer:innen und setzte zu Beginn auf YouTube-Kanäle, um Immobilien zu präsentieren.

Der andere zentrale Faktor für Erfolg war die Transparenz: Nutzer:innen sollen alle Informationen zu einer Immobilie in einem durchgängigen Ablauf sehen können, vollständig und korrekt. „Das schafft Vertrauen und sie tappen nicht in eine Falle“, so Agarwal.

Von Indien nach Österreich: Fawks AI entsteht

2012 endete das Kapitel Indien und die Founderin kam für einen Job bei den Vereinten Nationen nach Österreich (IAEA). Eigentlich war ein Aufenthalt von sechs Monaten geplant, doch sie blieb, wechselte danach in einen Job bei einem anderen Unternehmen und kündigte dort schließlich, um gemeinsam mit COO Arun Gaurav Fawks AI in Wien zu gründen.

© zVg – Neha Agarwal und Arun Gaurav.

Das Wiener KI-Startup entwickelt eine eigene Speech-Engine zur Kundenkommunikation: eine KI, die Telefonanrufe im Kundensupport wie ein Mensch führen soll und sich an Unternehmen richtet. Erste Tests mit zahlenden Kund:innen laufen bereits.

aws-Förderung

Dafür erhielt das Startup eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro von der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Förderprogramms aws Preseed | Deep Tech. Damit soll die Kerntechnologie mit dem Codenamen HIVE vom Konzept zu einem produktionsreifen Prototyp weiterentwickelt werden. Im vergangenen Jahr wurde Fawks AI zudem für den ersten Venture-Cake-Jahrgang von weXelerate, dem Wiener Startup-Accelerator, als eines von acht Startups bei 150 Bewerbungen ausgewählt. Ein möglicher Grund dafür: eine sprachliche Besonderheit von Fawks AI.

„Wir haben festgestellt“, präzisiert Agarwal, „dass es bei der deutschen Sprache auf den Dialekt ankommt, etwa Vorarlbergerisch oder Wienerisch. Im Benchmarking lag die Erkennungsrate nur bei 68 Prozent. Wir haben überall gesucht, aber kein Spracherkennungsmodell gefunden, auch nicht in Europa, sondern nur US-Modelle. Wenn ein Anruf zum Beispiel eine Bankangelegenheit betrifft und eine IBAN genannt wird, wird die Nummer nicht korrekt erkannt, und der nächste Workflow wird nicht ausgelöst. Viele große Unternehmen können KI deshalb nicht richtig einsetzen, weil die Spracherkennung nicht gut genug ist.“

Deswegen deckt Fawks AI Standarddeutsch, Wienerisch und Österreichisch-Bairisch ab, und adressiert auch Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache, sondern in der Schule gelernt haben. Künftig möchte man noch Schweizerdeutsch in die Anwendung implementieren.

Damit ist Fawks AI nicht allein und bewegt sich hierzulande in einem Feld, mit großer Konkurrenz wie fonio, KI-Note oder NeedNect. Doch es gibt einen Grund, warum man sich für Wien entschieden hat.

„Ernst genommen“

„Österreich hat uns ernst genommen, bevor es andere taten“, sagt Agarwal. „Die Förderung ist ein Signal, dass die aws bereit ist, anspruchsvolle Ingenieursprobleme zu unterstützen, nicht nur Anwendungen. Europäische KI-Infrastruktur lässt sich nicht mit amerikanischen Standardwerkzeugen aufbauen. Das hat die aws verstanden, und ihre Jury ebenso. Wir sind dankbar für das Vertrauen.“

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