29.01.2026
KOOPERATION

Modernes Networking – wie wir Netzwerken neu denken müssen

Gastbeitrag. Julia Pfneißl-Mauritz und Sophia Niederhuber von Future Link gehen der Frage nach, wie man Networking vom Fass ohne Boden in einen wahren Game Changer verwandeln kann.
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Julia Pfneißl-Mauritz und Sophia Niederhuber
Julia Pfneißl-Mauritz und Sophia Niederhuber | Foto: Future Link

Ein gutes Netzwerk gehört für die meisten von uns zu einer erfolgreichen Karriere dazu. So investieren wir oft sehr viel Zeit und Energie in den Aufbau eines Business-Networks und haben trotzdem das Gefühl, keinen wirklichen Fortschritt zu machen. Wir besuchen Veranstaltungen, führen Small Talk und tauschen Visitenkarten aus. All das, um am Ende doch zu bemerken, dass die Kontakte im Sand verlaufen. Genau dieses Phänomen begegnet uns bei Future Link in den unterschiedlichsten Branchen immer wieder: Netzwerken ist ein Fass ohne Boden.

Dabei ist ein Netzwerk ein entscheidender Baustein für die berufliche Entwicklung. Sichtbarkeit, Chancen, Zusammenarbeit: all das entsteht dort, wo Menschen sich begegnen und voneinander lernen. Und genau deshalb haben wir uns auf die Suche nach Lösungen gemacht, um Netzwerken in einen wahren Game Changer zu verwandeln.

Modernes Networking: Klarer, bewusster und authentischer

Das klassische Networking reicht in dieser Form längst nicht mehr. Es braucht neue Strukturen, die echten Mehrwert schaffen und Beziehungen ermöglichen, die über lose Bekanntschaften hinausgehen. Networking muss neu gedacht werden.

Sich ein Netzwerk aufzubauen, sollte möglichst einfach sein. Es soll sich ungezwungen anfühlen und am besten nicht den geliebten Feierarbeit blockieren. Es soll effizient sein, viele Kontakte in kurzer Zeit herstellen. Und es soll die richtigen Leute erreichen. Kontakte, die für das eigene Unternehmen tatsächlichen Mehrwert haben. Um all das zu erreichen, braucht es modernes Networking. 

Modernes Networking verbindet klassische, persönliche Beziehungen mit digitalen Werkzeugen. Es geht darum, gezielt Kontakte aufzubauen, die wirklich passen. Im Mittelpunkt stehen echtes Interesse, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, zuzuhören. Digitale Plattformen, wie beispielsweise LinkedIn, können gezielt genutzt werden, um Wissen zu teilen, Entwicklungen zu verfolgen und Beziehungen über den ersten Kontakt hinaus weiterzuführen.

Im Mittelpunkt modernen Networkings steht die Aufgabe, sich selbst klarzumachen, was man braucht und was man dem Gegenüber geben kann. Gerade diese Balance entscheidet darüber, ob eine Verbindung langfristig wachsen kann.

Erfolgreiches, modernes Networking beginnt damit, die eigenen Themen zu kennen, zum Beispiel:

  • Welche Herausforderungen möchte ich gerade lösen?
  • Welche Perspektiven fehlen mir?
  • Welche Art von Menschen inspiriert mich wirklich?

1on1-Matchings: Beziehung statt Zufall

In unseren Circles nutzen wir genau dieses Prinzip. Lange bevor der eigentliche Eventtag beginnt, führen wir persönliche Gespräche mit allen unseren Teilnehmer:innen. Diese Gespräche sind das Herzstück unseres Konzepts. Denn hier erfahren wir, wo unsere Teilnehmer:innen stehen, welche Fragen sie beschäftigen und wohin sie sich weiterentwickeln möchten.

Aus diesen Informationen entwickeln wir gezielte Matchings. Das heißt, wir bringen Personen zusammen, die zueinander passen und voneinander profitieren können. Dadurch entstehen Gespräche, die oft innerhalb weniger Minuten zu neuen Erkenntnissen führen.

Diese Wirkung entsteht, weil das Setting bewusst gestaltet ist und weil Menschen aufeinandertreffen, die tatsächlich etwas voneinander brauchen. Sei es Austausch, Inspiration oder ein neuer Blickwinkel.

Der Becoming Female Leader Circle – Become the Leader you are

Diese neuen Perspektiven sind auch besonders für diejenigen wertvoll, die sich beruflich noch weiterentwickeln möchten und erst am Anfang der Karriereleiter stehen. Daher haben wir einen neuen Circle entwickelt, der sich an Nachwuchsführungskräfte richtet. Am 30. April 2026 feiert unser Becoming Female Leader Circle Premiere. Ein Format für Frauen, die in die Führung gehen möchten und bisher wenig oder keine Erfahrung gesammelt haben.
In den ersten Vorgesprächen zeigt sich bereits ein deutliches Muster: Viele der jungen Frauen stehen vor denselben Fragen, egal aus welchem Unternehmen oder welcher Branche sie kommen.

Sehr häufig hören wir Dinge wie:

  • „Ich befinde mich in einer Sandwichposition und weiß nicht, wie ich meine Zeit aufteilen kann.“
  • „Ich sehne mich nach mehr Sichtbarkeit innerhalb des Unternehmens.“
  • „Mir fehlt ein Netzwerk, das mich wirklich unterstützt.“

Die Gespräche zeigen immer wieder, wie wichtig es ist, Räume zu schaffen, in denen sich Frauen austauschen können. Räume, in denen sie Orientierung bekommen und gleichzeitig sehen, dass sie mit ihren Fragen nicht allein sind. Der Circle bietet genau das: einen geschützten Rahmen für Austausch, Mut und Weiterentwicklung. Become the Leader you are.

Das Statement einer unserer Teilnehmerinnen bringt dieses Bedürfnis auf den Punkt: 

„Ich bin beim Becoming Female Leader 2026 dabei, weil ich als junge Führungskraft meinen eigenen Führungsstil weiterentwickeln möchte. Ich freue mich besonders auf den Austausch mit anderen Frauen, die ähnliche Herausforderungen erleben, auf neue Perspektiven und darauf, meine Stärken noch besser kennenzulernen.“ 

Darüber hinaus ist das Event für die Entwicklung des Unternehmens besonders tragfähig. Das Netzwerken schon jetzt in die nachfolgende Generation zu übergeben und so langfristige Beziehungen für die Zukunft aufzubauen, bedeutet für jedes Unternehmen echten Mehrwert. Um den Aufbau eines langfristigen Netzwerks zusätzlich zu erleichtern, bieten wir außerdem erstmalig ein digitales Netzwerk an: The Network.

The Network

Ein Eventtag kann viel auslösen: Inspiration, neue Kontakte, neue Motivation. Aber: Nachhaltige Beziehungen entstehen nicht an einem einzigen Tag. Sie entstehen durch Wiederholung, durch Vertiefung, durch erneute Berührungspunkte. Genau hier setzt The Network an.

Nach dem Event werden die Teilnehmerinnen unseres Becoming Female Leader Circle für die digitale Plattform The Network freigeschaltet, um weiterhin miteinander in Kontakt bleiben zu können. Auf der Plattform können die Teilnehmerinnen Gespräche fortsetzen, neue Verbindungen knüpfen und sich bewusst Personen aussuchen, die aktuell zu ihren Themen passen.

Dieser digitale Raum hat einen starken Vorteil: Er erlaubt es, den eigenen Netzwerkaufbau aktiv zu steuern. Man kann auswählen, wen man kennenlernen möchte, wo ein Impuls helfen könnte und welche Gespräche man vertiefen möchte, unabhängig von Raum und Zeit. Dadurch entsteht ein Netzwerk, das nicht zufällig wächst, sondern strategisch, ohne dabei unpersönlich zu werden.

Networking heute: Bewusst, mutig und neugierig

Wir erleben täglich, dass Netzwerken heute etwas völlig anderes bedeutet als früher. Es geht nicht mehr um das Feierabendbier oder darum, „dabei zu sein“. Es geht um Orientierung, um gegenseitige Unterstützung, um Perspektiven und Ideenfindung.

Unser Networking-Manifest:

  • Kooperation statt Konkurrenz – gemeinsam schafft man mehr.
  • Sichtbarkeit bewusst nutzen – wer gesehen wird, wird gefunden.
  • Gezielt statt wahllos vernetzen – Qualität schlägt Quantität.
  • Elevator Pitch – je präziser die Gespräche, desto stärker die Wirkung.
  • Netzwerke aktiv nutzen – Kontakte sind nur wertvoll, wenn man sie pflegt.

Wenn Menschen zusammenkommen, die wirklich zuhören, entsteht ein neues Level an Verbindung. Beziehungen werden zu Ressourcen. Gespräche werden zu Entscheidungen. Kontakte werden zu Wegbegleiter:innen.

Genau solche Räume wollen wir gestalten – Räume, die stärken, inspirieren und Türen öffnen, die vorher unsichtbar waren.


Über die Autorinnen

Julia Pfneißl-Mauritz ist Founderin und Managing Director bei Future Link. Sophia Niederhuber ist Community & Social Media Managerin bei Future Link.

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Startup-Coach Florian Kandler rät Gründer:innen, schon vor dem fertigen Produkt zu verkaufen | Foto: Bianca Perfahl

Florian Kandlers Startup Report erscheint heuer in elfter Ausgabe und wurde im Mai gemeinsam mit KPMG präsentiert. Er ist bewusst kein Datenwerk und kein politisches Papier: Die Zahlen bekomme man ohnehin auf Knopfdruck, so Kandler. Stattdessen befragt er jene Gründer:innen, die bereits Funding eingesammelt haben, nach ihren konkretesten Learnings. Kandler hat seit seiner Rückkehr aus dem Silicon Valley über 3.000 Gründer:innen begleitet, die zusammen mehr als eine Milliarde Euro aufgenommen haben, und ist bereits im achten Jahr offizieller Startup-Coach bei „2 Minuten 2 Millionen“.

Aus den Antworten lässt sich heuer eines klar herauslesen: Der Druck Richtung Traction steigt. Kapital konzentriert sich auf wenige Segmente, die Abstände zwischen den Runden werden länger, und Investor:innen wollen Proof from the Market sehen, nicht bloß eine gute Geschichte. Lukas Lauder von Repark bringt es im Report auf den Punkt: „Investors don’t invest in your product, they invest in momentum.“

Daraus ergibt sich ein Dilemma, das gerade First-Time-Founder kennen: Wie baut man Traction auf, wenn das Kapital dafür noch fehlt? Kandlers Antwort ist ein Mindset-Shift, den er „Sales before the product“ nennt.

Du machst den Report seit elf Jahren. Welcher Trend sticht heuer am stärksten heraus?

Die starke Verschiebung hin zu Traction. Die Leute wollen immer mehr Momentum und Proof from the Market sehen, nicht nur den Beweis, dass jemand eine gute Geschichte erzählen kann oder dass theoretisch Potenzial da ist. Stefan Steiner von Don’t Call it Deo sagt es so: nicht nur auf die Idee fokussieren, sondern auf Market Traction. Storytelling ist für Pitch Competitions oder Community Pitches nett, aber wenn du mit Investor:innen sprichst, musst du in einen anderen Gang schalten. Da zählt Groove.

Zieht sich das durch alle Phasen?

Durch alle Fundingphasen, von den ganz Kleinen bis zu den Großen. Nur bedeutet Traction in jeder Phase etwas anderes, und es verschiebt sich, was dort durchschnittlich und was überdurchschnittlich ist. Was sich nicht verschiebt: Es muss heute einfach mehr an Traction da sein als noch vor einigen Jahren. Eine Idee und eine tolle Vision allein, und dann kommt das Geld, das funktioniert nicht mehr.

Das klingt nach einem Dilemma: Ohne Kapital ist Traction schwer aufzubauen.

Das ist einer der großen Denkfehler, die ich bei jungen Gründer:innen immer wieder sehe. Viele kommen mit: „Ich hatte vor Jahren die Idee, habe daran gebastelt, das Potenzial ist riesig, und jetzt suche ich einen strategischen Investor, der mich bei Marketing und Vertrieb unterstützt.“ Bastler mit Idee, null Market Validation. Oder: „Ich kann ja nichts verkaufen, ich habe das Produkt noch nicht.“ Das ist grundfalsch. In der Sekunde, in der du die Idee hast, überlegst du: Wer ist die ideale Zielgruppe? Du baust deine Hypothese darum, gehst raus und sprichst mit diesen Leuten, auch wenn dein Produkt erst in drei Jahren fertig ist. Die Traction, die du aufbaust, ist das Interesse, das du dort erzeugst.

Hast du ein Beispiel?

Ich betreue gerade einen Gründer, der schon jetzt Pre-Orders schreibt und pro Kunde 10.000 Euro kassiert, damit sich diese das Recht sichern, die ersten Pilotkunden werden zu dürfen. Das Produkt ist noch lange nicht fertig, er hat aber ganz klar einen Nutzen bei den Kunden identifiziert und mit smartem Verkauf FOMO erzeugt. So konnte er schon Aufträge erhalten, bevor das Produkt fertig ist. Das ist Traction.

Und im Consumer-Bereich?

Da sage ich den Leuten bei „2 Minuten 2 Millionen“: Der Pitch ist so gut, wie er sein kann. Aber bis du in sechs Wochen im Studio bist, mach eine einzige Sache. Geh raus in alle Mom-and-Pop-Shops, die dein Produkt brauchen können, verkauf es ihnen, gib es ihnen auf Kommission, erzeug Traction. Wenn das Produkt noch nicht fertig ist, hol dir zumindest ein Stück Papier, etwa eine unterzeichnete Absichtserklärung, das zeigt: Die Leute wollen das. Erst letzte Woche hat ein Gründer aus Tirol, der sich gerade auf seinen großen Auftritt im Studio vorbereitet, genau das umgesetzt. Fünf Tage später schickte er mir eine aufgeregte WhatsApp-Nachricht, dass er über sein altes berufliches Netzwerk bereits zwei Vorbestellungen gewinnen konnte.

Was braucht es, damit das gelingt?

Zwei Dinge. Erstens ein Produkt, das wirklich mit dem Markt resoniert. Wenn du das nicht hast, hast du ohnehin kein Anrecht auf Kapital. Und zweitens die Fähigkeit und die Bereitschaft, rauszugehen. Die fehlt vielen, teils weil sie es nicht können, teils weil sie es nicht wollen. Aber das lässt sich mit Kompetenzaufbau ganz gut heilen: Sobald du merkst, das funktioniert und die Leute finden es geil, kriegst du auch Mut. Ich sehe das regelmäßig in meinen Beratungen, wie meine Gründer dann plötzlich Eigendynamik entwickeln. „Sales before the product“ ist einer der größten Mindset-Shifts, die junge Gründer:innen verstehen müssen. Wenn man die Methoden einmal kennt, kann das wirklich jeder umsetzen.

Und wenn diese Bereitschaft im Team fehlt?

Dann wird es schwierig. Wenn alle Angst vor dem Kunden haben, fehlt genau die Person, die keine Angst hat, und die braucht es. Die anderen verkriechen sich hinterm Computer, denken sich digitale Ad-Kampagnen aus oder gehen zum Investor und sagen: „Ich brauche 300.000 Euro, davon 150.000 fürs Marketing.“ Das gibt dir niemand, solange du nicht im Kleinen getestet hast, ob die Leute es überhaupt brauchen. In 99 Prozent der Fälle gibt es Growth Hacks, mit denen du ohne Cash-Budget Staub aufwirbeln und sehen kannst, ob es funktioniert oder nicht.

Konkret: Wie geht man mit einem unfertigen Produkt im B2C auf Kund:innen zu?

Ein möglicher Weg im Consumer-Bereich ist, die Leute auf Social Media abzufangen. Ich betreue gerade eine Gründerin, die eine sehr intelligente Functional-Cosmetics-Brand aufbaut. Jeder Investor hofft, dass jemand im Team versteht, daraus auf Social Media Buzz zu bauen. Wenn dein Produkt neuartige Eigenschaften hat, musst du es so vermarkten, dass die Leute heiß werden und du vielleicht einen Pre-Sale machst, wie beim Fashion Drop: Die Kollektion kommt erst im September, aber die Leute zahlen heute schon. Irgendjemand muss diese Message rüberbringen, ob als Person und Fürsprecherin, wie coole Food-Gründerinnen, die vor der Kamera ihr Produkt zeigen, oder abstrakter über Content und meinetwegen KI-generierte Avatare. Und das ist nur einer von mehreren möglichen Wegen, die man je nach Unternehmen und Situation einschlagen kann.

Und im B2B?

Da musst du ran an den Speck, und Networking ist entscheidend. Ich gebe in Workshops eine Übung: Nimm dein Telefon, schau, wer da drin ist und wer von denen wen kennen könnte. Ruf deine zehn besten Freunde an, die dich mögen, dir Gutes wollen und die wissen, dass du kein Depp bist, und sag: „Ich suche jemanden in dem und dem Bereich, kennst du wen?“ Du wärst überrascht, wie schnell die ersten Termine stehen. Funktioniert auch auf Konferenzen und Events, wo diese Menschen herumlaufen. Aber weg von diesen drögen Kundeninterviews à la „Würdest du das kaufen?“. Das ist fast wertlos, für die Unternehmer:innen wie für Investor:innen. Wer es ernst meint, liest „The Mom Test“, denkt den Inhalt dieses Buchs konsequent wie ein Verkäufer weiter und baut aus dem Gespräch direkt einen Sales-Funnel. Im besten Fall ist das eine Pre-Order mit Cash, im nächstbesten eine Pre-Order ohne Cash, dann ein Letter of Intent.


Info: Fundraising Winter Camp™ 2026

Jeden Winter bereitet Florian Kandler eine kleine Gruppe von zehn Startups in drei Wochen online auf ihre Investor:innen-Suche vor. Das Camp 2026 startet am 14. Jänner.. Die Sommer-Version des Camps läuft seit 10 Jahren immer im Juli. Die Plätze sind jedes mal ausgebucht. Wer beim nächsten Durchgang dabei sein will, kann sich über Florian Kandlers Newsletter auf www.GetFunding.how/camp voranmelden und wird zum nächsten Camp eingeladen.

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