03.03.2023

Greenwashing: Lufthansa-Werbung in Großbritannien verboten

Eine Werbekampagne der Lufthansa, in der behauptet wurde, dass ihre umweltfreundlichen Initiativen die Welt schützen, wurde von der britischen Werbeaufsichtsbehörde verboten. Die Argumentation: Verbraucher:innen würden in Bezug auf die Umweltauswirkungen des Fliegens in die Irre geführt.
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(c) Adobestock

„Connecting the World. Protecting the Future“ lautet der umstrittene Slogan einer Lufthansa Werbung, die bereits 2022 veröffentlicht wurde. Auf dem Plakat ist ein Flugzeug zu sehen, dessen unterer Rumpf durch eine Ansicht der Erde ersetzt ist. Mit der Werbebotschaft möchte Lufthansa auf seine Nachhaltigkeits-Marketing-Informationskampagne „#MakeChangeFly“ aufmerksam machen. Dazu heißt es auf der Website der Gesellschaft: „Die Marketing-Informationskampagne zeigt die vielfaltigen Initiativen der Lufthansa Group für CO2-neutrales Fliegen“. Als Maßnahmen führt der Konzern unter anderem den Einsatz von „treibstoffeffizientere Flugzeugen“, als auch den Einsatz von sogenannten „Sustainable Aviation Fuels“ (kurz SAF). Bis 2050 möchte der Konzern zudem eine „neutrale CO2-Bilanz“ erreichen.

Britische Werbebehörde prüft Greenwashing

Wie der Guardian nun berichtet, wurde die Werbekampagne von der britischen Werbebehörde, Advertising Standards Authority (ASA), genauer unter die Lupe genommen und verboten. Die Begründung der Behörde: Die deutsche Fluggesellschaft würde den Verbraucher:innen einen „irreführenden Eindruck über ihre Umweltauswirkungen“ vermitteln und somit Greenwashing betreiben.

Zudem könne die Botschaft von Verbraucher:innen so verstanden werden, dass die Lufthansa bereits erhebliche Schritte vollzogen hat, die ihren Einfluss auf die Umwelt vermindern. Viele der Initiativen würden allerdings erst in Jahren zum Tragen kommen.

Die Lufthansa wiederum argumentiert, das Plakat hätte nicht den Anspruch erhoben, das der Konzern keinerlei Schaden an der Umwelt verursache. Es sei falsch, davon auszugehen, dass der „durchschnittliche Verbraucher“ dies so verstehe.

Verbot aber keine Zwangsmittel gegen Greenwashing

Die ASA verbot die Werbekampagne und forderte die Lufthansa auf, in Zukunft klarere und besser begründete Umweltaussagen zu machen und keinen irreführenden Eindruck über die Auswirkungen zu vermitteln, die ein Flug mit der Fluggesellschaft verursacht. Allerdings kann die Behörde laut einem Bericht des Spiegel „keine Zwangsmittel einsetzen“, trotzdem gelten die Entscheidungen als bindend.

„Werbetreibende in Sektoren mit hohem Kohlendioxidausstoß sollten keine Behauptungen aufstellen, die bei den Verbrauchern einen irreführenden Eindruck über ihre Umweltfreundlichkeit und ihre Pläne erwecken oder die sie nicht mit stichhaltigen Beweisen untermauern können“, so Miles Lockwood, Direktor für Beschwerden und Untersuchungen bei der ASA, gegenüber dem Guardian.

Die jüngste Werbung der Lufthansa ist nur eine von mehreren Werbekampagnen gegen die die Behörde in letzter Zeit vorgegangen ist. So wurden laut Guardian auch Werbungen der Milchalternative Oatley, der zu Pepsi gehörenden Teemarke Lipton und dem Waschmittel Persil von Unilever verboten.

Verbot von ÖVP-Tourismussprecher gefordert

Erst Anfang das Jahres sorgte ÖVP-Tourismussprecher Franz Hörl mit seiner Forderung für ein Werbeverbot für „klimaschädliche Flugreisen und Kreuzfahrten“ für Aufsehen. Zudem brachte Hörl eine Kennzeichnungspflicht für besonders CO2-relevante Urlaubsformen ins Spiel, wobei er einen Vergleich zur “Tabakwerbung” zog. Seine Forderung erfolgte als Antwort auf die Kritik an der technischen Beschneiung von Skigebieten. Das geforderte Werbeverbot zog zahlreiche Kritik aus den eigenen ÖVP-Reihen nach sich.


Tipp der Redaktion

Mit Jänner 2023 startete die brutkasten-Redaktion einen neuen thematischen Schwerpunkt zum Thema Kreislaufwirtschaft. Im Zentrum stehen Innovationen von Startups, Corporates und Mittelstand, die eine ressourceneffiziente und schadstoffarmen Produktion ermöglichen. Zudem berichten wir über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe rund um eine kreislauforientierte Wirtschaft.

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© Lara Jameson via Pexels

Aufgrund wachsender geopolitischer Unsicherheiten und steigender Anforderungen durch Künstliche Intelligenz gerät die Abhängigkeit europäischer Unternehmen von außereuropäischen Tech-Konzernen zunehmend in den Fokus. Vor diesem Hintergrund haben der Fachverband Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich und der Verband Österreichischer Software Innovationen (VÖSI) den sogenannten „Austrian Cloud Atlas“ veröffentlicht. Die interaktive Plattform soll heimischen Betrieben als Orientierungshilfe bei der Wahl digitaler Lösungen dienen.

Transparenz bei Datenhoheit und Angeboten

Das Tool erfasst Rechenzentren, Cloud-Anbieter:innen sowie Managed Service Provider in Österreich. Damit soll die Übersicht bestehende Branchen-Initiativen wie die Österreichische KI-Landkarte ergänzen. „Unternehmen müssen wissen, wo ihre Daten liegen, von welchen Technologien sie abhängig sind und welche Alternativen ihnen zur Verfügung stehen“, betont Wilfried Drexler, Obmann des Fachverbands UBIT.

Laut den Initiator:innen stehe die Förderung der digitalen Handlungsfähigkeit im Mittelpunkt. Das Angebot solle Firmen dabei unterstützen, bewusste Entscheidungen über ihre IT-Kapazitäten zu treffen und strategische Abhängigkeiten von internationalen Hyperscalern schrittweise zu reduzieren. „Die Daten basieren auf freiwilligen Einreichungen und werden laufend erweitert“, heißt es auf der Website.

Ruf nach abgestimmtem Zielbild

Neben der rein informativen Funktion nutzen die beteiligten Verbände den Launch für politische Forderungen. Während auf EU-Ebene derzeit am „Cloud and AI Development Act“ gearbeitet werde, fehle es in Österreich laut Branchenvertreter:innen an einem einheitlichen Rahmen. Zunehmende länderspezifische Einzelregelungen erschwerten den zielgerichteten Ausbau der Infrastruktur.

Martin Madlo, Präsident der Austrian Datacenter Association, verweist diesbezüglich auf fehlende Standards: „Was fehlt, ist ein abgestimmtes nationales Zielbild.“ Ein solches sei laut der Branchenvertretung jedoch notwendig, um die heimische Daten-Infrastruktur künftig gemeinsam mit der Energieversorgung und dem Netzausbau zukunftsfähig aufzustellen.

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