13.12.2022

So wurde FTX-Gründer Sam Bankman-Fried auf den Bahamas festgenommen

Viereinhalb Wochen nach der Pleite der Kryptobörse FTX wurde Gründer Sam Bankman-Fried auf den Bahamas festgenommen. Die USA beantragen seine Auslieferung.
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FTX-Gründer Sam Bankman-Fried
FTX-Gründer Sam Bankman-Fried | (c) Cointelegraph via Wikimedia Commons

Seit der Pleite der Kryptobörse FTX wurde in Krypto-Kreisen auf Social Media eine Frage immer wieder gestellt: Wie kann der abgesetzte CEO Sam Bankman-Fried weiter auf freiem Fuß sein? Der Gründer der Börse hatte sich in den vergangenen Wochen keineswegs zurückgezogen, sondern war, wie berichtet, äußerst kommunikativ und trat (virtuell) sogar bei einer Konferenz der New York Times auf.

Damit dürfte es nun aber vorbei sein: Wie die US-Staatsanwaltschaft für den Southern District of New York mitteilte, wurde Bankman-Fried auf Antrag der US-Regierung auf den Bahamas festgenommen. Dort hatte FTX seinen Firmensitz.

Die Polizei der Bahamas bestätigte gegenüber dem Online-Magazin Decrypt, dass Bankman-Fried am Montagabend um 18 Uhr (Ortszeit) in seinem Apartment-Komplex in der Luxus-Community Albany in Nassau widerstandslos festgenommen wurde. Bankman-Fried würden in den USA mehrere Vergehen im Finanzbereich vorgeworfen, die ebenso in den Bahamas Gesetzesverstöße seien.

Bankman-Fried bestreitet rechtswidriges Handeln

Konkreter wurde es vorerst nicht. Soweit bisher öffentlich bekannt, soll FTX Gelder von Kund:innen an die Schwesterfirma Alameda, ein Trading-Unternehmen verliehen haben. Und dort dürften sie dann verschwunden sein. Unter welchen Umständen genau, ist bisher noch unklar. Ob es hauptsächlich schiefgegangene Trades waren oder ob die Gelder direkt für andere Zwecke veruntreut wurden, wird erst noch zu klären sein.

Bankman-Fried hat in den vergangenen Wochen jegliche Art von Gesetzesbrüchen bestritten und sie unter anderem mit Fehlern beim Risikomanagement versucht zu erklären. Der FTX-Gründer soll nun jedenfalls an die USA ausgeliefert werden.

„Vollständiges Versagen von unternehmensinternen Kontrollstrukturen“

Als CEO ist Bankman-Fried längst abgesetzt worden. Als Nachfolger wurde der Restrukturierungs-Spezalist John Ray III. eingesetzt. Dieser arbeitete in der Vergangenenheit unter anderem an der Abwicklung von Enron mit – jenem Energiekonzern, der mit gefälschten Bilanzen 2001 einen der größten Wirtschaftsskandale in der US-Geschichte auslöste.

Über FTX sagte Ray III., nachdem er sich einen ersten Überblick verschafft hatte: “Ich habe noch nie in meiner Karriere so ein vollständiges Versagen von unternehmensinternen Kontrollstrukturen und so einen vollständigen Mangel an glaubwürdigen Finanzinformationen erlebt, wie es hier der Fall ist”. 

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kalkül
© kalkül - Michael Leister (links) und Lukas Weilguny (rechts) von kalkül.

Entstanden ist kalkül aus einem eigenen Problem. Lukas Weilguny und Michael Leister entwickeln als Selbstständige seit 2017 Software für Unternehmen. Als ihr damals genutztes Rechnungsprogramm nach einer Übernahme spürbar schlechter wurde, sahen sie sich nach Alternativen um und testeten mehr als zehn Buchhaltungsprogramme.

„Wir haben kein einziges gefunden, das wirklich einfach und gleichzeitig auf Österreich zugeschnitten war. Buchhaltung ist der langweiligste Teil im Alltag von Selbstständigen. Niemand will stundenlang eine Software lernen, nur um die erste Rechnung zu schreiben. Genau das ändern wir“, erinnert sich Leister.

kalkül: von 1.000 auf 10.000 Nutzer:innen

Also schufen sie 2023 eine eigene Lösung: Ihre Software, die von der we-dev e.U. betrieben wird, dient der Erstellung von Angeboten und Rechnungen, führt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mit und deckt Mahnwesen und Zahlungsabgleich ab. Laut Unternehmen ist sie auf die österreichischen Steuervorgaben abgestimmt.

Im November 2024 zählte kalkül 1.000 Nutzer:innen, im Februar 2026 waren es 5.000. Seither hat sich die Zahl innerhalb von sieben Monaten noch einmal verdoppelt. Treibende Kraft hinter dem organischen Wachstum waren den Gründern zufolge persönliche Empfehlungen und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bezahlte Werbeanzeigen testen die Gründer erst seit Kurzem. Das Unternehmen ist eigenfinanziert und hat bis heute keine externe Finanzierung aufgenommen.

Allgemein wird der Markt für Rechnungssoftware im deutschsprachigen Raum von deutschen Anbietern dominiert. Österreich werde dort meist nur als kleines Nischenland mitgedacht. Besonderheiten wie Kleinunternehmerregelung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, BAO-Aufbewahrungspflichten oder Verzugszinsen nach österreichischem Recht werden oft nur oberflächlich abgedeckt, sagen die Founder. Kalkül sei hingegen exakt für diesen Markt gebaut, inklusive Rechnern für Einkommensteuer, SVS-Beiträge, Gewinnfreibetrag und Abschreibungen.

Freemium-Modell

Um Selbstständige gerade zu Beginn zu entlasten, setzt kalkül auf ein Freemium-Modell: Kernfunktionen wie Angebote, Rechnungen, Mahnwesen und die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind ohne Limits dauerhaft kostenlos. Ein Abo indes schaltet Zusatzfunktionen wie den automatischen Bankabgleich mit über 2.600 Banken frei. Der überwiegende Teil der 10.000 Nutzer:innen verwendet die Gratisversion, wie man mitteilt.

„Als wir das Abo eingeführt haben, gab es dafür wochenlang praktisch keine exklusiven Funktionen. Trotzdem haben Leute bezahlt, einfach um die Entwicklung zu unterstützen. Das war für uns das ehrlichste Feedback, das wir bekommen konnten“, sagt Weilguny.

Integrierte Registrierkassenlösung als nächster Schritt

Als nächsten großen Schritt kündigen die Gründer eine integrierte Registrierkassenlösung an. Parallel baut kalkül die Zusammenarbeit mit Steuerberatern aus: Enger Partner ist die Linzer Kanzlei Raml & Partner, die zwölffach als „Steuerberater des Jahres“ (in der Kategorie „Allrounder Oberösterreich“) ausgezeichnet wurde. Weitere Kooperationen sind geplant. Mittelfristig soll außerdem eine KI-gestützte Belegerkennung Ausgaben automatisch auslesen und kategorisieren.

Welche Funktionen zuerst kommen, entscheidet – laut Foundern – weitgehend die Community: Je häufiger ein Feature angefragt wird, desto weiter rückt es nach vorn. „Wir wollen das einfachste Rechnungsprogramm für Selbstständige in Österreich sein“, sagt Leister. „Mit 10.000 Nutzern sind wir ein gutes Stück weiter, aber bei 376.112 Ein-Personen-Unternehmen im Land haben wir noch viel vor uns.“

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