30.09.2025
FROM SCIENCE TO BUSINESS | NACHLESE

Der Pfad der Verwertung: Von der Erfindungsmeldung bis zum Spin-off

Österreichische Hochschulen bringen viele Ideen hervor – doch wie gelingt es, dass daraus Patente oder sogar Spin-offs entstehen? Und welche Rolle spielt dabei die Industrie? Genau darum geht es in der zweiten Folge unserer Serie "From Science to Business".
/artikel/from-science-to-business-nachlese-2
v.l. Martin Ellmerer (MedLifeLab, Medizinische Universität Innsbruck), Sara Matt (Universität Innsbruck), Leo Capari (tecnet equity) und Andreas Liebminger (Takeda) | (c) brutkasten

Am zweiten Round Table diskutieren Sara Matt (Leiterin der Transferstelle Wissenschaft–Wirtschaft–Gesellschaft, Universität Innsbruck), Leo Capari (Technologietransfer Manager, tecnet equity), Martin Ellmerer (Executive Manager Business Development & Creation, MedLifeLab, Medizinische Universität Innsbruck) und Andreas Liebminger (Head of Global Pharmaceutical Sciences R&D für plasmabasierte Therapien, Takeda). Im Zentrum steht der konkrete Transferpfad: von Erfindungsmeldungen und IP-Fragen über Scouting-Initiativen bis hin zu Spin-off-Entscheidungen und Industriekooperationen.


Wie beginnt der Weg?

Der Transferpfad beginnt früher, als viele denken: Lange bevor Spin-offs gegründet oder Patente angemeldet werden, entscheidet sich, ob aus einer Idee überhaupt ein Innovationsprojekt entsteht. Genau in dieser Phase braucht es Strukturen, die Forschende abholen, Orientierung geben und erste Weichen stellen. Doch wie sieht dieser Einstieg konkret aus – und wer unterstützt dabei, wenn aus einem wissenschaftlichen Geistesblitz ein verwertbarer Ansatz werden soll?

An der Universität Innsbruck ist der Einstieg bewusst niedrigschwellig gehalten: Forschende mit einer Idee wenden sich an die Erfindungsberatung im Projektservicebüro. Dort helfen Expert:innen, die Erfindungsmeldung aufzusetzen, Formalitäten wie Diensterfindung oder Miturheberschaft zu klären, mögliche Industriepartner:innen einzubeziehen – und eine erste Verwertungsstrategie zu skizzieren. „Wir kümmern uns von der ersten Erfindungsmeldung bis hin zum Abschluss der Verwertung – Gründung, Lizenzvergabe, Patentverkauf – und begleiten auf dem ganzen Weg“, sagte Sara Matt beim Round Table.

Das MedLifeLab ist der Innovationshub der Medizinischen Universität Innsbruck und befindet sich zu 100 Prozent im Eigentum der MedUni. Die Einrichtung soll die Verwertung von Forschungsergebnissen beschleunigen und gezielt Spin-off-Potenziale heben. Dazu setzt MedLifeLab auf aktives Scouting: Forschungsgruppen mit hohem Innovationspotenzial werden gezielt angesprochen. „Wir haben uns an den klassischen Technologietransfer der MedUni Innsbruck angedockt und bilden ein Team, das die Erfindungsmeldungen behandelt. Ab Herbst starten wir zusätzlich Scouting-Initiativen: Wir gehen aktiv auf erfolgreiche Forscher:innengruppen zu und evaluieren gemeinsam mit externen Partnern wie Ascenion oder dem HealthHub Tirol, welche Kommerzialisierungsmöglichkeiten es gibt“, erklärte Martin Ellmerer.

vl.l. Martin Pacher (brutkasten), Martin Ellmerer (MedLifeLab, Medizinische Universität Innsbruck), Sara Matt (Universität Innsbruck), Leo Capari (tecnet equity), Andreas Liebminger (Takeda) | (c) brutkasten

Ausschlaggebend ist dabei nicht nur der technologische Reifegrad und das Marktpotenzial, sondern vor allem eine Schlüsselfrage: Steht ein Gründer:innenteam bereit? „Im Life-Science-Bereich ist die Mindset-Bildung ein großes Thema. Viele Forscher:innen wollen an der Universität bleiben. Wir brauchen Matchmaking, also externe Personen, die in Spin-offs unternehmerische Rollen übernehmen“, so Ellmerer.

Schon in dieser frühen Phase ist auch tecnet equity eingebunden – eine niederösterreichische Technologietransfer- und Beteiligungsgesellschaft, die Forschungsgruppen an Hochschulen in Niederösterreich beim Schritt in die Verwertung begleitet. In diesem Kontext agiert tecnet jedoch nicht als Investor, sondern als Impulsgeber. Noch bevor eine formelle Erfindungsmeldung vorliegt, bietet tecnet Workshops, Awareness-Formate und Schulungsprogramme an. “Wir setzen vor der Erfindungsmeldung an: Awareness für Verwertung und Entrepreneurial Mindset. Im Herbst rollen wir das tecnet Sciencepreneurship Education-Programm mit sechs Modulen aus – vom Impact-Verständnis bis zu Transfer- und Verwertungsstrategien für Forschende“, erklärte Leo Capari.

Wie funktioniert dieser Prozess eigentlich in der Industrie – und unterscheidet er sich stark von den Abläufen an Universitäten? Takeda ist mit rund 4.500 Mitarbeitenden einer der größten pharmazeutischen Arbeitgeber Österreichs und betreibt an den Standorten Wien, Linz und Orth an der Donau Forschung, Entwicklung und Produktion. „Das läuft bei uns eigentlich sehr ähnlich wie an der Universität: Wir haben eine Innovation Notification, also eine Ideenmeldung. Die geht an die IP-Abteilung, dort wird sie geprüft und bewertet. Wenn es sinnvoll ist, machen wir daraus ein Patent“, erklärte Andreas Liebminger. Ein weiteres Thema sei das Tagesgeschäft: „Da entsteht viel IP, das nicht in Projekten geplant ist. Wir haben einen Prozess, um sicherzustellen, dass das nicht durch den Rost fällt.“ Publikation spielt auch in der Industrie eine Rolle – allerdings unter klaren Bedingungen. „Publikation kann es bei uns geben – aber erst, wenn umfassender Patentschutz besteht. Das muss man von Anfang an klar abstimmen, sonst gibt es falsche Erwartungen“, betonte Liebminger.

Mindset & Kultur: Warum der Hirschindex allein nicht genügt

Doch selbst wenn Technologien vielversprechend sind, entscheidet oft nicht nur die Idee, sondern das Mindset über den weiteren Weg: Sind Forschende bereit, in ein Spin-off zu gehen – oder bleiben sie lieber in der akademischen Laufbahn? Und wie lässt sich verhindern, dass wissenschaftliche Karrieren ausschließlich über Zitationszahlen gemessen werden, während Impact und Verwertung zu kurz kommen?

Martin Ellmerer von MedLifeLab bringt es auf den Punkt: Viele Wissenschaftler:innen haben ihr Herz in der Lehre oder Grundlagenforschung – aber nicht zwingend im Gründen. Wenn Technologiepotenzial entsteht, fehlt es oft an unternehmerischer Begleitung oder Teamverstärkung. „Im Life-Science-Bereich ist die Mindset-Bildung ein Thema. Viele Forscher:innen wollen an der Universität bleiben. Wir brauchen Matchmaking, also externe Personen, die in Spin-offs unternehmerische Rollen übernehmen“, sagt er.

Auch Leo Capari von tecnet equity macht deutlich, dass sich die Maßstäbe ändern müssen. Der Hirschindex sei heute zwar „Maß aller Dinge“ – aber eben nicht das einzige Maß. „Wir wecken zusätzlich die Awareness für Impact und Verwertung: Protect and Publish“, so Capari. Die Forschung sollte nicht nur zitiert, sondern auch praktisch wirksam sein.

An der Universität Innsbruck versucht man, diesen Wandel institutionell abzusichern: durch Fortbildungen über alle Karrierestufen hinweg, Best Practices aus erfolgreichen Gründungen sowie Mentoring und Networking. Forschungskarrieren sollen nicht nur an Zitationszahlen gemessen werden, sondern auch daran, welche gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz die Arbeit entfaltet.  “Es gibt langfristig nur eine begrenzte Anzahl an akademischen Stellen, und rund 80 Prozent bekommen keine. Genau diese 80 Prozent müsste man viel früher darauf hinweisen, dass es auch andere Karrierewege gibt. Entrepreneurial Education eröffnet neue Möglichkeiten – und Unternehmertum sollte viel früher als attraktive Option sichtbar werden“, sagt Sara Matt.

Lizenzieren oder Gründen? Der Pfad zur Verwertung

Ist eine vielversprechende Technologie identifiziert, steht bald eine entscheidende Weichenstellung an: Soll sie über eine Lizenz verwertet oder in ein eigenes Spin-off ausgegründet werden? Von dieser Entscheidung hängt ab, wie schnell, in welcher Struktur und mit welchen Partner:innen eine Innovation den Weg in den Markt findet.

Am MedLifeLab erfolgt dieser Prozess über Stufen. Im Erstgespräch werden Markt, Team und Skalierung diskutiert. Dann kommt eine Peer-Prüfung – hier arbeitet die MLL mit der Ascenion GmbH zusammen – die Relevanz, Schwachstellen und Potenziale beleuchtet. Je nach Ergebnis wird eine Lizenz vergeben oder eine Ausgründung angestrebt. „Es geht auf jeden Fall um die Qualität und nicht um die Quantität. Wir tendieren nicht dazu, möglichst schnell zu gründen, sondern nehmen uns an der Universität bewusst Zeit, um Risiken zu mitigieren – lieber eine Ausgründung ein halbes Jahr später, dafür mit besseren Ergebnissen“, sagte Martin Ellmerer.

Zur Frage der IP-Zuteilung gilt grundsätzlich: Die Universität bleibt Inhaberin. Bei Lizenzen reicht eine exklusive Nutzungsvereinbarung, bei einem Spin-off kann – unter klaren Bedingungen und Sicherung des Weiterforschungsrechts – auch eine Übertragung erfolgen. „Grundsätzlich bleibt das IP an der MedUni Innsbruck. Bei Lizenzierungen gibt es ein Spektrum bis zur exklusiven weltweiten Lizenz. Bei Spin-offs kann – abhängig von Team und Investor:innenbedürfnissen – eine Übertragung ins Startup verhandelt werden. Das Recht der Universität, im Gebiet weiterzuforschen, bleibt immer bestehen“, betont Ellmerer.

v.l. Martin Pacher (brutkasten), Martin Ellmerer (MedLifeLab, Medizinische Universität Innsbruck), Sara Matt (Universität Innsbruck) | (c) brutkasten

Ein prägnantes Beispiel aus der Universität Innsbruck ist das Spin-off ParityQC, das ein Betriebssystem für Quantencomputer entwickelt. Zunächst versuchte man, geeignete Lizenznehmer zu finden. Da die Angebote nur aus den USA kamen und auch nicht gut genug waren, fiel dann doch die Entscheidung zur Gründung. Von Beginn an war ein Investor an Bord, der das IP im Unternehmen verankert sehen wollte – daher wurde es ins Startup übertragen. Ob IP im neuen Unternehmen liegt oder lizenziert wird, hängt stark von der jeweiligen Situation und auch vom Reifegrad der Technologie ab. Bei ParityQC wurde von allen Gesellschafter:innen dieser Weg begrüßt.

Die Universität legt dabei Wert auf eine faire Verteilung von Chancen und Risiken, klare Governance und investierbare Strukturen. Besonders die Gestaltung des Cap Tables entscheidet darüber, ob Investor:innen einsteigen. Hier warnt Sara Matt eindringlich vor typischen Fehlern: „Genauso schlecht wie ein Professor mit 25 Prozent, der im Spin-off nicht mehr aktiv ist, ist es, wenn man zehn Kolleg:innen mit auf die Erfindungsmeldung schreibt und dann alle in die Gesellschaft mitaufnimmt. Das ist genauso uninvestierbar – vielleicht sogar noch schlimmer, wenn dann so viele und vor allem unerfahrene Personen in der Gesellschaft sind. Es braucht eine handlungsfähige Struktur und klare Rollen.“

Auch aus Industrie-Sicht ist für eine Kooperation eine klare IP- und Beteiligungsstruktur unverzichtbar. „Das Schwierigste in Verträgen ist oft die Kontraktfähigkeit und die IP-Zuordnung: Wer ist die bindende Entity? Wie sind Background-, Foreground- und Joint-IP definiert? Klarheit darüber entscheidet über Speed“, so Andreas Liebminger von Takeda. Unklare Zuständigkeiten ziehen Verhandlungen in die Länge; im Extremfall ist erst ein eigenes Spin-off notwendig, damit überhaupt ein Vertrag abgeschlossen werden kann.

Governance & Beteiligung: Wie Unis zur Partnerin werden

Damit Spin-offs nicht in bürokratischen Reibungsverlusten stecken bleiben, braucht es institutionelle Strukturen, die sowohl Flexibilität als auch Rückbindung gewährleisten. MedLifeLab ist zu 100 Prozent im Eigentum der Medizinischen Universität Innsbruck. “Unser Setup mit der MedLifeLab GmbH, der engen Anbindung ans Rektorat und einem Beirat gibt uns die operative Geschwindigkeit, die Startups brauchen“, sagt Martin Ellmerer.

Auch die Universität Innsbruck selbst operiert über eine Holdingstruktur: Diese ist ebenfalls eine 100-prozentige Tochter, beteiligt sich an kommerziellen Spin-offs und ist mit Beirat und Unirat sowie der Geschäftsführung im Rektorat eng verzahnt. Rückmeldungen zu Beschlussanträgen in den Spin-offs erfolgen in der Regel binnen 14 Tagen. Fehlende Geschwindigkeit ist vor allem in der Gründungsphase ein Thema und den Universitäten wird oft vorgeworfen zu langsam zu sein. Aber viele Verzögerungen in der Gründung entstehen gar nicht durch die Uni sondern auch durch unerfahrene Gründer:innenteams – etwa wenn Cap Tables, Gesellschaftsverträge oder Rollenverteilungen noch unklar sind.

Leo Capari verweist auf internationale Modelle wie die TU München, die Entscheidungen in zwölf Wochen trifft. „Klarheit und Geschwindigkeit beim IP sind zentral. Fast-Track-Prozesse – etwa eine 12-Wochen-Entscheidung – schaffen Regeln und Tempo für Industrie, Universität und Gründer:innen“, betont er. Auch in Innsbruck wäre eine Art Fast-Track für Standardfälle denkbar, etwa mit einem 10-Prozent-Anteil der Universität, der später bewertet wird. Einige Gründer:innen ziehen allerdings externe und nicht immer in Gründungs- und IP-Fragen erfahrene Berater:innen, hinzu, was Prozesse verlängern kann.

Industrie als Partner: Takeda und der große Blick

Welche Rolle spielt die Industrie, wenn aus Forschungsergebnissen marktfähige Innovationen werden sollen? Takeda Österreich zeigt, dass es dabei nicht nur um klassische Partnerschaften geht, sondern um aktives Mitgestalten – von Patentsponsoring bis hin zu gemeinsamen Formaten mit Universitäten.

v. l. Leo Capari (tecnet equity), Andreas Liebminger (Takeda) | (c) brutkasten

Die Standorte in Wien, Linz und Orth an der Donau bilden ein Netzwerk, das Forschung und Entwicklung ebenso umfasst wie Produktion, Qualitätssicherung, Vertrieb und Marketing. “Damit sind wir in Österreich einer der größten pharmazeutischen Arbeitgeber”, sagt Andreas Liebminger.

Um die Nähe zur Wissenschaft zu fördern, setzt Takeda auf Formate wie Speed-Datings an der Uni Wien, Science Days mit LISAvienna oder frühzeitige Patentsponsorings. In Einzelfällen hat das Unternehmen sogar die gesamte Patentierung übernommen, um sicherzustellen, dass gute Ideen nicht an fehlenden Ressourcen scheitern. Doch für Takeda zählt vor allem eines: Verlässlichkeit, Geschwindigkeit und IP-Klarheit. 

Auch das Spannungsfeld zwischen Publikation und Patent ist für Takeda relevant. Publikationen sind ausdrücklich erwünscht, allerdings erst dann, wenn der Patentschutz vollständig gesichert ist. „Publikation kann kommen – aber erst, wenn umfassender Patentschutz besteht. Das muss man frühzeitig transparent abstimmen, um falsche Erwartungen zu vermeiden“, so Liebminger. In Kollaborationen muss daher früh geklärt werden, wie wissenschaftliche Publikationsziele und exklusive Verwertungsinteressen miteinander in Einklang gebracht werden.

👉 Diese Schnittstellen zwischen Industrie und Wissenschaft werden wir in Folge 5 von From Science to Business noch vertiefen – mit weiteren Einblicken, wie Unternehmen und Forschungseinrichtungen gemeinsam Innovationen vorantreiben.

Herausforderungen und Potenziale am Standort Österreich

Von der ersten Erfindungsmeldung bis zur Ausgründung haben wir den Transferpfad verfolgt – doch welche Rahmenbedingungen entscheiden letztlich darüber, ob daraus Erfolgsgeschichten werden? Am Standort Österreich zeigen sich sowohl klare Potenziale als auch strukturelle Hürden.

Herausforderungen gibt es vor allem bei den Proof-of-Concept-Mitteln. Gerade in kapitalintensiven Domänen wie Life Sciences, Chemie oder Physik fehlen oft die Ressourcen, um spannende Ideen zur nächsten Stufe zu bringen. „Mehr Proof-of-Concept-Mittel wären hilfreich, besonders für teurere Vorhaben in Pharma, Physik oder Chemie. Ein uni-interner PoC-Topf vergrößert den Pool potenzieller Gründer:innen und ist auf jeden Fall zu empfehlen“, sagt Sara Matt.

Zugleich muss sich das Mindset weiterentwickeln: Forschung soll nicht nur zitiert werden, sondern Wirkung entfalten. Entrepreneurial Education, Impact-Reflexion und Karrieremodelle, die Verwertung als legitimen Weg verstehen, sind dafür essenziell. „Wir müssen Entrepreneurial Education früher und breiter setzen. 80 Prozent bekommen langfristig keine akademische Stelle; Unternehmertum sollte als attraktive Karriereoption sichtbar werden“, betont Matt.

Geschwindigkeit und Klarheit sind ein weiterer Schlüssel. Wenn „Protect and Publish“ zur Routine wird und Fast-Track-IP-Modelle existieren, lassen sich Reibungsverluste minimieren. „Klarheit und Geschwindigkeit beim IP sind zentral. Fast-Track-Prozesse – etwa eine 12-Wochen-Entscheidung – schaffen Regeln und Tempo für Industrie, Universität und Gründer:innen“, sagt Leo Capari. Einheitliche IP-Verständnisse und klar definierte Vertragspartner:innen sind notwendig, um Prozesse nicht künstlich aufzuhalten.

Auch investierbare Strukturen sind zentral. Saubere Cap Tables, Beteiligungen mit aktiven Rollen und klare Governance sind entscheidend, um externe Mittel zu gewinnen. Wenn Hochschulen als Partnerinnen auftreten und Prozesse transparent gestalten, wächst das Vertrauen bei Investor:innen.

Und schließlich bleibt Internationalität ein Schlüsselfaktor. Spin-offs müssen von Anfang an global denken – in Märkten, Regulierung und Finanzierung. „Spin-offs sollten von Beginn an international denken – nicht nur regional. Benchmarks wie Boston oder Cambridge zeigen, was Governance, Speed und Fördervolumen leisten können“, betont Andreas Liebminger von Takeda. Industriepartner:innen sollten proaktiv angesprochen werden, statt in Warteposition zu verharren.


Diese Themen werden in „From Science to Business“ behandelt:

Folge 1: Status quo der Spin-offs in ÖsterreichStrukturen, Leistungsvereinbarungen, Beteiligungsgesellschaften und Mindset-Veränderungen an Hochschulen.
Folge 2: Von der Idee zum Patent und Spin-offWie Universitäten und Industrie den Transferpfad gestalten, inkl. IP- und Scouting-Prozesse.
Folge 3: Life Sciences im FokusLange Entwicklungszyklen von Medikamenten, hohe Investitionskosten und wie MedLifeLab und Takeda Spin-offs und Innovationen unterstützen.
Folge 4: Finanzierung von DeepTech-Spin-offsHerausforderungen langer Entwicklungszyklen, Evergreen-Fonds, Co-Investments und Investorensicht.
Folge 5: Kooperationen als ErfolgsfaktorVon der Idee zum globalen Skalieren. Wie Universitäten, Inkubatoren und Industriepartner Innovationen gemeinsam entwickeln.
Folge 6: Gründungsmindset an Hochschulen stärkenBest Practices, Infrastruktur und Anreizsysteme, um mehr Spin-offs bis 2030 zu ermöglichen.

„From Science to Business“ setzen wir gemeinsam mit unseren Partnern AplusB (Academia plus Business), Austria Wirtschaftsservice (aws), MedLifeLab Innovation Hub (Medizinische Universität Innsbruck), Noctua Science Ventures, JKU – LIT Open Innovation Center (Johannes Kepler Universität Linz), OÖ HightechFonds, Spin-off Austria, Takeda, tecnet equity, The Spinoff Factory (Technische Universität Wien), Universität Innsbruck und WU (Wirtschaftsuniversität Wien) um.

Deine ungelesenen Artikel:
02.10.2026

Was CEOs von der Gen Z lernen können: Reverse Mentoring als Innovationsmotor der Zukunft

Die Halbwertszeit von Wissen schrumpft rasant in einer Zeit, in der Wandel schneller passiert, als Erfahrung aufgebaut wird, dreht Reverse Mentoring die klassische Lernhierarchie um. Eine Spurensuche zwischen Machtgefällen und dem Mut zum Nichtwissen.
/artikel/was-ceos-von-der-gen-z-lernen-koennen-reverse-mentoring-als-innovationsmotor-der-zukunft
02.10.2026

Was CEOs von der Gen Z lernen können: Reverse Mentoring als Innovationsmotor der Zukunft

Die Halbwertszeit von Wissen schrumpft rasant in einer Zeit, in der Wandel schneller passiert, als Erfahrung aufgebaut wird, dreht Reverse Mentoring die klassische Lernhierarchie um. Eine Spurensuche zwischen Machtgefällen und dem Mut zum Nichtwissen.
/artikel/was-ceos-von-der-gen-z-lernen-koennen-reverse-mentoring-als-innovationsmotor-der-zukunft
Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Der Pfad der Verwertung: Von der Erfindungsmeldung bis zum Spin-off

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Der Pfad der Verwertung: Von der Erfindungsmeldung bis zum Spin-off

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Der Pfad der Verwertung: Von der Erfindungsmeldung bis zum Spin-off

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Der Pfad der Verwertung: Von der Erfindungsmeldung bis zum Spin-off

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Der Pfad der Verwertung: Von der Erfindungsmeldung bis zum Spin-off

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Der Pfad der Verwertung: Von der Erfindungsmeldung bis zum Spin-off

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Der Pfad der Verwertung: Von der Erfindungsmeldung bis zum Spin-off

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Der Pfad der Verwertung: Von der Erfindungsmeldung bis zum Spin-off

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Der Pfad der Verwertung: Von der Erfindungsmeldung bis zum Spin-off