22.05.2024
GENERATIVE KI

FragDie.EU: EU-Wahl-KI-Chatbot von KI-Gute-Nacht-Geschichten-Startup

Dima Rubanov und Matthias Neumayer, die Gründer von Oscar Stories, bringen mit FragDie.EU einen KI-Chatbot, der bei der Entscheidung für die EU-Wahl helfen soll.
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Product Origin Checker Lora - FragDie.EU - Die Founder Dima Rubanov und Matthias Neumayer | (c) Oscar Stories, Lorastral
Die Founder Dima Rubanov und Matthias Neumayer | (c) Oscar Stories

Bekannt sind Dima Rubanov und Matthias Neumayer bislang vor allem für ihr KI-Gute-Nacht-Geschichten-Startup Oscar Stories. Die generative KI des Startups (auf Basis von OpenAIs GPT4) erstellt individualisierte Geschichten für Kinder, in denen diese selbst die Hauptrolle spielen können – brutkasten berichtete mehrmals. Mit dem kostenlosen Chatbot FragDie.EU nutzen die Gründer generative KI nun in einem ganz anderen Bereich. Er beantwortet Fragen zu den EU-Wahlprogrammen der Parteien (ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne, NEOS, KPÖ und DNA) und soll so bei der Wahlentscheidung helfen.

„Mit FragDie.EU wollen wir junge und unentschlossene Wähler:innen ansprechen“

Die Fragen können, wie bei GPT-basierten Chatbots üblich, frei formuliert werden. Das Programm gibt Antworten mit Zitaten aus den Parteiprogrammen, die das erfragte Thema behandeln. „Unser Ziel war es, Politik greifbarer und verständlicher zu machen“, erklärt Dima Rubanov in einer Aussendung. „Mit FragDie.EU wollen wir vor allem junge und unentschlossene Wählerinnen und Wähler ansprechen und sie motivieren, von ihrem demokratischen Recht Gebrauch zu machen.“

Inhalte statt Emotionen

Co-Founder Matthias Neumayer ergänzt: „Gerade im Superwahljahr ist demokratischer Diskurs wichtiger denn je. Politik dreht sich zu oft um Emotionen und zu wenig um Inhalte. Viele Wähler:innen wissen gar nicht wofür die Parteien stehen, das wollen wir ändern.“

Projekt „Frag das PDF“ im Hintergrund

Bald wolle man auch den Source Code veröffentlichen, „damit vielleicht auch andere Länder unser Projekt verwenden können“, so Rubanov. Auf der FragDie.EU-Website ist auch ein weiteres – kommerzielles – Projekt der Gründer mit dem selbsterklärenden Namen „Frag das PDF“ verlinkt, das als Dachmarke des EU-Chatbots angegeben wird. Dort können PDFs hochgeladen werden und ein KI-Chatbot beantwortet Fragen dazu.

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Mistral.
© LinkedIn/Canva - Arthur Mensch, Co-Founder und CEO Mistral AI.

Drei Milliarden Euro. Das ist die Summe, die der französische Anthropic- und OpenAI-Herausforderer Mistral in seiner heute verkündeten Series-D-Finanzierungsrunde aufnahm. Es ist die größte VC-Runde für ein Tech-Unternehmen in der europäischen Geschichte – und das für ein gerade einmal drei Jahre altes Unternehmen.

Den Lead in der Runde übernahm mit Samsung – wenig überraschend – ein außereuropäischer Player. Dazu kommen große US-Investoren wie PSG Equity als Co-Lead, a16z und Nvidia, aber auch eine ganze Reihe europäischer Kapitalgeber, darunter der Scaleup Europe Fund der schwedischen EQT als weiterer Co-Lead.

Keine normalen Umstände

Drei Milliarden Euro. Eine Bewertung von 21 Milliarden Euro. Das sollte unter normalen Umständen ein Garant für den großen Durchbruch sein. Zum Vergleich: Meta (damals Facebook) genügten vor seinem Börsengang insgesamt 2,27 Milliarden US-Dollar VC-Kapital, um sich im Social-Media-Wettlauf klar an die Spitze zu setzen und zum Tech-Giganten zu werden.

Doch die Umstände sind nicht normal. Der KI-Wettlauf hat die Volumina an VC-Kapital vor allem in den USA auf ein nie dagewesenes Level gehievt. Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, hat allein in seiner Series-H-Runde im Mai dieses Jahres 65 Milliarden US-Dollar aufgenommen und steht bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar. OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, hat diesen März in seiner Finanzierungsrunde sogar 122 Milliarden US-Dollar eingesammelt und steht bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar.

Beim insgesamt aufgenommenen Kapital steht Mistral (ca. 6 Mrd. Euro inklusive Kredite) in einem Verhältnis von etwa 1:19 zu Anthropic (mindestens 130 Mrd. US-Dollar) und 1:26 zu OpenAI (mindestens 180 Mrd. US-Dollar). Das wird im beinharten internationalen Tech-Wettlauf vermutlich nicht ausreichen.

Digitale Souveränität als Verkaufsargument

Und das weiß man auch beim französischen Scaleup. Der größte Trumpf, den es in der Hand hat, ist, dass es aus Europa kommt. Punkten kann das Unternehmen vor allem bei den Themen Digitale Souveränität und Datensicherheit. Und das wiederum sind Fragen, die im B2B- und vor allem im öffentlichen Bereich deutlich schwerer wiegen als im B2C-Bereich, den aktuell Anthropic, OpenAI und Google dominieren.

„Während der ersten Welle der generativen KI lautete die zentrale Frage: Wer kann das leistungsstärkste Modell entwickeln? Unternehmen und Regierungen stellen sich nun eine andere Frage: „Wie können sie die Leistungsfähigkeit der KI für ihre geschäftskritischen Anforderungen nutzen, ohne die Kontrolle über die Infrastruktur und den Informationskreislauf abzugeben?“, heißt es von Mistral in der Presseaussendung zur aktuellen Kapitalrunde.

Die Frage will man freilich mit dem eigenen Produkt beantworten. „Die Nachfrage nach dieser Kombination aus Leistung, Kontrolle, Auswahlmöglichkeiten und Unabhängigkeit nimmt weltweit zu“, ist man sich sicher. Und Mistral sei das weltweit einzige KI-Unternehmen, das den gesamten Stack entwickle, der dafür erforderlich ist: „Open-Weight-Modelle, die Infrastruktur und die Rechenkapazität, auf der sie laufen, und die Produkte, mit denen sie in den Unternehmen wirksam werden“.

Ausstehender Beweis

Dass diese Argumente angesichts des europäischen Diskurses durchaus valide sind, liegt auf der Hand. Ob die Rechnung am Ende auch betriebswirtschaftlich aufgeht, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Mistral bekommt durch die Mega-Runde genug Luft, um sich innerhalb Europas weiterhin im öffentlichen und im Unternehmenssegment zu etablieren. Doch dass das ausreicht, um das eingesetzte Kapital (mehrfach) zurückzuspielen, muss erst bewiesen werden.

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