21.11.2022

Gen-Z-Berater im Interview: Warum Arbeit wie Online-Dating ist

Quiet Quitting, Purpose, Imperfection. Die Generation Z wirft mit Anglizismen um sich. Was sie bedeuten? Der 19-jährige Buchautor, Skiprofi und Gen-Z-Berater Tamás Trunk verschafft Klarheit.
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Tamás Trunk erklärt, wie die Generation Z funktioniert.

Wer kennt’s? Stress im Job, Zeitdruck, Meeting-Marathon. Dann fällt noch die Lieblingsschüssel oder das Keramik-Häferl runter und zack: Überall Scherben. Was hilft? Kintsugi.

Kintsugi klingt nach einer Meditationstechnik. Das ist sie auch ein bisschen. Mit der traditionellen japanischen Methode kann Keramik repariert werden. Dazu werden Keramik- und Porzellanbruchstücke geklebt, fehlende Scherben ergänzt und mit Pulvergold, Silber oder Platin bestreut.

Was Kintsugi mit der Generation Z zu tun hat? Der 19-jährige Gen-Z-Berater Tamás Trunk hat darüber ein Buch geschrieben: “Kintsugi bedeutet Offenheit und Ehrlichkeit. Kintsugi ist nicht perfekt und gerade deshalb sehr begehrt. Mit Kintsugi lassen sich Einzelteile zu einem Kunstwerk zusammenfügen, ohne dass man wirklich weiß, was herauskommt. Genau wie bei der Generation Z.”

Im Gespräch mit dem brutkasten erzählt Tamás Trunk, wie Markenkommunikation nach dem Kintsugi-Prinzip funktioniert, warum sich Arbeit und Online-Dating überraschend ähnlich sind und was der Generation Z im Leben wirklich wichtig ist.

Buchautor, Berater, Schulabsolvent

Tamás Trunk ist der womöglich jüngste Gen-Z-Berater der heutigen Zeit. Und bereits zweifacher Buchautor. 2019 schrieb er das Buch Marken Sneaker Generation Z. Zwei Jahre später veröffentlicht er sein zweites Werk: Kintsugi – Die Berufung der Marken. Noch während seiner Schulausbildung hält er Vorträge auf internationalen Events, wie dem Fifteen Seconds Festival, leitet Radioshows und ist professionell im Skisport tätig. Tamás ist Gen-Z-Berater des Campaigning Bureau und seit Oktober Student für Politik, Philosophie und Wirtschaft an der Universität Bolzano. Ein Wunderkind, so die Boomer-konforme Bezeichnung des Multitalents.

In seinen 19 Jahren hat Tamás viel gesehen, konzipiert und umgesetzt. Was ihn in seinem jungen Alter zu einem Gen-Z-Experten macht? Er ist einer von ihnen. Und noch viel wichtiger: Er weiß, wie man sie erreicht, Ressourcen bündelt und hinhört, wenn sie sprechen. Und er weiß auch, wie man mit Quiet Quitting und Arbeits-Beziehungsunfähigkeit umgehen kann.

Beziehungsstatus: Volatil

Quiet Quitting steht für innere Kündigung. Arbeitnehmer:innen machen nur mehr das Nötigste. Sie machen keine Extra-Meile und Überstunden nur in Ausnahmefällen. Was also kann junge Talente länger in ihren Bürosesseln halten, wenn Geld, Home Office und Kaffee am Arbeitsplatz es nicht tun?

Tamás erklärt: Die Generation Z ist paradox. Sie strebt nach Sinnhaftigkeit, sowohl im Beruf als auch im Alltag. “Wir sind eine Generation voller Weltretter, und gleichzeitig Egoisten. Wir wollen nicht mehr auf die Alten hören und wollen nicht nur Geld. So sinnbefreit, wie es für manche scheinen mag, aber wir wollen Purpose.”

Purpose, ein weiterer Anglizismus mit Erklärungsbedarf: Obwohl die Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit ein sehr individueller Faktor ist und nicht durch kognitive Datenanalysen erfasst werden kann, spielt sie in der Akquisition und Retention talentierter Arbeitskräfte eine wesentliche Rolle. Denn die Generation Z ist, Tamás zufolge, purpose-driven. Nine-to -five-Jobs sind Vergangenheit, die junge Arbeitsschicht ist volatil. Schuld daran sei die Schnelllebigkeit auf sozialen Medien. Und: Online-Dating.

Gen Z, swipe nach rechts!

“Seit Online-Dating existiert, kämpft die Generation Z nicht mehr für Beziehungen. Das gilt nicht nur für Partner oder Freunde, sondern auch im Arbeitsumfeld. Fehlt die Sinnhaftigkeit im Job, kann die Gen Z schnell ins Quiet Quitting rutschen ”, meint Tamás.

Generalisieren dürfe man jedoch nicht, betont der Buchautor: “Quiet Quitting ist kein Problem der Generation Z.” Es handle sich dabei um das generationsübergreifende Fehlphänomen von Purpose, also der Sinnhaftigkeit im Berufsleben. Wenn Unternehmen also lediglich produktorientiert und zweidimensional kommunizieren und ihre Unternehmenskultur wenig an den Bedürfnissen von Beleg- und Kundschaft ausrichten, kann der Purpose schnell verloren gehen.

Wie man mehr Sinnhaftigkeit schafft, oder zumindest purpose-driven kommuniziert? Tamás erklärt: “Markenkommunikation muss nicht perfekt sein. Die Gen Z ist es ja auch nicht. Und sie will es auch nicht sein.” Viel eher sei die neue Generation emotional, unkonventionell und vor allem eines: heterogen: “Die Generation Z ist keine breite Masse. Sie ist ein Mosaik unterschiedlicher Subkulturen. Interessen, Ideologien und Initiativen gibt es wie Sand am Meer.”

Unperfekt ist auch perfekt

Was Unternehmen also tun sollen? Segmenting und Targeting betreiben, also Zielgruppen definieren und Nischen identifizieren, erklärt Tamás: “Die klassische Reichweite muss vergessen werden. Es ist nicht mehr nur wichtig, wie viele Menschen man erreicht, sondern viel eher auch, dass sich die Marke in der Szene und Kultur positioniert. Alte Markenmodelle sind meist sehr zweidimensional und produktorientiert.” Diese Strategie würde langfristig in der Gen Z nicht funktionieren, sagt Tamás. Die Lösung: Menschlichkeit und Vulnerabilität.

“Unternehmen müssen ihre strenge Corporate Identity lockerer machen”, rät Tamás. “Für effiziente Marken- und Unternehmenskommunikation braucht man keine weltverändernde Idee, sondern lediglich mehr Fokus auf People, Purpose und Culture.” Tamás zufolge suche die Gen Z trotz Volatilität nach Stabilität, Geborgenheit und Sicherheit, wie eine Studie des deutschen Jugendforschers Simon Schnetzer visualisiert. “Wenn etwas nicht zu unserem Purpose passt, sind wir weg. Gewinnt man jedoch unser Vertrauen, bleiben wir gerne.”

Kintsugi: Ein Erfolgsrezept

So mancher CEO und Markenstratege stellt sich nun die Frage: Wie werde ich unperfekt, wenn ich doch Jahrzehnte lang an einer vermeintlich perfekten Business Strategy gefeilt habe? Tamás hat einen Tipp: Die Videoplattform TikTok. Denn das Videoportal ist lange kein Seitenplayer mehr, sondern die relevanteste Plattform der neuen Generation. Immerhin nutzen das Videoportal bereits 70 Prozent der elf bis 15-Jährigen in Österreich.

“Vergiss Netflix, vergiss Facebook. TikTok ist im Kommen, und das müssen Unternehmen erkennen.” Warum sich Tamás über den baldigen Machtwechsel konkurrierender Social Media-Plattformen so sicher ist? “Weil TikTok ein Fenster in die Gedankenwelt der neuen Generation ist.” TikTok kreiere non-lineare, surreale Parallelen. Und ganz wichtig: TikTok ist (noch) kein gebrandetes Marketing-Tool. TikTok ist User-Generated-Content und Kommunikation ohne Perfektionismus-Schema. Das heißt auch, dass auf der Plattform statt mit Zwang viel eher mit Ironie gepunktet werden kann.

Wie man die Generation Z also erreicht? Indem man genau hinhört: “Die Gen Z will gehört und verstanden werden. Dafür braucht es keine perfekten Social-Media-Posts. Die Generation Z ist unperfekt und will Unperfektes. Sie ist ein Mosaik aus Bruchstücken, die zusammen ein neues Kunstwerk ergeben. So wie Kintsugi eben.”

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Foxyfitness
© Foxyfitness - (v.l.) René Giretzlehner, Florian Gschwandtner und Christian Kaar.

2023 und somit acht Jahre nach dem Runtastic-Exit an Adidas startete Florian Gschwandtner seine neue App Foxyfitness. Anfänglich noch als „Sidehustle“ tituliert, vergrößerte sich die Foxyfitness GmbH und es kamen seine Runtastic-Co-Founder René Giretzlehner und Christian Kaar mit ins Boot.

Gschwandtner verkaufte vor rund einem Jahr zwei Drittel seines neuen Startups an seine ehemaligen Kollegen und es wurde ein neues Ziel ausgerufen: Ein KI-getriebenes App-Unternehmen aus Österreich zu erschaffen – brutkasten berichtete.

Zone5: Kamera erkennt Übungen

Nun und nach einer mehrwöchigen Beta-Phase stellt die Foxyfitness GmbH mit Zone5 eine neue App im Bereich Longevity vor. Die Anwendung nutzt Augmented Reality und Künstliche Intelligenz, um Übungen über die Smartphone-Kamera zu erkennen, zu zählen und in Echtzeit anzuleiten. Dafür sind weder Sensoren noch Wearables oder zusätzliche Hardware erforderlich.

„Zone5 ist ein Produkt wie die 100 Push-ups App„, erklärt Gschwandtner brutkasten gegenüber. „Eine Fitness-App, bei der die Kamera dein Coach wird, inklusive Trainingsplan.“

Die Kamera erkennt mehr als 30 Übungen (Seilspringen, Burpees etc.) automatisch, zählt jede Wiederholung und gibt Feedback. Die Workouts dauern fünf bis 30 Minuten und trainieren gezielt in zwei Intensitätsbereichen: in Zone 2 für die aerobe Grundlage und den Fettstoffwechsel, oder in Zone 5 für maximale Intensität und die Entwicklung der VO2max – jenem Wert, der – laut dem Foxyfitness-Team – in der Longevity-Forschung als einer der stärksten Marker für Gesundheitsspanne und Lebenserwartung gilt.

(c) Foxyfitness

Oder anders gesagt: „Als die maximale Menge an Sauerstoff in Millilitern, die ein Körper während einer körperlichen Belastung pro Minute und Kilogramm Körpergewicht aufnehmen und verwerten kann“.

Longevity-Gedanke kam aus Selbst-Analyse

„Der Longevity-Gedanke (Anm.: bei diesem Projekt) kam eigentlich aus der Selbst-Analyse. Ich beschäftige mich viel mit dieser Thematik“, erklärt Gschwandtner. „Es ist natürlich ein Trend-Thema, aber es geht nicht nur darum ’nur gesund‘ zu leben, sondern auch darum, die Lebenserwartung zu erhöhen und gesund älter zu werden. Heutzutage fangen Menschen ab 30 damit an. Man muss sich bloß ansehen, was im Bereich der Supplements, der Blutanalyse, in Longevity-Laboren oder beim IHHT-Training (Anm.: Intermittierendes Hypoxie-Hyperoxie) passiert.“

Dabei ist für den Gründer vor allem der VO2-max-Wert als Longevity-Indikator essentiell. Gschwandtner zufolge sollte man idealerweise 20 Minuten in der Woche (beim Training) in der Gegend der Zone 5 – also in der höchsten Herzfrequenzzone – verbringen, weil es diesen Wert steigere. „Genau, das ist bei uns einer der Punkte und Gedanken dahinter“, sagt er.

Automatischer Trainingsplan und Zeitraffer

Zone5 bietet für Personen, die nicht selbst planen wollen, auch einen automatisierten 12-Wochen-Trainingsplan, bei dem die App Umfang, Intensität und Übungsauswahl wöchentlich festlegt und an den individuellen Fortschritt anpasst. Alle Trainingseinheiten werden mit Apple Health synchronisiert und können in ein bestehendes Gesundheits- und Trainingsprofil eingebunden werden.

Ein weiteres Merkmal ist die automatische Aufzeichnung jeder Trainingseinheit als Zeitraffer-Video, das lokal auf dem Smartphone gespeichert wird und Übungen, Wiederholungen sowie Trainingszone zeigt. Die Videos sind für das Teilen auf Plattformen wie TikTok, Instagram-Reels oder für Stories vorgesehen und sollen kurze Trainingseinheiten in ein sichtbares, teilbares Ergebnis verwandeln.

Zone5: Cross-Selling und Symbiosen in Planung

„Die meisten Menschen wissen, dass Ausdauer und Kraft die besten Investments in ein langes, gesundes Leben sind. Woran es scheitert, sind nicht die Erkenntnisse, sondern Zeit, Ausrüstung und Anleitung. Genau da setzt Zone5 an: Du brauchst zehn Minuten, ein Smartphone und keinerlei Vorwissen – deine Kamera übernimmt den Rest“, sagt Gschwandtner, der sich des Erfolgs der App sicher ist und andeutet, was aus der Foxyfitness noch kommen wird.

„Ich glaube, es muss gar nicht alles so groß wie Runtastic werden“, sagt er. „Ich bin aber davon überzeugt, dass es eine sehr erfolgreiche App werden kann. Vor allem über eine mittelfristige Zeit, wenn wir noch die eine oder andere App im Fitnessbereich entwickeln und sich gutes Cross-Selling bzw. Symbiosen ergeben.“ Zone5 ist ab sofort im App Store und auf Google Play verfügbar.

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