Google ändert wegen ChatGPT jetzt seine Publikationsstrategie grundlegend
ChatGPT hat bei Google einiges auf den Kopf gestellt. Ein umfassender Bericht der Washington Post lässt vermuten, dass Google nun beginnt, seine Strategie zu ändern.
ChatGPT hat nicht den Diskurs zum Thema Künstliche Intelligenz verändert, sondern auch die Unternehmensstrategie von Google über den Haufen geworden. Der große Verlierer: die Forschung und die Öffentlichkeit.
Keine Papers vor Veröffentlichung
Über mehrere Jahre hatte Google im AI-Bereich stets offen mit seinen Ergebnissen und Entwicklungen mit der Welt der Forschung kommuniziert. Seit 2019 sind so über 500 Papers von Google-Mitarbeiter:innen und Wissenschaftler:innen zum Thema AI entstanden. Doch mit dem Aufkommen von ChatGPT fand dieser Austausch sein Ende.
Denn so geht Google davon aus, dass der Chatbot vom US-amerikanischen Startup OpenAI nur Dank der eigenen Transparenz entstanden ist. Jeff Dean, Googles langjähriger Leiter der künstlichen Intelligenz, meint etwa, dass das OpenAI mit Google mithalten konnte, weil es die Arbeiten der Suchmaschinenplattform-Mitarbeiter:innen las. Damit soll nun Schluss sein. Man will Papers und Inhalte erst öffentlich machen, sobald die Forschungen abgeschlossen und die Produkte bereits publiziert sind.
„Open AI hat Google geschlagen“
Brian Kihoon Lee, ehemaliger Google-Gehirnforscher, nennt den Strategiewechsel als den Übergang von „Friedens- in Kriegszeiten“. Mit mehr Wettbewerb würde sich selbstverständlich auch das Kalkül ändern, meint Lee auf seinem Blog.
Von anderen Google-Mitarbeiteter:innen wird nun der Verdacht geäußert, dass die neue Strategie auch dazu führen könnte, dass unliebsame oder kontroverse Papers leicht stillschweigend zurückgehalten werden können. So gab es bereits 2020 von den Leitern des Ethical AI-Teams, Timnit Gebru und Margaret Mitchell eine umfassende Aufarbeitung über die Schäden von KI. Derartige Ausführungen könnten nun leichter unter den Teppich gekehrt werden, befürchten Mitarbeiter:innen laut einem Bericht der Washington Post.
Im Livestream des vierteljährlichen Treffens der Forschungsabteilung des Unternehmens hatte letztlich ein Mitarbeiter der Suchmaschinen-Plattform drastische Worte gefunden und die aktuellen Entwicklungen, wie folgt zusammengefasst: „OpenAI hat uns in unserem eigenen Spiel geschlagen“.
kW-Solutions-Gründer Korbinian Kasinger: „Wir werden zum SAP für die Logistik“
Eine Gründung stand bei Korbinian Kasinger ursprünglich nicht auf dem Plan. Fünf Jahre später führt der 33-Jährige mit kW-Solutions eines der wachstumsstärksten E-Mobilitäts-Startups des Landes, ist im Wohnbau nach eigenen Angaben Marktführer und vernetzt nun die Transportbranche beim Laden. Ein Porträt über einen Gründer, dessen größte Stärke er selbst am nüchternsten beschreibt: “Ich bin ein sehr hartnäckiger Mensch. Ich kann mich in Dinge ziemlich reinbeißen.”
kW-Solutions-Gründer Korbinian Kasinger: „Wir werden zum SAP für die Logistik“
Eine Gründung stand bei Korbinian Kasinger ursprünglich nicht auf dem Plan. Fünf Jahre später führt der 33-Jährige mit kW-Solutions eines der wachstumsstärksten E-Mobilitäts-Startups des Landes, ist im Wohnbau nach eigenen Angaben Marktführer und vernetzt nun die Transportbranche beim Laden. Ein Porträt über einen Gründer, dessen größte Stärke er selbst am nüchternsten beschreibt: “Ich bin ein sehr hartnäckiger Mensch. Ich kann mich in Dinge ziemlich reinbeißen.”
Korbinian Kasinger will mit kW-Solutions "zum SAP für die Logistik" werden. | Foto: Paul Gruber
Eine große Gründungsvision stand am Anfang nicht. Nach dem Studium stieg Kasinger in die Unternehmensberatung ein und arbeitete viel in Deutschland, unter anderem an einem Strategieprojekt für einen großen deutschen Automobilkonzern. Dort kam er erstmals intensiv mit der Automobilwirtschaft in Berührung, eine Zeit, die ihn fachlich prägte. Mit der Zeit reifte der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen. Gemeinsam mit einem Freund aus Innsbruck setzte er ihn um: Benjamin Walch brachte den technischen Hintergrund mit, Kasinger das Betriebswirtschaftliche. Am 3. September 2021, einen Tag vor seinem 29. Geburtstag, trugen die beiden ihr Unternehmen ein. Das Thema: Ladestationen.
Vom Projektgeschäft zum Software-Unternehmen
Der erste Ansatz war B2C, ein Bundle aus Hardware, Förderabwicklung und Installation. Kasinger erkannte früh das größere Potenzial im wiederkehrenden Geschäft, drehte Richtung B2B und ins Betreiben von Ladepunkten. Große Kund:innen kamen rasch: Magna, die Falkensteiner Hotelgruppe, Casinos Austria sowie der Lebensmittelhändler HOFER – allesamt darf kW-Solutions mit einer Vielzahl an Ladepunkten im In- und Ausland, betreuen.
Der eigentliche Hebel lag in der eigenen Software. Mit „Charly“ baute kW-Solutions einen intelligenten Energiemanager, der Ladeinfrastruktur, Fahrzeuge, Photovoltaik, Batteriespeicher und Energiemärkte zu einem System verbindet. Elektromobilität soll so nicht isoliert, sondern wirtschaftlich, skalierbar und netzdienlich betrieben werden, indem jede Kilowattstunde zum günstigsten Zeitpunkt verladen wird, bis hin zu negativen Strompreisen, bei denen Laden zwischenzeitlich Geld zurückbringen kann. Im Wohnbau, für Kasinger ein „gigantischer Markt“, ist das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen Marktführer, mit rund 10.000 vorgerüsteten Stellplätzen und etwa 30 verkauften Projekten allein im ersten Halbjahr 2026. „Mittlerweile sage ich: Wir sind ein Software-Unternehmen.“
Vom Pkw bis zum schweren Lkw: kW-Solutions bündelt Ladeinfrastruktur und Energiemanagement auf einer Plattform. | Foto: Paul Gruber
„Charge with Friends“ und die Wette auf die Logistik
Aus dem Wohnbau heraus stieß das Team auf einen Markt mit höherem Puls: die Transportwirtschaft. Daraus entstand „Charly Transportation“, aufgesetzt auf drei Säulen: Sicherheit über einen lokalen Controller, Optimierung über aktives Flottenmanagement und Vernetzung über die Plattform „Charge with Friends“. Dort öffnen Transportunternehmen ihre Depot-Ladeinfrastruktur gegenseitig, bestehende Anlagen werden besser ausgelastet, und statt 50 Cent aufwärts laden Branchenkolleg:innen zu 30 bis 40 Cent netto, nahe an der Preisparität zum Diesel. Entwickelt wurde das Produkt in nur rund drei Monaten. Bis Jahresende will kW-Solutions ganz Österreich abdecken. „Wir haben einen Nerv der Zeit getroffen, zu hundert Prozent“, sagt Kasinger.
Das Potenzial ist groß: Von rund 75.000 schweren Nutzfahrzeugen in Österreich ist erst etwas mehr als ein Prozent vollelektrisch, bei Neuzulassungen sind es bereits rund zwölf Prozent. Kasinger denkt entsprechend weit: „Ich glaube, wir werden, hinsichtlich wechselseitiger Integrationstiefe sowie Relevanz, in 2 bis 3 Jahren zum SAP für die Logistik.“ Den deutschen Markt geht er strategisch an, gesteuert vom neuen Münchner Standort. Für 2026 erwartet er 60 bis 70 Prozent Umsatzwachstum auf rund vier bis viereinhalb Millionen Euro. Auch beim bidirektionalen Laden meldet das Unternehmen einen Erfolg: den nach eigenen Angaben ersten erfolgreichen V2G-Test im Netzgebiet der Wiener Netze.
Antrieb und Haltung
Anerkennung gab es zuletzt reichlich: den brutkasten „Innovator of the Year 2025″, einen Umweltpreis als Jungunternehmen des Jahres und eine Auszeichnung auf einer großen Immobilienmesse in München. Mit 20 Mitarbeitenden und einem Management-Team rund um CCO Matthias Moldaschl ist die Führung breit aufgestellt. Kasinger weiß genau, wo seine Stärken liegen: im schnellen Gespür für den Markt und in der Beharrlichkeit, Dinge auf den Boden zu bringen. Wichtig ist ihm eine Kultur, in der sich Aufrichtigkeit und Wertschätzung überlappen.
Würde er noch einmal in Österreich gründen? „Ja, ganz klar. Ich fühle mich Österreich sehr verbunden.“ Seine Mission liegt eine Ebene höher: den Strommarkt zu dynamisieren, Nachfrage und Angebot digital in Einklang zu bringen, smarte Netze statt reinem Netzausbau. Die Grundfrage sieht er als entschieden: „Wir haben uns als Gesellschaft darauf verständigt, dass Strom der primäre Energieträger der Zukunft ist. Das läuft schon.“ Es ist dieselbe Haltung, die ihn von Anfang an trägt: einmal entschieden, dann dranbleiben.
Disclaimer: Dieses Porträt entstand im Rahmen des Innovator of the Year 2025.
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