10.11.2022

Gratis bedeutet nicht umsonst: Warum wir kostenlose Bildungsinnovationen brauchen

Rosa Bergmann und Magdalena Zak bieten Kindern und Jugendlichen in der Vienna Hobby Lobby kostenlose Freizeitangebote. In ihrem Gastbeitrag für den brutkasten erklären sie, warum es mehr kostenlose Bildungsinnovationen braucht und warum gratis nicht gleich umsonst ist.
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Das Gründungsteam der Vienna Hobby Lobby mit Teilnehmer:innen (c) Florian Martys
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„Gehst du zuhause auch so mit deinen Sachen um?“ Die Frage, die viele Lehrkräfte ihren Schüler:innen stellen, wenn Tische bemalt, Bücher angekritzelt oder Kaugummis unter Sesseln kleben. Wo bleibt denn da die Wertschätzung?

Wenn Kinder und Jugendliche alles was gratis ist, doch ohnehin nicht schätzen, wozu sollte man ihnen mehr kostenlose Möglichkeiten bieten? Insbesondere im Bildungsbereich empfinden Kinder und Jugendliche doch alles als Last, sie nehmen kostenlose Workshops oder Angebote nicht ernst, sie können nicht erkennen, was dahintersteckt und was sie für sie bedeuten können. Gratis-Angebote bieten keinen Anreiz, es gibt kein Verpflichtungsgefühl – man bekommt es ja ohnehin, ohne sich anzustrengen.

Bildung ist ein Privileg

Vor 1-2 Jahren hätten wir hier an dieser Stelle vielleicht ein „Ok, Boomer.“ eingefügt und uns auf unsere Arbeit fokussiert. Angesichts einer Inflationsrate von 10 %, einer Energiekrise und 368.000 armutsgefährdeten Kindern in Österreich ist es vielleicht mal wieder Zeit, unsere Privilegien zu checken.

Bildung wird in Österreich nach wie vor vererbt. Die Chancenungerechtigkeit geht auch nachmittags, nach dem Läuten der Schulglocke weiter, denn sinnvolle Freizeitbeschäftigung ist ein Privileg in unserer Gesellschaft. Dass zu Bildung mehr als nur Englisch-Vokabel, Mathematik-Formeln oder Hauptstädte auswendig lernen gehört, sollte unumstritten sein – so lernen wir doch 70% unseres Wissens im informellen Kontext. Weiterbildung in der Freizeit – sei es die Klavierstunde oder ein Sportverein – ist jedoch kostspielig. Kinder, deren Eltern sie finanzieren können, bauen hier ihren akademischen Vorsprung und ihre Kompetenzen noch weiter aus.

Außerdem werden soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Resilienz häufig bei Teamsport im Verein oder Weiterbildungen in der Freizeit entwickelt. Wo bleibt aber all das für Kinder und Jugendliche, deren Eltern und Familien keine Kreativkurse oder Sportvereinsbeiträge bezahlen können?

Es ist wahnsinnig einfach aus einer finanziell privilegierten Position herauszusagen, es fehle der Jugend an Biss und man müsse sich für alles im Leben anstrengen, wenn sowohl Nachhilfe-Stunden, ein eigener Laptop für das Distance Learning und private Klavierstunden immer wie selbstverständlich bezahlt werden konnten.

Die subjektive Wahrnehmung von Anstrengung

Wofür müssen sich Kinder und Jugendliche denn dabei eigentlich anstrengen? Für ihr Recht auf Bildung, Unterstützung beim Lernen oder einen Ausgleich nach der Schule?

Kinder und Jugendliche aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien müssen sich ohnehin doppelt anstrengen: In ihrer Schullaufbahn wird ihnen nämlich häufig klar gemacht, dass sie zu den „Verlierer:innen“ gehören, dass ihre Zukunftsschancen eingeschränkt sind, dass Noten und Herkunft alles sind, was sie ausmacht. Diese Kinder und Jugendliche übernehmen zuhause oftmals viel Verantwortung, begleiten Termine, übersetzen, passen auf Geschwister auf – entwickeln „im Verborgenen“ Sozialkompetenzen, die nie honoriert werden.

Kostenlose Bildungsinnovationen haben die Aufgabe, die großartige Möglichkeit für diese Kinder Chancen zu ermöglichen und Zugänge zu schaffen – ohne ihnen einen Stempel aufzudrücken. Denn gerade die vergangenen beiden Pandemie-Jahre haben uns deutlich gezeigt, dass ganze Täler zwischen Lebensrealitäten liegen.

Beziehung zum Erfolg

Kostenlose Angebote für Kinder und Jugendliche – egal ob Mentoringprogramm, Fußball-Kurs oder Nachhilfeangebot – bedeuten nämlich keinesfalls weniger Ernsthaftigkeit und weniger Verpflichtungsgefühl – im Gegenteil. Kostenlose Angebote werden aus unserer Erfahrung – sogar mit besonders viel Dankbarkeit und Wertschätzung wahr- und aufgenommen.

Es geht nicht um Kinderbetreuung oder Beschäftigung, wenn TikTok gefühlt fertig durchgescrollt ist. Kinder und Jugendliche finden in diesen Angeboten neue Vorbilder und Bezugspersonen für die Kinder, die ihnen neue Perspektiven mitgeben, sie bestärken und ihnen auf Augenhöhe mit viel Wertschätzung begegnen.

Kaum eine erwachsene Person geht wirklich jede Woche zu der gebuchten Yoga-Stunde, weil sie so besonders teuer ist, sondern vielmehr wegen einem starken Community-Gefühl oder dem Wunsch, sich etwas Gutes zu tun. Ein Mitgliedsbeitrag schafft kein zusätzliches Verpflichtungsgefühl, er schafft für viele Druck und finanzielle Hürden. Beziehung, die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln oder sich willkommen zu fühlen, schafft Bindung und ersetzt, was ein Verpflichtungsgefühl sonst auslöst. Die kostenlosen Angebote regelmäßig wahrzunehmen, bedeutet in dem Zusammenhang Stabilität und Struktur für Kinder und Jugendliche, die sonst oftmals in ihrem Umfeld nicht gegeben sind. Wenn sonst alles schief läuft, können sie sich sicher sein, dass sie beispielsweise am Dienstag um 17:00 Uhr ihren Boxtrainer sehen, sich gemeinsam mit ihren Freunden auspowern und Erfolge sowie Weiterentwicklung erleben.

Diese Erfolgserlebnisse sind es, die Kinder und Jugendliche über sich hinauswachsen lassen – und dabei strengen sie sich mehr als genug an, es braucht keine zusätzlichen finanziellen Hürden.

Über die Vienna Hobby Lobby

Seit März 2019 bietet die Hobby Lobby kostenlose Kurse für Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien an, um ihnen ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, in dem sie ihr volles Potential entfalten können. Das Gründer:innen-Team erkannte während ihrer Zeit als Lehrkräfte im Quereinstieg den Bedarf für niederschwellige Freizeitangebote. Sieben Kursphasen mit über 180 verschiedenen Freizeitkursen wurden bisher an vier Wiener Standorten umgesetzt und dabei mehr als 2.500 kostenlose Plätze vergeben und über 150 ehrenamtliche Kursleiterinnen begleitet. Mit März 2022 hat die Hobby Lobby ihren ersten Standort in Innsbruck, Tirol eröffnet. Im Oktober 2022 starteten erstmals Kurse in Mödling, Niederösterreich.

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Mikko Hyppönen im Rahmen der TEDAI Vienna 2026. | © TEDAI Vienna / Robert Leslie

Mikko Hyppönen zählt seit drei Jahrzehnten zu den bekanntesten Stimmen der Cybersecurity-Szene. Seit Kurzem gilt sein Arbeitsalltag aber nicht mehr Viren und Hackern, sondern Drohnen: Der Finne ist Chief Research Officer beim Helsinkier Counter-Drone-Unternehmen Sensofusion, das militärische Drohnen aufspürt und abwehrt, unter anderem in der Ukraine und im Nahen Osten. Brutkasten hat Hyppönen am Rande der TEDAI Vienna 2026 in der Hofburg getroffen. Ein Gespräch über die Parallelen zwischen Malware und Kampfdrohnen, autonome Waffen, den „Black October“ der KI-Sicherheitslücken und die Frage, warum chinesische Open-Source-Modelle für Europa derzeit die privatere Wahl sind.


brutkasten: Sie gelten als einer der angesehensten Cybersecurity-Experten weltweit. Warum sind Sie in die Drohnenabwehr gewechselt?

Mikko Hyppönen: Die Antwort ist sehr einfach: Es herrscht Krieg in Europa. Ich habe mein ganzes Leben auf Cyber geschaut. Cyber hat sich von Teenagern, die zum Spaß Viren schreiben, zu organisierter Kriminalität, Cyberkrieg, Spionage und staatlichen Operationen entwickelt. Cyber spielt natürlich auch im Krieg eine Rolle, Russland hat der Ukraine schon dreimal mit Cyberangriffen den Strom abgedreht. Aber wenn man fragt, was den Ukraine-Krieg wirklich auszeichnet, dann ist es nicht Cyber, sondern es sind Drohnen. Ich habe es als meine Pflicht gesehen, die Fähigkeiten, die ich über drei Jahrzehnte im Cyber-Bereich gesammelt habe, in die Drohnenabwehr einzubringen.

Was lässt sich von der Cyberabwehr auf die Drohnenabwehr übertragen?

Es gibt viele Ähnlichkeiten, aber auch viele Unterschiede. In beiden Fällen versucht man, etwas zu entdecken, das nicht entdeckt werden will. Bei Cyberangriffen sammelt man ein Sample, analysiert es, baut eine Signatur, erstellt eine Datenbank und schickt die Updates an alle Nutzer weltweit. So funktionieren Antivirenprogramme. Bei Drohnen ist es dasselbe: Wir zeichnen den Funkverkehr militärischer Drohnen auf, dekodieren die Protokolle, bauen Erkennungssignaturen und schicken die Updates an alle Kunden, die unsere Hardware einsetzen.

Wir kaufen Panzer, was keinen Sinn ergibt, wenn künftige Kriege so aussehen wie in der Ukraine oder im Nahen Osten.

Bei Drohnen ohne Funkverbindung, etwa Glasfaserdrohnen mit einem Kabel zwischen Pilot und Drohne oder Drohnen, die autonom Koordinaten abfliegen und wie eine Rakete einschlagen, nutzen wir andere Sensoren: Kameras, Radar, Akustik. Und in beiden Welten gilt: Sobald der Gegner merkt, dass er erkannt wird, verändert er sich, und man steht wieder am Anfang. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel. Ich musste viel lernen, aber es gefällt mir. Übrigens gibt es noch eine Gemeinsamkeit zwischen altem und neuem Job: In beiden Fällen waren die meisten Gegner, gegen die ich gekämpft habe, Russen.

Wie funktioniert die Abwehr konkret?

Sobald wir wissen, wo die Drohne ist, können wir sie bekämpfen. Bei funkgesteuerten Drohnen stören wir das Signal: Wir kennen die Frequenzen und Protokolle und senden ein stärkeres Signal zwischen Pilot und Drohne. Das machen wir seit Jahren. Ist die Drohne nicht funkgesteuert, braucht es andere Lösungen. Wir forschen intensiv an elektromagnetischen Impulsen, also künstlichen Blitzen, die die Elektronik der Drohnen zerstören. Wir arbeiten an Lasern, an klassischen Geschützen mit unserer Zielerfassung, und wir haben eine eigene Drohnenfabrik in Containergröße, die kleine Abfangdrohnen baut. Die fliegen 380 Kilometer pro Stunde und treffen die großen gegnerischen Drohnen in der Luft.

„Das ist die Grenze, die wir nicht überschreiten sollten. Die Russen haben sie bereits überschritten.“

Gegen Jet-Drohnen funktioniert das nicht. Unsere Abfangdrohnen erreichen heute etwa zwei Kilometer Höhe, das reicht für Drohnen mit Verbrennungsmotor. Jets fliegen auf sieben Kilometern und verhalten sich eher wie Marschflugkörper. Die bekämpft man mit Raketen und Kampfjets. Aber das ist extrem asymmetrisch: Drohnen sind billig, und man kann es sich nicht leisten, sie dauerhaft mit teuren Raketen abzuschießen. Wir brauchen neue Lösungen, und daran denken wir gerade.

Es heißt oft, die Ukraine sei zu Innovation gezwungen und die NATO-Staaten könnten von ihr lernen. Stimmt das?

Absolut. Wir haben ein Büro in Kiew, unsere Leute aus Helsinki sind ständig vor Ort und testen mit verschiedenen Teilen der ukrainischen Streitkräfte. Dieser Krieg ist anders als alles, was wir bisher gesehen haben. 70 bis 80 Prozent der Verluste gehen auf Drohnen zurück. Wenn das stimmt, müsste man meinen, dass auch 80 Prozent der Verteidigungsausgaben in die Drohnenabwehr fließen. Tatsächlich ist es wohl eher ein Prozent. Weltweit denken wir noch in den Kategorien des alten Krieges. Wir kaufen Panzer, was keinen Sinn ergibt, wenn künftige Kriege so aussehen wie in der Ukraine oder im Nahen Osten.

Welche Szenarien kommen auf uns zu?

Wir können vor allem bei den Russen erwarten, dass sie immer stärker auf vollständig autonome Waffen setzen, die die Entscheidung zu töten selbst treffen. Das ist die Grenze, die wir nicht überschreiten sollten. Die ukrainischen Soldaten, mit denen ich spreche, sagen mir, dass sie diese Grenze nicht überschreiten werden, sie wollen immer einen Menschen in der Entscheidung behalten. Die Russen haben sie bereits überschritten. Sie haben Zugang zu westlichen Chips, auch von Nvidia, haben sie in Langstreckendrohnen verbaut und damit Menschen getötet, ohne dass ein Mensch beteiligt war. Die New York Times hat vor zwei Monaten die Hardware auseinandergenommen und den Code dekodiert. Diese Drohnen haben Zivilisten getötet.

Worin liegt der Vorteil einer autonomen Drohne?

Das ist aus Sicht des Angreifers klar. Der Schwachpunkt jeder Drohne ist die Verbindung zwischen Pilot und Drohne. Funk kann man stören, ein Glasfaserkabel kann man durchtrennen. Also nimmt man die Verbindung weg, und damit den Piloten. Dann gibt es nichts mehr, das man unterbrechen kann. Logisch betrachtet ergibt der Schritt zu autonomen Waffen Sinn. Aber ich glaube, alle Menschen würden zustimmen, dass es eine schlechte Idee ist, Killerroboter zu bauen. Genau das sind sie: Maschinen, deren Zweck es ist, Menschen zu töten, und die diese Entscheidung selbst treffen.

Bisher haben wir das nur bei Flugdrohnen gesehen. Stellen Sie sich tausend Bodendrohnen vor, die über die Grenze kommen und nach Menschen suchen. Das wäre das Albtraumszenario, und die Technologie dafür existiert heute. Es will sie nur niemand bauen, und wir hoffen, dass das so lange wie möglich so bleibt. Ich muss betonen: Wir bauen ausschließlich Systeme zur Abwehr. Wir haben keine Drohnen, die Menschen töten. Wir töten Drohnen, nicht Menschen. Wir schützen Menschen, das ist unsere Mission.

Auf der TEDAI-Bühne sprechen Sie über KI und Cybersecurity. Was ist Ihre Botschaft?

Das erste Mal habe ich 1983 über künstliche Intelligenz gelesen, da war ich 13. Ich habe mein ganzes Leben auf die Systeme gewartet, die wir heute haben. Wie bei jeder technologischen Revolution bekommen wir große Vorteile und große Probleme. In der Cybersecurity ist die Lage gerade richtig schlecht. Wir nennen diesen Monat den „Black October“, weil die Zahl der entdeckten Sicherheitslücken in den letzten 30 Tagen explodiert ist. Gefunden werden sie von den Frontier-AI-Labs, Menschen kommen da nicht mehr mit. Und es sind nicht nur Kriminelle, die KI für Angriffe nutzen. Es gibt Dutzende Fälle, in denen KI-Systeme selbst ausgebrochen sind, viel mehr, als öffentlich bekannt ist.

„China ist im Moment überraschenderweise privater als die amerikanischen Optionen.“

Meine Botschaft ist: Programmieren verändert sich. Der Grund, warum Ihr Windows oder Mac gehackt werden kann, ist, dass ein Mensch den Code geschrieben hat. Menschen machen Fehler, Fehler im Code werden zu Bugs, Bugs in vernetzten Systemen zu Sicherheitslücken. Die Lösung ist offensichtlich: Man nimmt den Menschen raus. Genau das passiert gerade. Künftig wird aller Code von Maschinen geschrieben, und Maschinen werden viel schneller besser als menschliche Programmierer. Irgendwann haben wir fehlerfreien Code, und es gibt keine Schwachstellen mehr, die Angreifer ausnutzen können. Bis dahin wird es aber eine sehr holprige Fahrt.

Wie hat sich das Verhältnis zwischen Angreifern und Verteidigern im KI-Zeitalter verschoben?

Die Reaktionszeit ist verschwunden. Früher hatte der Verteidiger Zeit: Eine Schwachstelle wurde gemeldet, man konnte einen Fix entwickeln und die Systeme patchen. Dieses Fenster ist inzwischen so klein, dass es keine Rolle mehr spielt.

Europa hat keinen Zugang zu den besten Modellen. Was bedeutet das geopolitisch?

Als Europäer ist die Lage ziemlich traurig. Es wird diskutiert, ob man die KI-Forschung wegen der Risiken bremsen sollte. Die USA bremsen, China überlegt. Europa muss nicht bremsen, weil wir gar keine Frontier-Labs haben. Der einzige echte Lichtblick sind Open-Source-Frontier-Modelle. Die können wir lokal betreiben, ohne Erlaubnis von irgendjemandem, auf unseren eigenen Systemen. Kritische Daten müssen wir nicht nach Kalifornien schicken. Ironischerweise bekommen wir mehr Privatsphäre und Sicherheit von offenen Systemen, und alle offenen Systeme sind chinesisch. Modelle wie GLM oder Kimi kann man vom Internet trennen und den Code prüfen. Selbst wenn irgendwo eine Hintertür versteckt wäre, könnte sie keine Daten abziehen. Mit Claude, Gemini, GPT oder Grok geht das nicht, die müssen online sein, und die Daten gehen in die USA. China ist im Moment überraschenderweise privater als die amerikanischen Optionen.

Hat Europa das KI-Rennen verloren?

Wir können hoffen, aber ich sehe wenige Anzeichen dafür. Interessant ist allerdings, dass ein großer Teil des Trainings und der Inferenz in Europa stattfindet, weil hier so viele Rechenzentren gebaut werden, vor allem in Nordeuropa mit billigem Strom und kaltem Klima. Google baut riesige Rechenzentren in Finnland, Nebius hat sein größtes Rechenzentrum in Mäntsälä. Ein Teil der KI-Revolution passiert also in Europa. Leider ist es der Billiglohn-Teil der Wertschöpfungskette. Aber immerhin etwas.

Haben Sie als 13-Jähriger eine Zukunft wie diese erwartet?

Ich habe darauf gehofft. Es hat viel länger gedauert, als ich dachte, alle haben schon vor 20 Jahren auf solche Systeme gewartet. Diese Revolution baut auf der Internet-Revolution auf: Vor dem Internet war alles Wissen auf Papier. Heute ist alles Daten, und wir haben auch das alte Wissen digitalisiert, Bücher, Filme, Radio, mit dem die Modelle jetzt lernen. Wir leben in aufregenden Zeiten. Aufregend und beängstigend zugleich, genau so, wie ich es mag.

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