19.04.2017

Das Geschäft mit den Informationsmassen

Daten, Daten, Daten. Die zunehmende Digitalisierung und das Internet of Things produzieren eine Flut an Informationen, die sicher aufbewahrt und analysiert werden müssen. Für Startups und Konzerne ergeben sich daraus neue Problemfelder – aber auch Möglichkeiten.
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(c) Sashkin -fotolia.com

Das kommerzielle Internet feierte vor Kurzem seinen 25. Geburtstag. Eine ganz so junge, aufstrebende Technologie ist es somit also nicht mehr. Dennoch, so unterschiedlich innovative Geschäftsideen auch aussehen mögen, eines haben sie meist gemeinsam: das Internet als solide Basis. Über 8590 Exabyte an Information werden jährlich rund um den Globus geschickt. Ein Exabyte ist eine Zahl mit 18 Nullen dahinter. Bis zum Jahr 2020 soll sich der Datenverkehr beinahe verfünffachen und auf mehr als 40.026 Exabyte pro Jahr anschwellen. Wie das? Heute werden Informationen längst nicht mehr nur von PC zu PC oder Smartphone übertragen. Auch Maschinen können sich via Internetverbindung miteinander austauschen. Vom Fertigungsroboter in Fabriken über Fahrzeuge bis hin zu gewöhnlichen Alltagsgegenständen kommunizieren bereits alle Arten von Geräten miteinander. Zunehmend entsteht so eine vernetzte, smarte Parallelwelt.

Eine Farm für Server

Man muss gar nicht besonders kreativ werden, um daraus eine Menge Kapital zu schlagen, denn der Markt für Big Data und Data Analytics boomt. Zunächst einmal bedarf es beispielsweise einer Möglichkeit, die Informationsmassen zu speichern und zu verarbeiten. Firmen wie Facebook betreiben aus diesem Grund gleich mehrere Datenzentren. Ende 2012 verfügte die Social-Media-Plattform über mehr als 180.000 Server, die auf zwei Rechenzentren in den USA aufgeteilt waren. 2013 wurde eine dritte Serverfarm in Schweden eröffnet, nach dem Bau einer weiteren in den USA gab das Unternehmen im Jänner 2016 bekannt, dass es ein sechstes Rechenzentrum errichten wolle, dieses Mal in Irland.

Ab ins Kühle

Die Anlagen sind so groß wie Turnhallen, in engen Reihen nebeneinander stehen Servertürme. Weil sie eine enorme Hitze erzeugen, benötigen sie vor allem eines: Kühlung. Standorte in nördlichen Regionen wie etwa Skandinavien sind darum bei den IT-Unternehmen besonders beliebt. Andersherum erhoffen sich viele Abwanderungsgebiete durch den Bau von Datenzentren Wirtschaftswachstum. Die Energieversorgung der Serverfarmen gestaltet sich als lukratives Geschäft für die örtlichen Stromanbieter.

Wohin mit den Daten?

Der enorme Energieverbrauch eines Rechenzentrums und die damit verbundenen Kosten können aber nicht nur für Milliardenkonzerne wie Facebook oder Google ein Hindernis darstellen. Auch kleine IT-Unternehmen mit wenigen Servern stehen heute oft vor der Frage nach geeigneten Speicherlösungen für große Mengen an Information. Vor allem viele junge Unternehmen entscheiden sich deswegen dafür, die IT von der Gründung an auszulagern. Hier kommen dann andere Unternehmen ins Spiel, deren Geschäftsmodell darauf aufbaut, sich ebendieses Bereichs anzunehmen. Sie bieten beliebig skalierbare Serverkapazitäten, die bei Bedarf einfach erweitert werden können und es möglich machen, die Serverlösung immer an die Bedürfnisse des Unternehmens anzupassen.

Der Container vor der Haustür

Eine durchaus kreative Option sind Datenzentren im Container, wie sie etwa von Huawei, HP und Rittal gefertigt werden. Vorstellen kann man sich das so: Alles, was der Kunde benötigt, ist ein Wasser-, und Stromanschluss sowie eine Datenleitung, dann kann der Container mit seinen Servern an jedem beliebigen Ort aufgestellt werden, vom privaten Vorgarten bis zum Firmen-Hinterhof. Die Investitionskosten für diese mobilen Datenzentren sind kleiner als beim Bau eines klassischen Rechenzentrums. Die Container können auch für einen bestimmten Zeitraum angemietet und dann wieder ab- gegeben werden und sind daher vor allem für Startups attraktiv.

Vorarlberger stark im Business

Für eine Container-Umgebung besonders geeignet ist der Cloud- Dienst Crate Data. Dahinter steht ein Startup aus Dornbirn in Vorarlberg, das sich mit Speicherlösungen für große Datenmengen auseinandersetzt. Sehr technisch erklärt ist es das Ziel von Crate, durch den Einsatz der Datenbanksprache SQL (Structured Query Language) die Unabhängigkeit der Anwendungen vom eingesetzten Datenbankmanagementsystem zu erreichen. Entwickler können mithilfe des Programms auch riesige Datenbanken in Echtzeit abfragen. Wachsende Anwendungen, die wie das Internet of Things eine große Menge an Daten produzieren, sollen dadurch leichter umsetzbar gemacht werden. Für Laien klingt das alles hoch kompliziert und undurchsichtig. In Developer-Kreisen steht das Vorarlberger Startup rund um Gründer Jodok Batlogg aber bereits hoch im Kurs. Erst im März konnte es eine Finanzierungsrunde in der Höhe von 3,6 Millionen Euro abschließen. Neben erfahrenen Branchenkennern aus den USA ist auch der österreichische Risikokapitalgeber Speedinvest dabei. Das Startup konzentriert sich aktuell auf die Erschließung des amerikanischen Marktes.

Redaktionstipps

Eine Frage der Kosten

Da die Datenspeicherung aber nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Organisation, Effizienz und schlussendlich der Kosten ist, eroberten in den vergangenen Jahren Startups den Markt, die sich mit der Analyse von Business-Anwendungen im Firmennetz beschäftigen und so dazu beitragen wollen, die Kosten für die Datensicherung zu senken. Das Startup „nLayers“ ist seit mehr als zehn Jahren erfolgreich, indem es genaue Modelle der Daten Flüsse eines Unternehmens erstellt und somit Verwaltungsaufgaben und die Konsolidierung von Server-Umgebungen vereinfacht – alles mit dem Ziel, langfristig Kosten zu sparen.

Standards für den Datenschutz

Während die Bedeutung von Startups im Bereich Big Data und Data Analytics also immer stärker zunimmt, stehen viele Neugründer aber vor der Frage, wie und wo sie ihre gesammelten Daten speichern sollen. Unabhängig von der Menge an Information geht es dabei vor allem auch um den Umgang mit sensiblen Nutzerdaten. Gerade bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen steht das Thema Datenschutz häufig nicht ganz oben auf der Agenda, oft gibt es keine einheitlichen Vorgaben und Standards, weder aus technischer noch aus organisatorischer Sicht. Das sei ein Problem, meinen Experten, weil die Einhaltung von datenschutzrechtlichen Vorgaben so nicht gewährleistet werden kann. Und auch der Unternehmenserfolg wird davon beeinflusst: Wer Datenschutz ernst nimmt, sichert sich gerade in Zeiten der Angst um die Privatsphäre das Kundenvertrauen und hat somit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Der Datenschutz wird zusehends zum Geschäftsmodell von morgen. Ein sicheres Verschlüsselungssystem für online gespeicherte Daten kann Milliarden einbringen.

Ein neuer Wettbewerb

Dennoch kann die Wahl des richtigen Anbieters zur sicheren Ablage größerer Datenmengen schwierig sein. Nachdem es in der Vergangenheit immer wieder zu Pannen bei einzelnen Cloud-Anbietern kam, ist eine Cloudbasierte Speicherlösung oft stark mit der Angst vor unerlaubtem Zugriff verbunden. Das deutsche Startup Boxcryptor hat gezeigt, wie man aus dieser Sorge Kapital schlagen kann: Es ermöglicht, Dateien bei Cloud-Providern mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu versehen. Derzeit entdecken immer mehr Firmen, dass eine stärker werdende Nachfrage für Datenschutz-Produkte besteht, und bringen Konkurrenzprodukte auf den Markt. Dass Daten in einer zunehmend digitalisierten Welt zu einer neuen Währung werden, bedeutet eben auch, dass sich ein ganz neuer Wettbewerb ergeben wird: zwischen Anbietern von Speicherlösungen, Analyseprogrammen und Datenschutzmaßnahmen.

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vlonru.: Franz Humer, Katrin Freihofner, Michael Hurnaus, Jeannette Gorzala, Monika Köppl-Turyna und Lukas Helminger | Collage brutkasten - (c) brutkasten / Straion / Tractive / Bild bereitgestellt / Weinwurm Fotografie / Taceo
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Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Bei wem holt sich die heimische Innovationsszene ihre Inspiration? Wir haben bei einigen führenden Köpfen nachgefragt, wer sie in letzter Zeit besonders beeindruckt hat und warum.

Franz Humer, ehem. Agilox-Gründer und Co-Founder & CEO von novventos

Franz Humer | (c) brutkasten

Alex Zanardi. Er ist Anfang Mai von uns gegangen, am selben Tag wie vor 32 Jahren mein Jugend-Idol Ayrton Senna. Ich war 2001 am Lausitzring dabei, als Zanardi im Rahmen eines Indy-Car-Rennens bei einem Horror-Crash beide Beine verlor. Mit seinem unbändigen Lebenswillen blieb er Rennfahrer und wurde zu einem der erfolgreichsten paralympischen Athleten Italiens. Parallele im Startup-Leben: Nach jedem Rückschlag stärker zurückkommen – aus eigener Kraft.

Katrin Freihofner, Co-Founderin Straion

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Die Lebensgeschichte von Michèle Mouton beeindruckt mich immer wieder, weil sie als eine der wenigen Frauen im Rallye-Sport nicht nur mithielt, sondern gewann. Sie kombinierte technisches Verständnis mit kompromisslosem Wettbewerbsgedanken und wurde so zur Ausnahmeerscheinung in einer stark männerdominierten Branche. Ihre Karriere zeigt, wie Leistung bestehende Grenzen verschiebt.

Michael Hurnaus, ehem. Co-Founder & CEO Tractive

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Peter Steinberger. Er hat mittlerweile mehrfach bewiesen, wie man aus Österreich heraus wirklich erfolgreich sein kann. Diese Vorbildwirkung ist ein enormer Wert für die Gesellschaft und zeigt, dass AI nicht nur in den USA und in China passiert.

Jeannette Gorzala, Founderin & CEO Act.AI.Now

Jeannette Gorzala | Bild bereitgestellt

Stephanie Meisl. Sie ist eine österreichische Medienkünstlerin und Pionierin an der Schnittstelle von Kunst und KI. Mit Projekten wie „s.myselle“, „Schiele’s Ghost“ und „D#AVANTGARDE“ prägt sie den Diskurs über digitale Identität und Humanismus. Ihre Arbeiten verbinden Technologie, Gesellschaft und Medien und stellen zentrale Fragen nach Realität, Kontrolle und Menschlichkeit im digitalen Zeitalter. Als Vice Chair des Creative Industry Council prägt sie aktiv die Zukunft der Kreativwirtschaft.

Monika Köppl-Turyna, Direktorin EcoAustria

Monika Köppl-Turyna | (c) Weinwurm Fotografie

Peter Steinberger. Er hat mich beeindruckt – nicht, weil er zu OpenAI gegangen ist, sondern weil er gegangen ist, obwohl er wusste, was ihn erwartet: Skepsis, Neid, Beschimpfungen. Statt sich anzupassen, hat er einfach weitergemacht; mit einer fast kindlichen Begeisterung für das, was er baut. Dieser Mut, die eigene Überzeugung über das bequeme Heimspiel zu stellen, ist selten – und hoffentlich ansteckend!

Lukas Helminger, Co-Founder & CEO Taceo

Lukas Helminger | (c) Taceo

Astrid Woollard. Sie war hautnah dabei, als Ethereum seine ersten Schritte machte, und ist heute General Partner bei Smape Capital, einem der wenigen wirklich erfolgreichen Crypto-Fonds. Astrid bewegt sich wie kaum jemand sonst gleichermaßen souverän an der technologischen Frontier wie in der unternehmerischen Realität von Blockchain-Anwendungen – und obwohl sich in unserer Branche vieles oft zäh anfühlt, hat sie ihren Optimismus nicht verloren. Genau diese Mischung aus Tiefe, Erfahrung und Zuversicht inspiriert mich.

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