18.03.2025
STATISTIK

Gender Investment Gap: Nur geringe Verbesserung in Österreich

Der Female Startup Funding Index 2024 von Female Founders, Fund F und EY liefert aktuelle Zahlen zum Gender Investment Gap in Österreich.
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Mind the Gap - Gender Investment Gap
(c) Suad Kamardeen via Unsplash

„Frau im Gründungs-Team in Österreich Dealbreaker bei Startup-Investments“ titelte brutkasten – bewusst überspitzt – im Jahr 2023. „90 Prozent des Finanzierungsvolumens für Startups fließen in rein männliche Gründerteams“ war die Headline im Jahr 2024. In den Artikeln ging es um den Female Startup Funding Index, der von Female Founders, Fund F und EY herausgegeben wird. Nun ist es wieder soweit. Es gibt neue Zahlen zum Gender Investment Gap. Die gute Nachricht: Es gab eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr. Die schlechte: Das Niveau ist nach wie vor sehr niedrig.

Verbesserung auf sehr niedrigem Niveau

Immerhin: Während sich der Gender Investment Gap in Österreich von 2022 auf 2023 sogar vergrößert hatte, stieg der Anteil an von Frauen (mit-)gegründeten Startups, die ein Investment erhielten, im Vorjahr wieder an. Die absoluten Zahlen sind aber immer noch denkbar weit von einem ausgeglichenen Verhältnis entfernt. So sind nur 35 der 313 Gründer:innen österreichischer Startups, die 2024 ein Investment erhielten, Frauen. Das entspricht einem Anteil von 11,2 Prozent. Im Jahr 2023 waren es 29 von 335 gewesen.

24 Prozent der Startups mit Kapitalrunden 2024 haben Gründerinnen

Vier von 134 österreichischen Startups, die 2024 ein Investment erhielten, haben ein rein weibliches Gründungsteam: HeldYn, Matr, myBios und Vienna Textile Lab. Das entspricht einem Anteil von rund drei Prozent – ein Plus von einem Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr. Weitere 28 investmentfinanzierte Startups (21 Prozent / plus sieben Prozentpunkte zu 2023) haben zumindest eine Frau unter den Gründer:innen. Insgesamt sind somit 24 Prozent der Startups, die 2024 in Investment erhalten haben, gemischtgeschlechtlich bzw. rein weiblich.

Gender Investment Gap auch beim Volumen

Frauen sind in der Investment-Statistik aber nicht nur generell unterrepräsentiert. Auch sind die Investmentrunden von Startups mit Gründerinnen tendenziell kleiner. Während der Anteil an von Frauen (mit-)gegründeten Startups bei Finanzierungsrunden mit einem Volumen unter einer Million Euro rund 17 Prozent beträgt, sind es bei einer bis zehn Millionen Euro nur drei Prozent. Eine Finanzierung zwischen zehn und 50 Millionen Euro holte sich 2024 überhaupt kein Startup mit Gründerin. In der höchsten Kategorie – über 50 Millionen Euro – die nur drei Kapitalrunden umfasst, sorgt Prewave-Gründerin Lisa Smith im Alleingang für einen Frauenanteil von 17 Prozent.

Starke Unterschiede im Branchen-Vergleich

Massive Unterschiede gibt es auch im Branchen-Vergleich. Am höchsten ist der Frauenanteil mit 40 Prozent in den Gründungsteams der AgTech/FoodTech Startups (zwei Frauen von insgesamt fünf Gründer:innen). Auf den Rängen zwei und drei folgen die Sektoren e-commerce (vier von 14) und Recruitment (eine von fünf). Am Ende der Skala finden sich die Branchen AdTech, Education, FinTech/InsurTech, Professional Services und Proptech mit keiner einzigen Finanzierungsrunde mit Frau im Gründungsteam.

Gender Investment Gap im DACH-Vergleich: Österreich hinter Schweiz, aber vor Deutschland

Im DACH-Vergleich liegt Österreich beim Gender Investment Gap mit seinen 11,2 Prozent Gründerinnen von Startups, die 2024 ein Investment erhielten, übrigens hinter der Schweiz (14,2 Prozent), aber knapp vor Deutschland (10,6 Prozent). Beim Anteil der Startups mit Kapitalrunde im Vorjahr mit mindestens einer Frau im Gründungsteam liegt Österreich mit seinen 24 Prozent etwa gleichauf mit der Schweiz und abermals knapp vor Deutschland (21 Prozent).

Fassl: „Maßnahmen, die bisher gut funktioniert haben, ausbauen und mit mehr Kapital ausstatten“

„Die Zahlen zeigen, dass Veränderung passiert und die Maßnahmen, die in den letzten Jahren gesetzt wurden, greifen. Dass der Weg zur Gleichberechtigung in der Tech-Welt noch ein weiter ist, ist mittlerweile allgemein bekannt“, kommentiert Lisa Fassl, Gründerin und Managing Partner Fund F. Dass der Need für Gleichberechtigung immer größer werde – vor allem mit fortschreitenden globalen Krisen und den internationalen politischen Entwicklungen – sei „ebenfalls offenkundig“.

Fassl appelliert an die Politik: „Die Maßnahmen, die bisher gut funktioniert haben, ausbauen und mit mehr Kapital ausstatten. Das beschleunigt den Weg zur Gleichberechtigung ums Vielfache, auch über die Tech-Welt hinaus.“

Insgesamt schwaches Investment-Jahr 2024

Die gesamte Entwicklung des Gender Investment Gap passierte im Vorjahr unter insgesamt mäßigen Voraussetzungen für Startup-Investments. Sowohl die Anzahl der Finanzierungsrunden (minus 35 auf 149) als auch das Gesamtvolumen (117 Mio. Euro auf 578 Mio. Euro) ging von 2023 auf 2024 zurück.

„Was man im vergangenen Jahr vielfach gespürt und aus der Start-up-Szene gehört hat, zeigt sich jetzt ganz eindeutig in den Zahlen: Es war ein immens schwieriges Jahr für alle Start-ups und Scale-ups, besonders was das Thema Fundraising betrifft. Ich fürchte, dass wir die Konsequenzen daraus erst in diesem Jahr wirklich sehen werden und frühestens 2026 hoffentlich eine Trendumkehr passiert“, meint Fassl.

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Die beiden Geschäftsführer von mathion.ai Christoph Blizenetz und Alexander Buchinger | © mathion.ai

„Nächste Stunde ist Mathestunde“, ist vermutlich einer der gefürchtesten Sätze vieler Schüler:innen. Die Aufgaben sind oft schwierig und zermürbend. Da bietet es sich im Zeitalter von KI an, einen kurzen Prompt zu schreiben und Sekunden später wird die Lösung geliefert. Der Lerneffekt hält sich dabei bei vielen Schüler:innen in Grenzen. Hier setzt mathion.ai an.

Die KI von Founder Christoph Blizenetz liefert nicht fertige Lösungen, sondern chattet mit den User:innen und bringt sie so zum Ergebnis. Nach einem Pilotprojekt feierte die KI ihren Launch im vergangenen August. Sie ist in der Schweiz, Deutschland und Österreich erhältlich.

Harvard: „KI-gestütztes Tutoring übertrifft aktives Lernen im Unterricht“

Unterstützung erhalten KI-Tutoren wie jene von Blizenetz von der US-amerikanischen Harvard Universität. Im Juni 2025 veröffentlichte sie eine Studie, laut der KI-gestütztes Tutoring aktives Lernen im Unterricht übertreffe. Studierende, die mit einem KI-Tutor arbeiteten, lernten „deutlich mehr in kürzerer Zeit“ als in einer Präsenzveranstaltung. Außerdem würden sich Schüler:innen stärker eingebunden und motivierter fühlen. Harvard betont die Wirksamkeit „einer breit zugänglichen KI-gestützten Pädagogik zur signifikanten Verbesserung der Lernergebnisse“ und erklärt, dass die Ergebnisse überzeugend für die breite Anwendung einer KI-gestützten Pädagogik sprechen.

ChatGPT bringt dir Fertigkeiten bei, „die einfach nicht stimmen“

Für Blizenetz kann nicht einfach eine beliebige KI zum Lernen verwendet werden. Als ehemaliger Nachhilfelehrer kennt er die Probleme, die auftreten können. „Eine Schülerin hat mittels ChatGPT, das war damals noch etwas Neueres, gelernt und sich dabei Fertigkeiten und Begrifflichkeiten angeeignet, die einfach nicht stimmen“, sagt der 21-Jährige und ergänzt: „Nicht, weil das Opus der Mathematik aus der KI bzw. der LLM falsch ist. Es ist einfach nicht so lehrplanbezogen, wie es nun einmal das Schulbuch aber auch eine Lehrkraft ist.“

Daher begann Blizenetz mit der Entwicklung von mathion.ai, das sich aktuell auf die fünfte bis zur achten Schulstufe fokussiere. Es sei aber ein Ausbau bis hin zu Matura geplant.

Das Programm baut auf einem sogenannten „sokratischen“ System auf. Es stellt User:innen immer wieder Fragen, bis jene die Lösung selbst erarbeitet haben. Mathion.ai möchte dadurch zum Nachdenken anregen.

Dabei kann mit der KI geschrieben als auch gesprochen werden. „Wir haben gemerkt, dass junge Menschen einfach lesefaul sind. Sie können oft einfach nicht mehr wirklich sachlich lesen und Informationen über Texte sauber aufnehmen“, erklärt der mathion.ai-Gründer. Der Text wird dabei nicht einfach vorgelesen, sondern erklärt, „wie es ein Mensch tun würde“.

Mathion.ai liefere nicht einfach nur Ergebnisse, es erarbeite die Lösungen mit den Schüler:innen gemeinsam. | © mathion.ai

Standardisierter Lehrplan

Mathion.ai arbeite dabei nicht nur mit willkürlichen Inhalten, sondern mit einem standardisierten Lehrplan durch seinen Verlagspartner Lemberger, dessen Schulbuch „Genial! Mathematik“ von der fünften bis zur achten Schulstufe in mathion.ai eingefügt wurde. User:innen können Aufgaben aus diesen Büchern auswählen.

Lehrer:innen haben auf der anderen Seite die Möglichkeit über ein Verwaltungsportal ihren Schützlingen Inhalte zuzuweisen. „Da haben wir tausende Übungsaufgaben, die auch kapitelweise in Blöcke gezielt nach Themenbereichen zugewiesen werden können, zu den Schüler:innen und zu den Gruppen“, sagt Blizenetz. Zusätzlich können Lehrkräfte im Verwaltungsportal die Lernstände ihrer Schüler:innen einsehen und auch Inhalte erstellen: „Wir haben da einen eigenen Editor, wo, wie in einer PowerPoint, Textelemente, Dateien, interaktive Aufgaben gebaut und erstellt werden können.“ Der virtuelle Coach Tom führt anschließend durch den Kurs. Zusätzlich können von Lehrer:innen Aufgaben erstellt und zugewiesen werden.

Pädagog:innen durch KI zu ersetzen „ist auch gar nicht unser Ziel“

Wenn die KI bereits eigene Kurse halten kann, drängt sich naturgemäß die Frage auf, ob Lehrkräfte nicht ersetzbar sind. „Weder Lehrpersonen noch Pädagogen wird man durch KI in irgendeiner Art und Weise wirklich ersetzen können, das ist auch gar nicht unser Ziel“, stellt der TU-Student fest. Auch herkömmliche Nachhilfe sieht Blizenetz als sinnvoll an. Für ihn ist mathion.ai eine „Ergänzung“.

Es gebe auch die Möglichkeit für Nachhilifeinstitute, Inhalte einspielen zu können. „Als Schüler bzw. Schülerin habe ich den Unterricht mit der Lehrperson in der Klasse und im Nachhinein kann ich dann die Inhalte, gezielt mit den Aufgaben und dem Input der Lehrperson, weiter üben“, sagt Blizenetz.

Von B2C zu B2B

Mathion.ai kommt ursprünglich aus dem sogenannten Nachmittagsmarkt, in dem Eltern für ihre Kinder ein Abo abschließen. Allerdings möchte sich das Unternehmen nun im B2B-Bereich etablieren.

„Es ist einfach sehr schwierig, vor allem als österreichisches Unternehmen, in diesem B2C-SaaS-Bereich (Anm.: Software-as-a-Service-Bereich) wirklich standhaft zu werden“, erklärt Blizenetz. In Zukunft will sich mathion.ai auf Bildungsinstitute bzw. Bildungseinrichtungen fokussieren. Daher möchte der Gründer sein Unternehmen als zertifizierter Anbieter des Bildungsministeriums auf dem Markt etablieren. Das sei aber ein langer Weg. Mathion.ai befinde sich aktuell am Anfang des Genehmigungsverfahrens, ab September 2027 wolle man die Zertifizierung haben.

100 % eigenfinanziert

Das Unternehmen, offiziell bereits im Juli 2025 gegründet, kommt bisher ohne Investoren-Kapital aus und ist von Anfang an gebootstrappt. Blizenetz hat mathion.ai in Zusammenarbeit mit Weitsprung Solutions aufgebaut, das einen KI-gestützten Lerncoach anbietet. Bisher hat das Unternehmen noch keine Förderungen erhalten, allerdings laufe ein Förderantrag bei Netidee und ein FFG-Antrag für ein Forschungsprojekt werde aktuell erstellt.

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