27.05.2025
FORSCHUNG UND TECHNOLOGIE

FTI-Monitor 2025: Gründungen weiterhin ein Problemfeld

Am Montag präsentierte der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) den FTI-Monitor 2025, der Auskunft über die aktuelle Leistungsfähigkeit des österreichischen FTI-Systems gibt. Bei der Präsentation wurde neben neuesten Erkenntnissen über nationale Innovationsprozesse insbesondere der Bereich Gründungen als Problemfeld ausgemacht.
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FTI-Monitor 2025
(c) FORWIT/J. Zinner - (v.l.n.r): Bundesminister Peter Hanke, stv. Vorsitzende Sylvia Schwaag Serger, Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner, Vorsitzender Thomas Henzinger, Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.

Wie der vom Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) entwickelte FTI-Monitor 2025 herausstreicht, bleibt besonders der Bereich Gründungen eines der Problemfelder des österreichischen FTI-Systems. Demnach würden relativ zu den „Innovation Leaders“ (führende Staaten) alle Indikatoren weiterhin unterdurchschnittlich performen.

FTI-Monitor 2025: Neugründungen auf Allzeithoch, aber…

Die Risikokapitalintensität etwa liegt demnach weiterhin deutlich unter jener der „Innovation Leaders“ und die VC-Fonds-Finanzierungsstruktur verzeichnet einen starken Einbruch aufgrund des schlechten Finanzierungsumfelds und des Rückzugs privater Investoren.

„Die Performance von schnellwachsenden und jungen schnellwachsenden Unternehmen in Österreich liegt unter dem Durchschnitt der Vergleichsgruppen, obwohl die Neugründungen ein Allzeithoch erreichen. Der Anteil schnellwachsender Unternehmen ist leicht gesunken. Österreich performt auch bei der Bewertung der Unicorns in Prozent des BIP unterdurchschnittlich“, heißt es konkret.

(c) FORWIT – Der FTI-Monitor 2025.

Das alles sei insofern problematisch, als gerade diese Faktoren im Hinblick auf langfristiges Wachstum zentral wären. So würden klarerweise Startups bezüglich Potentialwachstum und Produktivität eine Schlüsselrolle spielen, weil sie schneller wachsen als klassische Unternehmen und damit eine überproportional hohe Wertschöpfung schaffen. Um ihr Wachstum zu fördern, müssten jedoch die Rahmenbedingungen noch stärker und effektiver verbessert werden als bisher. Dieser Befund gilt insbesondere für Österreich, jedoch im weiteren Sinne auch für Europa, vor allem im Vergleich zu den USA. Es werde entscheidend sein, mehr Kapital in diesen Bereich zu lenken, um Österreich zukunftsfit zu machen, so die Quintessenz.

Kein 100 Mrd.-Unternehmen seit 50 Jahren

Angemerkt wird hierbei, dass die insgesamt ausbaufähige Performance Europas sich auch daran ablesen lasse, dass 73 Prozent der führenden „30 High-Tech-Unternehmen der Welt“ aus den USA stammen, jedoch nur zehn Prozent aus der EU. In den letzten 50 Jahren wurde, wie der FTI-Monitor 2025 herausstreicht, kein einziges EU-Unternehmen gegründet, das 100 Milliarden Euro oder mehr wert ist. Der fragmentierte Markt, die geringe Marktgröße, der Mangel an Risikofinanzierung, die hohe Bürokratisierung und das Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte seien die Faktoren für Europas unterdurchschnittliche Unternehmensdynamik.

Auch der Indikator der Risikokapitalintensität ist in Österreich heuer wieder etwas gesunken und liegt derzeit bei rund 0,08 Prozent des BIP im Vergleich zu 0,15 Prozent der Top 3 (DK, UK, SWE). Entscheidend werde in diesem Zusammenhang aus österreichischer – aber auch aus gesamteuropäischer – Sicht sein, wie die Umsetzung der Kapitalmarktunion voranschreitet und wie es gelingt, ein förderliches Umfeld für Kapitalgeber zu schaffen.

Derzeit ist im neuen Regierungsprogramm die Einrichtung eines Dachfonds (Fund of Funds) für Risikokapital vorgesehen. Dieser soll zur Mobilisierung von nationalem und internationalem Risikokapital für Startups, Scaleups und Spin-offs dienen und vor allem das Wachstum nach der Gründungsphase erleichtern.

„Vorstellbar wäre hier ein Fonds mit einer staatlichen Teilgarantie und steuerliche Anreize für Privatanleger, die sich an Startups beteiligen. Nach letzten Informationen soll das Startkapital 500 Millionen bis eine Milliarde Euro betragen und unter anderem von institutionellen Anlegern — sprich Pensionsfonds, Banken und Versicherungen befüllt werden“, so im Bericht weiter. Als Vorbild dient ein bereits bestehendes Dachfonds-Modell in Dänemark, das seit 1992 mehr als 17 Prozent jährliche Rendite erzielt und damit deutlich größere Folgefonds ermöglicht. Auch in Deutschland gibt es einen sogenannten Wachstumsfonds, der sich aus privaten Mitteln speist. Zudem sei hierzulande ebenso die Schaffung eines Venture- und Private-Equity-Hubs angedacht. Aber auch die Rahmenbedingungen für Risikokapital – so eine Erkenntnis aus dem FTI-Monitor – müssten gezielt verbessert werden, indem beispielsweise bürokratische (abschreckende) Hürden zur Investition privater Mittel abgebaut und entsprechende steuerliche Anreize geschaffen werden.

FTI-Monitor mit Kritik an Regierungsprogramm

Weitere Kritik am Regierungsprogramm betrifft die explizite Nicht-Berücksichtigung des oft geforderten Beteiligungsfreibetrags zur Förderung von Business Angels- und privaten Investments sowie die Senkung der Lohnnebenkosten für junge Unternehmen. Eine Kernforderung aus der Vision 2030, nämlich eine Reform des Wagniskapitalfonds-Gesetzes, werde laut Regierungsprogramm zumindest evaluiert, wird im FTI-Monitor positiv erwähnt. Auch Mitarbeiterbeteiligungsprogramme sollen weiter attraktiviert werden. Allerdings würden der Untersuchung nach die Formulierungen im Programm zum Teil viel Interpretationsspielraum lassen.

Auch die im vergangenen Jahr neu hinzugekommenen Indikatoren „schnellwachsende Unternehmen“ und „junge schnellwachsende Unternehmen“ performen beide – so eine weitere Erkenntnis – nach wie vor (weit) unterdurchschnittlich zu den Ländern der Vergleichsgruppen. Der Anteil schnellwachsender Unternehmen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen (FTI-Monitor 2024: 8,21 Prozent, FTI-Monitor 2025: 7,8 Prozent), wenngleich die Anzahl der Neugründungen 2024 mit 36.673 ein Allzeithoch erreicht hat. Positiv ausgewirkt habe sich dabei die Einführung der Flexiblen Kapitalgesellschaft (FlexCo), von der im Jahr der Einführung in 784 Gründungsfällen Gebrauch gemacht wurde.

Bei der Bewertung der Unicorns in Prozent des BIP performt Österreich weiterhin nur unterdurchschnittlich gegenüber den Vergleichsgruppen. Während sich die Bewertungen hierzulande auf etwa 1,4 Prozent des BIP summieren, liegt der EU-Durchschnitt bei 2,2 Prozent.

Standort Österreich

Die Schlussfolgerung, wie im FTI-Monitor 2025 ausgewiesen, ist, dass es vor allem für den Standort Österreich essentiell wäre, das institutionelle Umfeld auf die Förderung von risikoreichen Unternehmen gezielter auszurichten. In diesem Zusammenhang gibt es beispielsweise auf europäischer Ebene Initiativen zur Förderung der Finanzierung von Hochrisiko-/Deep-Tech-Unternehmen: So hat das EIC ein „Trusted Investors Network“ gestartet, das 71 Kapitalgeber mit einem Volumen von über 90 Milliarden bündelt. Bisher hat der EIC-Fonds knapp eine Milliarde in 251 Startups investiert und Co-Investments in Höhe von über vier Milliarden mobilisiert.

Auch das tatsächliche Potential von Startups für Österreichs Wirtschaft und Gesellschaft wird im Bericht herausgestrichen: Neueste Studien zeigen, dass mit 140 Neugründungen pro eine Million Einwohner:innen bis 2030 mehr als 206.000 Arbeitsplätze geschaffen und bis zu 85 Milliarden Euro an ökonomischem Mehrwert generiert werden könnten. Damit würde das österreichische Startup-Ökosystem zu den Top 3 Europas gehören.

Was den Spin-off-Bereich betrifft, liegt laut dem FTI-Monitor 2025 die Anzahl in Österreich bei etwa 245 akademischen Spin-offs. Bis 2030 soll die Anzahl wirtschaftlich erfolgreicher akademischer Spin-offs verdoppelt werden.

Handlungsempfehlungen

Folglich und nicht zuletzt hat FORWIT auch an Handlungsempfehlungen zur „Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Gründung innovativer Unternehmen in Österreich“ aus dem Jahr 2018 erinnert. Darin heißt es u.a. sinngemäß:

Bürokratie abbauen:

  • Notariatsakt und Beurkundungspflichten für GmbH-Gründungen reduzieren oder abschaffen
  • Firmenbuchverfahren vereinfachen, standardisieren und digitalisieren
  • Erledigungsfristen einführen & Durchsetzbarkeit verbessern

Service verbessern:

  • Firmenbuchpraxis stärker auf Nutzerfreundlichkeit ausrichten
  • Informationen & Verfahren auch auf Englisch anbieten
  • „Kultureller Wandel“ von Amtsmentalität zu Serviceorientierung

Digitalisierung nutzen:

  • „Standardgründung“ (off-the-shelf) über das Unternehmensserviceportal (USP) ermöglichen
  • Digitale Musteranträge & Vorlagen bereitstellen

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Das Zyglox-Team in Graz, in der Mitte die Gründer Jakob Moder (links) und Erik Gerstl (rechts). © Zyglox

Rund die Hälfte der Lifecycle-Kosten eines Zuges entfällt auf die Wartung, und davon wiederum mehr als die Hälfte auf Räder, Achsen und Fahrwerk, sagt Jakob Moder. Wie stark diese Bauteile im Betrieb tatsächlich belastet werden, wird bisher aber kaum gemessen. Der Grund ist simpel: Es fehlt an präziser Messtechnik, die im Dauerbetrieb einsetzbar ist. Das Grazer Startup Zyglox will das ändern.

„Die Eisenbahn ist nicht ins 21. Jahrhundert gekommen“

Der Name ist ein Wortspiel: Zyglox, gesprochen „Zügloks“, steht für Messtechnik für Züge und Loks. Dahinter stehen Jakob Moder und Erik Gerstl, die zuvor gemeinsam in der Messtechnik gearbeitet haben. Moder wechselte später in den Eisenbahnbereich und erlebte die Lücke dort aus der Praxis. Was es brauche, sei eine Lösung, „die das einerseits zuverlässig erkennt und gleichzeitig gut applizierbar ist“. Sein Urteil: „Bei der Usability ist die Eisenbahn nicht ins 21. Jahrhundert gekommen.“ Ende 2023 gründeten die beiden Techniker Zyglox in Graz.

Die bisherige Methode mit Dehnmessstreifen sei „einfach zu teuer“, erklärt Moder. Der Zug müsse dafür ein bis zwei Wochen zerlegt und instrumentiert werden, deshalb passiere das nur bei der Zulassung. „Das dauert ein Jahr, diese Technik reinzubringen, die Zulassung durchzuführen, und dann wird es wieder rausgenommen.“ Im laufenden Betrieb bleiben nur Beschleunigungssensoren, wie sie auch in jedem Smartphone stecken. „Das ist von der Datenqualität her ganz was anderes. Unser Sensor ist wie 4K, der Beschleunigungssensor liefert ein verpixeltes Foto von den Zuständen.“

Ein Sensor für Zulassung und Dauerbetrieb

Die Lösung von Zyglox lässt sich ohne größere Änderungen am Bauteil anbringen. „Wir haben eine Plug-and-Play-Lösung, die kann man einfach aufstecken“, sagt Moder. Ein Techniker braucht dafür laut Zyglox 30 Minuten. Der Sensor messe Dehnungen an Achsen, Wellen oder Schienen und liefere „gleiche oder bessere Daten als die Lösungen bisher“. Das Ziel ist ein Universalwerkzeug: genau genug für die Zulassung, aber so ausgelegt, dass es danach auf dem Fahrzeug bleibt und die Kräfte im Rad-Schiene-Kontakt dauerhaft erfasst. „Da gibt es ein großes Anwendungsfeld, denn damit wird auch die Infrastruktur überwacht“, so Moder.

Jeden Tag werden auf der Schiene hunderttausende Kilometer zurückgelegt. Zyglox will jeden davon nutzbar machen, um zu lernen, zu verbessern und vorherzusagen. Mit herkömmlichen Methoden war das Erfassen dieser Daten bisher zu teuer, zu langsam und zu aufwendig. © Zyglox

Physik aus dem Trafo, Sensoren aus dem Weltraum

Technisch nutzt Zyglox hochsensitive Magnetfeldsensoren aus der Raumfahrt, das Startup ist Teil eines Downstream-Programms der ESA. Das Prinzip erklärt Moder am Transformator: Der brummt, weil das Magnetfeld des Wechselstroms den Stahl minimal dehnt. „Und wir machen das Umgekehrte: Wenn sich der Stahl dehnt, ändert sich sein Magnetfeld in der Umgebung.“ Ein aktives Messverfahren berücksichtigt dabei den linearen Zusammenhang zwischen Belastung und Sensorsignal. Die Technologie ist patentiert, entwickelt und montiert wird in Graz.

Betreiber als Kunden, Wartung als Hebel

Als primäre Kunden sieht Zyglox die Bahnbetreiber, bei denen die Wartungskosten anfallen. Dazu kommt die Sicherheit: „Es gibt viele Vorfälle, die vielleicht nicht zu einem Unfall führen, wo man aber trotzdem sicherer und zuverlässiger unterwegs wäre, wenn man gutes Condition Monitoring hat.“

Ein kleines Pilotprojekt ist bereits abgeschlossen. Für 2027 ist der Einbau des Systems in Fahrzeuge im regulären Streckenbetrieb geplant, zunächst als Prototyp für einige Wochen Messung. Danach folgt die Zulassung. Ende 2027 soll daraus ein fertiges Produkt werden, erst dann könne die Skalierung beginnen, sagt Moder. An Interesse mangelt es nicht: „Wir können gar nicht alle Pilotprojekte machen“, weil Sensorentwicklung samt Software personalintensiv sei. Ende September zeigt das Team den Prototyp auf der InnoTrans in Berlin, der größten Messe für Schienenfahrzeuge.

Mit aws Preseed und aws Seed vom Effekt zum Produkt

Finanziert hat sich Zyglox bisher aus eigenen Mitteln und über die Austria Wirtschaftsservice (aws). Mit aws Preseed, konkret im Programm „aws Preseed | Seedfinacing – Deep Tech“, hat das Startup die ersten eineinhalb Jahre an der Sensortechnologie getüftelt. „Es hat uns die Möglichkeit gegeben, eine Idee, die bereits validiert war, einfach zu erproben. Einfach Zeit zu haben, weil Hardware dauert ein bisschen, etwa Prototypen zu iterieren“, sagt Moder. Es sei vor allem darum gegangen, „sicherzustellen, dass das dann ein Produkt werden kann“. Seit Mitte 2025 ist Zyglox im Seed-Programm der aws, das voraussichtlich bis Anfang 2028 läuft. Das Team ist inzwischen auf rund sieben Personen gewachsen. Für die Skalierungsphase im kommenden Jahr will sich das Startup nach Investoren umsehen: „Wenn eine Bestellung eintritt oder größer wird, werden wir das mit den aktuellen Mitteln wahrscheinlich nicht mehr stemmen können.“

Standortvorteil Graz

Den Standort Graz sieht Moder als klaren Vorteil: Siemens fertigt hier Fahrwerke, dazu kommen Messdienstleister, Prüfstandbauer und Nextsense. Zyglox sitzt direkt am Campus der TU Graz, mit Zugang zu Prüfständen der Universität und Maschinen der voestalpine. „Die gesamte Infrastruktur ist einzigartig“, sagt Moder. „Im Silicon Valley könnten wir das Produkt wahrscheinlich nicht entwickeln, in Österreich geht es besser. Das ist eigentlich ein bisschen verrückt, aber wir haben hier die optimalen Bedingungen.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienkooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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