21.11.2025
SPACETECH

Gate Space: TU-Wien-Spin-off liefert Antriebe für Satelliten-Betankung im All

Was in der Luftfahrt bereits etabliert ist, soll bald auch bei Satelliten im Erdorbit möglich werden: Betankung im Flug. Das Wiener SpaceTech Gate Space liefert die Antriebe für ein großes ESA-Projekt.
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Das Team von Gate Space rund um CEO und Co-Founder Moritz Novak (Mitte) © Gate Space
Das Team von Gate Space rund um CEO und Co-Founder Moritz Novak (Mitte) © Gate Space

11.070 km/h – mit dieser Geschwindigkeit bewegen sich geostationäre Satelliten 35.786 Kilometer über dem Äquator im Erdorbit, um konstant eine Position über der Oberfläche zu halten. Präzise an so einen Satelliten anzudocken und diesen im Flug zu betanken, ist eine entsprechend große Herausforderung. Genau die will die Europäische Weltraumagentur ESA in ihrem Projekt ASTRAL („Advancing Satcom Technology with Refuelling and Logistics“) meistern und setzt dabei auch auf Technologie des TU-Wien-Spin-offs Gate Space.

Lebensdauer von Satelliten verlängern

Das Ziel ist klar definiert: Die Lebensdauer von Satelliten soll verlängert und auch ihre Entsorgung vereinfacht werden. Denn im Erdorbit befindet sich immer mehr Weltraumschrott, der die Arbeit im All zusehends erschwert. „ASTRAL wird die kritischen Systeme entwickeln, integrieren und validieren, die notwendig sind, um Satelliten in zunehmend gefüllten Erdorbits zu warten und zu schützen“, heißt es dazu in einer Aussendung. Eine solche Betankung ist übrigens dem chinesischen Raumfahrtprogramm dieses Jahr nach eigenen Angaben weltweit erstmals erfolgreich in einem Test gelungen.

Die Mitglieder der ASTRAL-Konsortiums | (c) ESA

Das ESA-Projekt mit dem selben Ziel – und auch jenem, die europäische Souveränität zu steigern – wird von Orbit Fab geleitet, einem US- und UK-basierten SpaceTech, das auch von der US Space Force unterstützt wird. Dieses arbeitet schon länger an einer Betankungstechnologie. Bei ASTRAL arbeitet das Unternehmen nun neben Gate Space auch noch mit weiteren europäischen Partnern zusammen.

Gate Space liefert Antriebe für Weltraum-„Rendezvous“

Gate Space liefert im Rahmen des Projekt ein Hochleistungs-Antriebssystem, das sowohl die gegenseitige Annäherung und das Andocken der Satelliten – sogenannte “Rendezvous and Proximity Operations” (RPO) – als auch den kontrollierten, verlustfreien Transfer von Treibstoffen zwischen den Satelliten ermöglichen soll. Das Antriebssystem basiert auf mehreren patentierten Präzisionstriebwerken von Gate Space und nutzt die Treibstoffe Lachgas und Ethan.

„Mit seiner fein regelbaren Schubsteuerung unterstützt das System Anhebungen des Orbits, präzise Annäherungsmanöver, das Andocken, den Treibstofftransfer sowie das sichere Entsorgen der Satelliten am Ende ihrer Lebenszeit. Diese durchgängige Fähigkeit ist in der Raumfahrt sowohl essentiell als auch selten“, heißt es dazu von Gate Space.

Eigene SpaceTech-Testzentrale

Das Spin-off machte in letzter Zeit mehrfach auf sich aufmerksam. Im Juni verkündete es die Fixierung der ersten Weltraummission mit seinem Antrieb im kommenden Jahr, wie brutkasten berichtete. Erst vor wenigen Wochen eröffnete Gate Space zudem eine eigene Testzentrale für Weltraumtechnologie, die mit den Bedingungen der ESA und DLR mithalten können soll.

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Ubitec
© Ubitec

Es war 2024, als sich in einer Ausschreibung der Bundesrepublik Deutschland das 2016 gegründete Linzer Startup Ubitec gemeinsam mit den Partnerunternehmen Materna Information & Communications SE und PwC Deutschland durchsetzte. Die Unternehmen schlossen damals einen Rahmenvertrag mit einem Volumen von 45 Millionen Euro über eine Laufzeit von vier Jahren mit ITZB (Informationstechnikzentrum Bund), dem IT-Dienstleister der deutschen Bundesverwaltung, ab.

Ubitec mit modell-agnostischer KI-Plattform

Etwas mehr als zwei Jahre später schließt sich die Ubitec GmbH mit aicx, einem KI-Unternehmen aus Deutschland, zusammen, um eine „der leistungsfähigsten souveränen KI-Plattformen im deutschsprachigen Raum“ zu schaffen.

Beide Unternehmen bündeln künftig ihre Kompetenzen und treten gemeinsam am Markt auf. Ubitec bringt seine modell-agnostische KI-Plattform sowie Chat- und Voicebot-Lösungen ein, die on-premise und in abgeschotteten (air-gapped) Umgebungen betrieben werden können. Eine Referenzinstallation von KIPITZ ist im Umfeld der deutschen Bundesverwaltung im Einsatz. Das deutsche Unternehmen indes bringt mit der Plattform „Heart“ Enterprise-Agenten ein, die nativ in Microsoft Teams, E-Mail und Messengerdiensten integriert sind und Geschäftsprozesse über natürliche Sprache automatisieren können.

Native Mobile-App

Zeitnah soll zudem eine native Mobile-App für agentisches Arbeiten hinzukommen, die mobiles Arbeiten niederschwellig ermöglicht. Auf der Plattform von Ubitec ergänzen dagegen die Multi-Agenten-Fähigkeiten und Systemintegrationen von aicx – etwa in ERP-, CRM- und Kommunikationssysteme – die bestehenden Einsatzfelder in Verwaltung, Finanzwesen und kritischer Infrastruktur, heißt es per Aussendung.

Die Lösungen von Ubitec und aicx können künftig für unterschiedliche Anwendungsfälle eingesetzt werden – vom RAG-gestützten Wissensmanagement über die automatisierte Angebotserstellung bis hin zu durchgängigen Geschäftsprozessen. Je nach Anforderungen lassen sich die Anwendungen in abgeschotteten, streng regulierten Umgebungen oder in bestehenden Cloud- und Systemlandschaften betreiben.

Ubitec mit Fokus auf öffentlichem Sektor

Durch den Zusammenschluss möchten beide Unternehmen ihre gemeinsame Marktabdeckung erweitern. Ubitec konzentriert sich auf den öffentlichen Sektor und regulierte Branchen in der DACH-Region sowie den Nordics, während aicx Unternehmen aus dem Mittelstand und dem Enterprise-Umfeld adressiert.

„Mit aicx liefern wir gemeinsam das europäische KI-Fundament – für Organisationen, die KI zu ihren eigenen Bedingungen nutzen wollen und für die Datensouveränität, Sicherheit und verlässlicher Betrieb nicht verhandelbar sind“, sagt Dieter Perndl, Geschäftsführer der Ubitec GmbH.

Und David Rizek, Geschäftsführer von aicx, ergänzt: „Ubitec bringt mit seiner souveränen, bis in die Bundesverwaltung erprobten KI-Plattform genau das sichere Fundament ein, das unsere praxiserprobten KI-Agenten auch in regulierten Umgebungen einsatzfähig macht – souveräne Infrastruktur und Enterprise-KI aus einer Hand.“

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