16.09.2025
LONGEVITY

Gesund gefroren: Longevity-Experte Johannes Weiß über Kältetherapien

Ein gesundes Leben beginnt in der Küche, beim Schlaf und im Fitnessstudio – das sagt auch Longevity-Experte Johannes Weiß. Unterstützende Maßnahmen wie der gezielte Einsatz von Kältekammern können zusätzlich vor allem Gestresste entlasten und sogar vermeintlich aussichtslose Diagnosen umdrehen. Was man über Kältetherapien im Longevity-Kontext wissen muss.
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Johannes Weiß, Gründer © Longevity Center Vienna.

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2025 “Schubkraft” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Ein schlechter Blutbefund beim Hautarzt, eine Autoimmunerkrankung und keine Therapiemöglichkeiten – „da kann man nichts machen, damit musst du leben“. Dieser Satz hat den damals zwanzig- jährigen Johannes Weiß aus seiner jugendlichen Naivität gerissen. „Ich wollte mich keinesfalls damit abfinden, dass man mein Krankheitsbild nicht auf ganzheitliche Art und Weise verbessern oder heilen kann“, so Weiß. Es folgten zahlreiche Arztbesuche, aber keine Klarheit. Also packte Weiß das Problem selbst an der Wurzel und machte sich auf die Suche nach einer Lösung für seine Gesundheitsprobleme.

Nach über zehn Jahren an Fortbildungen und beruflicher Tätigkeit im Gesundheitsbereich gründete er schließlich einen der ersten Orte in Österreich, der sich mit dem Thema Langlebigkeit mehrdimensional befasst: das Wiener Longevity Center. Es geht dort nicht nur um die Bekämpfung von Symptomen, sondern um die Wurzel von gesundheitlichen Leiden. Seit 2024 will das Center die Gesundheit von Menschen von Grund auf verbessern – mit speziellen Therapiemöglichkeiten.

„Mir wurde eine chronische Erkrankung diagnostiziert und gesagt, dass ich nichts dagegen machen kann. Das war der Auslöser, warum ich mir seither selbst bewiesen habe, dass dem nicht so ist. Man kann gesund und leistungsfähig bleiben, wenn man nur die richtigen Schritte setzt“, so Weiß.­

Gesund bei minus 110 Grad Celsius

Weiß wandte also Therapien an, die gesunde Zellen fördern und die Mitochondrien, also die sogenannten Kraftwerke unserer Zellen, anregen. Eine davon, die auch am Markt immer häufiger angeboten wird, ist die Kältetherapie – häufig in Form einer Kältekammer bei bis zu minus 110 Grad Celsius.

„Nur drei bis fünf Minuten in einer Kältekammer geben uns einen starken Dopaminschub. Außerdem wirkt sich die Kältetherapie positiv auf die immunologische Gesundheit aus“, erklärt Weiß. Besonders eignet sich die sogenannte „Kryokammer“ daher für Menschen mit entzündlichen Erkrankungen, Schmerzen, Rheuma und Autoimmunerkrankungen. Nicht geeignet sei die Kältetherapie für all jene, die an einer Kälteallergie oder an einem nicht eingestellten Blutdruck leiden. Außerdem nicht geeignet ist die Therapie für Schwangere.

Neben einem ordentlichen Dopaminschub – Weiß zufolge produziert unser Körper nach der Kältekammer um bis zu 350 Prozent mehr Dopamin – kurbelt die Kälte auch unseren Stoffwechsel an; und das um ganze 250 Prozent mehr als bei Zimmertemperatur. Damit kann sich die Kältetherapie positiv auf eine Gewichtsreduktion auswirken. Durch die Kälteexposition wird nämlich weißes Speicherfett in unserem Körper in braunes, aktives Fett umgewandelt. „Das ist besonders wichtig bei Menschen, deren Stoffwechsel überstrapaziert ist – unter anderem durch zu viel Stress und durch zu wenig Bewegung.“

Kälte regt auch unsere Mitochondrien an und lässt sie effektiver arbeiten. Damit werden schneller neue, gesunde Zellen produziert und alte, kranke Zellen eliminiert. Dieser Prozess nennt sich mitochondriale Biogenese – und ist einer der wichtigsten Effekte der Kältetherapie.

Kälte entspannt

Extreme Kälte kann außerdem auch gegen Müdigkeit und Erschöpfung helfen und Schlafstörungen verbessern. Denn: „Die Kälte versetzt unser Nervensystem in einen parasympathischen Zustand – es ist dann entspannt“, meint Weiß. „Durch die Konfrontationen mit Reizen – und das regelmäßig –werden unsere Zellen also resilienter; und in der Folge auch wir als Personen. Wir können mit psychischem und körperlichem Stress leichter umgehen.“

Nun stellt sich die Frage: Lassen sich derartige Effekte nicht auch mit einem einfachen Eisbad erreichen? Weiß meint dazu: „Die Kältekammer ist sanfter und für viele besser verträglich. Beim Eisbaden bekommt man oft einen Kälteschock. Das kann bei manchen eine zu hohe Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin bewirken.“

Kältetherapien sind außerdem nur dann effektiv, wenn sie auch wirklich kalt genug sind. Dazu animiert Weiß jede und jeden, vor dem Eintritt in eine Kammer auf die Kühltemperatur zu achten: „Es gibt leider viele Kammern, die eine Temperatur von minus 110 Grad Celsius versprechen, dann allerdings meist nur auf die Hälfte der angegebenen Temperatur kommen. Man braucht mindestens minus 75 Grad Celsius für optimale Effekte“, so Weiß.

Temperaturen ab minus 75 Grad Celsius hören sich unaushaltbar kalt an – und das sind sie auf Dauer auch. Für kurze, kontrollierte Zeitspannen entfalten sie aber gesundheitsfördernde Effekte. Um sich erfolgreich „gesund zu frieren“, treten Patient:innen also in eine „schöne große Kammer“, wie sie Weiß nennt. „Am Anfang ist die Kammer gar nicht so schlimm, aber ab drei bis vier Minuten wird das Ganze schon ziemlich kalt.“ Dies sei allerdings auch der Zeitpunkt, ab dem gesundheitsfördernde Effekte eintreten. Die Kammer hat schon bei Betreten minus 75 Grad Celsius. Da die Kälteübertragung über die Luft aber deut­lich langsamer ist als über das Wasser, fühlt sich die Kammer mit der Zeit immer kälter an.

Bevor man sich allerdings in eine solche Kammer begibt, braucht es noch zwei weitere Voraussetzungen: zum ersten eine individuelle Anamnese, also eine systematische Befragung zur Krankengeschichte einer Person; und zum zweiten ein Ziel. Nach detaillierter Anamnese ergibt sich für Patient:innen ein individueller Therapieplan. Weiß: „Wenn man Schmerzen oder Entzündungen hat, kann man ruhig drei Tage hintereinander in die Kammer gehen. Ansonsten hilft die Kältetherapie als unterstützende, präventive Maßnahme ein- bis zweimal wöchentlich.“

Die Therapieart soll auch Sportler:innen in Regenerationsphasen unterstützen. Man habe beispielsweise herausgefunden, dass sich Kältetherapien positiv auf die Regeneration der Muskeln auswirken und Sportler:innen somit wieder schneller ins Training einsteigen könnten. Sportler:innen rät Weiß außerdem zu einer Kombination von Kälte und Wärme: Dabei stellen sich Patient:innen direkt nach einem Kältekammer-Besuch ins Rotlicht. „Das Rotlicht hat sehr ähnliche Effekte auf unseren Körper wie die Kälte: Es stimuliert unsere Mitochondrien. Wenn man vor einer Rotlichttherapie in der Kälte war, können die Zellen das Licht noch besser absorbieren.“ Die Kombination beider Therapien habe einen positiven Effekt auf unseren Stoffwechsel und helfe bei der Revitalisierung unserer Haut, sagt Weiß.

Frieren ist gesundheitsfördernd

Wir erkennen: Frieren und gelegentliches Schwitzen sind gut für unseren Körper und könnten ruhig häufiger einen Platz in unserem Alltag finden. „Wir Menschen sind heutzutage zu wenigen Reizen ausgesetzt“, meint Weiß. „Wir konsumieren zu wenig Tageslicht und zu viel Kunstlicht. Wir sind Hitze und Kälte deutlich weniger ausgesetzt als früher – außer wir gehen in die Sauna oder Kältekammer. Früher gab es ja keine Klimaanlage und keine Heizung. Im Wesentlichen basiert unsere Gesundheit aber auf Reizen: Unsere Zellen brauchen Reize, um optimal funktionieren zu können. Hitze und Kälte – zumindest über kurze Perioden – sind also genauso wichtig für unsere Gesundheit wie Sport und gesunde Ernährung.“

Das ist nicht nur so dahingesagt, sondern hat einen medizinischen Grund: Unsere Schilddrüse regelt unsere Körpertemperatur. Damit diese gut arbeiten kann und dabei auch den Stoffwechsel anregt, braucht sie wie jede Körperzelle Kälte- und Wärmereize. Derartige Reize stimulieren unsere Schilddrüse, erklärt Weiß: „Es braucht Wärme und Kälte genauso wie Tag und Nacht. Ein gewisses Maß an Reizen ist gut für unseren Körper.“

Kältetipps für den Alltag

Wie wir das auch ohne Kältekammer in unseren Alltag integrieren können? Dafür hat Weiß ein paar Tipps: Am besten regelmäßig kalt duschen, regelmäßiges Eisbaden oder ein Eisbecken im Garten eignen sich dabei als Longevity-Hack für zu Hause. Und: „Die wichtigste Maßnahme ist der Lebensstil: also guter Schlaf, Kraftsport, gesunde Ernährung, regelmäßige Supplemente. Wenn man diese Dinge in Kombination mit der richtigen Kälte- und Wärmetherapie anwendet, macht das einen großen Unterschied.“

Als Gründer des Longevity Center Vienna sieht sich Johannes Weiß jedoch vor allem einem Ziel verschrieben: „Spaß muss es machen, das Leben. Es geht mir nicht darum, ewig zu leben. Zum Leben gehört das Sterben. Ich will nicht das Leben verlängern, sondern ich will die Qualität meines Lebens so lange wie möglich halten. Es soll mir einfach gut gehen. Und dafür sollte man sich nicht nur mit der Kälte, sondern auch mit der eigenen Psyche befassen. Das ist eine große Voraussetzung für ein langes und gesundes Leben.“

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GoStudent
© brutkasten - Felix Ohswald, Gründer GoStudent.

GoStudent verfolgt weiter seine Offline-Strategie. Bereits 2022 hatte man Studienkreis übernommen – brutkasten berichtete. Der bereits 1974 gegründete Studienkreis galt als Deutschlands größtes Nachhilfeunternehmen mit bundesweit über 1.000 Lernzentren.

Im Mai 2025 vermeldete das Unicorn dann die Erweiterung seines Geschäftsmodells und den Plan, künftig verstärkt auf stationäre Nachhilfestandorte zu setzen – siehe hier.

GoStudent erweitert sich

„Das Franchise-Modell mit stationären Nachhilfestandorten, das wir in Deutschland übernommen haben, hat sich äußerst positiv entwickelt. Deshalb ist es für uns ein logischer nächster Schritt, dieses erfolgreiche Modell nun auf weitere europäische Länder auszuweiten, in denen wir bereits mit unserer personalisierten Online-Einzelnachhilfe aktiv sind“, erklärte damals eine Sprecherin des EdTechs die Gründe für diesen Schritt.

Heute schrieb GoStudent-Gründer Felix Ohswald per LinkedIn-Post, dass man bereits am 28. August den Kaufvertrag mit der Berlitz Corporation für die Berlitz Deutschland GmbH unterzeichnet habe und sich damit nun 50 Sprachzentren in ganz Deutschland, öffentlich geförderte Integrations- und berufliche Qualifizierungsprogramme, das Geschäft mit öffentlichen Institutionen, Sprachprüfungen und Zertifizierungen, ein breites Portfolio an Präsenzkursen für Privatkunden, die Rekrutierung internationaler Fachkräfte sowie Programme für Kinder und Jugendliche einverleibt habe.

Sprachkenntnisse im Fokus

Während Berlitz das Geschäft mit Unternehmenskunden und das Online-Sprachtraining weiterführt, ist die Berlitz Deutschland GmbH seit 1. September in einem separaten Unternehmen organisiert. Die Berlitz Deutschland GmbH bleibt dabei unter der Marke Berlitz und als Franchise-Partner der Berlitz Corporation bestehen. Der Abschluss der Transaktion wird bis zum Jahresende erwartet.

Hintergrund des Deals ist die Bedeutung von Sprachkenntnissen für den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt: Rund die Hälfte aller Arbeitgeber verlangt laut dem Unternehmen mindestens Deutschkenntnisse auf B2-Niveau. Die für öffentlich geförderte Sprachprogramme notwendigen Akkreditierungen wurden über zwei Jahrzehnte aufgebaut. Die operative Führung der Berlitz Deutschland GmbH bleibt bei Mattias Schwarz und dem bestehenden Team.

Drei Beobachtungen

Den Grund für diesen Schritt erläutert Ohswald aus drei Beobachtungen und zwei Hypothesen heraus: Erstens sei Deutsch das meistgebuchte Fach in der Nachhilfe: In der Grundschule werde Deutsch sogar häufiger gebucht als Mathematik – und das gelte für Kinder aller Herkünfte.

Zweitens zeige sich ein Zusammenhang mit der Demografie: In Städten und Kreisen, in denen viele Familien zu Hause mehr als eine Sprache sprechen, sei Deutsch häufiger Bestandteil der Nachhilfeverträge. Gleichzeitig würden Familien mit Zuwanderungsgeschichte laut Bildungsforschung seltener Nachhilfe in Anspruch nehmen, obwohl der Bedarf höher wäre.

Drittens zeige sich die Bedeutung von Sprachkompetenz auch in der Mathematik: Bei der zentralen Prüfung am Ende der zehnten Klasse in Nordrhein-Westfalen würde Sprachkompetenz 14 Prozent der Unterschiede in der Mathematikleistung erklären, während es bei sozialer Herkunft und Migrationshintergrund jeweils ein bis drei Prozent seien. Zwischen dem sprachlich schwächsten und stärksten Drittel der Schüler lag dabei mehr als eine Schulnote.

„Aus diesen Beobachtungen sind zwei Hypothesen geworden, und aus den Hypothesen eine Entscheidung. Sie fällt in einen Markt, dessen Etat der Bund 2027 fast halbieren will, und in Wochen, in denen der Bundestag genau darüber berät. Man kann das den falschen Moment nennen. Wir halten es für den richtigen und erklären, warum“, beschreibt Ohswald seine Gedanken.

Hypothese 1: „Die Arbeitswelt sortiert nach Sprache, bevor sie nach Qualifikation sortiert“

Die erste Sortierung beginne Ohswald zufolge bereits in der Schule. „2021 sprachen noch 62 Prozent der Viertklässler zu Hause immer Deutsch, zehn Jahre davor 84. Jedes vierte Kind verließ die Grundschule, ohne so lesen zu können, wie es die weiterführende Schule voraussetzt. Ein Kind, das zu Hause nie Deutsch spricht, liegt im Lesen 36 Punkte zurück, auch im Vergleich mit Kindern gleicher sozialer Herkunft. Ein Teil des Rückstands ist Armut. Ein Teil ist Sprache. Der zweite Teil ist der, den Bildung beheben kann“, betont Ohswald.

Die zweite Sortierung würde an der Tür zum Arbeitsmarkt stattfinden. Sie treffe Erwachsene, die neu kommen: „Die Hälfte der Betriebe verlangt bei Einstellungen immer mindestens B2, in Gesundheit, Bildung und Finanzen drei Viertel und mehr. Die andere Hälfte stellt auch darunter ein, im Gastgewerbe, in Lager und Verkehr, in der Leiharbeit. Die Sprachschwelle entscheidet nicht, ob jemand arbeitet. Sie entscheidet, in welchem Segment. In den reglementierten Berufen ist sie Zulassungsbedingung: Ärztinnen und Ärzte brauchen überall B2 und eine Fachsprachprüfung auf C1, Pflegekräfte B2, obwohl viele mit B1 einreisen“, erklärt der GoStudent-Gründer.

Als Beispiel führt Ohswald an, dass 72 Prozent der Geflüchteten aus der Ukraine über einen Hochschul- oder vergleichbaren Abschluss verfügen, doch nur fünf Prozent bei ihrer Ankunft gut Deutsch sprechen würden. Laut Studien seien es bessere Sprachkenntnisse, die die Einstellungsbereitschaft deutlich erhöhen, während fehlende Kinderbetreuung und nicht anerkannte Abschlüsse weitere Hürden darstellen. Sprache sei damit eine zentrale Voraussetzung dafür, dass vorhandene Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sichtbar und nutzbar werden, so Ohswald.

Hypothese 2: Sprache hört nicht bei B1 auf

Der Integrationskurs – um auf seine zweite These zu kommen – zielt auf B1 ab. Für viele berufliche Wege seien jedoch weitergehende Sprachkenntnisse erforderlich, was für Ohswald bedeutet, dass auch nach dem Spracherwerb berufliche Weiterbildung schlicht ein wichtiger Schritt bleibe.

„Das IAB hat bei Geflüchteten gemessen, was nach dem Sprachkurs wirkt: Ein Sprachkurs mit Aktivierung bringt nach fünf bis sechs Jahren rund 3,5 Prozentpunkte mehr Beschäftigung“, zeigt sich der Founder auf LinkedIn überzeugt. „Eine geförderte Weiterbildung bringt rund 13 Prozentpunkte und etwa 800 Euro mehr Monatsbrutto. Sprache öffnet die Tür. Qualifikation bringt durch.“

All dies im Hinterkopf, scheint nun klar, was GoStudent mit der Berlitz-Übernahme möchte: Seine beiden Hypothesen in die Praxis übersetzen: Sprache als Schlüssel für Bildung und Arbeitsmarkt – und als Ausgangspunkt für den nächsten Schritt, die berufliche Qualifizierung, und sich weiter als stationärer Anbieter verfestigen.

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