26.11.2025
INSOLVENZ

Grazer Kosmetik-Startup Holy Pit muss saniert werden

Das Grazer Kosmetik-Startup hat Insolvenz angemeldet und strebt nun ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung an. Wir haben mit Co-Founder Asmir Samardzic über die Hintergründe und die schwierigen Monate gesprochen.
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Asmir Samardzic und Branka Puljic | (c) Holy Pit
Asmir Samardzic und Branka Puljic | (c) Holy Pit

Das Grazer Kosmetik-Startup Holy Pit steht vor einer Sanierung. Wie Co-Founder Asmir Samardzic gegenüber brutkasten bestätigt, wurde am Montag am Landesgericht Graz ein Insolvenzantrag mit einem Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eingebracht.

Holy Pit war bei DHDL

Holy Pit ging 2020 mit der Mission an den Start, ein nachfüllbares Deodorant auf den Markt zu bringen. In den Folgejahren erweiterte das Gründerduo Branka Puljic und Asmir Samardzic das Sortiment um Fußpflegesticks, feste Shampoos und saisonale Produkte wie Mückenschutz und Sonnenschutz. Rund 80 Prozent des Umsatzes erzielte Holy Pit in Deutschland. 2024 erwirtschaftete das Startup 1,42 Millionen Euro.

Bereits im September 2021 nahm das Startup an der deutschen Startup-Show “Die Höhle der Löwen (DHDL)” teil und konnte damals ein Investment in Höhe von 100.000 Euro von den Ankerkraut-Gründer:innen Stefan und Anne Lemcke für 20 Prozent der Unternehmensanteile an Land ziehen. Für weiteres Kapital wurde später auch noch eine Crowdfunding-Kampagne gestartet (brutkasten berichtete).

Dazu kam ein weiterer strategischer Schritt: eine Kooperation mit Paramount Pictures, die Holy Pit ab Mai 2024 berechtigte, Produkte unter der Marke SpongeBob Schwammkopf herzustellen. (brutkasten berichtete).

Die Gründe für die Sanierung

Warum Holy Pit trotz dieser Schritte nun saniert werden muss, erklärt Samardzic mit „einer unglücklichen Kombination vieler Faktoren“. Die Entwicklung im E-Commerce habe sich massiv verschärft. Besonders spürbar seien die Marketingkosten gewesen.

Die Werbekosten stiegen laut Samardzic 2025 nochmals drastisch an. Hintergrund sei eine große Marktverschiebung: Billiganbieter wie Temu und Shein hätten aufgrund neuer US-Zölle ihr Werbebudget aus den USA abgezogen und stattdessen massiv in Europa investiert. EU-Nutzer:innen seien dadurch innerhalb kürzester Zeit mit „aggressiven Discount-Kampagnen“ überflutet worden. „Diese Anbieter haben den europäischen Markt mit Werbung überschwemmt. Die Preise für Ads sind dadurch noch einmal explodiert“, sagt Samardzic. Während die Kosten in den Vorjahren jährlich um rund 20 Prozent gestiegen seien, habe 2025 „eine völlig neue Dimension“ erreicht.

Gleichzeitig fiel die wichtige „Mückenschutzsaison“ nahezu komplett aus. „Dieses Jahr gab es so wenig Mücken wie noch nie. Was für die Menschheit gut ist, war für uns extrem schlecht.“ Auch der Frühling war verregnet, wodurch Sonnenschutzprodukte kaum Absatz fanden. Zusätzlich erschwerte ein technischer Fehler die Lage: Ein Datentool lieferte monatelang falsche Informationen an Meta-Anzeigen. „Das hat unseren Algorithmus komplett kaputt gemacht – Juni, Juli und August waren dadurch extrem schwierig.“

Wie es weitergeht, entscheiden nun Sanierungsplan und Insolvenzverwalter. Samardzic hofft dennoch auf eine Fortführung. Konkrete Details könne er noch nicht nennen, da nun der Insolvenzverwalter das Verfahren übernehme.

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Jeff Bezos sprach am Mittwoch auf der Theater-Stage der VivaTech in Paris über sein KI-Projekt Prometheus. (c) Screenshot VivaTech

Am Mittwoch fiel der Startschuss für die zehnte Ausgabe der VivaTech. Das Event in Paris zählt zu den größten Startup- und Technologie-Treffen Europas und bringt über vier Tage hinweg Startups, Investor:innen, Tech-Konzerne und Forscher:innen zusammen. Schon am Vormittag herrschte dichter Andrang in den Hallen der Pariser Porte de Versailles: Zwischen Roboterarmen, Demo-Bühnen und unzähligen Startup-Ständen schoben sich Gründer:innen, Investor:innen und Tech-Fans durch die Gänge. brutkasten ist vor Ort. Für besonderen Andrang sorgte eines der Highlights der diesjährigen Ausgabe: Jeff Bezos, der erst zu Wochenbeginn als Speaker angekündigt worden war. Am Vormittag trat der Amazon-Gründer auf der Theater-Stage auf.

Gemeinsam mit Blue-Origin-CEO Dave Limp saß Bezos schließlich auf der Bühne, moderiert vom früheren NASA-Astronauten Mike Massimino. Der Großteil des Gesprächs drehte sich um Raumfahrt. Aufhorchen ließ Bezos aber, als er auf sein jüngstes Projekt zu sprechen kam: Prometheus, das KI-Unternehmen, das er 2025 mitgegründet hat und als Co-CEO führt.

Bezos beschrieb Prometheus als Versuch, einen „artificial general engineer“ zu bauen, also eine KI, die nicht primär Texte verarbeitet, sondern Ingenieursarbeit leistet. Das Ziel sei, den „dream-build cycle“ zu verkürzen, also die Zeit zwischen der Idee für ein Produkt und seiner serienreifen Fertigung.

„Aller Wohlstand beruht auf Erfindungen“

Diesen Anspruch rahmte Bezos grundsätzlich ein: „Aller zivilisatorische Wohlstand beruht auf Erfindungen. Vor 6.000 Jahren hat jemand den Pflug erfunden, und wir alle wurden wohlhabender.“ Wer den Erfindungszyklus beschleunige, schaffe realen Wohlstand. Was das praktisch heißt, machte er an einem Beispiel fest: Ein neues, sparsameres Triebwerk sei heute ein Zehn-Jahres-Programm. Prometheus solle das schrittweise auf fünf, drei, am Ende ein Jahr drücken.

Klassische Sprachmodelle reichen dafür nach seiner Überzeugung nicht aus. „Mit herkömmlichen großen Sprachmodellen lässt sich das nicht machen. Sie haben ihre Berechtigung“, sagte Bezos. Sein Bild dazu: „Wenn ich tausend Bücher darüber lese, wie man ein großartiger Turner wird, wäre ich danach immer noch ein miserabler Turner.“ Engineering brauche eine andere Art von Training als reine Symbolmanipulation, wie sie Sprachmodelle beherrschen.

Der Sorge, KI könnte Menschen überflüssig machen, widersprach Bezos ausdrücklich. Er erwarte eher das Gegenteil: „KI wird einen Arbeitskräftemangel erzeugen, weil sie es den Menschen ermöglicht, mehr Probleme zu identifizieren.“ Heute sei man „nicht durch unsere Vorstellungskraft begrenzt, sondern durch das, was wir tatsächlich umsetzen können“. Beschleunige man das Bauen, drehe sich dieses Verhältnis um. Als Vorgeschmack nannte er die eigene Erfahrung mit Coding-Tools: „Vor drei Jahren war ich ein miserabler Informatiker. Heute aber kann ich an einem einzigen Nachmittag eine iOS-App schreiben.“ Genau das wolle Prometheus in die physische Welt übertragen.

Querverweis zu Emmi AI

Für die heimische Szene hat die Idee einen vertrauten Klang. Mit Emmi AI verfolgt seit 2024 ein Linzer Startup einen ganz ähnlichen Ansatz, nämlich KI-Modelle, die auf die Physik der realen Welt statt auf Sprache trainiert sind und Ingenieurssimulationen drastisch beschleunigen sollen. Das Unternehmen aus dem Umfeld des KI-Labors NXAI wurde im Mai 2026 vom französischen KI-Konzern Mistral übernommen. Die Stoßrichtung, die Bezos nun auf der großen Bühne skizziert, ist also auch in Österreich prominent vertreten.

Was sonst noch ansteht

Die VivaTech feiert heuer ihr zehnjähriges Bestehen und läuft noch bis Samstag, den 20. Juni. Inhaltlich dreht sich die Jubiläumsausgabe vor allem um Künstliche Intelligenz, Deeptech, Cybersecurity und Energie, wobei sich KI durch nahezu jede der vier Bühnen zieht. Neben Bezos sind weitere prominente Stimmen angekündigt, darunter Nvidia-CEO Jensen Huang mit der GTC-Paris-Keynote, Yann LeCun (AMI Labs, zuvor Meta) und Arthur Mensch, CEO des französischen KI-Konzerns Mistral, der das Linzer Startup Emmi AI übernommen hat. Der Deeptech-Schwerpunkt reicht von Quantencomputing bis Biotech. Zum Abschluss verwandelt sich der Publikumstag am Samstag erstmals in ein offenes VivaTech-Festival, das Technologie einem breiten Publikum zugänglich machen soll.

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