17.10.2019

fundnow: Erste Bank und Conda starten all-in-one-Unternehmensfinanzierung

Mit fundnow präsentieren Erste Bank und Conda kommenden Mittwoch ein umfassendes Tool, das mehrere Formen der Unternehmensfinanzierung über eine Plattform zugänglich machen soll.
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fundnow: 'Unternehmensfinanzierung von Erste Bank und Conda
(c) Erste Bank - Sebastian Reich / Conda: Erste Bank-Vorstand Peter Bosek und Conda CEO Daniel Horak

Bankfinanzierungen, Crowdinvesting, Förderungen, Leasing und Beteiligungen – diese Formen der Unternehmensfinanzierung wollen Erste Bank und Conda über ihr neues Tool „fundnow“ auf einer Plattform vereinen. In einer ersten Aussendung heißt es dazu: „fundnow deckt alle Finanzierungsformen in einem ganzheitlichen Prozess ab. Binnen fünf Minuten erhält der Unternehmer einen initialen Vorschlag, innerhalb von 48 Stunden seinen persönlichen Finanzierungsmix“.

+++ Fokus-Channel: FinTech +++

Erstes Statement von Erste Bank Österreich CEO Peter Bosek

Weitere Details zur neuen Plattform sind bislang noch nicht veröffentlicht worden. Offiziell präsentiert wird sie kommenden Mittwoch von Erste Bank Österreich CEO Peter Bosek und Conda CEO Daniel Horak. Bosek verrät in einem kurzen Gespräch: „Ich führe bereits seit drei Jahren Gespräche mit Daniel. Ich bin Crowdinvesting am Anfang ablehnend gegenüber gestanden. Daniel hat immer argumentiert, dass das Modell nicht nur für Startups sondern auch für KMU relevant ist und damit Recht behalten“. Mit der neuen Plattform könne man Kunden in Sachen Unternehmensfinanzierung noch besser bedienen. Wie das genau funktionieren wird, will der für das Retail-Banking-Geschäft verantwortliche Erste Group-Vorstand vor Mittwoch noch nicht sagen. Daniel Horak äußert sich gegenüber dem brutkasten ebenso in einem ersten Statement: „Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit der Erste Bank als Partner etwas Revolutionäres auf die Beine gestellt haben. Unser Tool verbindet das Beste aus zwei Welten“.

fundnow: „Finanzierungsmix“ als Basel-Geheimwaffe?

Die Details bleiben also abzuwarten. Für Banken bietet der oben genannte „Finanzierungsmix“ jedenfalls eine Erleichterung bei der Vergabe von Krediten. Denn gerade für Startups gilt eine (ausschließliche) Fremdkapital-Finanzierung durch Banken als nahezu unmöglich. Im Hintergrund stehen Regelungen der Basel-Abkommen, durch die unter anderem sehr strenge Richtlinien bei der Kreditvergabe an Unternehmen angewendet werden müssen. Die Kombination mit anderen Finanzierungsformen kann hier über eine Erhöhung des Eigenkapitals der Unternehmen Abhilfe schaffen. Ob das bei Crowdinvesting geltend gemacht werden kann, das üblicherweise als Nachrangdarlehen erfolgt (gilt als Mezzaninkapital – eine Mischform von Eigenkapital und Fremdkapital), sollte nach der Präsentation am Mittwoch klar sein.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Wirklich neu oder gar überraschend ist das jüngste Statement von Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zum mit „bis zu“ 500 Millionen Euro Volumen geplanten „Start-up & Scale-up Dachfonds“ nicht. Wie mehrere heimische Medien berichten, sagte sie zuletzt gegenüber der APA: „Die Ausschreibung für das Fondsmanagement wird im Herbst stattfinden“ – betraut ist damit die aws. Anders wäre es freilich gar nicht möglich, den bereits zuvor kommunizierten Start der operativen Tätigkeit mit Anfang 2027 zu gewährleisten.

Und auch so könnte es schwer werden. Denn „im Herbst“ ist immer noch eine recht vage Zeitangabe und Ausschreibungsverfahren können bekanntlich auch länger dauern, als erhofft – sofern nicht bereits im Hintergrund Vorentscheidungen getroffen wurden, was hier keineswegs unterstellt werden soll.

Kleiner Pool an erfahrenen Dachfonds-Manager:innen

Der Pool an Personen, die konkrete Erfahrung mit dem Management VC-fokussierter Dachfonds mitbringen, hält sich nämlich europaweit in engen Grenzen. Neben dem European Investment Fund (EIF) als dominierendem Player auf EU-Ebene, gibt es einige nationalstaatliche Fonds, die teilweise auch zum Vorbild für die österreichische Version wurden, und einige private Player, die meist mit deutlich niedrigeren Kapitalvolumina arbeiten. Ein schlagkräftiges Team müsse aktiv mit entsprechenden Incentives abgeworben werden. Die Staatsnähe erschwere die Suche zusätzlich, befürchtet ein Branchenkenner gegenüber brutkasten hinter vorgehaltener Hand.

Keine staatliche Einflussnahme?

Dass es, wie versprochen, tatsächlich keine staatliche Einflussnahme auf den Dachfonds geben werde, glaubt er nämlich nicht. So soll etwa die aws laut einer nicht öffentlichen Präsentation, die dem Insider vorliegt, ins Fundraising eingebunden werden. Und das spreche, kombiniert mit dem geplanten staatlichen Ankerinvestment in Höhe von bis zu 20 Prozent bzw. bis zu 100 Millionen Euro (brutkasten berichtete), gegen völlige Unabhängigkeit.

Und auch die Zielsetzung, den Investmentfokus auf Österreich zu legen, passt nicht ganz mit der Idee zusammen, dass das Fondsmanagement völlig freie Hand haben soll. Zehetner äußerte sich auch hierzu gegenüber der APA: Österreich-Fokus ja, „es gibt aber keine genauen Vorgaben für das Fondsmanagement.“ Hinzu kommt natürlich auch, dass es in Österreich gar nicht so viele VC-Fonds gibt – und noch viel weniger im angestrebten Growth-Stage-Bereich.

Politische Überzeugungsarbeit bei potenziellen LPs

Ist das Management dann einmal aufgestellt, dürfte das Finden geeigneter Limited Partners (LPs), also Kapitalgeber für den Dachfonds, zur nächsten Herausforderung werden. Wirklich attraktiv sei die Beteiligung für die institutionellen Investoren, wie Banken und Versicherungen, die man ansprechen will, nämlich nicht, sagt ein anderer Branchenkenner – ebenfalls off the record. Auch wenn – wie angekündigt – begleitende Gesetze die Situation für die in Sachen Risiko sehr restriktiv geregelten Institutionellen verbessern, gebe es nicht automatisch gute Gründe, die für dieses Investment sprechen.

Die Folge: Es bedürfe auch von politischer Seite Überzeugungsarbeit bei den LPs. Dass man bereits jetzt, bevor das Management überhaupt ausgeschrieben ist, hinter verschlossenen Türen versucht, die großen relevanten heimischen Player zu einem Committment zu bewegen, liegt auf der Hand – schließlich soll das Projekt zum politischen Erfolg werden. Dass darunter die angestrebte Unabhängigkeit abermals leidet, ebenfalls.

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