17.09.2025
INSOLVENZ-STATISTIK

Gefahr von drittem Rezessionsjahr – Wien zählt über ein Drittel der Pleiten

Die Insolvenzlage hat sich im dritten Quartal in Österreich nur geringfügig entspannt. Die meisten Firmenpleiten gibt es in Wien - stark getrieben durch die Immobilienbranche. Im Jahresvergleich sind die Insolvenzen um 5,3 Prozent gestiegen.
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Firmeninsolvenzen - Pixelrunner - Ein Bild zeigt das Wort
Symbolbild Insolvenz (c) Adobe Stock / Pixel-Shot

Die Insolvenzlage spitzt sich österreichweit weiter zu, die Gefahr eines dritten Rezessionsjahres besteht nach wie vor. Ausgehend von einem hohen Niveau ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahresvergleich um 5,3 Prozent gestiegen, berechnet der Kreditschutzverband KSV1870 in der aktuellen Insolvenzstatistik. Im dritten Quartal sei allerdings eine Verlangsamung der Insolvenzentwicklung zu sehen – eine ähnliche Entwicklung wie im Vorjahr. Über den Berg sei man lange noch nicht, eine Eindämmung der Insolvenzwelle ist nicht in Sicht.

Insolvenzen steigen an – Passiva sinken

Laut aktueller KSV-Hochrechnung mussten in den ersten drei Quartalen 2025 in Österreich 5.110 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das sind umgerechnet 19 Fälle pro Tag und damit ein Anstieg von 5,3 Prozent im Vorjahresvergleich. Trotz des Anstiegs sind die vorläufigen Passiva um 58,3 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Euro gesunken. Grund dafür ist eine deutlich geringere Zahl an Großinsolvenzen. Aus heutiger Sicht erwartet der KSV1870 am Jahresende bundesweit bis zu 7.000 Unternehmensinsolvenzen.

Ebenfalls aufgrund der niedrigeren Zahl an Großinsolvenzen waren im Zeitraum von Q1-Q3 deutlich weniger Beschäftigte von Insolvenzen betroffen als noch im Vorjahr (minus 19,1 Prozent). Konkret sind das 15.200 Beschäftigte weniger. Auch die Zahl der betroffenen Gläubiger hat sich im Vergleich zum Vorjahr verringert – sie ist um 6,2 Prozent auf 34.700 gesunken.

Wie gewohnt: Lage über den Sommer „beruhigt“

„Neben dem insgesamt hohen Kostenniveau hat auch die vielerorts maximal durchschnittliche Auftragslage und damit einhergehend fehlende Umsätze zu einem Anstieg der Insolvenzen geführt“, analysiert Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz, die Ursachen. „Der Personalmangel trägt auch seinen Teil dazu bei, dass viele Unternehmen Aufträge ablehnen müssen und damit Geld liegen bleibt“, so Götze weiter.

Wie auch im Vorjahr hat sich über „die Sommermonate“ die Insolvenzsituation etwas „beruhigt“, so Götze weiter. Das dritte Quartal erweist sich damit als jenes mit der geringsten Anzahl an Pleiten im Jahresverlauf.

Handel, Bau und Gastronomie/Beherbergung am meisten betroffen

In der aktuellen Hochrechnung verzeichnet der Handel die meisten Firmenpleiten. Die Sommermonate haben im Handel, im Gegensatz zu anderen Branchen, zu keiner Entspannung geführt. Im dritten Quartal gab es im Handel einen Insolvenzanstieg von neun Prozent.

Im Gegensatz dazu zeigte die Baubranche um drei Prozent weniger Firmenpleiten als im Vorjahresvergleich, schafft es damit aber auf Platz zwei der Branchen mit den meisten Insolvenzen. Auf Position drei folgt der Sektor Beherbergung/Gastronomie. Im Bereich des Grundstücks- und Wohnungswesens gab es im Q3 dieses Jahres einen Anstieg von 62 Prozent.

Passiva bundesweit halbiert

Trotz des Anstiegs an Insolvenzzahlen haben sich die vorläufigen Passiva gegenüber dem Vorjahr um 58,3 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Euro halbiert. Dieser Aspekt ist auf zwei Ursachen zurückzuführen. Erstens gab es in diesem Jahr bis dato keine Insolvenz mit Passiva in Milliardenhöhe. Zweitens hab es bislang auch nur vier Fälle mit Passiva über 200 Millionen Euro. Die bis dato größte Firmeninsolvenz nach Passiva betrifft jene der SIGNA Prime Capital Invest GmbH mit einem Volumen von 870 Millionen Euro.

Außerdem fällt auf: Mehr als die Hälfte aller diesjährigen Großinsolvenzen mit Passiva über zehn Millionen Euro, haben einen unmittelbaren Bezug zum Immobiliensektor.

Ein Drittel der Insolvenzen in Wien

Eine Sonderstellung bekommt dabei die Bundeshauptstadt Wien. Diese zählt bundesweit nämlich die meisten Insolvenzen. Laut aktueller Hochrechnung waren in den ersten neun Monaten dieses Jahres 1.977 Unternehmen in Wien von einer Insolvenz betroffen.

Das sind rund 38 Prozent und damit über ein Drittel der 5.110 Unternehmen in Österreich, die im selben Zeitraum insolvent geworden sind. Im Vergleichszeitraum bedeutet das in Wien einen Anstieg von knapp 9 Prozent gegenüber zum Vorjahr. Bis zum Jahresende rechne man mit bis zu 2.700 Unternehmensinsolvenzen, heißt es vom KSV1870.

Auch in Wien: Hohe Insolvenzzahlen durch Immo-Branche

Mit Blick auf Wien haben sich gemäß den Erhebungen des KSV1870 die Insolvenzzahlen auf rund sieben Firmenpleiten pro Tag in Wien erhöht. Damit liegt der Anstieg in Wien „leicht über dem Bundestrend“: In Österreich sind die Insolvenzen im Vergleich zu 2024 in den ersten drei Quartalen dieses Jahres um 5,3 Prozent gestiegen.

Begründen lässt sich das erhöhte Insolvenzaufkommen in Wien mit den „auffallend vielen Immobilieninsolvenzen“ der Hauptstadt, erklärt Jürgen Gebauer, Leiter Unternehmensinsolvenz in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland.

Eine leichte Verbesserung zeigt sich bei der Höhe der Verbindlichkeiten der insolventen Unternehmen: Diese sind im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent zurückgegangen. Diese rund 3,5 Milliarden Euro stellen im Vergleich zu den Jahren davor allerdings „nach wie vor einen sehr hohen Wert da“, so der KSV. Die Ursache: Das große Insolvenzaufkommen in der Immobilienbranche. So finden sich in den Top 5 der Wiener Großinsolvenzen im laufenden Jahr 2025 vier Immobilienunternehmen – davon gehören drei insolvente Gesellschaften der Signa-Gruppe an.

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Das Wiener KI-Startup xchannels.ai setzt seinen internationalen Expansionskurs fort. Wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab, geht es eine strategische Partnerschaft mit der im Silicon Valley ansässigen Marketingagentur GrowthMasters.io ein. Für das von Isabell Claus und Ashley Zvaniashvili geführte Startup ist die Kooperation der nächste Schritt seiner internationalen Wachstumsstrategie. „Die Präsenz im Silicon Valley ist für uns keine symbolische Geste, sondern essentieller Teil unserer Strategie“, sagt Ashley Zvaniashvili, Co-Geschäftsführerin von xchannels.ai.

Im Mittelpunkt der Partnerschaft steht der Wissenstransfer zwischen dem Silicon Valley und Europa. Xchannels.ai will die lokale Marktkenntnis und das Netzwerk von GrowthMasters.io nutzen, um neue Entwicklungen rund um KI, digitales Marketing und AI Visibility direkt im US-Markt aufzugreifen. AI Visibility bezeichnet die Sichtbarkeit von Unternehmen in KI-gestützten Such- und Antwortsystemen wie ChatGPT.

„Im Silicon Valley entstehen nahezu alle Trends, die später weltweit Marketingstrategien und digitale Geschäftsmodelle bestimmen. Europäische Unternehmen – insbesondere KMU – haben häufig erst mit starker Verzögerung Zugang zu diesem Wissen“, sagt Co-Geschäftsführerin Isabell Claus. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den USA will xchannels.ai in konkrete Marketinglösungen übersetzen, die die europäischen Kunden nutzen können.

US-Marketingagentur mit österreichischen Wurzeln

Mit GrowthMasters.io holt sich xchannels.ai einen Partner an Bord, der bereits seit mehreren Jahren im US-amerikanischen Marketingmarkt tätig ist. Die Agentur wurde von der Oberösterreicherin Eva Reder gegründet und ist auf LinkedIn-Content, digitales Marketing und bezahlte Werbekampagnen spezialisiert.

Der Kontakt zwischen den beiden Unternehmen entstand durch ein anderes österreichisches Startup. GrowthMasters.io sei auf der Suche nach einer technischen Lösung gewesen, wie sie xchannels.ai anbietet, erklärt Claus. Die Zusammenarbeit soll dabei in beide Richtungen funktionieren: Während GrowthMasters.io seine Erfahrung und sein Netzwerk im US-Markt einbringt, stellt xchannels.ai seine KI-basierte Marketingplattform zur Verfügung. Diese unterstützt Unternehmen dabei, Marketinginhalte automatisiert zu erstellen und über verschiedene digitale Kanäle zu verbreiten. GrowthMasters.io will die Plattform künftig auch für seine eigenen Kunden in den USA einsetzen.

Erste US-Kunden über GrowthMasters.io erwartet

Die Partnerschaft markiert laut Claus erst den Beginn der US-Expansion. Das Startup, dass in Kürze erste Bestandskunden von GrowthMasters.io auch die Plattform von xchannels.ai nutzen werden.

Darüber hinaus plant das Unternehmen noch vor Jahresende eine Reise in die USA, um potenzielle Geschäftspartner zu treffen, die eigene Plattform vorzustellen und sein Netzwerk weiter auszubauen. Neben dem Silicon Valley steht dabei auch New York im Fokus. Vor allem die dort stark vertretene Kreativ- und Werbeindustrie mache den Standort für xchannels.ai interessant.

Von acht auf zehn internationale Märkte

Auch in Europa setzt xchannels.ai seinen Wachstumskurs fort. Bereits im August war das Startup nach eigenen Angaben mit rund 50 Unternehmenskunden in acht Ländern aktiv. Mittlerweile zählt das Unternehmen laut Claus 86 Kunden und zehn Mitarbeitende. Die Zahl der internationalen Märkte ist auf zehn gestiegen, zuletzt kamen Lettland und Italien hinzu.

Beim internationalen Wachstum setzt xchannels.ai weiterhin auf strategische Partnerschaften. Unter anderem arbeitet das Startup bereits mit der Deutschen Telekom zusammen. Die nun geschlossene Kooperation mit GrowthMasters.io soll diesen Ansatz auf den amerikanischen Markt ausweiten.

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