19.03.2024
FINANZIERUNGSRUNDE

goUrban: Wiener Mobility-Startup holt nach Sanierung 3 Millionen Euro Investment

Das Wiener Mobility-Startup goUrban konnte eine Finanzierungsrunde in Höhe von drei Millionen Euro abschließen. Erst im Sommer 2023 wurde bekannt, dass das Startup eine Sanierung mit Eigenverantwortung beantragen musste.
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Bojan Jukić | (c) GoUrban

Erst Ende Juni 2022 gab das Wiener Mobility-Startup goUrban, das ein Betriebssystem für Shared Mobility entwickelt hat, den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Millionenhöhe bekannt und verfolgte damit ambitionierte Pläne: Mit den frischen Finanzmittel sollte das Team verdreifacht und die weitere Marktexpansion forciert werden. 

Zum Zeitpunkt der letzten Finanzierungsrunde war goUrban laut eigenen Angaben in über 100 Städten vertreten und vernetzte ingesamt 30.000 Fahrzeuge (brutkasten berichtete). Als Investoren beteiligten sich unter anderem namhafte Kapitalgeber wie Elevator Ventures, Uniqa Ventures und der aws Gründerfonds.

goUrban rutschte in Zahlungsschwierigkeiten

Im August 2023 kam dann die überraschende Meldung, dass goUrban in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist. Laut dem Alpenländischen Kreditorenverband (akv) beliefen sich damals die Aktiva auf rund 1,24 Millionen Euro und die Passiva auf 4,39 Millionen Euro. Insgesamt waren rund 108 Gläubiger und 28 Dienstnehmer:innen betroffen.

Für die Zahlungsschwierigkeiten machte das Unternehmen die „schwierigen Marktbedingungen“ für den Shared-Mobility-Bereich verantwortlich. Infolgedessen musste ein Standort in Novi Sad (Serbien) geschlossen werden.

Sanierung, Neuausrichtung und Investment

Um aus der Krise herauszukommen, beantragte GoUrban eine Sanierung unter Eigenverwaltung. Im Zuge dessen kündigte das Unternehmen auch eine Neuausrichtung an. Unter anderem sollten Kunden künftig in der Digitalisierung und im Emissionsmanagement ihrer Flotten unterstützt werden, wie Gründer Bojan Jukić, Gründer und Geschäftsführer, in einem brutkaten-Interview Ende August 2023 erläuterte.

„Die Firma wird dabei in dem Sanierungszeitraum ganz normal fortgeführt. Das Ziel der Sanierung mit Eigenverwaltung ist es ein profitables Unternehmen zu bilden – und selbstverständlich die bestehenden Gläubiger so gut wie möglich zu bedienen“, so Jukić damals.

Die Sanierung dürfte nun vorerst geglückt sein. Wie am Montag das Portal ZAG Daily berichtete, konnte das Unternehmen eine Finanzierungsrunde in Höhe von drei Millionen Euro abschließen. Laut dem Portal haben sich an der Finanzierung „bestehende Investoren“ von goUrban beteiligt. Nähere Hintergrüne sind allerdings nicht bekannt. Allerdings bestätigte Elevator Ventures auf LinkedIn, an der Runde beteiligt zu sein. Darüber hinaus heißt im Bericht ZAG Daily lediglich, dass goUrban einen „langfristigen Auftrag“ eines Kunden aus der DACH-Region unterzeichnen konnte, um seinen Firmenparkplatz zu digitalisieren.

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(v. l.) AT-Styria-Vorsitzender Herbert Ritter, BrightFlare-CEO Markus Seme, GMAR-Präsidentin Ulrike Haslauer, DCCS-Geschäftsführer Thomas Edlinger, Joanneum Research-Geschäftsführer Heinz Mayer und AT Styria-Geschäftsführer Helmut Röck © Lukas Elsneg

Der Cluster AT Styria (Plattform Automatisierungstechnik Steiermark), ein branchenübergreifendes Netzwerk von 120 Unternehmen, die in der Automatisierungstechnik tätig sind, hat bei den „European Robotics and Automation Talks“ in Graz seinen Plan für eine Robotik-Testregion vorgestellt. Dort soll die nächste Robotergeneration unter realen Produktionsbedingungen bis zur industriellen Einsatzreife entwickelt werden.

Ziel: Industrielle Einsatzreife

Mit an Bord sind unter anderem Joanneum Research, TU Graz, FH Campus 02, Magna Steyr, der KI-Softwareanbieter DCCS und der Security-Spezialist BrightFlare. Über die „Area Süd“ werden Kärntner Partner eingebunden. Dazu kommen das slowenische Netzwerk SRIP Factories of the Future, das italienische DITEDI, mit dem im Juli 2026 ein Memorandum of Understanding unterzeichnet wurde, sowie Bayern Innovativ.

Aus Sicht von AT-Styria-Vorsitzendem Herbert Ritter, der auch Vizepräsident der WKO Steiermark ist, wird KI-gestützte Robotik zur zentralen Standortfrage. „Wir wollen Kooperationen erzeugen, als Enabler wirken und dafür sorgen, dass neue Technologien schneller in den Betrieben ankommen“, sagt er.

18 Millionen Euro aus Horizon Europe

Das Konsortium bewirbt sich um das einzige europaweite Leitprojekt, das Horizon Europe für die industrielle Integration KI-gestützter Robotik vorsieht. Horizon Europe ist das Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union und läuft von 2021 bis 2027. Mit einem Budget von rund 95 Milliarden Euro ist es eines der größten Förderprogramme dieser Art weltweit. Gefördert werden Projekte, in denen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus mehreren Ländern zusammenarbeiten.

Die Ausschreibung öffnet im November 2026, dafür stehen rund 18 Millionen Euro bereit. Der Antrag soll im Frühjahr 2027 eingereicht werden, die Förderentscheidung fällt im Sommer. Bei einer Zusage könnte das Projekt 2028 starten.

Drei Pilotprojekte als Rückgrat

Geplant sind drei industrielle Pilotprojekte. Im ersten arbeiten humanoide Roboter an mehreren Arbeitsplätzen einer Fertigung, bedienen Maschinen und wechseln Werkstücke. Der zweite Pilot widmet sich der innerbetrieblichen Logistik mit autonomen mobilen Robotern. Im dritten übernehmen KI-Systeme Aufgaben in Qualitätskontrolle, Inspektion und Instandhaltung.

Heinz Mayer, Geschäftsführer von Joanneum Research, erklärt das Ziel: „Jeder Pilot setzt bei einem konkreten Engpass im Betrieb an. Am Ende steht eine klare wirtschaftliche und technische Bilanz: Welche Taktzeit erreicht das System, wie zuverlässig arbeitet es, welchen Integrationsaufwand verursacht es und wann rechnet sich die Investition? Genau diese Antworten brauchen Unternehmen, bevor sie eine neue Technologie in größerem Maßstab einsetzen.“

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