27.10.2025
HEALTH

Gentastic: Klagenfurter Gen-Startup liefert DNA-Analysen gegen Gießkannenprinzip

Das Klagenfurter HealthTech-Startup Gentastic sagt dem Gießkannenprinzip in der Gesundheitsvorsorge den Kampf an. Mit einer Breitband-DNA-Analyse und personalisierten Mikronährstoff-Formulierungen will Gründer Sebastian Guntschnig zeigen, dass Prävention nur funktioniert, wenn sie individuell ist.
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Gentastic
© Gentastic - Sebastian Guntschnig von Gentastic.

Sebastian Guntschnig vertritt die Überzeugung, dass Gesundheit nicht nach dem „One-size-fits-all“-Prinzip (Gießkanne) funktioniert. „Jeder Körper reagiert unterschiedlich auf Ernährung, Bewegung, Supplemente und weitere Einflussfaktoren“, sagt er. Und hat deswegen 2022 seine Idee zu Gentastic, einem Gen-Analyse-Startup aus Klagenfurt, ins Laufen gebracht.

Gentastic mit Breitband-DNA-Analyse

„Während der zweijährigen Entwicklungszeit haben wir unsere Labor-Pipeline aufgebaut, umfassende Datenbanken erstellt und eine Inhouse-Produktion für Mikronährstoffmischungen implementiert“, erklärt Guntschnig. „Anfangs wurden die Proben im eigenen Labor analysiert. Mit einem strategischen Fokuswechsel hin zur Entwicklung unserer SaaS-Systeme konnten wir uns langfristig nachhaltiger, innovativer und flexibler aufstellen – und so das fertige Produkt erfolgreich am Markt positionieren.“

Im Mittelpunkt des Unternehmens steht eine Breitband-DNA-Analyse, die mit modernen Methoden durchgeführt werde und Einblicke in Stärken, Schwächen, Defizite und Risiken liefere. Auf Basis dieser Daten werden folglich individuelle Berichte erstellt, die über die eigene Plattform ausgespielt werden: „Alle Berichte wurden von uns selbst entwickelt, kontinuierlich optimiert und mit Feedback von Ärzten, Longevity-Kliniken und Fachpartnern angereichert. So sind detaillierte, aber leicht verständliche Reports entstanden – mit konkreten Tipps und Empfehlungen für den Alltag“, sagt Guntschnig.

Lebensstil

Darauf aufbauend analysiert Gentastic die Metabolisierung von Vitaminen und kombiniert diese Erkenntnisse mit einem Lebensstil-Fragebogen. „So können wir eine maßgeschneiderte Mikronährstoff-Formulierung entwickeln und in unserer Produktion direkt umsetzen“, so der Founder weiter. Der Kunde erhält dann ein Komplettpaket aus den wichtigsten Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren und Fettsäuren – im Abo nach Hause geliefert.

„Unser Test funktioniert ganz einfach mit einer Speichelprobe, erhältlich über unser Partnernetzwerk oder unseren Online-Shop“, präzisiert Guntschnig. „Unser USP liegt in der Verknüpfung verschiedener Systeme zu einem innovativen Gesamtkonzept: datengetriebene Supplementierung, eine DNA-Analyse, die weit über Lifestyle-Reports hinausgeht, und der Grundstein für ganzheitliche Prävention und Longevity ist.“

Gentastic-Founder: „Verschwenden Ressourcen“

Das sogenannte Gießkannenprinzip beschreibt den Ansatz, allen Menschen dieselbe Lösung anzubieten – unabhängig von ihren individuellen Unterschieden. In der Gesundheitsbranche zeige sich das zum Beispiel darin, dass ein und dieselbe Diät, dasselbe Supplement, Medikamente oder dieselbe Therapie für alle empfohlen werde, ohne Rücksicht darauf, wie der einzelne Körper tatsächlich reagiert, so die Erfahrung der Gründers.

„Das Problem dabei: Wir verschwenden enorme Ressourcen für Produkte, die oft gar nicht wirken, oder im schlimmsten Fall sogar schaden können. So nimmt etwa eine Person Eisenpräparate ein, obwohl ihr Körper Eisen ohnehin sehr effizient speichert – mit potenziellen Risiken für die Gesundheit“, erklärt Guntschnig weiter. „Gleichzeitig scheitern über 80 Prozent aller Diäten nicht aus Mangel an Disziplin, sondern weil die genetischen und biologischen Voraussetzungen von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind. Das Gießkannenprinzip ignoriert diese Individualität – und genau hier setzt Gentastic an, indem wir wissenschaftliche Daten nutzen, um personalisierte und wirklich wirksame Lösungen zu entwickeln.“

Growth-Phase

Die Entwicklung von Gentastic wurde nahezu vollständig mit Eigenkapital finanziert, bewusst ohne den Einstieg externer Investoren: „Unser Ziel war es, zunächst ein stabiles Konzept mit einem klaren Proof of Concept aufzubauen. Heute haben wir alle wesentlichen Prozesse – vom Probenversand über die Analytik und Datenbankimplementierung bis hin zur Produktion der personalisierten Mikronährstoffmischungen – erfolgreich etabliert und stabilisiert“, betont der Founder.

Aktuell befinde man sich in einer Wachstumsphase und sucht gezielt nach Investoren, um die steigende Nachfrage zu bedienen und die Produktion sowie internationale Expansion weiter voranzutreiben.

Neue Analysebereiche im Fokus

Zudem arbeitet man in Kooperation mit einem Expertenteam an der Entwicklung neuer gesundheitsrelevanter Analysebereiche. Mit dem Ziel, genetische Risiken für verschiedene Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und durch ein pharmakogenetisches Panel zusätzlich die individuelle Verträglichkeit und Wirksamkeit von Medikamenten besser einschätzen zu können.

Dazu steht Gentastic in einer Arbeitsgemeinschaft mit Branchenexperten, in der jede Partei ihre spezifische Expertise einbringt. Auf diese Weise soll ein Produkt entstehen, das nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch auf die Anforderungen des österreichischen Marktes zugeschnitten sei.

„Unser Hauptfokus liegt weiterhin auf der personalisierten Mikronährstoffversorgung“, sagt Guntschnig. „Die nächsten Schritte bestehen darin, unsere Datenbank und Software konsequent weiterzuentwickeln und parallel unser Business-Partner-Netzwerk massiv auszubauen, um eine schnelle und nachhaltige Marktdurchdringung zu erreichen.“

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Gründer-Duo Josef Chen (l.) und Ivan Tregear (r.) mit dem Roboter Fusion. (c) Kaikaku

Im China-Restaurant seiner Eltern in Linz schälte Josef Chen bereits in seiner Kindheit Kartoffeln und half im Betrieb. Die Idee für sein Startup kam dem Oberösterreicher genau hier: Wiederkehrende Restaurantarbeit mit Robotik zu automatisieren. Über Chens Werdegang hat brutkasten bereits berichtet.

Nach einigen Gründungen verzeichnete Chen durch Kaikaku seinen bislang größten Erfolg: Innerhalb von drei Monaten nach der Gründung im April 2023 konnten dafür bereits 750.000 US-Dollar an Investments eingesammelt werden. Nun gibt der Founder die Übernahme durch das US-Unternehmen Reef, und damit einen erfolgreichen Exit bekannt.

„Kaikaku haben wir in London aufgebaut. Die Idee entstand aber im Restaurant meiner Eltern in Linz. Dass wir jetzt bei Reef daran weiterarbeiten können, macht mich stolz“, sagt Chen.

360 Bowls pro Stunde

Das Herzstück von Kaikaku heißt Fusion, ein modularer Roboter. Im eigenen Bowl-Restaurant Common Room, das bis November 2024 in London geöffnet hatte, wurde der Roboter getestet. Mittlerweile hat Kaikaku fünf Generationen von Fusion entwickelt. Der Roboter portioniert die Zutaten nach Bestellung. Nach Unternehmensangaben schafft die fünfte Generation je nach Konfiguration bis zu 360 Bowls pro Stunde.

30 Mio.-Dollar Bewertung

„Wir haben eine (bisher) unangekündigte Seed-Runde über 4 Millionen Dollar in einer Branche eingesammelt, die die meisten Investoren – ehrlich gesagt – als total unsexy abgeschrieben hatten“, kommentiert der Founder auf LinkedIn. Das Unternehmen wurde nach Angaben von Chen Ende 2025 mit 30. Mio.-US-Dollar bewertet.

Über den jetzigen Verkaufspreis an Reef wird geschwiegen. Was bekannt ist: Kaikaku bringt seine Technologie und sein Kernteam zu Reef.

SoftBank Vision Fund 1 als Investor

Das US-Unternehmen Reef – spezialisiert auf digitale Infrastruktur für Gastronomie und lokale Services – hat seit der Gründung über 1,5 Milliarden US-Dollar Kapital eingeworben. Zu den Investoren zählt unter anderem der 98,6 Milliarden US-Dollar schwere SoftBank Vision Fund 1. Details zur aktuellen Finanzlage, der Eigentümerstruktur oder der genauen Höhe einzelner Beteiligungen lässt Reef in seiner aktuellen Ankündigung allerdings offen.

„Reef ist die Skalierung“

Mit den Worten: „Wir sind nicht hier, um einfach nur einen beeindruckenden Roboter zu bauen. Wir sind angetreten, um zu beweisen, dass die Technologie reif ist, die Unit Economics funktionieren und das Einzige, was jetzt noch fehlt, Skalierung ist. Reef ist diese Skalierung. Bald mehr dazu“, lässt Chen die Zukunft des Unternehmens offen. Was nach Chen jedenfalls feststeht: Im Markt für Gastronomie-Infrastruktur und Kitchen-Tech würde sich derzeit eine Phase hoher Kapitalzuflüsse abzeichnen.

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