24.06.2021

GameStop: Londoner Hedgefonds zerbricht nach verlorener „Meme-Stocks“-Wette

Laut der Financial Times schließt einer der Hedgefonds, der sich im Zuge der WallstreeBets-Causa Anfang des Jahres mit einer GameStop-Wette die Finger verbrannt und herbe Verluste eingesteckt hatte, seine Pforten.
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GameStop, White Square, Melvin, WallstreetBets
(c) Stock.Adobe/Eric BVD

Es war einer der ersten Aufregungen des neuen Jahres. User eines Unterforums des sozialen Netzwerks Reddit hatten sich zusammengeschlossen und durch den Kauf der GameStop-Aktie einen Anstieg von knapp 20 US-Dollar zu Jahresbeginn 2021 auf zwischenzeitlich rund 480 US-Dollar erzwungen. Da davor einige Hedgefonds mit Leerverkäufen auf den Fall der Aktie gesetzt hatten, erlitten diese während des Kursanstiegs Milliardenverluste.

Geschäftsmodell zu schwierig?

Einer dieser Hedgefonds, der sich mit GameStop-Wetten verkalkuliert hatte, habe laut der Financial Times seinen Anlegern verlautbart, den Hauptfonds schließen zu wollen und das eingeflossene Kapital diesen Monat zurückzuzahlen. White Square Capital, geführt vom ehemaligen Paulson & Co Händler Florian Kronawitter, teilte zudem mit, es habe sein Geschäftsmodell überprüft und sei zur Ansicht gekommen, das „equity long-short model“ sei „challenged“.

„Es gibt viel zu viele Fische im Teich mit der gleichen Strategie von Long-Short“, so Kronawitter, „Der traditionelle Vorteil wird von anderen Investoren ausgehöhlt, es gibt ein Überangebot an Kapital.“

Kein GameStop-Konnex?

Trotz einer gewissen Optik sei diese Entscheidung laut einem Informanten nicht auf die Verluste der sogenannten „Meme-Aktienrallye“ zurückzuführen. Der Londoner Fonds hätte sich nach den Jänner-Turbulenzen erholt und einen guten Teil des verlorenen Kapitals wieder eingeholt. Insgesamt arbeitete White Square mit einem Volumen von 440 Millionen US-Dollar, hatte damals aber mit Verlusten im zweistelligen Prozentbereich zu hadern.

Auch andere Fonds, darunter das berühmteste Beispiel Melvin Capital aus den USA, haben im Zuge der WallstreeBets-Aktion viel Geld verloren. Konkret verfielen von den 12,5 Milliarden US-Dollar, die etwa der US-Fonds Anfang des Jahres investiert hatte, satte 53 Prozent. Eine Kapitalspritze von Point72 und Citadel in Höhe von 2,75 Milliarden US-Dollar retteten damals ihren Partner vor dem Zusammenbruch.

Der Investorenbrief

In einem Investorenbrief, der die Schließung des White Square-Fonds ankündigte, erklärte das Unternehmen, dass sich im vergangenen Jahr trotz der starken Performance zwei große Investoren dafür entschieden hätten, ihr Geld abzuziehen und es in billige passive Fonds oder Private Equity zu stecken. „Wir haben die Trendverschiebung weg von Hedge-Fonds-Investitionen hin zu billigeren Alternativen aus erster Hand erfahren“, zitiert die Financial Times aus dem Brief. Manche User auf Reddit, die sich als verschworene Feinde der Hedgefonds sehen, zeigen sich allerdings skeptisch, wittern Tricks oder nennen White Square eine Art „Scapegoat“, während andere Hedgefonds-Gegner weiterhin auf einem Dominoeffekt in dieser Causa hoffen.

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Aviloo startet Batterie-Garantie © Aviloo

Nach dem Einstieg der Investmentholding Armira Growth und der Invest AG stehen beim Batteriediagnose-Scaleup Aviloo aus Wiener Neudorf die Zeichen auf Wachstum. Im Zuge der 30-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde kauften die neuen Geldgeber den frühen Investor European Innovation Council Fund (EIC) aus – brutkasten berichtete. Das 2018 gegründete Unternehmen schärft seine strategischen Prozesse nach dem Abschluss nochmals nach.

Strukturwandel und neues Personal

Das frische Kapital hat im Unternehmen tiefgreifende organisatorische Veränderungen bewirkt. CEO Marcus Berger spricht im brutkasten-Interview von einem „enormen Professionalitätsschub“. Das veränderte Mindset der Führungsriege schlage sich bereits in konkreten Expansionsschritten nieder: Allein im Juni stellte das Startup 20 neue Mitarbeitende ein. Fünf davon besetzen Positionen in den USA. Zudem befindet sich ein neues Büro in China im Aufbau und das Team arbeitet an der Entwicklung neuer Hardware.

Dabei profitiere das Scaleup nicht nur vom Investmentvolumen. „Armira bringt nicht nur Geld, sondern insbesondere auch Know-how“, erklärt Berger. Der Fonds stelle dem Team externe Industrie-Expert:innen zur Seite, um das Wachstum in Bereichen wie Marketing und Vertrieb strategisch zu begleiten. Der Wandel im Startup sei dabei tiefgreifend: „Das ist so ein bisschen von der österreichischen Bundesliga in die Champions League. Dann musst du anders trainieren, anders aufstehen, andere Taktik fahren“, ordnet der CEO ein.

„Man wolle es jetzt richtig wissen“, erzählt Berger weiter. Es wäre bei Aviloo immer schon aufregend gewesen, aber die jetzige Zeit zähle mitunter zu den spannendsten und intensivsten.

Neues Produkt: Batterie-Garantie

Ein Teil dieser neuen Produktstrategie ist eine kostenlose Batterie-Garantie, die im Juli nach einer ersten Phase in Schweden und Frankreich im DACH-Raum sowie in weiteren europäischen Märkten anläuft. Fällt der Gesundheitszustand (State of Health) der Batterie innerhalb eines Jahres oder nach 20.000 Kilometern unter ein individuell berechnetes Limit, zahlt das Unternehmen 3.000 Euro sowie die Testkosten an die Käufer:innen aus.

Die Summe orientiere sich laut Berger an den realen Kosten eines potenziellen Schadens, da ein Modultausch „ungefähr bei diesen 3.000 Euro“ liege. Über 12 Monate hinweg habe man intern Berechnungen und Risikoanalysen durchgeführt und das Risiko schlussendlich an prominente, internationale „Versicherungspartner weitergetragen“ und Partnerschaften geschlossen.

Strategischer Hebel und Abgrenzung von Konkurrenz

Mit dem neuen Produkt möchte man sich bewusst vom bestehenden Markt abgrenzen. „Damit sind wir nach wie vor die Einzigen und wir bauen diese Führungsrolle am Markt weiter aus“, ordnet Berger die Entwicklungen ein.

Während Mitbewerber meist nur fahrzeugeigene Daten auslesen und ausdrucken, ermittelt Aviloo den Batteriezustand über eigene Berechnungen. Mit der Garantie geht das Unternehmen nun den nächsten Schritt und koppelt die Diagnose an ein finanzielles Versprechen. „Wir behaupten nicht nur etwas, sondern wir stehen auch zu diesem Versprechen“, betont Berger.

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