21.03.2018

Geld & Krypto 2: „Bargeldaufstand“ im hohen Norden

Manchen in Schweden geht der Krieg gegen das Bargeld zu weit. Trotz aller technischer Innovationen kommen jetzt Nachteile ans Licht. Selbst die Notenbank wird nervös. Teil zwei einer Miniserie zu Geld & Krypto.
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Vorwort: Der Erfolg von Bitcoin und anderen Kryptowährungen hat die Notenbanker weltweit wachgerüttelt. Viele schreien nach Regulierung – und die wird es geben. Aber andere fragen sich, wie staatliches Geld in dieser neuen Welt auszusehen hat, welche Vorteile Blockchain, Distributed Ledger und digitales Geld bringen können. Die meisten dieser Überlegungen sind noch oberflächlich, auch wenn die Medien gerne behaupten: „Land XYZ bastel am Bitcoin-Killer“. Aber tatsächlich haben diese neuen Technologien das Zeug dazu, unser Geldsystem massiv zu verändern. Die Tools, die jetzt geschaffen werden, können für Notenbanken sehr nützlich sein. Bitcoin ist der Stein des Anstoßes, aber für Zentralbanken nur mäßig relevant. Vielmehr geht es darum, das Verhältnis zwischen Währungshütern, Geschäftsbanken und Öffentlichkeit neu zu verhandeln. Ein Mikrokosmos für diese Entwicklungen ist Schweden. In dieser Miniserie zu Geld & Krypto beleuchten wir, wohin die Reise gehen könnte.

+++ Geld & Krypto 1: Schweden spart das Bargeld ein +++


Die Banken ziehen in den Krieg

Im ersten Teil dieser Serie haben wir erfahren, wie das Verschwinden des Bargeldes aus der schwedischen Gesellschaft begonnen hat. Die Notenbank hatte die teure Bargeldlogistik Ende der 1990er-Jahre an Post und Geschäftsbanken übertragen – um Geld zu sparen.

Was die Notenbank aber übersehen hatte: Die Post stand Ende der 1990er-Jahre auch unter enormen Kostendruck und mußte sparen. Nach den Filialen der Notenbank wurden auch viele Filialen der Post geschlossen. Plötzlich sind die großen Banken auf der Aufgabe sitzen geblieben, die Bargeldlogistik zu übernehmen. Das war der Beginn des Krieges gegen das Bargeld in Schweden. Die Banken hatten schlicht keine Lust, die Kosten für die Bargeldversorgung dauerhaft zu übernehmen. Überfälle, Terror, Geldwäsche, Krankheiten, Umweltschutz: Die PR-Leute von Banken und Kreditkartenunternehmen haben sich in den vergangenen 20 Jahren eine ganze Reihe an Gründen einfallen lassen, warum das Bargeld weg muss.

Der ehemalige Chef der Reichspolizeibehörde Björn Eriksson hat die Methoden der Banken in einem Paper 2014 erstmals zusammengefasst. Es ist eine Abrechnung geworden. Eriksson gilt heute als Galionsfigur des so genannten „Bargeldaufstandes“, der jetzt um die letzten Reste der Bargeld-Infrastruktur kämpft. Unterstützt wird er etwa durch den Pensionistenverband, dessen Mitglieder im Gegensatz zu ihren Enkeln noch stark auf Bargeld vertrauen. Ikone der Bargeldgegner ist übrigens Björn Ulvaeus, der ehemalige Sänger der Popband ABBA. Dessen ABBA-Museum wurde früher von Mastercard mitfinanziert.

Plötzlich können die Banken innovativ sein

Für die großen Banken des Landes hat Bargeld nur Nachteile und seine Verdrängung nur Vorteile. Digitales Geld führt eher dazu, dass ein Kunde sich verschuldet. Die Schweden haben das Angebot dankend angenommen. Freilich ist die Entwicklung keineswegs nur negativ. Digitale Geldübertragung hat viele Vorteile. Die Banken haben es auch geschafft, eine App zu entwickeln, die es anderswo so noch nicht gibt: Swish erlaubt es den Schweden, Sofortüberweisungen für den Zahlungsverkehr zu tätigen – gratis und über Bankgrenzen hinweg. Swish hat den ohnehin fortschrittsgläubigen Schweden enorm erleichtert, sich vom Bargeld zu verabschieden. Dass es diese eigentlich simple App zwar in Schweden gibt, nicht aber in Österreich oder Deutschland, zeigt auch, wie selektiv der Finanzsektor mit Innovationen umgeht.

In Europa können wir ein ähnliches Beispiel beobachten. Im Eurosystem sollen noch heuer Sofortüberweisungen über Banken- und Landesgrenzen möglich sein. Das Projekt nennt sich TIPS: Target Instant Payment System. Aufgebaut auf TIPS sind ähnliche Apps wie Swish auch für den Rest Europas vorstellbar. Aber warum bringt die EZB diese Innovation erst jetzt? Weil der Druck steigt. Kryptowährungen sind gerade bei internationalen Zahlungen derzeit oft schneller als herkömmliche Systeme. Auch das internationale Konsortium Swift, das seit Jahrzehnten den globalen Zahlungsverkehr der Banken regelt, will schon bald die Transaktionen beschleunigen und die Spesen senken.

Beim Bettler mit App zahlen

Zurück nach Schweden: Swish wurde entwickelt, um das Bargeld zu verdrängen und Kosten in der Logistik zu sparen. Das hat sich für die schwedischen Banken ausgezahlt. Gerade nach der Finanzkrise greifen die Menschen weltweit eigentlich wieder verstärkt zu Bargeld. Weil es auf der Bank keine Zinsen mehr gibt und man sich mancherorts generell Sorgen um die Stabilität des Bankensystems machen muss, wird dieses Bargeld auch verstärkt gehortet.

Als einziges Land auf der Welt geht Schweden einen anderen Weg. Dort ist es schon seit Jahren illegal, Bargeld in Schließfächern zu bunkern. Auch die Zahl der Bankomaten geht immer weiter zurück. Kurz: Die Banken tun alles, um den Menschen den Zugang zum Bargeld so schwer wie möglich zu machen. Gleichzeitig wird das Bezahlen ohne Bargeld immer einfacher und günstiger. Sogar beim Bettler oder in der Kirche können die Schweden bargeldfrei bezahlen.

Die Notenbank versteht die Aufständischen

Aber nicht nur Eriksson und den Pensionisten geht die Entwicklung viel zu schnell. Ökonomen befürchten negative Effekte auf strukturell ohnehin schwache Regionen: manche Geschäfte sperren lieber zu, als auf teure technische Infrastruktur umzurüsten. Sicherheitsexperten warnen vor Hackern, die die schwedische Infrastruktur angreifen könnten. Mit jedem Stromausfall wird die Debatte angeheizt. Dazu kommt die Sorge um die Schwachen der Gesellschaft, die Armen und die Migranten. Wer neu in ein Land kommt hat nicht sofort ein Konto. Und was ist mit den Touristen, die Geld ins Land bringen sollen? Freilich ist die Darstellung vom völlig bargeldfreien Schweden in den internationalen Medien überzogen. Noch ist es durchaus möglich, auch mit Scheinen zu bezahlen.

Aber auch die Notenbank wird jetzt nervös und stellt sich demonstrativ gegen einen weiteren Rückbau der Bargeld-Infrastruktur. Man will die Banken dazu zwingen, Bargeld anzunehmen – nachdem man sie jahrelang hat gewähren lassen. Bis Sommer soll ein Bericht zur Lage erstellt werden. Und dann gibt es noch die E-Krona. Kein Land der Welt ist in der Frage einer „staatlichen Kryptowährung“ so weit wie Schweden. Das hängt direkt mit dem Kampf gegen das Bargeld zusammen. Mehr dazu in Teil drei dieser Miniserie.

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CleanLoop
Österreichs Nationalteam-Goalie Alexander Schlager (r.) und Geschäftspartner Roman Hörantner .

Die im Frühjahr 2025 gegründete CleanLoop FlexCo bietet eine Lösung für den Handel mit Restbeständen von Reinigungsmitteln an. Die kostenlose App dient dabei als digitale Plattform, um überschüssige Reinigungsprodukte österreichweit zu verkaufen und zu kaufen. ÖFB-Nationaltormann Alexander Schlager war von Anfang an beim Unternehmen als Investor und Co-Founder dabei, wie brutkasten berichtete.

CleanLoop mit Fokus au Deutschland

Nach der Etablierung in Österreich richtet CleanLoop den Blick nun auf Deutschland. Auch wenn der Markt als stark fragmentiert und preissensibel gilt, biete er die idealen Voraussetzungen für ein Modell, das Kostenersparnis und Nachhaltigkeit verbindet, heißt es per Aussendung.

„Mit unserem Ansatz ‚Wiederverwenden statt Ressourcen verschwenden‘ wollen wir Betriebe und Privatpersonen zu nachhaltigem Handeln motivieren und diesen Schritt auch erleichtern“, erklärt Unternehmensgründer Roman Hörantner. Neben den ökologischen Vorteilen biete laut dem Gründer der Handel mit Reinigungsprodukten aus zweiter Hand auch wirtschaftliche Vorteile für alle Beteiligten: Verkäufer:innen vermeiden, dass Maschinen oder Reinigungsmittel ungenutzt in Abstellräumen oder Kellern von Betrieben verbleiben, und sie können gleichzeitig zusätzliche Einnahmen erzielen. Käufer:innen profitieren indes davon, dass sie diese Produkte in der Regel um rund 50 bis 70 Prozent günstiger erwerben können als vergleichbare Neuware, so der Claim.

Wachstumspotenzial

Das Ziel des Re-Use-Geschäftsmodells ist es, die Umwelt zu schonen und dabei Unternehmen zu helfen, Geld zu sparen. Nach dem Markstart in Österreich kann die CleanLoop-App nun auch in Deutschland genutzt werden.

Dort lag der Umsatz laut der Statistik-Plattform Statista im Wasch-, Putz- und Reinigungsmittelmarkt 2025 bei rund 15,7 Milliarden Euro. Insbesondere in den Bereichen umweltfreundliche und nachhaltige Produkte zeige der Markt ein großes Wachstumspotenzial. Aber, so der Clean-Loop-Founder, der Reinigungsbedarf hinterlasse einen nicht unwesentlichen ökologischen Fußabdruck. Denn Produktion, Verpackung, Transport und die spätere Entsorgung verbrauchen wertvolle Ressourcen und Energie.

Demgegenüber stehe die deutsche Reinigungsbranche durch steigende Kosten und wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen unter massivem Druck. Hier möchte CleanLoop mit seinem Re-Use-Modell ansetzen.

Schlager: „Smarter Umgang mit Ressourcen“

„In vielen Betrieben lagern Produkte, die nicht mehr verwendet werden – sei es durch Lieferantenwechsel, Überbestellungen oder geänderte Anforderungen. Diese Ressourcen machen wir nutzbar“, sagt Hörantner. Die Motivation für das Re-Use-Geschäftsmodell basiert auf Hörantners jahrzehntelanger Erfahrung in der Reinigungsbranche. „Für viele Geräte in Hotellerie, Gastronomie oder Industrie benötigt es spezielle Reinigungsmittel, die bei einem Gerätetausch oder Lieferantenwechsel meist über Jahre ungenützt in den Lagern zurückbleiben oder aber entsorgt werden, obwohl sie noch verwendbar wären. Es ist weder wirtschaftlich sinnvoll noch umweltfreundlich, solche Produkte halb voll oder ungebraucht zu entsorgen.“

Bedarf ortet Hörantner hier vor allem bei Jungunternehmer:innen, die bei der Anschaffung von Spül- oder Waschmaschinen Budget sparen wollen und daher auf Second-Hand-Geräte setzen.

Für Investor und Goalie Schlager ist das CleanLoop-Modell mehr als nur ein Geschäftsansatz: „Im Leistungssport lernst du schnell: Erfolg entsteht nicht nur durch mehr Einsatz, sondern durch den smarteren Umgang mit Ressourcen“, sagt er. „Und genau dieses Prinzip überträgt CleanLoop auf eine ganze Branche. Das ist ein klares 1:0 für die Umwelt.“

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