16.05.2018

GoFoxBox: Strabag mit „Großauftrag“ für Wiener Startup

Das Wiener Startup GoFoxBox vermietet Umzugskisten aus Kunststoff. Das Service nutzte nun auch der Konzern Strabag und brachte mit 550 Boxen den bislang größten Auftrag.
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GoFoxBox: Gründer Ferdinand Schönburg
(c) GoFoxBox: Gründer Ferdinand Schönburg

Es ist ein Achtungserfolg für das Wiener Startup GoFoxBox. Der Bau-Konzern Strabag von Hans Peter Haselsteiner nutzte das Service – mietbare Kunststoff-Umszugskisten – für seinen Umzug. Im ersten Quartal 2018 wurden nach Angaben des Startups 350 Boxen für den Umzug in die konzerneigene Immobilie Techgate und weitere 200 Boxen für eine interne Übersiedelung genutzt. Die Strabag sei mit diesem „Großauftrag“ der bisher größte Kunde des Startups, heißt es in einer Aussendung.

+++ Archiv: Wiener Startup hilft beim Umzug +++

„Aus rationaler Sicht gibt es nichts, was für Kartons spricht“

„Übersiedelungskartons werden durchschnittlich nur zwei Mal verwendet. Ihre Herstellung und ihr Recycling sind ökologisch bedenklich, weil Ressourcen wie Holz und Wasser in hohem Maß verbraucht werden“, sagt Gründer Ferdinand Schönburg. Die FoxBox könne hingegen mehr als 500 Mal genutzt werden. Zudem könne sie mit Vorhängeschlössern oder Kabelbindern abgeschlossen werden. Der Founder trägt dick auf: „Aus rationaler Sicht gibt es einfach nichts, was dafür spricht, mit gekauften Kartons zu übersiedeln. Es hat nur Nachteile gegenüber der Miete von Kunststoffboxen“. Schönburg ist daher denkbar optimistisch, was sein Konzept anbelangt: „In naher Zukunft wird Übersiedeln mit gekauften Kartonkisten genauso althergebracht erscheinen, wie heute Heizen mit Holz“.

Rund 1400 Euro Umsatz für GoFoxBox?

Tatsächlich kann GoFoxBox preislich durchaus mit Umzugskartons mithalten. Standardmodelle gibt es ab etwa zwei Euro zu kaufen. Die Foxbox-Miete kostet für Normalkunden 1,75 Euro in der ersten Woche, ab der zweiten je 0,75 Euro. Man muss also bloß schnell sein. Dazu können Rollwägen, sogenannte „Dollys“ für 5,99 Euro pro Woche gemietet werden, mit denen bis zu sechs gestapelte Kisten geschoben werden können. Geliefert wird in großen Teilen Österreichs gratis. Für Firmenkunden gibt es rabattierte Pakete und individuelle Vereinbarungen. Diese Preisgestaltung relativiert natürlich auch den „Großauftrag“. Mit Standard-Paketen käme man bei 560 Kisten und elf „Dollys“ in zwei Wochen auf einen Preis von rund 1400 Euro. Die Strabag dürfte aber wohl länger als zwei Wochen gebraucht haben.

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(c) GoFoxBox: Kisten auf „Dolly“
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Bildunterschrift: V. l. n. r.: Jonathan Grothaus (CEO & Founder myflexbox), Martin Trittler (CFO DeinFach), Lukas Beckedorff (CEO DeinFach) und Peter Klima (CTO & Founder myflexbox) | (c) myflexbox

Der Salzburger Paketstationen-Anbieter myflexbox und DeinFach, eine Tochter der Deutschen Post AG, schließen sich zusammen. Das gaben die DHL Group und myflexbox am Donnerstag in einer Aussendung bekannt. Die anbieteroffenen Automatennetze der beiden Unternehmen sollen künftig unter der Marke myflexbox geführt werden. Die Marke DeinFach wird schrittweise in myflexbox überführt.

Laut Aussendung betreibt myflexbox rund 3.000 Paketstationen in Deutschland und Österreich. Sie ergänzen das deutsche Automatennetz aus rund 19.000 DHL-Packstationen, Poststationen und DeinFach-Automaten. Nach Angaben der Unternehmen entsteht damit das mit Abstand größte anbieteroffene Paketstationsnetz im deutschsprachigen Raum. Das Modell, Stationen für verschiedene Paketdienstleister bereitzustellen, soll erhalten bleiben.

Verkauf an die DHL-Gruppe

Wie der Deal rechtlich und wirtschaftlich ausgestaltet ist, geht aus der Aussendung nicht hervor. Dort ist von einem Zusammenschluss die Rede, Angaben zu Anteilen, Kaufpreis und künftiger Führung fehlen.

Laut einem Bericht von salzburg.ORF.at wird myflexbox an die DHL-Gruppe verkauft. Der Kauf erfolge über die DHL-Tochter AZL GmbH, die bisher die Marke DeinFach betreibt. Verkäufer sei Star Capital, zum Kaufpreis gebe es keine Angaben.

brutkasten hat bei der Deutschen Post AG zur Deal-Struktur angefragt. Bis zum Erscheinen dieses Artikels gab es keine Rückmeldung.

50.000 Paketautomaten bis 2030

Die Deutsche Post AG verbindet mit dem Schritt ein Ausbauziel. Bis 2030 will sie Verbraucher:innen in Deutschland insgesamt rund 50.000 Paketautomaten zur Verfügung stellen. Mehr als die Hälfte davon sollen anbieteroffene myflexbox-Stationen sein. Langfristig soll die große Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Paketstation in fünf bis zehn Gehminuten erreichen.

„Gemeinsam bringen wir den Ausbau des größten offenen Paketstations-Netzwerks auf eine neue Ebene“, wird myflexbox-CEO und Founder Jonathan Grothaus in der Aussendung zitiert. DeinFach-Geschäftsführer Lukas Beckedorff erklärt, man nutze bestehende Standorte, erschließe zusätzliche und verkürze damit die Wege für Verbraucher:innen.

Gegründet bei der Salzburg AG

myflexbox wurde 2018 als Corporate-Startup der Salzburg AG gegründet und 2022 ausgegründet. Im Februar 2023 holte das Unternehmen 75 Millionen Euro vom Star IV Fonds, der von Star Capital Partnership LLP verwaltet wird (brutkasten berichtete). Seither stand es im Mehrheitsbesitz eines Investorenkonsortiums.

Zuletzt ist das Unternehmen stark gewachsen. Im September 2025 betrieb myflexbox fast 1.400 Paketstationen in Deutschland und Österreich, davon 660 in Österreich (brutkasten berichtete). Mit den nun genannten rund 3.000 Stationen hat sich das Netz in etwa einem Jahr mehr als verdoppelt.

Mitgründer und Ex-Co-CEO Lukas Wieser ist seit Mai 2026 als Interim Head of Growth beim Linzer HR-Tech teamecho tätig (brutkasten berichtete).

Post und DPD als Partner in Österreich

In Österreich zählen unter anderem die Österreichische Post und DPD zu den Logistikpartnern. Die Post mietet seit 2024 Abholfächer in den myflexbox-Stationen (brutkasten berichtete). DPD sicherte sich im Vorjahr rund 9.000 Fächer und damit fast ein Viertel der hierzulande verfügbaren Fächer. Wie sich der Deal mit einer Tochter der Deutschen Post AG auf diese Partnerschaften auswirkt, lässt die Aussendung offen.

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