09.09.2025
INVESTMENT

GesetzeFinden wird zu Codara: Wiener Startup startet mit neuer Marke und Investment durch

Das Wiener LegalTech-Startup GesetzeFinden.at sammelt ein sechsstelliges Investment ein und durchgeht einen umfassenden Rebranding-Prozess. Wie es nun mit dem Unternehmen weitergeht, erzählt Co-Founder Bernhard Landrichter im Interview mit brutkasten. 
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Das Gründerteam von GesetzeFinden.at | (c) GesetzeFinden.at
Das Gründerteam von © GesetzeFinden.at: Christian Kaindl und Bernhard Landrichter.

2023 starteten Christian Kaindl (CTO) und Bernhard Landrichter (CEO) mit der Plattform GesetzeFinden.at. Ihr Anspruch: Rechtsinformationen für alle zugänglich machen und damit einen Beitrag zur Demokratiebildung leisten. Das Online-Tool listet sämtliche österreichischen Bundesgesetze und verknüpft diese mit relevanten Rechtssätzen und Gerichtsentscheidungen (brutkasten berichtete).

Bereits ein Jahr später setzte das Startup gemeinsam mit der Psychologischen Fakultät der Sigmund Freud Privat Universität (SFU), der Kanzlei Cerha Hempel und Fraunhofer Austria ein Forschungsprojekt um. Ergebnis war das Legal Large Language Model namens AmigaAI, gefördert durch die FFG (brutkasten berichtete).

Namhafte Investoren

Die im Mai abgeschlossene Finanzierungsrunde kann sich sehen lassen: Beteiligt haben sich die Hans(wo)men Group, Angels United rund um Hermann Futter, Mavest OG und der ehemalige “2 Minuten 2 Millionen”-Investor und Medienmanager Michael Grabner. Das Investment beläuft sich auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. „Wir haben rasch Großunternehmen als Kunden für unsere B2B-Produkte gewonnen. Daher konnten wir auch mehrere Angel Investoren für uns gewinnen”, erzählt Landrichter im Gespräch mit brutkasten.

Die Mittel sollen vor allem in die technologische Weiterentwicklung fließen. „Wir arbeiten derzeit an einem technischen KI-Forschungsprojekt, das unsere nächsten Produkte noch besser machen wird”, so Landrichter. Ein Teil des Budgets sei jedoch für das neue Branding, die Steigerung der Sichtbarkeit und die Expansion nach Deutschland vorgesehen.

Laut Firmenbuch verteilen sich die Unternehmensanteile nach dem Investment folgendermaßen:

Die Produkte von Codara

Künftig firmiert ein Teil des Geschäfts unter dem Namen Codara. Damit soll die klare Trennung zwischen dem kostenlosen B2C-Angebot und den kostenpflichtigen B2B-Services sichtbar werden. „Unsere B2B-Kunden haben uns klar signalisiert, dass sie eine deutlichere Abgrenzung zu unserer Gratis-Plattform GesetzeFinden brauchen”, sagt Landrichter. „In den letzten Monaten wurde mir immer klarer, dass wir keine einheitliche Marke führen.“ Die eigenständige, neue Brand Codara beinhaltet nun die kostenpflichtigen Produkte wie das Regulatory Monitoring und Judikatur Monitoring. Diese KI-Lösungen sollen Unternehmen dabei helfen, regulatorische Anforderungen effizient und rechtssicher umzusetzen. Dadurch sollen Compliance-Risiken stark reduziert werden.

Ein neues Produkt, der Regulatory Radar, wird noch diesen Herbst auf den Markt gebracht und hilft Unternehmen dabei, Gesetzesentwürfe automatisiert zu beobachten. Darüber hinaus arbeitet das Startup derzeit an zwei weiteren Tools: einer Lösung für internes Richtlinienmanagment sowie an einem System für automatisiertes Bescheidmanagement. Langfristig plant Codara weitere Produkte für Legal-Operations-Prozesse zu entwickeln, die sich automatisieren lassen, wie Landrichter erklärt. Alle Produkte sollen dabei einen spezifischen Use Case lösen und modular einsetzbar sein.

Wien Energie als Kunde

Besonders interessant seien die KI-Lösungen für Unternehmen, die stark regulierten Branchen angehören. „Mit unseren KI-gestützten Legal-Tech-Lösungen möchten wir manuelle Routinearbeiten von Compliance- und Rechtsabteilungen effizienter gestalten“, so Landrichter. Klassische Anwendungsbereiche dafür seien laut ihm die Bereiche Industrie und Energie. Abgesehen davon möchte man auch Finanzdienstleister ansprechen. Zu den bisherigen Kunden zählen unter anderem die Austrian Power Grid, AUVA, Wien Energie, Energie Steiermark, KSV1870 und Spar.

„Gesundes Unternehmen aufbauen“

Das zehnköpfige Team will in den kommenden zwei Jahren den gesamten DACH-Raum abdecken. Priorität habe jedoch zunächst ein solides Fundament. „Unser Ziel ist, in den nächsten ein bis zwei
Jahren ein gesundes Unternehmen mit einer soliden Kundenbasis aufzubauen“, sagt Landrichter. “Danach evaluieren wir, ob wir über Deutschland hinaus expandieren möchten und dafür einen VC an Bord holen“, ergänzt er abschließend.

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Hugues Chopard (SIRIUS Space) und Guillaume Brault (Tumbleweed) auf der World Space Business Week 2026 in Paris

Neue Medikamente entwickeln, reinere Kristalle züchten, Materialien testen: In der Schwerelosigkeit verhält sich Materie anders als auf der Erde. Für Pharma- und Materialforschung führt der Weg ins All bisher fast immer über die Internationale Raumstation ISS, die nach aktuellen Plänen Ende 2030 außer Betrieb gehen soll. Nun wollen das Wiener Weltraum-Unternehmen Tumbleweed und der französische Raketenbauer Sirius Space Services einen weiteren Zugang schaffen.

Pods als Zugang zur Schwerelosigkeit

Das Wiener Startup setzt auf standardisierte „Pods“, mit denen Kund:innen Experimente im All durchführen können. Der Zugang zur Schwerelosigkeit sei dadurch laut Tumbleweed zehnmal günstiger und fünfmal schneller als auf dem herkömmlichen Weg. Dafür haben beide Unternehmen eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet. Ziel ist es zu prüfen, ob die Forschungsbehälter der Wiener auf den Raketen der Franzosen ins All transportiert werden können.

Der erste Schritt: Suborbitale Testflüge

Den Auftakt der Zusammenarbeit soll der erste Testflug des französischen Unternehmens, „Sirius S1B Ballistic“ (S1B), markieren. Er soll laut Tumbleweed zentrale Raketentechnologien erproben und dabei Schwerelosigkeit bieten. Deshalb wäre die Mitnahme von Forschungsexperimenten möglich. Die beiden Unternehmen prüfen aktuell die technischen Schnittstellen und Betriebsbedingungen.

Einen konkreten Flugtermin nennen die Unternehmen nicht. Auf Nachfrage verrät man gegenüber brutkasten, dass der Testflug S1B, auf dem die Pods mitfliegen könnten, innerhalb der nächsten zwei Jahre stattfinden solle.

Langfristige Pläne: Der Weg in den Orbit

Langfristig zielt die Partnerschaft auf orbitale Missionen ab. Sobald das 2020 gegründete Unternehmen Sirius seine wiederverwendbaren Trägerraketen Sirius-1, Sirius-13 und Sirius-15 in Betrieb nimmt, soll evaluiert werden, wie die Tumbleweed-Pods damit in die Erdumlaufbahn gelangen können. Die Raketenfamilie soll laut Unternehmen Satelliten mit bis zu 1.100 Kilogramm in eine sonnensynchrone Umlaufbahn in 600 Kilometern Höhe bringen.

Einen konkreten Flugtermin nennen die Unternehmen nicht. Laut Medienberichten plant Sirius den Testflug S1B für 2027. Antoine Fourcade, CEO von Sirius Space Services, betont das Ziel, aus der ersten Gelegenheit auf der S1B konkrete Missionen zu machen und „die Grundlagen für künftige Startdienste auf unseren Orbital-Raketen“ zu legen.

Erfolgreiche erste Mission

Während die Kompatibilitätsprüfungen für den ersten Flug laufen, arbeitet das Team von Tumbleweed, das mittlerweile über 20 Mitarbeitende an den Standorten Wien und Delft umfasst, parallel bereits an „Oasis Beta“. Dies soll der rückkehrfähige Nachfolger der im Juli 2026 gestarteten Mission „Oasis Alpha“ werden, die vier Kundennutzlasten an Bord der SpaceX-Falcon-9-Rakete ins All brachte – brutkasten berichtete.

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