02.03.2026
ARBEITSWELT

Gleichstellung: Jede zweite Frau erlebt im Job Benachteiligung

Das Thema Gleichstellung verliert in Österreichs Unternehmen spürbar an Priorität. Wie eine aktuelle Umfrage von Deloitte Österreich zeigt, rücken wirtschaftliche Unsicherheiten und geopolitische Spannungen Diversitätsziele zunehmend in den Hintergrund.
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Gleichstellung, Deloitte
© Deloitte/Feelimage - Elisa Aichinger (l.) und Elisabeth Hornberger von Deloitte.

Das Thema Gleichstellung wird in Österreichs Unternehmen mehr und mehr zur Randnotiz, wie eine aktuelle Umfrage von Deloitte Österreich zeigt. Es seien nicht nur Rückschritte bei den Karrierechancen für Frauen spürbar, auch die gläserne Decke in den Führungsetagen halte sich hartnäckig.

Gleichstellung verliert an Bedeutung

Das Beratungsunternehmen Deloitte erhebt jährlich zum Weltfrauentag am 8. März die Parameter von Geschlechtergleichstellung in der österreichischen Wirtschaft. Für die diesjährige Ausgabe wurden rund 600 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter befragt. Das Ergebnis: Auch wenn sich in den vergangenen Jahren Fortschritte beobachten ließen, verliert das Thema in den österreichischen Unternehmen aktuell an Bedeutung.

„Wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und politische Umbrüche verschieben die Prioritäten in den österreichischen Unternehmen. Knapp ein Fünftel ist aktuell mit anderen Themen beschäftigt, ein Viertel verfolgt zudem weder Gleichstellungsziele noch eine Gesamtstrategie. Das ist besorgniserregend, denn der wirtschaftliche Mehrwert von Gleichstellung ist evident“, sagt Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich. „Gerade in unsicheren Zeiten lohnt es sich für Unternehmen, jeden Wettbewerbsvorteil zu nutzen, um ihre langfristige wirtschaftliche Beständigkeit abzusichern.“

Keine gleichen Aufstiegschancen

Spürbar wird die aktuelle Zurückhaltung vor allem bei den Karrierechancen. Die Fortschritte der vergangenen Jahre gingen teilweise wieder verloren, heißt es im Report. Aktuell gehen nur 45 Prozent der Befragten davon aus, dass Frauen und Männer unabhängig vom Beschäftigungsausmaß über gleiche Aufstiegschancen verfügen. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr waren es 50 Prozent. Gleichzeitig ist ein Drittel der Ansicht, dass gleiche Chancen für berufliches Weiterkommen für Frauen weiterhin an eine Vollzeitbeschäftigung geknüpft sind.

„Viele Fortschritte der letzten Jahre in Sachen Gleichstellung kehren sich wieder um – das ist problematisch. Zudem gibt jede zweite Frau an, mindestens einmal aufgrund ihres Geschlechts im Berufsleben Benachteiligung erlebt zu haben. Das zeigt, wie sich ein strukturelles Ungleichgewicht in der Praxis auswirkt“, so Aichinger weiter. „Es gilt hier dringend Rahmenbedingungen zu schaffen, die insbesondere unbewusste Vorurteile frühzeitig beseitigen und berufliche Weiterentwicklung trotz privater Verpflichtungen in allen Lebensphasen ermöglichen.“

Unternehmen und Frauenanteil

Zwar ist im Jahresvergleich ein leichter Anstieg von Frauen in Führungspositionen zu verzeichnen – eine nachhaltige Entwicklung sei aber nicht erkennbar. Entsprechend zeichnet sich auch für die Zukunft kaum Bewegung ab: Fast die Hälfte der Unternehmen (46 Prozent) plant keine Erhöhung des Frauenanteils im Top-Management. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen laut den Befragten von der Zurückhaltung von Frauen, Führungspositionen anzustreben, über vorherrschende traditionelle Rollenbilder bis hin zu fehlenden Kinderbetreuungsangeboten.

„Die meisten Unternehmen sehen generell das Fehlen ausreichend qualifizierter Kandidat:innen als wesentliche Ursache. Wenn man bedenkt, dass seit Jahren mehr Frauen als Männer hierzulande Universitäten abschließen, ist das objektiv nicht nachvollziehbar“, erklärt Elisabeth Hornberger, Diversity-Expertin bei Deloitte Österreich. „Vielmehr zeigen sich auch hier strukturelle Barrieren, insbesondere in der Rekrutierung und Karriereentwicklung von Frauen. Karrieresprünge für Frauen sollten im Jahr 2026 nicht mehr an den Rahmenbedingungen scheitern. Der Fokus sollte auf Qualifikation und Potenzial gelegt werden.“

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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Sie machte Wien zum beliebten Standort für die EU-Niederlassungen internationaler Krypto-Unternehmen: die EU-Kryptoregulierung MiCAR. Denn die heimische Finanzmarktaufsicht FMA genießt den Ruf, bei der Erteilung der für das Krypto-Geschäft in der EU notwendigen MiCAR-Lizenz hart, aber fair zu sein.

FMA: „MiCAR auch im Enforcement angekommen“

Nach einigen Meldungen rund um die Erteilung solcher Lizenzen – und in einem Fall einer vorübergehenden Sanktionierung – in den vergangenen Monaten, erfolgte nun erstmals die Verhängung einer Strafe wegen eines MiCAR-Verstoßes durch die FMA. „Damit wird sichtbar, dass die MiCAR nicht mehr nur ein Konzessions- und Aufsichtsthema ist, sondern auch im Enforcement angekommen ist“, heißt es von der Behörde in einer Aussendung dazu.

Termin-Fehler und fehlende Telefonnummer und Mail-Adresse

Getroffen hat es ausgerechnet Österreichs Krypto-Regulatorik-Musterschüler Bitpanda. Konkret machte das Wiener Unicorn bei der Veröffentlichung eines Whitepapers im Zuge eines Token-Launchs im vergangenen Jahr einige Termin- bzw. Formfehler, wie aus der Bekanntmachung der FMA hervorgeht: Das Whitepaper hätte laut Regelwerk bis spätestens 20 Werktage vor Veröffentlichung an die FMA übermittelt werden müssen, was nicht passierte; eine Marketingmitteilung zum Whitepaper wurde unerlaubterweise bereits vor dessen Veröffentlichung verbreitet; und in einer weiteren Marketingmitteilung fehlten ein Disclaimer, eine Telefonnummer und eine Mail-Adresse.

„Unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben“

70.000 Euro Strafe wurden letztlich verhängt. Seitens Bitpanda stellt man auf brutkasten-Anfrage klar: „Alle von der FMA aufgezeigten Punkte wurden jeweils unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben. Wir haben uns für eine rasche, einvernehmliche Beendigung des Verfahrens entschieden. Die Veröffentlichung erfolgte nach dem österreichischen MiCA-Vollzugsgesetz. Das Verfahren ist damit abgeschlossen.“

Zudem betont man beim Scaleup: „Kundengelder, die Sicherheit unserer Plattform oder die Integrität des Bitpanda-Ökosystems waren zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt. Aus den beanstandeten Punkten ist unseren Kundinnen und Kunden kein finanzieller Schaden entstanden.“

Analyse: Musterschüler als erster Bestrafter als falsches Signal

Das genau Bitpanda die erste Strafe auf MiCAR-Basis ausfasst, ist nachvollziehbar und könnte dennoch ein falsches Signal aussenden. Als größter heimischer Player, der in seinen Prozessen eng mit der FMA zusammenarbeitet, überrascht es nicht, dass gelegentlich Formfehler nicht nur passieren sondern auch unmittelbar bemerkt werden. Indessen sind einige große internationale Player weiterhin ohne MiCAR-Lizenz am heimischen Markt aktiv und entziehen sich erfolgreich der Strafverfolgung. Dass der Formfehler durch die FMA verfolgt wird ist korrekt und konsequent; dass ausgerechnet Bitpanda damit zum Exempel wird, wird den großen regulatorischen Themen am Krypto-Markt aber nicht gerecht.

In der Aussendung der FMA äußert man sich zu dieser Thematik indirekt und gewohnt sachlich: „Der Umstand, dass es sich um den ersten veröffentlichten MiCAR-Fall handelt, begründet für sich genommen keine Sonderstellung des betroffenen Unternehmens oder der festgestellten Verstöße.“

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