11.03.2025
INTERVIEW

„Leute geben uns Kapital, weil sie sehen, dass wir in vielen Dingen anders ticken“

Auf ein Volumen von 28 Millionen Euro kam der Wiener VC Fund F in seinem finalen Closing – um acht Millionen Euro mehr als ursprünglich angepeilt. Wie es zu der Überzeichnung kam, worauf sie beim Investieren besonders achten und wie sie sich in der Ära Trump positionieren, erklären die Gründerinnen Lisa Fassl und Nina Wöss im Interview.
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Die Fund F-Gründerinnen Lisa Fassl und Nina Wöss | (c) Viktoria Waba / brutkasten
Die Fund F-Gründerinnen Lisa Fassl und Nina Wöss | (c) Viktoria Waba / brutkasten

Dieses Interview ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von März 2025 „Hoch hinaus“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Sie haben große Namen wie Speedinvest oder Calm/Storm in den Schatten gestellt – nicht weniger als 28 Millionen Euro holten Lisa Fassl und Nina Wöss für den ersten Fonds ihrer Venture-Capital-Gesellschaft Fund F herein; deutlich mehr als Speedinvest und Calm/Storm damals jeweils für ihren ersten Fonds aufstellten. Mit dem European Investment Fund (EIF) gelang es zudem, einen institutionellen Kapitalgeber an Land zu ziehen, der in den seltensten Fällen in First-Time-Fonds investiert. Er ist mit zehn Millionen Euro größter Limited Partner (LP).

Dabei hat Fund F eine sehr klare Ausrichtung – oder „These“, wie Fassl und Wöss es nennen: Der VC investiert ausschließlich in Startups, die zumindest eine Frau im Gründungsteam haben. Für die beiden Gründerinnen ist der VC-Fonds ein durchaus logischer Schritt in ihrem Werdegang: Zusammen gründeten sie zuvor bereits die Initiative Female Founders. Und beide brachten einschlägige Erfahrung im Startup-Investment-Bereich mit: Lisa Fassl war unter anderem Geschäftsführerin der aaia (Austrian Angels Investors Association) und Startup-Beauftragte im Wirtschaftsministerium, Wöss arbeitete sieben Jahre lang in unterschiedlichen Positionen bei Speedinvest – zuletzt als Head of Marketing & Community – und war Vorstandsvorsitzende der AVCO (Austrian Private Equity & Venture Capital Organisation). (Anm.: aaia und AVCO fusionierten 2023 zur Organisa-tion invest.austria).

Fund F ist bereits seit dem ersten Closing 2022 aktiv und hat – Stand Februar 2025 – 14 Investments mit einem Volumen von fünf Millionen Euro getätigt. Worauf sie beim Investieren besonders achten, wie der EIF als Anker-Investor gewonnen werden konnte und wie Fund F sich in der aktuellen globalen politischen Lage positioniert, erklären Fassl und Wöss im Interview.


brutkasten: Im Herbst 2022 hattet ihr mit Fund F das erste Closing, kürzlich folgte das finale Closing. Wie stark hat euch das Fundraising in dieser Zeit bean-sprucht?

Lisa Fassl: Vielleicht sehe ich das im Rückblick ein bisschen durch die rosarote Brille – im Wesentlichen ist es im Fundraising zwischen First Closing und Final Closing um den EIF gegangen und jeder, der den Prozess schon einmal durchgemacht hat, weiß, dass Due Diligence, Kommunikation und Verhandlungen von Verträgen schon Zeit beanspruchen. Aber das war gut gemanagt und hat uns nicht davon abgehalten, unseren Investment-Pace aufrechtzuerhalten. Dann sind noch ein paar individuelle Investor:innen dazuge-kommen – vor allem Frauen. Mit denen war es unkompliziert.

Ihr hattet im Herbst 2022 das erste Closing – von außen betrachtet könnte man sagen, das Timing war für den Start eines neuen VC-Fonds alles andere als gut: Seit Beginn des Ukraine-Kriegs herrscht eine VC-Krise. Wie habt ihr das erlebt? Wie hat euch das beeinflusst?

Lisa Fassl: Man muss eh mit dem arbeiten, was da ist. Wir hatten rückblickend vielleicht den Vorteil, dass wir gar nicht wussten, wie es ist, in einer anderen Phase zu fundraisen. Wir waren auch mit allem, was wir vorher gemacht haben, immer in einem schwierigen Umfeld unterwegs – die Covid-Krise etwa lag auch nicht lange zurück. Wir kennen es also grundsätzlich nicht anders, als in harten Zeiten unternehmerisch zu agieren.

Von vielen anderen VC-Fonds hört man, dass es schwierig ist, an Kapital zu kommen. War es für uns easy? Nein, war es nicht. Aber es ist offensichtlich machbar. Ich glaube, was uns differenziert, ist eine klare Positionierung, eine Abgrenzung und ein USP durch unsere impact-getriebene These und ein Track Record, den wir aufgebaut haben. Leute geben uns Kapital, weil sie sehen, dass wir in vielen Dingen anders ticken als die klassische VC-Szene, aber auch anders ticken als die klassische Impact-Szene. Wir verschmelzen so hoffentlich das Beste aus beiden Welten miteinander. Und wir haben einen positiven Zugang zur Welt, der Nachhaltigkeit, Impact und Returns verbindet.

Gab es auch Fälle, wo diese klare Ausrichtung – also das Commitment von Fund F, nur in Startups zu investieren, die Frauen unter den Gründer:innen haben – auf Ablehnung gestoßen ist?

Lisa Fassl: Es gab ein paar potenzielle LPs (Anm.: Limited Partners), die da eine sehr klare, skeptische Positionierung hatten. Aber auch mit denen sind wir wieder in Gesprächen, denn am Ende des Tages zählt halt einfach die Performance – und ob die These funktioniert oder nicht.

Nina Wöss: Nicht jeder LP passt zu jedem Fonds. Das ist genauso wie beim Investieren in Startups: Manchmal passt man einfach nicht in das Suchschema und manchmal passt auch das Team nicht zum Investor bzw. der Investorin. Das ist auch vollkommen okay. Genauso wie Startups damit umgehen müssen, dass Investor:innen aus verschiedenen Gründen nicht investieren, haben auch wir Neins bekommen; und da waren sicher auch welche dabei, die auf Basis unserer These gekommen sind. Aber ich glaube, das gehört zum Fundraising dazu.

Rein statistisch gesehen gibt es in Europa mehr Deals mit mindestens einer Frau im Gründungsteam als reine Fintech-Deals. Und niemand zweifelt an der Berechtigung eines Fintech-Fonds.

Nina Wöss im Gespräch | (c) Viktoria Waba / brutkasten

Wie wurden diese Neins begründet?

Lisa Fassl: Eine der Grundfragen, die uns immer wieder gestellt werden, ist, ob es denn überhaupt genug Frauen gibt, die Startups gründen. Ich denke, die Frage hat durchaus Berechtigung, weil es einfach ein total verzerrtes Bild am Markt gibt. Die klassischen VC-Fonds oder Angel-Investor:innen sehen nur einen Ausschnitt des Markts. Sie sehen die Deals, die wir sehen, in vielen Fällen gar nicht. Wir haben, glaube ich, mit den Deals, die wir bis jetzt gescreent haben – letztes Jahr waren es etwas mehr als 2.000 –, bewiesen, dass es tatsächlich genug Dealflow gibt.

Nina Wöss: Rein statistisch gesehen gibt es in Europa mehr Deals mit mindestens einer Frau im Gründungsteam als reine Fintech-Deals. Und niemand zweifelt an der Berechtigung eines Fintech-Fonds.

Wie kann man sich eigentlich das Fundraising bei institutionellen Investoren vorstellen? Wie klopft man da an die Tür? Du hast vorher beim EIF schon angesprochen, dass das ein sehr langer Prozess ist. Wie war das dort und wie war es bei den anderen?

Lisa Fassl: Als wir den Fonds konzipiert und mit dem Fundraising angefangen haben, haben uns so gut wie alle Menschen, die selbst bereits Fonds geraist haben, gesagt, man bekommt niemals für den ersten Fonds Geld von institutionellen Investoren. ‚Das machen die nicht. Die backen keinen First-Time-Fund. Don’t even try!‘ Unsere Einstellung war: ‚What can go wrong?‘ Mehr als dass sie Nein sagen, kann nicht passieren. Ich denke, mit dieser Einstellung muss man – unabhängig davon, ob es für einen Fonds oder für ein Startup ist – immer ins Fundraising gehen. Und jetzt haben wir vier institutionelle Investoren und damit eine extrem solide Basis; auch für weitere Fonds.

Im Fall des EIF haben wir einen Vertreter des Fonds bei einem Event kennengelernt, noch bevor wir im Fundraising für Fund F waren. Als es dann später so weit war, haben wir ihm erzählt, dass wir einen Fonds planen – gar nicht unbedingt mit dem Ziel, Kapital zu bekommen. Er hat das Proposal cool gefunden, und dann haben wir uns reingehaut und nicht mehr locker gelassen.

Zu den beiden Banken (Anm.: Raiffeisen-Landesbank Steiermark und Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien) sind wir über das persönliche Netzwerk gekommen. Das waren Kontakte, die es teilweise schon länger gab, etwa über andere Investor:innen. Sie verfolgen beide eine aktive VC-Strategie, sind extrem professionell, wissen, was am Markt passiert und sind sehr hilfreich für uns. Sie helfen etwa auch bei der Due Diligence bei Startups. Bei der aws (Anm.: Venture-Capital-Initiative der Austria Wirtschaftsservice) war es ein klassischer Bewerbungsprozess.

Aber man muss schon sagen: Auf institutioneller Seite, bei Pensionskassen und Co, wartet keiner auf die VCs. Deshalb wäre es extrem wichtig, dass sich die Politik des Themas annimmt. Wir brauchen einen aktiven Kapitalmarkt, denn es gäbe viele Chancen. Es ist unglaublich viel Geld da, aber es liegt in anderen Assetklassen, am Bankkonto oder unter dem Kopfpolster, und wird einfach nicht mobilisiert. Viel Geld wird in Österreich nicht sehr smart und nicht in Innovation investiert, und das ist eine absolute Verschwendung.

Wie kann man sich den Prozess bis zum Closing mit dem EIF vorstellen? Was war da zu tun?

Nina Wöss: Unser Setup war von Anfang an in­ ternational gedacht. Schon als wir das erste Mal mit den Anwält:innen besprochen haben, wie die Ver­träge ausschauen sollen, war klar: Es muss marktgemäß sein. Wir wollen einen ersten und in Zukunft weitere Fonds aufbauen, die sich auf europäischer Ebene matchen können. Das bedeutet auch: Wenn du vor den institutionellen Fonds sitzt, erwarten die, dass du dich ihrem Schema anpasst und nicht um­ gekehrt. Da gehört es auch dazu, von Anfang an zu verstehen, wie ein Reporting aussehen muss und welche Kennzahlen sie wollen.

Man sollte sich also wirklich schlaumachen, vor allem durch Gespräche mit anderen Fondsmanagern, die diesen LP schon an Bord haben, um besser zu verstehen, worauf es ankommt und wie man den eigenen Pitch so präsentiert, dass er für einen institutionellen LP nachvollziehbar ist. Es ist natürlich ein großer Unterschied, ob du an eine Pri­vatperson pitchst, die auf andere Dinge Wert legt, wo du deine Story einfach anders fokussierst. Lang­fristig musst du aber alle an einen Tisch bringen, in einem Fonds, wo für alle die gleichen Regeln gelten.

Kommen wir zur anderen Seite: euren Investments. Wie hat sich das seit dem Start 2022 entwickelt? Und abgesehen vom bekannten Fund-F-Kriterium, dass zumindest eine Frau im Gründungsteam sein muss: Was sind die entscheidenden Faktoren, warum ihr investiert?

Nina Wöss: Wir haben allein 2024 rund 2.000 Startups gescreent, im Jahr davor waren es ungefähr genauso viele. Wir hatten durch unsere Brand von Tag eins an eine sehr starke Exposure und auch einen wirklich guten Dealflow. Bis dato haben wir 14 Investments getätigt.

Zu den Kriterien: Es klingt jetzt abgedroschen, aber es ist das Team. Dadurch, dass wir Preseed­- und Seed­-Investments machen, sind wir sehr oft der erste Fonds, der in ein Startup investiert. Und in einem großen Teil der Fälle arbeiten wir auch mit Gründerinnen und Gründern, die das erste Mal gründen; das heißt, es ist für das Gründungs­team meistens eine komplett neue Situation, in der man aber recht gut die Persönlichkeiten sieht: Wie kommunizieren die Leute? Wie gehen sie mit Stress um? Wie verhalten sie sich, wenn es wirklich um die konkrete Verhandlung der Verträge geht? Da lernst du die Leute schon sehr gut kennen, und das ist uns auch wichtig. Die Gründerinnen und Gründer brauchen eine besondere Resilienz: Trau en wir es den Menschen zu, dass sie in einem teil­weise sehr anstrengenden Umfeld erfolgreich sein können?

Deswegen ist es für uns auch bedeutend, im eigenen Team eine gewisse Diversität zu haben, um verschiedene Backgrounds und Blickwinkel ein­ zubringen. Das Genannte geht natürlich Hand in Hand mit anderen klassischen Faktoren: Natürlich müssen die Skills passen und die Leute im Team müssen sich ergänzen. Es muss einen relevanten Markt geben und das Produkt muss passen. Und man muss es vielleicht noch mal explizit sagen: Wir sind Technologie-Investorinnen. Wir suchen nach skalierbaren, technologiebasierten Businessmodellen.

Die Welt brennt links und rechts und es gibt so viele Probleme, die wirklich Probleme sind – wir backen lieber Startups, die diese Probleme angehen, als ein Nice-to-have oder eine minimale Prozessoptimierung.

Lisa Fassl im Gespräch | (c) Viktoria Waba / brutkasten

Lisa Fassl: Und es müssen Themen sein, die uns interessieren. Wir arbeiten sehr intensiv mit den Gründerinnen und Gründern zusammen. Sobald wir ein Investment zugesagt haben, steht unser Angebot, dass uns die Leute Tag und Nacht anrufen können. Manche machen das tatsächlich, vor allem, wenn es gerade brennt. Wenn wir kein Interesse an den Menschen und an dem, was sie da tun, hätten, würde das nicht funktionieren.

Also würden wir auch keinem Startup Geld geben, das zwar eine extrem tolle API (Anm.: Ap-plication Programming Interface, Programmierschnittstelle) hat, aber bei dem wir überhaupt nicht an das glauben, was es macht; beziehungsweise wenn das unseren Werten absolut nicht entspricht. Um es sehr plakativ zu sagen: Die Welt brennt links und rechts und es gibt so viele Probleme, die wirklich Probleme sind – wir backen lieber Startups, die diese Probleme angehen, als ein Nice-to-have oder eine minimale Prozessoptimierung. Wir haben das Privileg, in einer Funktion zu sein, in der wir tatsächlich etwas verändern können, denn am Ende des Tages sind wir in einem kapitalistischen System. Geld dominiert die Welt und wir können Geld verteilen und damit entscheiden, welche Technologie so unterstützenswert ist, dass sie erfolgreich sein soll. Dieses Privileg nehmen wir extrem ernst. Unsere Investor:innen geben uns das Geld, um etwas Sinnvolles damit zu machen.

Ich habe euch ja vorher die Frage gestellt, ob es LPs gab, die Fund F aufgrund seiner These abgelehnt haben. Jetzt die andere Seite: Gibt es auch Gründerinnen, die kein Investment von euch haben wollen, etwa weil sie befürchten, dass andere dann denken, sie hätten das Kapital nur bekommen, weil sie Frauen sind?

Nina Wöss: Wir waren noch nie in einer Situation, wo wir in einem Gespräch mit dem Team waren und die Personen uns gesagt haben, dass sie aufgrund unserer These kein Investment von uns möchten. Es ist aber natürlich nicht auszuschließen, dass es Teams gibt, die sich deswegen absichtlich nicht melden – es wäre also wohl vermessen zu sagen, dass das nicht vorkommt.

Lisa Fassl: Nachdem wir mit dem Fonds schon zwei Jahre am Markt sind, bekommen wir mittler-weile auch sehr viele Referenzen durch die Gründerinnen, in die wir bereits investiert haben. Das ist sehr wertvoll. Diejenigen, die überlegen, ob sie uns an Bord haben wollen, rufen in der Regel auch mindestens ein Portfolio-Startup von uns an. Das heißt, wir werden schon auch ganz klar geprüft.

An negatives Feedback zu unserer These in direkten Gesprächen könnte ich mich wirklich nicht erinnern. Es ist eher umgekehrt: Diverse Teams sagen, sie wollen diverse Investoren, und sie wollen vor allem auch in ihrem Advisory-Board Frauen haben, um unterschiedliche Meinungen abzubilden. Sie wollen nicht fünf Leute, die gleich aussehen, das Gleiche denken und an den gleichen Unis studiert haben, denn dann bekommen sie auch nur eine Meinung. Sie wollen aber unterschiedliche Meinungen und sich dann ihre eigene bilden und ihre eigenen Company-Werte entwickeln.

Generell hat sich der politische Wind zuletzt global ja ziemlich gedreht: Es gibt wieder viel offenen Chauvinismus, wie er in den vergangenen Jahren nicht so offen gezeigt wurde; Mark Zuckerberg wünscht sich mehr „Male Energy“, Diversity-Programme werden zurückgefahren. Wie positioniert ihr euch in diesem Umfeld?

Nina Wöss: Ich finde, diese teilweise sehr starken Aussagen sollten einen schon als Mensch zum Nachdenken bringen. Mit Fund F und unserer These sehen wir aber bisher, dass sich Europa bei diesen kulturellen Themen ganz anders positioniert und nicht eins zu eins die USA imitiert. Das heißt natürlich nicht, dass diese Dynamiken nicht zu uns durchschlagen können, nachdem US-Konzerne ja auch stark in Europa vertreten sind. Wenn man sich aber ansieht, welche Stakeholder in Europa bei Venture Capital und Technologie eine starke Rolle spielen, sieht man, dass es hier eine politische Steuerung gibt, die nicht in diese Richtung geht. Beim EIF etwa werden aktiv Ziele in den Bereichen Klima und Nachhaltigkeit verfolgt. Ich denke also, dieser politische Umschwung wird nicht so schnell unmittelbare Auswirkungen auf die LP-Basis in Europa haben bzw. uns gefährden.

Es ist gut, dass wir den Fonds geclost haben, bevor diese ganzen Entwicklungen eingesetzt haben. Jetzt können wir arbeiten und zeigen, dass die These hält. Den nächsten und den übernächsten Fonds können wir ohnehin nur aufstellen, wenn uns das gelingt. Und die Unternehmerinnen, mit denen wir arbeiten, werden gute Unternehmen bauen. Und das sehen wir auch bei anderen Fonds, die ähnliche Thesen wie wir verfolgen.

Lisa Fassl: Also um ehrlich zu sein, finde ich das gesamte politische Klima zum Kotzen. Wenn ich mir die Nachrichten ansehe, verstehe ich, warum der Optimismus bei den Leuten sinkt und Politikverdrossenheit und Unzufriedenheit zunehmen! Das Gute ist, dass solche Bewegungen immer auch eine Gegenbewegung auslösen. In den vergangenen Jahren hat sich glücklicherweise doch so viel getan, dass es immer mehr Frauen gibt, die Kapital haben, in Entscheidungspositionen sind und sich das nicht gefallen lassen. Das sieht man in den USA etwa bei Philanthropinnen wie Melinda Gates, die selbst beginnen, Geld anders zu investieren. Die Situation kann also auch ein sehr positives Momentum er-zeugen.

Am Ende des Tages haben wir ein kapitalistisches System und die Performance entscheidet. Und über die Performance sagt ja noch immer jede Statistik, dass diverse Teams besser arbeiten; das Geschlecht ist hier natürlich nur ein Faktor. Das ist die Realität, und das wird sich hoffentlich auch in der Performance unseres Fonds zeigen – und dann ist die Diskussion sowieso komplett obsolet.

Unter Donald Trump dreht sich der Wind ja nicht nur ideologisch – er droht in großem Umfang Zölle an, Handelskriege stehen im Raum. Wie seht ihr österreichische bzw. europäische Startups in dieser neuen internationalen Situation positioniert?

Lisa Fassl: Wir müssen als Europa begreifen, dass Nationalismus und Nationalstaatlichkeit wirklich gar keinen Sinn haben. Das geht sich einfach nicht aus, alleine wenn man sich die Bevölkerungszahlen und entsprechend das Wirtschaftswachstum im globalen Norden ansieht. Wir sind am absteigenden Ast und wir müssen uns wirklich etwas überlegen. Startups und Technologie sind da mitunter die größte Hoffnung, die wir haben. Hier Förderungen zurückzuziehen oder kein öffentliches Kapital mehr in diesen Bereich zu pumpen wäre wirklich sinnlos. Wir können nur überleben, wenn wir jetzt anfangen, wirklich innovativ zu sein, gute Technologien zu bauen und Arbeitsplätze zu schaffen. Und wir müssen uns überlegen, wie wir es schaffen, die smartesten Köpfe aus dem Ausland nach Europa zu holen.

Insgesamt sollten wir uns in Europa überlegen, mit welchen anderen Nationen es Sinn ergibt, zu kollaborieren. Wo gibt es gute Synergien? Wo gibt es vielleicht ein ähnliches Werteverständnis? Ich glaube, was Europa ausmacht, sind starke Werte, die wir hoffentlich nicht verlieren in diesem politischen Klima.

Lisa, als du damals als Startup-Beauftragte im Wirtschaftsministerium aufgehört hast, hast du eher resigniert gewirkt. Wie groß siehst du die Chancen dafür, dass die neue Regierung in Reaktion auf Trump, der mit seinen Executive Orders innerhalb von Stunden neue Tatsachen schafft, schnell und politisch richtig handelt?

Lisa Fassl: Der Aspekt, der mich an österreichischer und europäischer Politik wahnsinnig frustriert, ist: Es gibt Interessenspolitik links und rechts und ein Durchsetzen von alteingesessenen, total überholten, nicht mehr zeitgemäßen sogenannten „Werten“, um sich selbst und seine eigene Klientel zu schützen. Das haben auch die zunächst gescheiterten Regierungsverhandlungen wieder gezeigt. Ich würde mir echt wünschen, dass es gelingt, da wirklich einmal drüberzustehen, denn es geht um mehr als um die Befindlichkeiten von ein paar Leuten, die seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Parteien sitzen. Es geht am Ende des Tages um die Zukunft von uns allen, vor allem um die Zukunft der nächsten Generationen.

Es heißt jetzt wirklich, Verantwortung für das Land zu übernehmen. Jede Situation ist managebar; man muss es aber machen, muss Entscheidungen treffen. Und wir wissen aus dem unternehmerischen Kontext: Keine Entscheidung zu treffen und keine Verantwortung zu übernehmen ist auch eine Entscheidung – nämlich die schlechteste von allen.

Es ist in diesen Zeiten schwierig, um einen Ausblick zu bitten. Ich mache es trotzdem, aber nur bezogen auf Fund F: Wenn ihr drei große Ziele nennen müsst, für welche entscheidet ihr euch?

Lisa Fassl: Das größte Ziel ist es, einen der am besten performenden europäischen VC-Fonds zu bauen. Und das nicht mit der – unter Anführungszeichen – „Einschränkung auf Gender“, sondern im Vergleich zu allen anderen VCs im Early-Stage-Bereich. Wir wollen, auch mit den geplanten Folge-Fonds, die Nummer eins werden.

Nina Wöss: Ein weiteres Ziel ist natürlich, dass wir die Wunschinvestorinnen der Startups, die unserer These entsprechen, werden. Wenn sie eine Kapitalrunde raisen, sollen sie Fund F unbedingt dabeihaben wollen – egal, wie viele andere Angebote sie haben und von wem die sind; weil sie mit uns arbeiten wollen.

Lisa Fassl: Als drittes Ziel nenne ich unsere Vision auf Metaebene: ein gleichberechtigtes europäisches Tech-Ökosystem. Davon sind wir leider noch weit entfernt.

Ihr habt die Folge-Fonds angesprochen. Wie lautet da der Plan?

Nina Wöss: Unsere Investmentphase endet im vierten Quartal 2026 und dann soll der nächste Fonds kommen. Das ist ein ganz klares Ziel. Und der wird größer werden als der aktuelle; dazu gibt es auch schon die ers-ten Gespräche. Es ist wie bei Startups: We’re always fundraising.

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Alexandra Polic sitzt mit Harald Zumpf in einer Klasse der HTL Spenegrgasse
Lehrer Harald Zumpf betreut die Hochbegabten an der HTL Spengergasse. (c) brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Hinter einer Glasfassade in der Spengergasse befindet sich eine Schule, die mehr kann als Unterricht. Hier bauen Schüler:innen Software, die mit Produkten von Technologie-Giganten konkurriert. Wer das Gebäude betritt, sieht Klassenzimmer wie überall: Tische, Bildschirme, Schüler:innen vor ihren Laptops. Und doch entsteht hier etwas, das an vielen Schulen fehlt.

Die Liste der Absolvent:innen liest sich wie das Who’s who der österreichischen Tech-Szene: Eric Steinberger und Sebastian De Ro, deren KI-Coding-Startup Magic international für Aufsehen sorgt; Ben Koska, der mit seinen Brüdern in San Francisco an Infrastruktur für KI-Modelle arbeitet; Mojmír Horváth, der mit seinem Startup PothAI im Sommer ins Y-Combinator-Programm einzieht. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind durch dieselbe Förderung gegangen.

Im Computerraum wartet Harald Zumpf. Er unterrichtet im Bereich Informatik – und betreut nebenbei jene, die mehr wollen als den Lehrplan. Zumpf ist seit fast 13 Jahren an der HTL Spengergasse. Als er damals an die Schule kam, fiel ihm auf, dass es zwar zahlreiche Unterstützungsangebote für schwächere Schüler:innen gab, aber kein spezielles Angebot für die leistungsstärksten. „Wir haben uns also gefragt: Wie bereiten wir die Besten möglichst gut auf die Welt nach der Schule vor?“, erzählt Zumpf. Der Lehrer suchte die Antwort direkt bei jenen, die im Unterricht herausstechen. Er fragte sie, was er für sie tun könne. So entstand nach und nach die Hochbegabtenförderung.

Heute hat sich daraus ein Programm mit 18 Schüler:innen entwickelt, die in Teams an innovativen Projekten für reale Kunden aus der Wirtschaft arbeiten. Auf dem Papier ist die Förderung ein Freifach; in der Praxis eine 24/7-Betreuung. „Alle Schüler:innen haben meine Handynummer und können sich jederzeit melden – auch am Sonntag oder in den Ferien“, sagt Zumpf. Auf LinkedIn fasst er es so zusammen: Serving Austria’s brightest minds. „Ich arbeite nicht für mich – ich arbeite für die Schüler:innen“, sagt er.

Die HTL Spengergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk. (c) brutkasten

Erst Silicon Valley, dann Matura

Viele der Schüler:innen, die in Zumpfs Programm waren oder sind, zählen zu den vielversprechendsten Talenten in der Startup- und Innovationsszene. Der besagte Mojmír Horváth etwa, 19 Jahre alt, besucht im Rahmen eines Auslandsjahrs die renommierte Phillips Academy in den USA. Mit seinem Startup PothAI hat er es außerdem ins Early-Programm des Y-Combinator-Ökosystems geschafft. Im Sommer, gleich nach seiner Matura an der HTL Spengergasse, wird Horváth am Summer 2026 Batch teilnehmen.

Mit PothAI entwickelt er eine agentenbasierte KI, die Unternehmensdaten eigenständig analysiert, Hypothesen bildet und daraus kontinuierlich neue Erkenntnisse ableitet, um manuelle Analyseprozesse zu ersetzen. Mit drei Unternehmen sind bereits Pilotprojekte vereinbart. Wenn der YC-Batch startet, will Horváth eine funktionierende Version seines Produkts haben.

Dass er es jetzt schon so weit gebracht hat, hat er auch seiner Schule und der Hochbegabtenförderung zu verdanken. Dabei hat er aber nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe Professor Zumpf schon vor dem Schulstart geschrieben, um herauszufinden, wie ich in das Programm komme“, erzählt Horváth. Die Förderung war einer der Gründe, warum er sich für die HTL Spengergasse entschieden hat. In die Förderung aufgenommen hat ihn Harald Zumpf in der zweiten Klasse. Ausschlaggebend war unter anderem ein Medizin-Hackathon: „Wir sind dort gegen PhD-Teams angetreten und haben den zweiten Platz erreicht, beim Publikumsvoting sogar den ersten.

In diesem Rahmen habe ich in 24 Stunden einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der Patientendaten verarbeitet und die Kostenentwicklung prognostiziert“, sagt Horváth.

Talente fallen auf

Dies ist einer von vielen Schlüsselmomenten, die Harald Zumpf mit seinen Schüler:innen erlebt. „Das Identifizieren der Hochbegabten ist das Einfachste überhaupt. Man muss sich eher Mühe geben, sie nicht zu erkennen“, sagt er. Dabei komme es auch gar nicht nur auf ihn an: „Wenn man eine Klasse fragt, wer von ihnen der Beste im Programmieren ist, zeigen alle auf dieselbe Person“, erzählt Zumpf. Auch Empfehlungen aus dem Lehrerkollegium bekommt er immer wieder.

Manchmal geht Zumpf auf die Schüler:innen zu, manchmal kommen sie zu ihm. Wer aufgenommen werden will, braucht einen bestimmten Notenschnitt, weil die schulischen Leistungen nicht leiden sollen. Kandidat:innen führen ein Gespräch mit Zumpf und zwei oder drei Schüler:innen, die bereits in der Förderung sind. „Uneinig über eine Aufnahme waren wir uns noch nie“, sagt Zumpf. Ein Assessment-Center oder andere formale Metriken gibt es nicht.

Harald Zumpf hat die Hochbegabtenförderung an der HTL Spengergasse ins Leben gerufen. (c) brutkasten

Echte Projekte statt Theorie

Was nach der Aufnahme passiert, bestimmen die Schüler:innen. In Teams von zwei bis vier Personen arbeiten sie an Themen, die sie interessieren. Dabei geht es immer um reale Projekte von Wirtschaftspartnern. „Wenn sie etwas brauchen – Mentoring, Kontakte, Rechenleistung oder Projekte –, dann organisiere ich das“, sagt Zumpf. Am Anfang des Schuljahrs stellte er Kontakt zu einer österreichischen Bank her, weil sich eines seiner Teams für Cybersecurity begeistert. Drei Tage später saßen deren Vertreter bereits in der Schule – und noch am selben Tag fiel der Startschuss für das Projekt. Mittlerweile haben die Schüler:innen eine KI für das Compliance-Management entwickelt.

„Je offener die Aufgabenstellung, desto besser. Wir arbeiten strikt agil – von Sprint zu Sprint“, sagt Zumpf. Einmal im Monat trifft er sich bei einem Jour fixe mit seinen Schüler:innen, aber wenn es Herausforderungen gibt, sieht er sie zum nächstmöglichen Termin. Den Wirtschaftspartnern verspricht Zumpf keine bestimmten Ergebnisse – die Schüler:innen sollen Fehler machen dürfen –, aber „meistens kommt etwas sehr Gutes heraus“.

Die Projekte laufen normalerweise über ein Schuljahr. Manchmal aber sind die Teams schon nach drei Wochen fertig. „Wir schauen nicht auf die Zeit – wir schauen auf das Ergebnis“, sagt Zumpf.

Von der HTL zu Y ­Combinator

Einer, der auch nicht auf die Zeit schaut, ist Ben Koska – zum Video-Interview erscheint er pünktlich um Mitternacht, nordamerikanische Westküstenzeit. Koska sitzt gemeinsam mit seinen Brüdern in San Francisco, um Infrastruktur für Firmen zu bauen, die KI-Modelle trainieren.

Auch er ist Absolvent der HTL Spengergasse, Maturajahrgang 2025, und war Teil des Y-Combinator-Programms, Batch 2025. Wer dort aufgenommen werden will, muss einiges vorweisen. Das konnte Koska – dank der Hochbegabtenförderung in der HTL.

„Die größte Stärke der Förderung ist die Freiheit, Dinge auszuprobieren und eigene Projekte zu verfolgen. Wir konnten an vielen Hackathons und Events teilnehmen – das wäre ohne die Unterstützung der Schule nicht möglich gewesen“, sagt Koska. Ein Highlight? „Wir haben ein akademisches Paper geschrieben und auf einer Konferenz in Dubai präsentiert – das hat mich extrem geprägt.“

In das Programm aufgenommen hat ihn Harald Zumpf, nachdem er sich bei der österreichischen Informatikolympiade für internationale Wettbewerbe qualifiziert hatte. Dass die Schule ihre jungen Talente dorthin schickt, ist Teil des Konzepts der HTL Spengergasse. „Was die HTL besonders macht, ist, dass Lehrer sagen: Wenn ihr etwas Sinnvolles macht, dann dürft ihr euch dafür Zeit nehmen“, sagt Koska.

Seine Zeit steckt Koska heute in sein Startup SF Tensor. Oft programmiert er bis spät in die Nacht – gemeinsam mit seinen Brüdern. Damit haben die drei schon früh begonnen: Noch während der Schulzeit machten sie parallel ihren Bachelor, ermöglicht durch das Programm „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ der OeAD. Der Abschluss kam damit noch vor der Matura. Ben Koska studiert heute bereits im Master Computer Science an der University of Colorado Boulder.

Seine Brüder haben inzwischen ebenfalls abgeschlossen: Ihren letzten Schultag am BG & BRG Keimgasse in Mödling hatten sie erst vor wenigen Wochen – ihre Bachelor-Abschlüsse aber schon längst in der Tasche.

Dass solche Wege kein Zufall sind, zeigt sich auch in den Rankings: In den Bestenlisten der österreichischen Informatikolympiade tauchen immer wieder Namen von Schüler:innen des BG & BRG Keimgasse und der HTL Spengergasse auf.

Ben Koska hat mit seinen Brüdern das Startup SF Tensor gegründet, an dem sie derzeit in San Francisco arbeiten. (c) San Francisco Tensor Company

Das Erfolgsrezept: Praxis und Freiraum

Was machen diese Schulen besser als alle anderen? „Das Programm selbst ist gar nicht so komplex – es ist eher die Einstellung der Lehrer:innen und der Schulleitung, die den Unterschied macht“, sagt Ben Koska. Man brauche keine komplizierten Regeln – man brauche Personen, die wirklich wollen, dass so etwas funktioniert.

PothAI-Co-Founder Mojmír Horváth sieht den Vorteil vor allem in der Praxis. „Was andere Schulen übernehmen sollten? Echte Projekte mit Unternehmen statt nur Übungsaufgaben“, sagt er. Auch dass in der Förderung nur Englisch gesprochen wird, habe ihn sehr gut auf internationale Programme wie Y Combinator vorbereitet. „Talente gibt es viele – aber erst durch die richtige Förderung kann wirklich etwas aus ihnen werden“, fasst Horváth zusammen.

Für Harald Zumpf sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Lehrkräfte wie er, die sich engagieren wollen, brauchen Freiraum und ein Umfeld, das unbürokratisches Vorgehen erlaubt. Starre Strukturen, feste Stundenpläne oder enge Lehrplanvorgaben stehen der Agilität, die für innovative Projekte nötig ist, oft im Weg. Wenn Lehrkräfte selbst Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt haben, können sie die Praxis meist besser vermitteln. Auch Zumpf ist seit 25 Jahren selbstständig tätig – nun eben neben seinem Job an der HTL. Viele der Schüler:innen im Hochbegabten-programm verdienen schon während der Schulzeit Geld als Software Engineers oder Consultants. Außerdem vernetzt Zumpf die Jugendlichen schon früh mit führenden Köpfen aus der Tech- und Startup-Szene.

Mindestens genauso wichtig ist für ihn aber das Mindset – und dazu gehört die Fehlerkultur. Zumpf spricht deshalb nie von Problemen: „Wir nennen es Herausforderungen“, sagt er. Scheitern ist trotzdem erlaubt: „Man muss wertschätzen, was gemacht wurde, und gutes Feedback geben“, sagt Zumpf.

Strukturelle Herausforderungen

So hält er es auch mit dem Programm selbst: Er schätzt, dass es die Hochbegabtenförderung gibt – aber weiß auch um deren Herausforderungen. Zum einen fehlen finanzielle Ressourcen; die Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist kostspielig, und seitens der Schule gibt es kein Budget für die Anschaffung von Hardware. Aber Vereine und Wirtschaft unterstützen hier „schnell und unbürokratisch“, sagt Zumpf.

Offiziell ist die Hochbegabtenförderung als Freifach mit einer Wochenstunde angesetzt – entsprechend wird auch nur diese eine Stunde vergütet. Seine Schüler:innen schätzen das: „Ohne ihn geht gar nichts“, sagt SF-Tensor-Founder Ben Koska, der noch immer regelmäßig mit seinem ehemaligen HTL-Lehrer telefoniert.

Aus Talenten werden Leader

Ben Koska und Mojmír Horváth kamen als Schüler an die HTL Spengergasse – und gehen als Gründer. Eric Steinberger und Sebastian De Ro haben mit Magic ein Startup gebaut, das international Aufmerksamkeit bekommt. Wieder andere entwickeln schon vor der Matura KI-Systeme auf Produktionsniveau oder werden für Programme wie die Rise Initiative ausgewählt.

Was sie verbindet, ist weniger ein bestimmter Karriereweg als ein gemeinsamer Ausgangspunkt: eine Schule, die ihnen zutraut, mehr zu können – und ihnen den Raum gibt, es zu beweisen. Vielleicht ist das das eigentliche Erfolgsrezept der HTL Spengergasse: Nicht ein besonderes Curriculum, sondern die einfache Entscheidung, hinzuschauen – und Talente ernst zu nehmen.

Mojmír Horváth wird im Sommer im Y-Combinator-Programm sein Startup PothAI
weiterentwickeln. (c) privat

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„Leute geben uns Kapital, weil sie sehen, dass wir in vielen Dingen anders ticken“

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Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

„Leute geben uns Kapital, weil sie sehen, dass wir in vielen Dingen anders ticken“

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

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„Leute geben uns Kapital, weil sie sehen, dass wir in vielen Dingen anders ticken“

AI Kontextualisierung

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