12.10.2015

Glück fürs Rubbellos-Startup rublys: Aufnahme in Techstars METRO Accelerator

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Rublys Insolvenz
© rublys: Die Founder von rublys haben selbst bereits

Das Techstars Metro Accelerator-Programm findet heuer zum ersten Mal statt. Vor allem technologiebasierte Startups sollen damit gefördert werden. Die Startups durchlaufen in Berlin drei Monate lang eine intensive Ausbildung. Mit dabei: Das Wiener Startup rublys, mit dem man jeden Tag gewinnen kann- nun hatte es selbst Glück. 

Erst dieses Jahr hat rublys 1 Million Downloads gefeiert. Nun die nächste gute Neuigkeit: Aus hunderten Startups wurde das Team rund um Manuel Zwittag ausgewählt und wird nun für drei Monate nach Berlin ziehen.

Das Konzept von rubyls ist einfach und kommt gut an: Via Smartphone kann man täglich Lose auswählen und aufrubbeln – und zwar kostenlos.  Man erfährt sofort, ob und was man gewonnen hat. Den Gewinn kann man anschließend unmittelbar einlösen.

Der Accelerator ist ein Zusammenschluss der METRO Group mit dem bekannten US-amerikanischen Start-Up Netzwerk Techstars und findet zum ersten Mal statt. Interessant für rublys ist vor allem der Kundenstamm von Metro: „Wir hoffen im Laufe des Programms auf viele Synergien mit Techstars, der METRO Cash & Carry und deren 2 Mio. lokalen Kunden in 26 Ländern zu stoßen und natürlich von den Mentoren Input und Feedback zu ernten und so unsere bisherige sehr gute Zusammenarbeit mit Gastro- oder Hotelkunden noch weiter zu optimieren,“ so Manuel Zwittag, CEO und CO-Gründer von rublys.

Der Brutkasten hatte im Sommer die Möglichkeit mit Manuel Zwittag zu sprechen. Hier ein Auszug der wichtigsten Passagen aus dem Gespräch:

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Ab wann wusstest Du denn, dass Du Unternehmer werden willst?

Das war immer schon da. Ich hatte seit je her hunderte Ideen in mir. Ich habe auch bereits mit 20 ein Einzelunternehmen gegründet. Damals war um den Startup Begriff noch nicht so ein Hype. Ich hatte eine Agentur für Webprojekte, für die ich damals Grafiker und Entwickler extern eingekauft habe. Noch bevor die Blase geplatzt ist. Vor Rublys habe ich dann allerdings noch den klassischen Weg in einer Bank eingeschlagen. Aber mir hat was gefehlt, ich habe gewusst, dass ich auf jeden Fall zurück in die Selbstständigkeit will.

Wie kam es dann, dass Du bei rublys gelandet bist?

Über meinen Freundes- und Bekanntenkreis. Damals war das Rubbellos bloß ein Teilbereich des Konzepts. Wenn man das Konzept von früher mit dem vergleicht, was aus Rublys geworden ist, dann unterscheiden sich die beiden Produkte komplett. Ich kann mich fast nicht mehr genau erinnern, aber wir haben Ende 2012, Anfang 2013 angefangen, hobbymäßig nach der Arbeit und am Wochenende zusammen zu sitzen, um an der Idee zu feilen. Bis es dann mit dem Seed Investment mit Michael Altrichter als Lead Investor richtig losging. Es war auch unser Ziel, möglichst schnell Investment zu bekommen, weil wir Rublys nicht nebenbei machen wollten. Nach der Zusage von Michael Altrichter, haben wir alle unsere Jobs gekündigt und sind “all in” gegangen.

CEO Manuel Zwittag: „Wir sind quasi “nicht störende Werbung”. Das Unternehmen bekommt ungeteilte Aufmerksamkeit – und das mehrere Sekunden lang“

Woran verdient ihr denn, wo doch die App für User kostenlos ist?

Wir haben ein b2c Modell. Wir werden von Unternehmen dafür bezahlt, dass wir für sie “Brand Awareness” schaffen, also, dass sich Menschen mit ihrer Marke auseinandersetzen. Der Kunde wiederum gewinnt mit jedem Los, ganz unabhängig ob das nun ein online oder offline Unternehmen ist. Wer gewinnt nicht gerne?

Wir sind quasi “nicht störende Werbung”. Das Unternehmen bekommt ungeteilte Aufmerksamkeit – und das mehrere Sekunden lang. Dabei können wir unseren Nutzern zu 100 Prozent garantieren, dass wir ihre Daten nicht an Dritte weitergeben. Und spammen tun wir auch nicht.

Ihr habt große Namen wie beispielsweise Mc Donalds, Douglas oder RedBull mit dabei. Ist es schwierig solch große Unternehmen als Startup als Partner zu gewinnen?

Sales ist natürlich die größte Challenge für jedes Startup. Wir haben uns noch bevor unser Produkt am Markt war, bereits intensiv auf Sales konzentriert. Wir arbeiten auch mit Werbeagenturen zusammen. Sales ist bestimmt eine der größten Herausforderungen: Programmiert ist eine App vielleicht schnell, aber Kunden zu bekommen, geht nicht so schnell.

„Sales ist bestimmt eine der größten Herausforderungen: Programmiert ist eine App vielleicht schnell, aber Kunden zu bekommen, geht nicht so schnell“, so Zwittag.

Welche persönlichen Learnings hast Du denn außerdem mitgenommen, die du weitergeben kannst?

Man macht jeden Tag unzählige Learnings. Es klingt vielleicht abgedroschen, aber man darf nicht aufgeben, wenn es ein Tief gibt und muss hundertprozentig überzeugt von der Idee sein. Es geht ums Durchhaltevermögen und vielleicht auch um Mut.

Vielen Dank!

© Fotos: rublys

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Cécile Deterre (Co-Founderin von Blue Planet Ecosystems) und Renaud Viot (CEO und Co-Founder des Startups Lynxia) führen La French Tech Vienna als Co-Präsident:innen | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Im Foyer der französischen Botschaft in Wien läuft an diesem Abend ein Gast auf vier Beinen über den Marmorboden. Auf seinem Rücken sitzt ein Kamerakopf, daneben ragt eine Funkantenne hervor. Im Hintergrund stehen drei Flaggen: die französische, die europäische und die österreichische.

Der Hausherr hält es an diesem Abend betont analog. „Ich muss sagen, meine Rede wurde nicht von ChatGPT geschrieben, sondern von Menschen“, sagt Botschafter Matthieu Peyraud zur Begrüßung. Dann wird er grundsätzlich: Technologische Souveränität lasse sich nur auf europäischer Ebene erreichen, kein Mitgliedstaat schaffe das allein.

Der Anlass für Roboter und Rede am 8. Oktober: der offizielle Start von La French Tech Vienna, laut Peyraud der ersten French-Tech-Community in Österreich. Sie ist Teil von La French Tech, einem Netzwerk mit nach eigenen Angaben mehr als 100 Communities in Frankreich und weltweit, das großteils von Freiwilligen getragen wird.

Zwei Jahre Pilotphase

Neu ist die Initiative nicht. Sie lief zuvor unter dem Namen French Startups Vienna. Peyraud bezeichnet diese Phase in seiner Rede als „eine Art Pilotprojekt“. Seit rund zwei Jahren bringt sie französische und österreichische Gründer:innen, Forschende und Investor:innen zusammen.

Der französische Botschafter Matthieu Peyraud eröffnete am 8. Oktober den offiziellen Start von La French Tech Vienna in der Botschaft in Wien. Seine Botschaft: Technologische Souveränität gelingt nur auf europäischer Ebene. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

„Wir haben sehr klein angefangen, nur mit französischsprachigen Leuten, die mehr über Tech sehen und hören wollten“, sagt Renaud Viot im Gespräch mit brutkasten. Er ist Co-Präsident von La French Tech Vienna und CEO des Startups Lynxia. Er versteht die Initiative als Community: Die Mitgliedschaft ist kostenlos und steht österreichischen wie französischen Startups offen. „Wir verlangen nur, dass die Leute entweder neugierig auf Tech sind oder bereit, ihr Wissen über Tech zu teilen“, sagt er. Das Kernformat sind regelmäßige Events.

Souveränität als Leitthema

Inhaltlich steht der Abend im Zeichen technologischer Souveränität. Künstliche Intelligenz, Cloud Computing, Cybersicherheit, Halbleiter und Dateninfrastrukturen seien zu strategischen Gütern geworden, sagt Peyraud. Frankreich und Österreich hätten starke Forschungseinrichtungen wie das französische CNRS und das AIT Austrian Institute of Technology. Die gemeinsame Herausforderung sei, wissenschaftliche Exzellenz in globale Technologieführerschaft zu übersetzen. Zu oft gelinge es europäischen Innovationen nicht, im Tempo und in der Größe der internationalen Konkurrenz zu skalieren.

Als Beleg dafür, dass es anders geht, nennt der Botschafter Mistral AI. Die Übernahme des Linzer Startups Emmi AI durch Mistral AI zeige, wie Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern ihre Expertise bündeln. Sie unterstreiche zudem die technologische Stärke Österreichs.

„Noch nicht so sehr am Radar“

Wo es konkret hakt, schildert Arnaud Béasse. Der Managing Director von 1764 Advisory kümmert sich in der Community um die Investorenbeziehungen. „An erster Stelle möchte ich Investoren mit Startups verbinden“, sagt er im Gespräch mit brutkasten. Das gelte in beide Richtungen. Österreicher:innen nach Frankreich zu bringen, habe bisher sehr gut funktioniert. Die größere Aufgabe sei nun der umgekehrte Weg: französische Investor:innen auf das aufmerksam zu machen, was in Österreich entsteht. Das sei bei ihnen „noch nicht so sehr am Radar“.

Das österreichische Deep-Tech-Startup iono Robotics aus Linz hat mit dem WORKMATE den ersten humanoiden Arbeitsroboter „Made in Austria“ entwickelt. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Béasse nennt dafür mehrere Gründe. Größere Fonds würden oft mit Teams aus Deutschland auf Österreich schauen. „Das genügt nicht“, sagt er. Dazu komme bei manchen Venture-Capital-Fonds die Angst vor der Sprachbarriere. Bei Business Angels sei diese Hürde noch höher.

Seine Rolle sieht Béasse deshalb nicht nur im Vermitteln von Kontakten. Es gehe darum, Investor:innen auch beim Ökosystem und bei der Kultur zu begleiten. Aus französischer Sicht sehe man in Europa zuerst Spanien, Italien, Deutschland und die Benelux-Länder. Österreich müsse man erst aus dem Schatten von Deutschland und der Schweiz holen.

Acht Startups aus Frankreich und Österreich pitchten vor dem Publikum in der französischen Botschaft, abgestimmt wurde per Smartphone. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Chancen sieht er bei Corporate Venture Capital. Französische Konzerne seien in Österreich vertreten. Hier gebe es derzeit viele Innovationen in den Bereichen Defense und Dual Use, die für solche Gruppen interessant seien.

ABA will Brücke zwischen den Ökosystemen schlagen

Auf österreichischer Seite ist die Austrian Business Agency (ABA) eingebunden. Verena Gruber, Director Western Europe, ist außerordentliches Mitglied im Board der Community. Als Standortagentur der Republik sei die ABA dafür da, französische Startups dabei zu unterstützen, die Chancen in Österreich zu entdecken, sagt sie im Gespräch mit brutkasten. Mit La French Tech Vienna habe man nun „ein tolles Tool“, um Verbindungen herzustellen, bei Investments ebenso wie bei Kooperationen mit Corporates. Am Tag nach dem Launch standen laut Programm Besuche bei der ABA, der Wirtschaftsagentur Wien und ecoplus sowie eine Führung durch die AI Factory Austria (AI:AT) auf dem Plan.

Die Initiative ist noch sehr jung. Als Beispiel dafür, was möglich ist, nennt auch Gruber den Emmi-AI-Deal. Er zeige die Kompetenz Österreichs bei Industrial AI. „Das ist eine Nische, worauf wir uns auch sehr stark konzentrieren können“, sagt Gruber. Damit könne Österreich auch einen Beitrag zur europäischen Souveränität bei Technologie leisten.

Acht Startups auf der Bühne

Nach den Reden pitchen acht Startups, das Publikum stimmt per Smartphone ab. Aus Frankreich kommen Proxima, VirtualBrowser, PleIAs und Manabou, aus Österreich Cyberaci, Eustella, Prop Corn und Ablatic. Sechs der acht ordnet die Event-Website dem Thema Souveränität zu, von europäischen Sprachmodellen bis Cybersecurity.

Manche der französischen Startups sehen laut Renaud Viot einen Market Fit mit Österreich, andere suchen einen Partner vor Ort, wieder andere haben hier bereits Kund:innen. Die beiden Ökosysteme seien einander ähnlich, beide seien stark bei Spinoffs und in der Forschung. Gemeinsam könne man einander „zu Partnern statt zu Konkurrenten“ machen, sagt Viot.

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