07.03.2023

Wie Al Gore das Grazer Startup Rouge H2 motivierte, „die Welt zu retten“

Am Anfang der Firmengeschichte des Grazer Startups Rouge H2 steht ein gescheiterter US-Präsidentschaftskandidat und ein Film. Daraus entstand ein großes Vorhaben.
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Das technische Team von Rouge H2. (C) Rouge H2
Das technische Team von Rouge H2. (C) Rouge H2

„Wir wollen nichts Geringes als die Welt retten“, sagt Florian von Hofen, CEO des Grazer Startups Rouge H2, im brutkasten-Gespräch. So setzt es sich das steirische Unternehmen mit deutschem Gründer und taiwanesischer Investorin zum Ziel, bis 2030 150 Millionen Tonnen Treibhausgas einzusparen.

Rouge H2 will auf „die unbequeme Wahrheit“ antworten

Al Gores Film „Die unbequeme Wahrheit“ aus dem Jahr 2006 ist gewissermaßen der Startpunkt der Geschichte von Rouge H2. Durch die Enthüllungen des Streifens bezüglich des Klimawandels sensibilisiert, wollte die taiwanische Investorin Sable Huang etwas verändern. Huang, die als Investorin bereits im Silicon Valley auftrat, fokussierte sich in der Folge auf Technologien, die dem Klima helfen.

Im Jahr 2015 traf sie schließlich Viktor Hacker von der Technischen Universität Graz, der ihr ein Wasserstoffprojekt vorstellte.  Huang wurde hellhörig und beschloss, der Universität das Patent abzukaufen und in die genutzte Technologie zu investieren – die Geburtsstunde von Rouge H2.

Ursprünglich hatte das Unternehmen die Idee einer dezentralen Wasserstofferzeugung aus Biogas zum Antrieb von Fahrzeugen. Nach mehrjähriger Forschungsphase kam Rouge H2 zu dem Schluss, dass damit verhältnismäßig wenig CO₂-Einsparpotential gegeben wäre. Stattdessen konzentriert sich Rouge H2 auf die Stahlindustrie, die für rund sieben Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich ist. Rouge H2 will nun mit seiner Technologie Hochöfen klimafreundlicher betreiben.

Quelle: Rouge H2

Das Herzstück von Rouge H2 sind dabei derzeit drei in Betrieb befindliche Anlagen. Diese können Gas aus Hochöfen auffangen, den Wasserstoff zur Dekarbonisierung des Stahlherstellungsprozesses zurückführen und auch CO₂ abscheiden, um es unterirdisch zu speichern oder zu recyceln, erklärt von Hofen. Derzeit werden pro Tonne produziertem Stahl 1,9 Tonnen CO₂ freigesetzt, mit der Rouge H2-Technologie würde dieser Wert auf 0,4 Tonnen sinken.

Internationales Lob für Technologie

Aktuell wird Wasserstoff großtechnisch aus hochwertigem Gas, meist Erdgas, produziert. In den Anlagen von Rouge H2 wird das Chemical-Looping-Verfahren zur Produktion von H2 angewendet. Diese Technologie ermöglicht es, Wasserstoff aus Biogas sowie aus einer Vielzahl minderwertiger industrieller Gasgemische wie zum Beispiel Gichtgas aus der Stahlproduktion, welches als Abgas im Hochofenprozess anfällt, zu produzieren. Dieses Gas wird in einem einzelnen Arbeitsschritt ohne zusätzliche Reinigung zu hochwertigem Wasserstoff umgewandelt. Neben Wasserstoff entsteht auch Stickstoff und reiner CO₂-Strom.

Nach Einschätzung des kanadischen Chemical Engineering Consultants Paul Martin verfügt das Grazer Unternehmen damit über eine innovative und vielversprechende Technologie, um mit geringem Energieverbrauch Wasserstoff aus niederwertigen Gasen oder aus Abgas zu erzeugen und zudem CO₂ abzutrennen.

Die Anlage von Rouge H2

Auf weitere Investoren ist das zehnköpfige Team von Rouge H2 derzeit nicht angewiesen. Die finanzielle Unabhängigkeit, die man durch die Unterstützung von Huang erlangt hat, erlaubt dem Startup einige Freiheiten. „Wir arbeiten auf Hochbetrieb, setzen uns selbst immer wieder anspruchsvolle Ziele und hohe Standards. Aber im Hintergrund steht niemand, der von der Materie nichts versteht und nur auf Bilanzen blickt“, sagt von Hofen. Das erlaube dem Startup einige Freiheiten und vor allem auch mutige und risikoreiche Entscheidungen zu treffen. 

Aktuell produziert die Anlage in Grambach bei Graz rund 50 Kilogramm Wasserstoff täglich. Zukünftig ist es das erklärte Ziel von Rouge H2, mit mehreren Anlagen Partner in der Stahlindustrie zu finden und somit einen substanziellen Beitrag zur Reduktion von CO₂-Emissionen zu leisten.

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