25.03.2025
FINANZIERUNG

Freundeskreis: Wiener Vegan-Startup holt Zusage über 200.000 Euro bei 2min2mio

Freundeskreis konnte mit seiner Käse-Alternative auf Marillenkern-Basis bei 2 Minuten 2 Millionen überzeugen. Der Deal ist noch nicht abgeschlossen.
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Zwei von drei Freundeskreis-Gründer:innen, Leo Sulzmann und Mona Heiß, im Pitch bei 2 Minuten 2 Millionen | (c) Puls4 / Gerry Frank
Zwei von drei Freundeskreis-Gründer:innen, Leo Sulzmann und Mona Heiß, im Pitch bei 2 Minuten 2 Millionen | (c) Puls4 / Gerry Frank

Gestern – rechtzeitig vor der heutigen Ausstrahlung seines Auftritts bei 2 Minuten 2 Millionen – brachte das Wiener Startup Freundeskreis seine Hüttenkäse-Alternative „Hütten-mmh-michel“ heraus (brutkasten berichtete). Mit dem neuen Produkt – dem zweiten des Startups nach der Camembert-Alternative “Cam-mhh-berta” und ebenfalls auf Marillenkern-Basis – steht ab spätestens nach dem Sommer eine österreichweite Listung in einer Supermarkt-Kette im Raum, wie Gründerin Mona Heiß brutkasten verriet.

Investment bei 2 Minuten 2 Millionen als klares Ziel

Damit ist auch ein großer Schritt zur weiteren Skalierung getan. Und für die braucht es weiteres Kapital. Entsprechend wollte das Freundeskreis-Team bei 2 Minuten 2 Millionen nicht nur Publicity, sondern auch ein Investment holen. „Wir sind jetzt in einer Phase, in der es darum geht, die Produktion zu skalieren und großflächig in den Einzelhandel zu kommen“, so Heiß.

Ausgerufene Bewertung hielt nicht

Und der Plan ging auf – wenn auch nicht mit der gewünschten Bewertung. Vor der Kamera sagten die zwei „2 Minuten 2 Millionen“-Investoren Erich Falkensteiner und Mathias Muther gemeinsam ein Investment über 200.000 Euro zu. Zudem handelten sie sich eine Umsatzbeteiligung für einen beschränkten Zeitraum heraus. „Wir hätten am liebsten nur zehn Prozent Anteile abgegeben, jetzt sind es 25,1 Prozent geworden“, erzählt Mona Heiß. Dennoch resümiert sie: „Es ist sehr gut gelaufen.“

Deal zwischen Freundeskreis, Falkensteiner und Muther noch nicht abgeschlossen

Abgeschlossen ist der Deal aktuell allerdings noch nicht. „Es gab schon mehrere Gespräche, wir sind aber noch in den Verhandlungen“, sagt die Gründerin. Dabei gibt es schon konkrete Pläne, wie das Kapital genutzt werden soll. „Unsere Pilotanlage in Wien ist momentan der größte Posten. Wir wollen Maschinen anschaffen und das Team halten und erweitern.“ Aktuell produziert Freundeskreis seine Käsealternative in einer Käserei im Wienerwald, die das Startup übernommen hat, und betreibt eine erste Anlage in Wien. Dort soll nun kräftig ausgebaut werden.

Nicht nur Kapital, sondern auch Kontakte und Know-how

Doch Heiß verspricht sich von den beiden „2 Minuten 2 Millionen“-Investoren nicht nur finanzielle Unterstützung: „Wir hoffen, von Erich Falkensteiners Kontakten in Hotellerie und Gastronomie profitieren zu können. Mathias Muther sehen wir mit seinem Background als Partner im Impact-Bereich.“ Letztlich sei das Ziel, den Lebensmitteleinzelhandel zu erobern, den Heiß, die auch ein Unterwäsche-Startup betreibt, als „hartes Pflaster“ beschreibt. Dafür brauche es sowohl starke Partner im Vertrieb als auch die notwendige Produktions-Kapazität.

Freundeskreis bislang ohne Investor:innen an Bord

Bislang hatte Freundeskreis noch keine Investor:innen an Bord. Finanziert hat sich das Startup unter anderem über Förderungen der aws („innovative solutions“) und der Wirtschaftsagentur Wien. Ab Ende April nimmt das Unternehmen zudem im auf pflanzliche Ernährung spezialisierten Inkubationsprogramm der Organisation ProVeg in Berlin teil, wo es auch einen kleinen Zuschuss erhält.

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Hansi Hansmann auf der Main Stage des Female Future Festivals 2026. © brutkasten

Unter dem Motto „The Power of Connection“ versammelten sich am 22. Oktober rund 2.000 Teilnehmende in der Wiener Ottakringer Eventlocation. Das von den Schwestern Verena Eugster und Patricia Zupan-Eugster gegründete Female Future Festival widmete sich Themen wie Leadership, künstlicher Intelligenz und Finanzkompetenz. Neben Fachpanels zu Verhandlungsstrategien oder finanzieller Gesundheit war auch Business Angel Hansi Hansmann als Keynotespeaker auf der Bühne zu sehen.

„…, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“

Im Gespräch mit brutkasten nannte Hansmann seine Motivation für den Besuch: „Ich habe zwei kleine Töchter und ich möchte gerne, dass meine Töchter später im Leben irgendwann alles das machen können, was sie machen wollen, ohne dass ihr Geschlecht sie daran hindert.“ „Ich bin ein ganz, ganz großer Fan davon, dass es mehr Unternehmerinnen und mehr Investorinnen gibt. Überhaupt mehr Frauen an der Macht, weil ich glaube, dass es unsere Welt besser macht“, ergänzt er zu seinen Beweggründen.

Was seine Beteiligungen angeht, sieht der Investor und ehemalige Manager in Sachen Geschlechterverteilung ein klares Muster: „Ich habe in alles investiert: in rein männliche Teams natürlich viel mehr, aber auch rein weibliche und gemischte Teams. Am besten performen gemischte Teams aus meiner Erfahrung.“

Der Hebel gemischter Teams

Den Vorteil gemischter Teams sieht Hansmann im Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken: Es gebe „unterschiedliche Eigenschaften und Skills zwischen Frauen und Männern, und die Mischung macht’s aus“.

Als Beispiel nennt er den Markteintritt: „Ein reines Männerteam geht mit dem Produkt raus, wenn es fertig ist. Nach dem Motto ’das können wir mal rausschieben in den Markt, probieren wir mal, schauen wir mal, ob es ankommt.’ Beim reinen Frauenteam, da muss das Produkt perfekt sein. Und das dauert natürlich fünf Monate länger, bis die auf den Markt gehen, und damit vergeht Zeit.“ Für ihn gilt: „Das gemischte Team, wo sozusagen alle Stimmen zu Wort kommen, ist das Ideale.“

Deutlicher Finanzierungs-Gap in H1/2026

Doch obwohl die Teamkonstellation am besten zu performen scheint, bestehen nach wie vor große Ungleichheiten in Sachen Startup-Finanzierung. Erst kürzlich zeigte der Female Start-up Funding Index H1/2026 von EY Österreich, Female Founders und Fund F das Ausmaß. Im ersten Halbjahr flossen 472 Mio. Euro Risikokapital in österreichische Startups, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rein männliche Teams erhielten davon 94,9 Prozent, gemischte Teams 4,8 Prozent und rein weibliche Teams 0,3 Prozent. Der Frauenanteil unter den analysierten Gründer:innen lag bei rund 13 Prozent. „Frauen dürfen gründen. Finanziert werden Männer“, brachte es Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F, in der damaligen Aussendung auf den Punkt.

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