10.02.2015

Gamification: Punkt für Punkt zum beruflichen Erfolg

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INits Gründer-Workshop am 5. Mai 2015

Zwischen Lernen und Spaß sollte kein Unterschied sein, wenn es um Videospiele für Bildung und Fortbildung geht. Immer mehr Firmen interessieren sich für Gamification.

Genau genommen haben Videospiele das Prinzip des schnellen Lernens zur Perfektion getrieben. Binnen weniger Momente trainieren sie neue Spieler in oft komplizierten Abläufen, und das oft ganz ohne dass der Lehrling merkt, dass er sich gerade in einer Unterrichtseinheit befindet. Davon können sich Betriebe bei der Einschulung neuer Mitarbeiter einiges abschauen- und sie machen es auch.

Bei dem IT-Konzern SAP gehört Gamification- die Integration spielerischer Elemente in Arbeitsabläufe- bereits zum Alltag. Mitarbeiter kommunizieren über eine interne Plattform, die Facebook ähnlicher ist als einem klassischen Intranet. Für bestimmte berufliche Ziele und Aktivitäten werden Punkte vergeben, und die fleißigsten Punktesammler scheinen in einer Rangliste auf- wie in einem Computerspiel. Für betriebliche Schulungen werden eigene Spiele entwickelt, die etwa über Multiplayer-Modi nebenbei auch Teamarbeit fördern.

Wie groß das Interesse an Gamification in vielen Betrieben ist, zeigt etwa, dass SAP längst auch für andere Firmen solche Konzepte und die entsprechende Software entwickelt.

Intrinsische Motivation nennen Experten es, wenn Mitarbeiter dank spielerischer Motivation nicht mehr nur wegen des Gelds arbeiten, sondern die Arbeit selbst zum Ziel wird. Auch die Kreativität kann über Gamification gefördert werden- etwa dann, wenn es darum geht, neue Ideen, Konzepte oder Produkte zu entwickeln.

Ein Punktesystem zur Belohnung ist aber nur die Spitze des Eisbergs, sozusagen die simpelste Form von Gamification. Oft werden Punktejagd und Ranglisten schnell als langweilig empfunden. Spieleentwickler Michael John sieht diesen sehr einfachen Zugang zu Gamification kritisch. Man könne nicht einfach jeden beliebigen Prozess mit einem Punktesystem versehen, als handle es sich um eine Spezialsauce, und glauben, derselbe Prozess mache plötzlich Spaß, schreibt er in einem Gastkommentar für den Technik-Blog Techcrunch. Stattdessen sollte der Lerninhalt selbst zum Spielinhalt werden. Zwischen Lernen und Spaß sollte kein Unterschied sein- bei Spielen für Schüler sei das bereits gelungen, schreibt John. Er leitet die Produktentwicklung bei der Lernspielefirma Glasslab. Eines der jüngsten Glasslab-Spiele lehrt beispielsweise Argumentation und Entscheidungsfindung, ohne dass den Spielern des Weltraum-Games das auffallen würde.

Auch im Fitnessbereich ist es bereits in einigen Fällen gelungen, die Sache selbst zum Spiel zu machen und nicht nur ein Punktesystem mit Badges anzubieten. Etwa dann, wenn der Läufer selbst zum Protagonisten eines Spieles wird. Inwiefern sich diese Ansätze jedoch auf betriebliche Abläufe anwenden lassen, bleibt aber fraglich.

 

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Matteo Rosoli, CEO von eustella © eustella

„In den USA wird gerade die Ära der Superintelligenz ausgerufen. Europa darf dabei nicht zuschauen“, sagt Matteo Rosoli, CEO von eustella. Das Wiener Startup hat am 20. Oktober die Version 1.5 seiner Plattform für KI-Agenten veröffentlicht. Sie läuft nach eigenen Angaben auf rein europäischer Cloud-Infrastruktur.

Nachtraining statt Neuentwicklung

Eustella entwickelt kein Sprachmodell von Grund auf. Stattdessen setzt das Team auf offene Modelle, deren Gewichte frei verfügbar sind, und entwickelt sie mit eigenen Daten und Verfahren weiter. Ausgangspunkt ist laut Aussendung „das chinesische Basismodell Qwen 3.8 27B”. Die leistungsstärksten offenen Modelle stammten demnach „derzeit überwiegend aus China”. Das Nachtraining soll auch deren Voreingenommenheit reduzieren.

Ergebnisse aus eigener Messung

Wie viel das Nachtraining bringt, hat eustella selbst gemessen, mit 14 gängigen Leistungstests für KI-Modelle (Benchmarks). Laut Unternehmen schneidet v1.5 in allen 14 besser ab als das Basismodell, im Schnitt um fünf Punkte. Am deutlichsten fällt der Zuwachs beim Programmieren (LiveCodeBench, plus 17,1 Punkte), beim Befolgen komplexer Anweisungen (IFBench, plus 10,9) und in mehrstufigen Gesprächen (MultiChallenge, plus 10,8) aus.

Im Vergleich mit US-Modellen zieht eustella folgende Bilanz: v1.5 erreicht mit 27 Milliarden Parametern bei LiveCodeBench 89,1 Prozent, fast identisch mit Claude Opus 5 (89,0). GPT-5.6 Sol kommt auf 82,6. Bei GPQA Diamond, einem Test mit naturwissenschaftlichen Expertenfragen, liegt eustella mit 92,6 Prozent hinter Claude Opus 5 (93,9). Beim Verstehen langer Dokumente (AA-LCR) führt v1.5 laut eigenen Angaben mit 87,5 Prozent vor Claude Opus 5 (79,0) und GPT-5.6 Sol (84,0).

Auch gegenüber dem französischen Anbieter Mistral liegt v1.5 laut eustella in allen sieben vergleichbaren Benchmarks vorn, obwohl Mistral Medium 3.5 rund fünfmal so viele Parameter habe.

Die im Sommer verglichenen Modelle sind allerdings nicht mehr die aktuellsten ihrer Anbieter. Anthropic hat mit Fable 5.1 (seit 1. September) und Opus 5.5 (seit 22. September) zwei jüngere Modelle veröffentlicht. Auch OpenAI und Mistral haben mittlerweile neue Modelle vorgestellt.

Vom Launch zur Unternehmensplattform

Vorgestellt hat eustella seine App am 24. Juni. Beim Start im Juni waren es knapp 5.000 Nutzer:innen, jetzt mehr als 22.000. Die KI-Agenten unterstützen mehrstufige Aufgaben wie Recherchen, Präsentationen oder Reiseplanung. Ende August folgte laut eustella eine Optimierung, die das Achtfache an Nutzung zum gleichen Preis ermöglicht. Mit v1.5 kommen Team- und Enterprise-Pläne: „Orbit” kostet 20 Euro pro Nutzer:in und Monat, „Constellation” mit vierfachem Nutzungsvolumen 80 Euro. Die ersten 25 Partner:innen haben bereits API-Zugriff.

Eigene Technologie in Planung

„Wir haben diesen Sommer gezeigt, dass ein europäisches Team mit offenen Modellen und eigener Forschung an die Weltspitze heranrücken kann”, sagt Rosoli. v1.5 sei „erst der Anfang”. Weitere Forschung ist in Vorbereitung, eigene KI-Technologie will eustella Schritt für Schritt entwickeln.

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