Wie Grape-CEO Felix Häusler am heutigen 22. November mitteilte, beantragte der Messaging-Dienst für Unternehmenskommunikation Insolvenz beim Wiener Handelsgericht. Für das Team bedeutet dies das Ende einer Reise, die 2013 begann, aber nicht zwangsweise für die Marke, wie der Gründer weiter ausführt. Er hofft darauf, dass das Produkt einen anderen Platz findet.
Umsatz 2020 verdoppelt, aber…
„Auch wenn wir in 2020 unseren Umsatz verdoppeln konnten, wurde für uns allmählich klar, dass sich der Markt zu stark während Covid, Stichwort Microsoft und andere Mitbewerber, verändert hatte“ so Häusler per Blogeintrag. „Deshalb begaben wir uns auf die Suche nach einem strategischen Exit und wurden dieses Jahr fündig. Mit diesem Deal hätten wir unser Team verdoppelt, ein neues großes Investment von Bestandsinvestoren bekommen und unser Produkt um Telefoniefunktionen erweitert. Aber aufgrund von bestimmten externen Faktoren konnte die Transaktion nicht durchgeführt werden.“
Da der langfristige Fortbestand der UberGrape GmbH unter den derzeitigen Umständen nicht mehr gewährleistet war, musste das Grape-Team schlussendlich die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragen. Die Folge war, dass das Startup keine Finanzierungen oder strategische Exits mehr erhalten konnte. (Anm.: Häusler hat nach einer kurzfristigen Anfrage um Verständnis gebeten, sich nicht näher zu Umständen zu äußern, da man sich mitten im Prozess der Insolvenz befinde).
Bedeutung für Kunden
Für die rund 500.000 User der Software möchte sich das Unternehmen bemühen, den Betrieb in Absprache mit dem Insolvenzverwalter aufrechtzuerhalten. Konkret: „Für On-Premises Nutzer ändert sich vorerst nichts. Diese können das Produkt weiter betreiben und etwaigen Support von Partnern oder Ex-Grape-Mitarbeitern einkaufen. Sobald wir uns mit dem Gerichtskommissär verständigt haben, gibt es hier vielleicht eine direktere Lösung“, heißt es seitens des Unternehmens.
Für Cloud-Kunden ist vorerst nicht geklärt, wie lange Häusler das Produkt am Laufen halten kann, da dies ebenfalls vom Gerichtskommissär entschieden werden muss. Genaueres würde innerhalb der nächsten Wochen kommuniziert werden.
Grape: Über acht Jahre an europäischer Messanger Lösung gearbeitet
„Mir tut es ausgesprochen leid, dass wir nach so langer harter Arbeit kein Happy End für Kunden, Gesellschafter und unsere zahlreichen Unterstützer schaffen konnten. Ich habe fast eine Dekade an der Realisierung einer europäischen Messenger-Lösung gearbeitet und bin immer noch geschockt, dass wir innerhalb kürzester Zeit von Exit zu Exodus gewechselt sind“, so Häusler weiter. „Ich werde mich in den nächsten Wochen um Klarheit und, sofern möglich, um eine nachhaltige Lösung bemühen.“
Vom Labor zum Markt: Warum Innovation erst in der Produktion Realität wird
Österreich verfügt über starke Forschung, innovative Life-Science-Unternehmen und Top-Talente. Doch zwischen Wissenschaft und erfolgreicher Versorgung liegt ein entscheidender Schritt, der oft unterschätzt wird: die industrielle Umsetzung.
Vom Labor zum Markt: Warum Innovation erst in der Produktion Realität wird
Österreich verfügt über starke Forschung, innovative Life-Science-Unternehmen und Top-Talente. Doch zwischen Wissenschaft und erfolgreicher Versorgung liegt ein entscheidender Schritt, der oft unterschätzt wird: die industrielle Umsetzung.
Christoph Reinwald, General Manager des Pharma-Startups Complex Pharmaceuticals |
Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 Aufbrechen erschienen.
Wenn über Innovation gesprochen wird, stehen meist Forschung, neue Technologien oder bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse im Mittelpunkt. Gerade im Life-Science-Bereich sind es häufig neue Wirkstoffe, innovative Therapieansätze oder vielversprechende Biotech-Unternehmen, die Aufmerksamkeit erzeugen. Der eigentliche Härtetest beginnt aber oft erst dann, wenn aus einer wissenschaftlichen Idee ein marktfähiges Produkt werden soll.
„Zwischen Forschung und erfolgreicher Versorgung liegt die industrielle Umsetzung – eine hochkomplexe Phase“, gibt Christoph Reinwald zu bedenken. Er ist General Manager von Complex Pharmaceuticals, einem österreichischen Pharma-Startup, das mit neuen Ansätzen zur Versorgungssicherheit und Stärkung des Wirtschaftsstandorts Europa beitragen will.
Die unterschätzte Seite der Innovation
Dabei geht es um weit mehr als Produktion im klassischen Sinn: Verpackung, Serialisierung, Dokumentation, Qualitätssicherung, regulatorische Anforderungen, Lagerung und Distribution bilden gemeinsam jene Infrastruktur, die Innovation überhaupt erst für Patient:innen verfügbar macht.
Genau an diesem Punkt stehen viele europäische Life-Science-Unternehmen vor einer zentralen Herausforderung: „Forschungskompetenz ist vorhanden, technologische Ideen ebenfalls. Doch wenn es um flexible Produktions- und Verpackungskapazitäten geht, fehlen oft geeignete Strukturen“, weiß Reinwald aus eigener Erfahrung. Der Biotechnologe mit Spezialisierung auf Qualitäts- und Risikomanagement beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den regulatorischen und industriellen Anforderungen der Pharmabranche. In leitenden Funktionen verantwortete er Entwicklungs-, Produktions- und Qualitätsprozesse entlang der pharmazeutischen Wertschöpfungskette. Als Qualified Person gemäß EU-GMP-Richtlinie kennt er die Herausforderungen, die zwischen wissenschaftlicher Innovation und industrieller Umsetzung liegen, aus erster Hand.
Während viele industrielle Systeme auf große Produktionsmengen ausgelegt wurden, verändert sich die Branche zunehmend. Spezialisierte Therapien und Produkte, kleinere Chargengrößen und klinische Studien erfordern neue Produktionslogiken. „Gefragt sind heute Produktionssysteme, die schnell skalieren können, kurze Umrüstzeiten ermöglichen und unterschiedlichste Anforderungen des Marktes wirtschaftlich abbilden“, so Reinwald.
Infrastruktur als Innovationsmotor
Genau hier setzt er mit seinem Unternehmen Complex Pharmaceuticals an. In Traiskirchen, südlich von Wien, wird derzeit ein hochmodernes Produktions- und Verpackungszentrum für die pharmazeutische Industrie aufgebaut. Ziel ist es, flexible Kapazitäten für unterschiedliche Marktanforderungen bereitzustellen – von Klein- und Kleinstchargen bis hin zu kommerziellen Produktionsvolumina. Dabei versteht sich das Unternehmen nicht nur als Produktionsdienstleister, sondern als Teil eines größeren Ökosystems.
Denn die beste wissenschaftliche Idee bleibt wirkungslos, wenn sie nicht effizient produziert, verpackt und verteilt werden kann. Wettbewerbsfähigkeit entsteht heute entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Forschung bis zur Auslieferung. Daher braucht erfolgreiche Innovation laut Reinwald die richtige Infrastruktur.
Aus diesem Grund investiert Complex Pharmaceuticals bereits vor dem Produktionsstart Anfang 2027 in den weiteren Ausbau seines Standorts. Die Gesamtfläche wurde auf 15.200 Quadratmeter erweitert und damit beinahe verdoppelt. Neben den bereits vorhandenen Produktionskapazitäten bilden zusätzliche Lagerflächen sowie Infrastruktur für zukünftige Projekte die Grundlage für umfassende pharmazeutische Services.
Die Investition folgt dabei der Überzeugung, dass Europa nicht nur Forschungsexzellenz braucht, sondern auch die Fähigkeit, Innovationen industriell umzusetzen. Gerade Österreich bietet laut Reinwald dafür ideale Voraussetzungen: Universitäten, Forschungszentren, Startups und etablierte Industrieunternehmen bilden ein starkes Netzwerk. Werden diese Kompetenzen durch moderne Produktionsstrukturen ergänzt, entsteht ein Umfeld, in dem Innovation nicht nur gedeihen, sondern auch erfolgreich skaliert werden kann.
Für den Standort Traiskirchen bedeutet das eine langfristige Perspektive: Bis 2028 entstehen mehr als 60 neue Arbeitsplätze, gleichzeitig wird in Automatisierung, Digitalisierung und eine nachhaltige Gebäudetechnik investiert.
Von Science zu Business
Die eigentliche Bedeutung solcher Projekte reicht jedoch weit über einen einzelnen Standort hinaus. Sie zeigen, dass erfolgreiche Innovation nicht nur durch Forschung entsteht; sie entsteht dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse, unternehmerischer Mut und industrielle Umsetzung zusammenkommen. Oder anders gesagt: Der Weg von Science zu Business führt nicht nur durch das Labor, sondern auch durch die Fabrik.
Infobox: Complex Pharmaceuticals ist ein 2024 gegründetes Pharmaunternehmen mit Sitz in Wien und einem Produktions- und Verpackungszentrum in Traiskirchen. Mit seinem Fokus auf hochflexible Sekundärverpackung können unterschiedlichste Chargengrößen effizient und exakt hergestellt werden. So trägt das Unternehmen zur Versorgungssicherheit und Stärkung des Produktionsstandorts Europa bei. www.complex-pharma.com
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