03.04.2025
TECHNOLOGIE

Grazer Firma AccuPower präsentiert erste Natrium-Ionen-Akkus

Lithium-Ionen-Akkus sind leistungsstark - und umweltschädlich. Das Grazer Unternehmen AccuPower produziert nun eine Alternative: Die ersten Natrium-Ionen-Akkus aus Europa gehen in Serie.
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Accupower: CEO Moritz Minarik, COO Bettina Haberler und CSO Manfred Zettl
V.l.n.r.: CEO Moritz Minarik, COO Bettina Haberler und CSO Manfred Zettl | Foto: ACCUPOWER

Viele Geräte und Technologien brauchen Akkus: kleine kompakte Zellen, die Energie speichern – und sich wieder aufladen lassen. Die meisten Unternehmen verwenden dafür aktuell Lithium-Ionen-Akkus. In puncto Leistung glänzen sie mit Effizienz und hoher Energiedichte. Aber ihre Umweltbilanz lässt zu wünschen übrig. Der Abbau des Ladungsträgers Lithium setzt große Mengen CO2 frei und sorgt teils für geopolitische Spannungen. Außerdem ist der Rohstoff knapp. Auch Cobalt und Nickel gelten als teure und kritische Materialien bei Lithium-Ionen-Akkus.

Forscher:innen und Unternehmer:innen suchen deswegen weltweit nach Alternativen. Als eine der vielversprechendsten Optionen gilt der Natrium-Ionen-Akku. Natrium ist in Kochsalz enthalten – kommt viel häufiger vor als Lithium und kann umweltfreundlicher abgebaut werden.

Erster serienreifer Natrium-Ionen-Akku in Europa

Am Mittwoch hat das Grazer Unternehmen AccuPower seinen Natrium-Ionen-Akku Natec vorgestellt. „Das ist eine serienreife, nachhaltige Alternative zu Lithium-Ionen-Akkus für industrielle Anwendungen“, sagt CEO Moritz Minarik.

AccuPower: NATEC-Akkupack
Der Natrium-Ionen-Akku Natec | Foto: AccuPower

Eingesetzt werden können die Akkus laut CSO Manfred Zettl beispielsweise in der Medizintechnik, etwa für tragbare Röntgengeräte oder für Emissionsmessungen in der Automobilindustrie. Vorteile hat das Akkupack laut Unternehmen viele: Es enthält keine gefährlichen Rohstoffe, kann schnell geladen werden und lebt in etwa vier Mal so lange wie Lithium-Ionen-Batterien. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Akkus komplett entladen werden können, ohne kaputt zu gehen. „Unsere Akkus können auf Null entladen und dann trotzdem nach Jahren wieder eingesetzt werden“, sagt Minarik.

Fokus auf industrieller Anwendung

Während chinesische Hersteller wie CATL, BYD, HiNa oder Natron Energy zum Teil bereits seit einigen Jahren in Serie produzieren oder Pilotmodelle in Elektroautos einsetzen, wurde an dem Einsatz von Natrium-Ionen-Batterien in Europa bislang noch geforscht. Auf dem europäischen Markt könnte Accupower entsprechend für Aufsehen sorgen.

Den Unterschied zu den in China hergestellten Modellen sieht die Führungsriege darin, dass AccuPower spezifische Lösungen entwickelt. Der Fokus liege wegen des Niedervolt-Bereichs auf der industriellen Anwendung. Zum Vergleich: E-Autos laufen im Hochvolt-Bereich.

Für die kommenden Jahre erwartet sich CSO Zettl jedenfalls signifikantes Wachstum für die Branche: „Der Markt für Natrium-Ionen-Batterien wird bis 2035 11,35 Milliarden US-Dollar überschreiten.“ Aktuell stehe er bei 700 Millionen US-Dollar.

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NATO,Startup,Fonds
Startups im DefenseTech Bereich könnten einen Aufschwung erleben. (c) pexels

In Österreich unterliegen Rüstungsbetriebe strengen Export- und Herstellungskontrollen, primär geregelt durch das Kriegsmaterialgesetz und das Außenwirtschaftsgesetz. Um der Rüstungsindustrie die Arbeit zu erleichtern, will Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) die gesetzlichen Rahmenbedingungen nun lockern. Unsicherheiten sollten entfernt werden und Exporte schneller und einfacher über die Bühne gehen, so der Minister gestern gegenüber der „Zeit im Bild“ (ZIB) des ORF bei einem Besuch eines Rheinmetall-Werks in Wien. Die Finanzierung von Rüstungssaufträgen sei ein wesentliches Finanzierungsvehikel für heimische Industrie und Betriebe.

„Neutralität ist oberstes Gut“

Gleichzeitig sagte er, dass diese Schritte keinen Einfluss auf die Neutralität haben sollen. „Die Neutralität ist oberstes nationales Gut, das es zu schützen gilt. Wir dürfen aber durch die Neutralität nicht in eine Situation kommen, dass unsere Betriebe gewisse Aufträge nicht abarbeiten können.“

Ob sich die strikte Trennung von wirtschaftlichem Profit und militärischer Neutralität in Österreich in der Realität so aufrechterhalten lässt, wie es die Politik erhofft, bleibt angesichts der verankerten juristischen Hürden abzuwarten. Für die heimischen Startups und Unternehmen im Defense- oder auch Dual-Use-Bereich sind die geplanten Lockerungen jedenfalls eine Chance, sich auf dem europäischen Markt noch stärker zu etablieren.

Diskretion und Dual Use

Dass die Vereinbarkeit von wirtschaftlichem Potenzial und der Neutralität in Österreich nicht gerade einfach ist, wissen auch Founder:innen. Dem Thema DefenseTech wird in Österreich traditionell mit großer Diskretion begegnet. Kein Wunder, hat sich das Land schon vor 71 Jahren der Neutralität verpflichtet. Reine DefenseTech-Startups findet man hierzulande kaum, die meisten agieren im sogenannten „Dual Use“-Bereich. Das bedeutet, ihre Produkte lassen sich nicht ausschließlich im militärischen, sondern auch im zivilen Bereich einsetzen. Neben dem teils kritischen Ansehen der Industrie, gibt es weiters auch Strafen für Unternehmen, wenn deren Produkte für Kriegsparteien bereitgestellt werden.

3,3-Milliarden-Euro-Industrie

Trotz der strengen Auflagen leistet die Rüstungsindustrie in Österreich ihren wirtschaftlichen Beitrag: Laut Industriemagazin erwirtschaftet die Branche jährlich etwa 3,3 Milliarden Euro und damit 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und es haben sich in den letzten Jahren auch einige Startups im DefenseTech- oder verwandten Bereichen etabliert, die von den Lockerungen profitieren könnten. Viewpointsystem, CycloTech oder Drone Rescue Systems, um ein paar zu nennen – wohl gemerkt alle drei im genannten „Dual Use“-Segment.

Wie groß das Potenzial ist, das durch solche Lockerungen entfesselt werden kann, zeigt ein Blick über die Grenze. Im Nachbarland Deutschland boomt die DefenseTech-Branche. Erst gestern berichtete brutkasten über ein 1,6 Mrd. Euro schweres Investment in das Münchner KI-DefenseTech-Scaleup Helsing – der neue Deutschland-Rekord. Das Unternehmen für Drohnen und unbemannte Kampfflugzeuge wird nun mit 18 Mrd. US-Dollar bewertet. Zuvor holte der Münchner Drohnenhersteller Quantum Systems 1,2 Mrd. US-Dollar.

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