28.06.2018

Grazer Startup feedbackr: 300 Schulen und Unis in 65 Ländern als User

Mit dem Tool des Grazer Startups feedbackr kann man, wie der Name erahnen lässt, (anonym) Feedback geben. Inzwischen wurde auch die TU Graz, wo das Tool entwickelt wurde, als Kunde gewonnen.
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TU Graz Vizerektor Detlef Heck, die feedbackr-Founder Christian Haintz und Karin Pichler und TU Graz-Rektor Harald Kainz
(c) Thomas Roessler Photography: TU Graz Vizerektor Detlef Heck, die feedbackr-Founder Christian Haintz und Karin Pichler und TU Graz-Rektor Harald Kainz

„Feedback ist das Frühstück der Champions“ – so lautet ein mehr oder weniger bekannter Motivationsspruch, der sich zumindest bei Unternehmensberatern großer Beliebtheit erfreut. Doch ist es mit der konstruktiven Kritik oft so eine Sache. Häufig besteht zwischen jenem, der das Feedback einholt und jenem, der es gibt, ein Hierarchie-Verhältnis. Fehler und Probleme offen anzusprechen, fällt nicht nur deswegen oft schwer. Man will nicht der Überbringer der schlechten Nachricht sein („Du solltest keine Gesangskarriere anstreben“) und schon gar nicht einen Vorgesetzten, oder die Professorin, die einen nachher beurteilt, vor den Kopf stoßen. Bei letzterem Punkt setzt das Konzept des Grazer Startups feedbackr an.

+++ Archiv: Grazer Startup erhält sechsstellige FFG-Förderung +++

„feedbackr ist aus realen Problemen in der Lehre entstanden“

Das Tool ist schnell erklärt: Via Smartphone können etwa Studierende anonym Feedback geben, Fragen stellen und Wissensfragen beantworten – und zwar durchgehend und nicht erst mittels Feedback-Bogen am Ende des Semesters. „feedbackr ist aus realen Problemen in der Lehre entstanden – vor allem bei großen Lehrveranstaltungen ist es kaum möglich, alle Studierenden einzubeziehen“, sagt Co-Founderin Karin Pichler. Studierende können mit dem Tool auch gegenseitig ihre Präsentationen anonym bewerten, in Gruppendiskussionen Themenfelder erörtern und Lehrenden Hinweise auf Unklarheiten geben. Diese können wiederum etwa Meinungsumfragen durchführen. Einsetzbar ist feedbackr unter anderem auch bei Unternehmensworkshops und Events – mit zusätzlichen Funktionen.

Heimatuni wird Kunde

Überzeugen konnte das Startup damit bislang nach eigenen Angaben mehr als 300 Bildungseinrichtungen in 65 Ländern. Einen Kunden-Neuzugang streicht man seitens feedbackr besonders heraus: Die TU Graz nutzt das Tool seit kurzem. Das hat insofern symbolischen Charakter für das Startup, als das Tool dort von Pichler und ihrem Co-Founder Christian Haintz, gemeinsam mit dem Dozenten und E-Learning-Experten Martin Ebner entwickelt wurde. „feedbackr zeigt mir, ob meine Studierenden tatsächlich in der Lehrveranstaltung aufmerksam sind. Die meisten haben ihr Smartphone ohnehin am Tisch liegen – so kann ich gleich alle aktiv in den Unterricht einbinden“, wird TU Graz-Vizerektor Heck in einer Aussendung dazu zitiert. Auf der Page werden drei weitere große Unis als Referenz-Kunden angeführt: die WU Wien, die TU München und die Uni Graz.

TU Graz zahlt ca. 3500 Euro pro Jahr

Wie viele der insgesamt rund 300 Bildungseinrichtungen zahlende Kunden sind, verrät man seitens feedbackr nicht. Das Startup arbeitet im Bildungsbereich mit einem Freemium-Modell. Für Kunden wie die TU Graz gibt es „Campus Lizenzen“. Mit ihren rund 17.000 Studierenden käme die Uni laut Preiskalkulator auf der Startup-Page auf Kosten von etwa 3500 Euro pro Jahr bei einem Drei-Jahres-Vertrag. Im Business-Bereich bietet feedbackr Pakete zwischen 40 und 370 Euro bei Jahresvertrag bzw. 48 und 480 Euro bei monatlicher Abrechnung. Dort werden etwa Amazon und die Wirtschaftskammer als Referenz-Kunden genannt. Event-Pakete sind ab 449 Euro pro Veranstaltungstag zu haben.

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(c) Michael Meier - Maximilian Kindler, Gründer von incaseof.law.

Rund 600 Rauchfangkehrerbetriebe gibt es in Österreich, rund 350 davon arbeiten mit der Grazer Branchensoftware WinChim. Sie können überfällige Rechnungen nun direkt aus dem Verrechnungsmodul an das Wiener LegalTech incaseof.law übergeben. Die Plattform übernimmt den weiteren Prozess, vom außergerichtlichen Mahnverfahren bis zur gerichtlichen Durchsetzung.

Die beiden Unternehmen haben die Kooperation Anfang Oktober bekannt gegeben. Für das Startup von Gründer und CEO Maximilian Kindler ist WinChim nach eigenen Angaben die erste Branchensoftware, über die es eine ganze Branche erreicht.

Viele kleine Rechnungen, wenig Zeit

Die Leistungen der Rauchfangkehrer sind gesetzlich vorgeschrieben, die Tarife reguliert. Daraus ergibt sich ein eigenes Forderungsbild: sehr viele kleine, wiederkehrende Rechnungen an Privathaushalte und Hausverwaltungen. Die Betriebe zählen im Schnitt sechs Beschäftigte, offene Rechnungen verfolgt meist der Inhaber selbst. Eine klassische Inkassobeauftragung zahle sich bei Kleinbeträgen oft nicht aus, heißt es weiter.

„Unsere Anwender wollen kehren, messen und beraten, nicht Zahlungserinnerungen schreiben. Mit incaseof.law ist der offene Posten in unserer Buchhaltungssoftware mit einem Klick erledigt, der Rest passiert im Hintergrund“, sagt Martin Haidenthaler, Gründer von WinChim. Das Unternehmen wurde 1999 in Graz gegründet und ist nach eigenen Angaben Marktführer unter den Rauchfangkehrerbetrieben in sieben Bundesländern.

„Rauchfangkehrer sind das Paradebeispiel für eine Branche, in der Forderungsmanagement bisher schlicht nicht stattfindet, weil es sich nicht auszahlt. Über WinChim erreichen wir die Betriebe dort, wo ihre Rechnungen entstehen. Ab jetzt kommt das Geld dorthin, wo es hingehört: auf das Konto des Betriebs.“

Die Inkassokosten trägt der säumige Schuldner

Laut Aussendung zahlt die Plattform eingehende Beträge ohne Abzüge an den Betrieb aus. Woran incaseof.law dann verdient, erklärt Kindler auf brutkasten-Anfrage: „Der Rauchfangkehrer zahlt uns nichts, weder Provision noch Gebühr. Unser Umsatz kommt ausschließlich vom säumigen Schuldner, und zwar aus den Inkassokosten und den Verzugszinsen.“

Diese Kosten sind laut Kindler durch die Verordnung über die Höchstsätze der Inkassoinstituten gebührenden Vergütungen gedeckelt. Zudem müssen sie nach dem Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) in einem angemessenen Verhältnis zur Forderung stehen. Die Verordnung würde es ihm zufolge auch erlauben, dem Auftraggeber eine Gebühr zu verrechnen. Darauf verzichte man ausnahmslos.

Was das für Schuldner:innen bedeutet, zeigt ein Rechenbeispiel des Gründers. Bei einer offenen Rechnung über 80 Euro fallen mit der ersten Zahlungsaufforderung rund 25 Euro inklusive Umsatzsteuer an, dazu Verzugszinsen von wenigen Cent. Das entspricht einem Aufschlag von rund 31 Prozent. Wer nach der ersten Aufforderung zahlt, bleibt laut Kindler bei diesem Betrag. Bezahlt werden kann über ein Online-Portal, auf Wunsch in Raten über bis zu zwölf Monate. Zu den Kosten bei weiteren Mahnschritten oder im gerichtlichen Verfahren machte Kindler keine Angaben.

Noch keine Zahlen für die Branche

Zahlen für die Rauchfangkehrerbranche gibt es noch nicht, die Anbindung ist erst seit Anfang Oktober aktiv. Kindler erwartet aber eine sehr hohe Quote, weil die Leistung gesetzlich vorgeschrieben, dokumentiert und zu regulierten Tarifen verrechnet sei: „Echten Streit über die Forderung gibt es da kaum. Meistens ist die Rechnung schlicht liegen geblieben.“

Zahlt ein Schuldner trotz mehrerer Mahnschritte nicht, geht der Fall laut Kindler auf derselben Plattform ins gerichtliche Forderungsmanagement über, mit Anbindung an den Elektronischen Rechtsverkehr in Österreich und Deutschland.

Weitere Branchen im Blick

Seit Mai können Kund:innen der Finanzautomatisierungsplattform ibana das Inkasso direkt aus deren Plattform beauftragen (brutkasten berichtete).

Als weitere Branchen sieht sich das Startup laut Kindler Hausverwaltungen, das Gesundheits- und Pflegeumfeld und das Handwerk an und entwickelt dafür eigene Produktlinien. „Die Logik ist überall gleich: viele kleine Rechnungen, kleine Betriebe, kaum Zeit für das Mahnwesen“, so Kindler. Weitere Anbieter will incaseof.law nennen, sobald die Verträge stehen.

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