16.06.2015

Google für den Bau: Startup „Building Radar“ gewinnt 100.000 US-Dollar

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© Building Radar: Das Gründerteam: Leopold Neuerburg, Paul Indinger und Artem Ostankov.

„Building Radar„, jenes Startup, das Bauvorhaben noch vor Start erkennt, hat es beim gestrigen World Founder Forum in Stockholm unter die Top 10 des Förderprogramms 2016 geschafft. Außerdem bekommt es 100.000 US-Dollar Fördergeld und nimmt ab sofort ein Jahr lang am „8D Company Building Program“ von Founder.org teil. Hinter dem Förderprogramm steht übrigens ein großer Name: Silicon-Valley-Investor Michael Baum. Der Serial Entrepreneur ist mit der Software-Firma Splunk zu Geld gekommen.

DerBrutkasten hatte erst vor Kurzem die Möglichkeit mit Leopold Neuerburg, einem der Building Radar Gründer über ihre Idee und die Vision zu sprechen. Zusammen mit Paul Indinger und Artem Ostankov wurde Building Radar ins Leben gerufen.

Die Jungs von Building Radar haben eine globale Online-Datenbank für neue Bauprojekte entwickelt. Die Datenrecherche erfolgt mittels satellitengestützter Suchalgorithmen, Machine Learning und Data Mining. Sie ermöglichen Bauvorhaben Wochen oder sogar Monate früher als Wettbewerber zu entdecken, sowie Informationen wie Bauphase oder Gebäudegröße durch Live-Satelliten-Bildverarbeitung zu verifizieren. Auf diese Weise können auch weltweite Bauvorhaben recherchiert werden. Das ist vor allem für jene Firmen wichtig, die mit dem Neubau oder der Instandhaltung von Gebäuden zu tun haben (Baustoffe, Büroeinrichtung, Reinigung etc.). Denn, würden sie gleich zu Beginn eines großen Bauvorhabens von diesem erfahren, könnten sie ihre Produkte gezielt dorthin verkaufen.

Leopold, Euer Elevator Pitch: Was macht ihr und welches Problem löst ihr damit? 

Building Radar ist deine Satelliten-unterstütze Suchmaschine für neue Bauvorhaben und Gebäude weltweit. Täglich entdeckt, analysiert und verbessert unser cloud-basierte Big Data Lösung neue Bauprojekte. Unsere Technologie ermöglicht Kostensenkung von bis zu 79%, im Vergleich zu herkömmlichen Methoden. Unsere Kunden sind Weltmarktführer wie Viessmann oder Vitra. Diese müssen frühstmöglich wissen wann, wo, was, von wem gebaut wird um Ihre Produkt gezielt dorthin zu verkaufen. Der jährliche Umsatz für Bauprojekt-Leads beträgt 72 Milliarden Euro. Das Gründerteam besteht aus LSE, Cambridge, CDTM und TUM Alumni.

Im Gegensatz zu Wettbewerbern sind wir nicht auf menschliche Arbeitskraft für unsere Daten-Recherche angewiesen. Stattdessen haben wir einen satellitengestützten Suchalgorithmus entwickelt. Dieser entdeckt, analysiert und verbessert neue Bauvorhaben für unsere Datenbank. Satellitenbilder helfen uns, die aktuelle Bauphase von Bauprojekten zu überprüfen, Informationen über den Gebäudegrundriss abzuleiten oder auch demographische Faktoren und geographischen Layouts zu erkennen.

Dieser Technologie-Ansatz hat drei wesentliche Vorteile: Erstens sind unsere Daten immer auf dem neuesten Stand, dank 24/7 globaler Echtzeit-Analyse unseres Algorithmus. Zweitens, liefern wir unseren Kunden nicht nur Bauprojekt-Leads, sondern sind auch in der Lage, den aktuellen Status zu verifizieren. Bauprojekte entwickeln sich selten wie geplant (z.B. Verzögerung im Bau). Satelliten-Technologie ermöglicht es uns, diese Änderungen sofort zu erkennen und somit nicht auf öffentlich verfügbare Daten angewiesen zu sein. Dies ist essentiell, weil jedes Produkt / Dienstleistung in einer anderen Bauphase an ein Bauvorhaben verkauft wird (bspw. Planungsservice zu Beginn vs. Büromöbel nach Fertigstellung). Und zu guter Letzt nutzen wir Technologien zur Datenrecherche, mit denen wir wesentlich kosteneffizienter operieren können, als unsere Wettbewerber.

Wie verdient ihr Geld? 

Kunden zahlen eine monatliche Nutzungsgebühr um auf unsere Datenbank mit hunderten von tausenden Bauprojekten zugreifen zu können.

Wie kam es zur Idee und zum Gründerteam? 

Über 2 Jahre suchte Paul Indinger auf verschiedenen Architekten Webseiten nach neuen Bauprojekt Vorhaben um diese als Sales Leads an Interface Inc. zu verkaufen. Unterstützt wurde er hierbei von bis zu 8 Mitarbeitern in China. Die Tätigkeit half Paul sein Studium zu finanzieren.

Während seines Master Studiums an der London School of Economics (LSE) traf er dann auf mich und wir tauschten uns über seine Unternehmung aus. Als Paul erklärte wie aufwändig der Suchprozess nach neuen Bauvorhaben sei, begannen wir nach klügeren, technologie-basierten Lösungen zu brainstormen. Ich hatte davor schon Arbeitserfahrung bei der Suchmachine Google Inc. gewonnen und hatte dann folgende Idee: warum nicht einen Suchalgorithmus ähnlich wie Google entwicken, aber eben spezialisiert auf Bau-Projekte?

Nach einem Jahr des Experimentierens mit einem Team von Suchalgorithmus, Satelliten, und Big Data Experten wie Artem Ostankov, gelang dem Team schließlich der Durchbruch: durch die Kombination von semantischen Suchmethoden mit Data-Mining, Machine Learning, und Satelliten-Technologien, gelang es ihrer entwickelten Technologie automatisch neue Bauprojekt zu erkennen, und das ohne menschliches zutun. Ein neues Unternehmen war geboren: Building Radar!

Die Vorteile dieser Technologie waren für das gesamte Team sofort klar. Im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten, wird kein menschliche Arbeitskraft benötigt, sondern ein einzigartiger Suchalgorithmus zur Gebäude Recherche genutzt. Dies ermöglicht: Bauvorhaben Wochen, teilweise Monate früher als Wettbewerber zu entdecken, sowie Informationen wie Bauphase oder Gebäudegröße durch Live-Satelliten-Bildverarbeitung zu verifizieren und effizienter weltweite Bauvorhaben zu recherchieren.

Habt ihr bereits Finanzierung? Wie seid ihr an die Investoren-Suche heran gegangen, Cold Calling oder übers Netzwerk? 

Viessmann Ventures investierte zusammen mit zwei erfahrenen und erfolgreichen Entrepreneurs. Bei den Investoren war uns vor allem der strategische Fit wichtig. Die Investoren haben wir über unser eigenes Netzwerk angesprochen.

Eure bisherigen Learnings? 

Selbstständigkeit ist wie eine Achterbahn. An manchen Tagen läuft es super, an anderen super schlecht! Daher gilt: Durchhaltevermögen beweisen, jede Situation analysieren und aus ihr lernen!

Die Vision: Was sind eure nächsten Ziele?

Die Vision von Building Radar ist irgendwann über jedes Gebäude und Bauvorhaben auf der ganzen Welt im Detail bescheid zu wissen.

Danke. 

product screenshot_building radarSiehe auch diesen Beitrag zu Building Radar

 

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Innox-Gründer Hans Sailer. (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Wer Innovationsmanagement hört, denkt an Methoden, an Design Thinking, Scouting, Stage Gates. Hans Sailer nennt etwas anderes zuerst: Empathie. Ohne Draht in die Fachabteilungen und in den Vorstand komme man nicht weit, weil dort das Wissen liege. Sailer hat mit Innox ein Netzwerk aufgebaut, in dem sich Innovationsmanager:innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz austauschen, und dabei beobachtet, wie sich ihre Rolle laufend verändert hat: von Ideenmanagement über Open Innovation bis zum Corporate Venturing.


brutkasten: Was war der ausschlaggebende Grund, Innox zu gründen? Gab es eine Vision oder hat sich das organisch entwickelt?

Hans Sailer: Es hat keine Vision gegeben. Am Anfang war einfach ein Treffen von fünf Firmen, die sich austauschen wollten. Dabei waren A1, Magna, Siemens, Erste Bank und der ÖAMTC. Wir sind von einer Firma zur anderen gefahren und haben uns zum Beispiel angehört: Wie macht Siemens Innovation, welche weltweiten Ideen-Wettbewerbe gab es, was waren die Learnings? Mich hat das persönlich immer interessiert, ich hatte damals kein Geschäftsinteresse. Aus diesen fünf Firmen hat dann jeder gesagt: „Du, ich kenne da noch einen, kann die oder der mitgehen?“ So ist das über die Jahre gewachsen. Ich habe das fast zehn Jahre ohne Geschäftshintergrund gemacht, das war privates Vergnügen. Wir haben sogar eine Reise nach Hamburg gemacht und das Airbus Innovation Lab besucht.

Wann kam der Schritt in die Selbstständigkeit?

Irgendwann hat Casinos Austria gesagt: „Warum machst du dich nicht selbstständig?“ Da habe ich mir gedacht: Jetzt bin ich fünfzig. Wenn ich es jetzt nicht mache, dann mache ich es nie. Also habe ich gekündigt und mich selbstständig gemacht. Und dann ist es richtig losgegangen, weil ich gesehen habe, was passiert, wenn du deine ganze Energie konzentriert in eine Sache legst. Gleichzeitig kam die Pandemie. Ich habe geschaut: Was kann ich einem Innovationsmanager jetzt liefern, was er gut brauchen kann? Wir haben digitale Austausch-Treffen organisiert, bei denen Firmen erzählt haben, welche Plattformen sie verwenden. Und ich habe gesehen: Online erreichst du viel mehr Leute. Da ist es auch in Deutschland losgegangen. Die deutschen Firmen tauschen sich genauso gerne aus wie die Österreicher und die Schweizer.

Was braucht ein guter Innovationsmanager, eine gute Innovationsmanagerin?

Das Wichtigste ist Empathie. Weil er oder sie Zugänge ins ganze Unternehmen braucht, ob zum Vorstand oder in eine Fachabteilung. Wenn man diesen Draht nicht aufbauen kann, wird es ganz schwierig, denn das Know-how liegt in den Fachabteilungen. Eine große Unterscheidung, die man machen muss: Bin ich Innovator:in oder bin ich Innovation Facilitator:in? Das war am Anfang oft stark verschwommen. Die Rolle der Innovationsmanager:innen hat sich seither laufend geändert und ändert sich gerade wieder extrem stark.

Inwiefern?

Als ich angefangen habe, gab es die ganzen Venturing-Bestrebungen noch gar nicht. Venturing ist in großen Firmen in der M&A-Abteilung passiert. Damals ging es in Corporates eher um Ideenmanagement-Plattformen und das Nutzen der internen Intelligenz, bald kam Open Innovation mit allen externen Stakeholdern, dann ist Design Thinking aufgekommen und ein verbessertes Trend- und Foresight-Management. Ab etwa 2015 kam das Venturing dazu, und plötzlich musstest du wissen: Wie kooperiere ich mit einem Startup? Wie bewerte ich ein Startup? Dieses Know-how hat ein Innovationsmanager vorher nie gebraucht. Das war auch für Corporates keine leichte Aufgabe, da ist viel Geld für diese Learnings ausgegeben worden.

Hans und Karin Sailer von Innox im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur Martin Pacher. (c) brutkasten / Haris Dervisevic

In dem Zusammenhang fällt oft der Begriff „Innovationstheater“.

Da muss man vorsichtig sein. Natürlich kann man Sichtbarkeit überbetonen, dann ist es Theater. Aber wenn ich nicht sichtbar mache, was meine Innovationsabteilung leistet, werde ich nicht wahrgenommen, und dann arbeiten die Abteilungen auch nicht gerne mit mir. Das ist ein feiner Grat. Wir haben oft erlebt, dass die Sichtbarkeit über externe Medien größer war als intern: Ohne Artikel in einer Zeitung bist du in der eigenen Firma gar nicht aufgefallen. Bei denen, die nie etwas auf die Straße gebracht haben, bin ich beim Vorwurf des Innovationstheaters dabei. Aber das wollte auch nie jemand bewusst.

Wie ordnest du Corporate Venturing in Österreich im Vergleich zu Deutschland ein?

Die Deutschen sind ein bisschen mutiger, haben vielleicht auch mehr Geld und nehmen Dinge als Erste in die Hand. Projekte, die wir bei der Innovationsagentur Hyve in Deutschland gemacht haben, haben wir zwei Jahre später in Österreich umgesetzt. Das Venturing ist dort schneller losgegangen, aber auch bei uns wurde es in einigen Corporates ordentlich aufgezogen. Dass Venturing auch ein Hype war, ist unbestritten, und wie bei jedem Hype gibt es Gewinner und Verlierer. Aber man kann aus heutiger Sicht nicht sagen: Das bringt nichts, das muss zurückgefahren werden. Man muss fragen: Wie gut ist es gemacht worden? Wenn du etwas komplett Neues herausbringst, brauchst du mindestens sieben Jahre, bis du damit etwas verdienst. Diesen langen Atem haben wenige Firmen. Jede Firma muss für sich draufkommen, ob das Vehikel zu ihr passt. Nur weil es bei einer anderen funktioniert hat oder nicht, heißt das nichts für die eigene.

Welchen Stellenwert hat Innovation in der aktuellen Wirtschaftskrise?

Dass Innovation näher ans Kerngeschäft geführt wird, ist sichtbar. In Krisen wird üblicherweise viel zusammengefahren, das hat man in der Pandemie ganz stark gesehen. Aber es kommt der Punkt, an dem alle Firmen sagen: „Ohne Innovation werden wir das nicht schaffen.“ Dann werden Innovationsabteilungen wieder größer aufgestellt, und diese Schwankungen tun mir oft weh. Ganz schlimm ist es, wenn eine Abteilung komplett aufgelöst wird. Dann verlierst du oft die Personen, die die kurzen Wege in die Firma hatten. Bis sich das jemand Neuer wieder erarbeitet hat, vergehen zwei Jahre. Das wird oft übersehen, wenn man zusammenspart. Vorteile durch Innovation erhalte ich dann nicht schnell auf Knopfdruck.

Und welche Rolle spielt KI?

So ein gutes Hilfsmittel hatten wir noch nie. Ich glaube, dass das Innovationsmanagement dadurch gerade wieder eine spannende Rolle bekommt. Die IT ist der technologische Enabler, aber nicht die Abteilung, die für die Transformation sorgt. Innovationsmanager:innen werden in Zukunft Orchestratoren von mehreren KI-Agenten sein: ein Agent für Foresight, einer für Patentprüfungen, einer für Potenzialanalysen. Wofür du früher zwei Wochen oder einen Monat gearbeitet hast, das bekommst du plötzlich in ein paar Minuten. Dann wird die Entscheidungsgeschwindigkeit zum KPI: Wie schnell kann ich mich auf ein Thema festlegen? Innovationsmanager:innen brauchen künftig eine Ahnung von Vibe Coding und davon, wie man KI-Agenten bestmöglich verwendet. Aber genauso muss man wissen, wie die eigene Firma tickt. Nur weil eine neue Technologie kommt, ist sie nicht sofort erfolgreich. Es geht immer mit dem Tempo, in dem du die Transformation machst. KI alleine wird dabei aber auch nicht die eierlegende Wollmilchsau sein. Entscheidend wird das Thema Ownership: Wer schnallt sich Ideen um und läuft die notwendigen Extrameilen, und wie realisiert man sie dann gemeinsam? Da wird es weiter Menschen brauchen, die ihre Firmen gut kennen, Know-how und ein Feingefühl für People-Management haben.

Ihr habt Ende August wieder euer Summercamp veranstaltet, diesmal bei der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der FFG. Was ist die Idee hinter dem Format, und was waren heuer die wichtigsten Erkenntnisse?

Das Summercamp dient dem Zweck, sich mit möglichst vielen Innovationsmanager:innen aus anderen Unternehmen und anderen Branchen zu vernetzen, auf die man sonst nicht zugehen würde. Genau dieser Cross-Industry-Austausch ist wichtig, um neue Impulse zu bekommen und Partner für gemeinsame Projekte zu finden. Wir machen das mit interaktiven Übungen zu aktuellen Innovationsthemen, das ist ein bisschen wie zwei Tage intensives Speed-Dating mit ganz viel positiver Energie. Heuer waren wieder knapp 100 Personen dabei, die ihr Wissen teilen und offen über ihre Erfahrungen sprechen. In den Sessions ging es an den Beispielen AVL Creators Co-Lab und Wiener Stadtwerke um erfolgreiche Cross-Industry-Kooperationen, mit dem Lufthansa Innovation Hub um AI Augmented Leadership und mit Miele um Intrapreneurship versus Venture Building. aws und FFG stellten gemeinsam mit Infineon, Bionic Surface und XBC erfolgreiche Förderprojekte vor.

Unsere wichtigste Erkenntnis: Die Zusammenarbeit in Ökosystemen bringt Unternehmen viele Vorteile, dafür braucht es aber das Commitment aller Beteiligten, vor allem des oberen Managements, sowie eine gute Orchestrierung und moderierte Begleitung. Wir haben außerdem gesehen, dass Förderorganisationen Firmen mit ganz unterschiedlichen Services unterstützen, nicht nur mit Finanzierungen. Und KI bringt sehr unterschiedliche Erwartungshaltungen ins Unternehmen: Was sich das Management vorstellt und was in den Abteilungen tatsächlich möglich ist, liegt in der Praxis oft weit auseinander. Eine wesentliche Aufgabe der Innovationsabteilungen ist es, voranzugehen, gesichertes Wissen aufzubauen, mit der schnellen Entwicklung Schritt zu halten und eine vorteilhafte KI-Nutzung breit in der Firma zu etablieren.

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