25.02.2026
GRÜNDUNG

GISA-Express: Gewerbeanmeldung in Österreich nun digital möglich

Die Digitale Express-Gewerbeanmeldung geht an den Start. Mit der neuen Lösung sollen Behördengänge reduziert und Unternehmensgründungen beschleunigt werden.
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Wolfgang Hattmannsdorfer | © Johannes Zinner

Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) verursacht Bürokratie jährlich Kosten von rund 15 Milliarden Euro. Bei 60 Prozent der Betriebe sei der bürokratische Aufwand in den vergangenen drei Jahren gestiegen.

Dem will man bekanntlich entgegenwirken und setzte nun einen konkreten Schritt. Seit heute ist es möglich, ein Gewerbe vollständig online anzumelden und abzuwickeln. Der sogenannte „GISA-Express“ erlaubt es, neben Neuanmeldungen auch Änderungen im Gewerberecht direkt elektronisch in das Gewerbeinformationssystem Österreich (GISA) einzutragen.

„Wer in Österreich gründen will, soll sich auf seine Idee konzentrieren können und nicht auf Formulare. Mit GISA-Express reduzieren wir Bürokratie, verkürzen Verfahren und geben Unternehmerinnen und Unternehmern mehr Zeit für Innovation, Wertschöpfung und Arbeitsplätze“, sagt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.

Ziel: moderne, digitale Verwaltung

Die Online-Express-Abwicklung erfolgt automatisiert über bestehende GISA-Assistenten, ein separates Verfahren sei dafür nicht notwendig. „Sofern die Voraussetzungen erfüllt sind, entfällt die manuelle Behördenprüfung und die Berechtigung wird sofort öffentlich nachweisbar freigegeben“, heißt es aus dem Ministerium.

Damit sollen Gründer:innen schneller Rechtssicherheit erhalten und ihre Tätigkeit rascher aufnehmen können. Ziel der Bundesregierung sei eine moderne, digitale Verwaltung, die Unternehmen mehr Zeit für Wertschöpfung, Innovation und Wachstum lässt.

„Mit GISA-Express bringen wir Gewerbeanmeldungen endlich in das digitale Zeitalter. Unternehmerinnen und Unternehmer können ihre Berechtigung künftig in vielen Fällen unmittelbar digital erhalten – ohne Wartezeiten, ohne unnötige Behördenwege. Das ist gelebte Entbürokratisierung und ein konkreter Beitrag zu mehr Tempo, Wettbewerbsfähigkeit und Gründerfreundlichkeit am Standort“, so Hattmannsdorfer

Voraussetzungen für die Abwicklung

  • Identifikation mittels elektronischer Identität (z. B. ID Austria oder europäische e-ID)
  • Das beantragte Recht bezieht sich auf die antragstellende Person selbst
  • Voraussetzungen müssen vollständig elektronisch validierbar sein
  • Keine manuellen Änderungen an vorgeschlagenen Auswahloptionen
  • Elektronische Abgabe der eidesstattlichen Erklärung
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Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane
Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane

Das Berliner Legal-Tech-Scaleup Noxtua hat seine Series-C-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen. Es ist die bislang größte Geldspritze für ein Rechts-KI-Unternehmen in Deutschland. Im Zuge der Kapitalerhöhung übernimmt der deutsche Fachverlag C.H.Beck die Mehrheit an dem Unternehmen, während die Wiener Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung als neuer Investor einsteigt.

Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Manz, ordnet den Schritt in die Unternehmensgeschichte ein: „Seit mehr als 40 Jahren nimmt Manz eine Pionierrolle in der Digitalisierung des Rechtswesens ein“. Das Investment sei vor diesem Hintergrund eine konsequente Fortführung der eigenen Digitalisierungsstrategie. „Deshalb ist für uns die Investitionsrunde der nächste logische Schritt“, so Stein-Pressl.

Manz mit langer Digitalisierungs-Geschichte

Für den 1849 in Wien gegründeten Fachverlag fügt sich die Beteiligung in eine Reihe bestehender Innovationen ein. Manz führte bereits 1986 die Rechtsdatenbank (RDB) in Österreich ein und stellte Anfang 2025 mit „Genjus KI“ einen eigenen Rechercheassistenten vor. Seit 2025 kooperiert der Verlag zudem operativ mit Noxtua an der Lösung „Manz-Noxtua“, um Fachinformationen auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln.

Mit dem Einstieg will das Wiener Verlagshaus die Qualitätsstandards juristischer Inhalte auch im KI-Zeitalter sichern. „Vertrauenswürdige Inhalte der Rechtsverlage bilden dabei schon immer das Fundament, auf dem Rechtsexpertinnen und -experten in ganz Europa arbeiten und das es zu schützen gilt“, betont Stein-Pressl. Als Verlag sehe sich Manz als Garant für die Wahrung dieser Qualität.

Gesellschafterkreis von Noxtua formiert sich um

Die Mehrheit der Anteile liegt nach dem Abschluss der Runde bei C.H.Beck. Der Münchner Traditionsverlag war bereits im April 2025 bei der Series B als Hauptinvestor eingestiegen. Klaus Weber aus der Gesamtgeschäftsführung von C.H.Beck begründet die Aufstockung mit den Veränderungen im Markt: „Die Verbindung qualitativ hochwertiger Daten mit innovativer KI-Technologie ist das Erfolgsrezept in einem sich rasch wandelnden Markt“. Zudem betont er die strategische Ausrichtung der Partner: „Für uns als Traditionsverlag ist dieses Engagement gemeinsam mit Manz auch eine Investition in die Zukunft des Rechts“.

Parallel zum Wechsel der Mehrheitsbeteiligung wird die Gesellschafterstruktur neu geordnet. Bisherige Wagniskapitalgeber wie die Global Brain Corporation, der KDDI Open Innovation Fund sowie Einzelinvestor Dominik Schiener scheiden als Eigner aus. Auch die Wirtschaftskanzleien CMS und Dentons geben ihre Anteile ab, verbleiben aber laut Unternehmensangaben als Ankerkunden. CMS hatte die Entwicklung der Software 2024 mitinitiiert.

Internationale Expansion

Noxtua wurde 2017 auf Basis von Forschung an der Universität Oxford und dem Imperial College London von Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth gegründet. Nach Unternehmensangaben beschäftigt das Scaleup derzeit rund 100 Mitarbeiter:innen an sechs europäischen Standorten – darunter Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg – und kommt auf mehr als 30.000 Nutzerinnen und Nutzer.

Das frische Kapital soll laut Aussendung vor allem in die Weiterentwicklung der spezialisierten Arbeitsbereiche sowie in die Expansion in weitere europäische Märkte fließen. Die Software deckt typische juristische Arbeitsabläufe wie Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung ab und greift dabei auf Daten lizenzierter Fachverlage zurück.

Leif-Nissen Lundbæk, CEO und Gründer von Noxtua, kommentiert den Abschluss der Runde: „Wir entwickeln Noxtua basierend auf den exklusiven Inhalten führender Fachverlage vom ganzen Kontinent und haben so u.a. bereits Europas größte Rechtsdatenbank und Europas größtes Netzwerk unabhängiger Rechtsverlage aufgebaut“. Die Vertiefung der Partnerschaft ordnet er als Signal ein: „Die gemeinsame Investition von C.H. Beck und Manz in Noxtua ist deshalb auch ein starkes Zeichen an den Markt“.

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