04.09.2023

Friday Finance: Fintech mit Cofounder aus Österreich an Konkurrenten Pliant verkauft

Das zunächst unter dem Namen Airbank gestartete Fintech-Startup Friday Finance geht im Konkurrenten Pliant auf. Die beiden Mitgründer, zu denen der Österreicher Christopher Zemina gehört, wechseln ebenfalls in das auf Firmenkreditkarten spezialisierte Berliner Unternehmen.
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Friday Finance, Airbank
Patrick Neuhaus (l.) und Christopher Zemina von Friday Finance | Foto: Friday Finance

Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, da benannte sich das Fintech Airbank um. Das vom Österreicher Christopher Zemina mit Patrick de Castro Neuhaus in Berlin gegründete Startup trat fortan unter dem Namen Friday Finance auf (brutkasten berichtete).

Nun verschwindet aber auch dieser Name: Bereits im Juli war die Website offline gegangen, mit Ende Juli wurde das operative Geschäft eingestellt. Die Gründe blieben zunächst offen, zumal das Unternehmen erst im Juni 2022 eine 20 Millionen US-Dollar schwere Series-A-Runde abgeschlossen hatte.

Aufklärung liefert nun ein Bericht des deutschen Onlinemagazins Finance Forward: Demnach geht Friday Finance im Konkurrenten Pliant auf. Das seit Anfang 2022 auch in Österreich vertretene deutsche Fintech-Startup hatte im Februar 2023 ein 26 Millionen Euro schweres Investment aufgenommen (brutkasten berichtete).

Friday Finance hatte es sich zum Ziel gesetzt, mit seiner Multibanking-Lösung ein einheitliches und digitalisiertes Finanzmanagement für Startups sowie für Klein- und Mittelunternehmen (KMU) zu schaffen. Bereits zum Start 2021 hatte das Unternehmen ein 2,5 Mio. Euro-Investment erhalten, an dem sich unter anderem Speedinvest beteiligt hatte.

Friday-Finance-Gründer übernehmen Führungspositionen bei Pliant

Mit dem Deal übernimmt Pliant laut Finance Forward vor allem geistiges Eigentum von Friday Finance – Schutzrechte an Software-Entwicklungen, Marken und Geschäftsgeheimnissen. Rund 15 der 25 Mitarbeiter:innen des Teams wechseln ebenfalls zu Pliant – darunter auch die beiden Gründer Christopher Zemina und Patrick de Castro Neuhaus. Sie sollen Führungspositionen im Strategie- und Produktbereich erhalten.

Laut Finance Forward hatte Friday Finance in den vergangenen zwölf Monaten unter dem schwierigen Marktumfeld gelitten. Klein- und Mittelunternehmen seien besonders stark von steigenden Kosten und hohen Zinsen getroffen worden. Dazu komme, dass der Markt in dieser Zielgruppe besonders umkämpft sei und bereits starke etablierte Konkurrenten wie Agicap und Monite um eine ähnliche Kundschaft buhlen.

Laut Firmenquellen noch 15 Mio. Euro an Reserven vorhanden

Gegenüber Finance Forward sagt Pliant-CEO Malte Rau, dass Friday Finance „an vielen artverwandten Themen arbeitet, die perspektivisch auch für uns interessant sein können“. Das Unternehmen könne seinen Produkt-Horizont damit erweitern und „schauen, was wir zukünftig noch rund um das Thema Kreditkarten bauen“. Rau nennt etwa Themen wie Ausgabenmanagement oder Fremdwährungen.

Dass es sich bei dem Deal um einen Notverkauf gehandelt habe, bestreiten von Finance Forward zitierte Quellen aus dem Umfeld von Friday Finance. Von dem in den vergangenen zwei Jahren aufgenommmenen Kapital seien demnach noch rund 15 Mio. Euro vorhanden gewesen.

Die Bestandsinvestoren von Friday Finance wie auch die beiden Gründer haben laut dem Bericht eine Mischung aus Cash und Anteilen an Pliant erhalten. Die Firmenbewertung von Pliant sei dabei mit etwas über 100 Mio. Euro festgesetzt worden – leicht höher aus bei der jüngsten Finanzierungsrunde des Startups.


Aus dem Archiv: Pliant-CEO Malte Rau im Videotalk über digitales Kreditkarten-Management für Unternehmen

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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