23.06.2015

Foundertalk: DocLX-Gründer Alexander Knechtsberger im persönlichen Gespräch

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© leisure.at/Andreas Tischler: Alexander Knechtsberger feiert nicht alle Feste mit, die er organisiert.

Jeder kann sich an seinen letzten Schultag erinnern. Jener Tag, an dem die Schüler in den Klassen darunter neidvolle Blicke in den Schulhof und nach draußen schicken, wo die Maturanten auf und ablaufen, um zu feiern. Und kurz darauf folgt dann die erste große Bewährungsprobe im jungen Erwachsenenleben: Die Reifeprüfung. Manch einer, der sie nicht geschafft hat, vergießt ein Meer an Tränen. Ein Schelm, wer denken mag, dass die Tränen wegen der anstehenden Maturareise vergossen werden – denn diese kann man wohl nicht mehr in vollen Zügen genießen.

Jemand, der zwar irgendwann Maturant war, nun aber bereits einen Doktor in Rechtswissenschaften hat, ist Alexander Knechtsberger. Er ist zwar lange schon kein Schüler mehr, versteht sie aber besser, als die meisten Erwachsenen. Er ist DocLX-Gründer, Österreichs wohl bekanntester Event- und Jugendmarketingagentur. Veranstalter von Festen wie dem DocLX Unifest, dem Maturafest X-Jam oder Spring Jam (das amerikanische Vorbild ist die „Spring Break“-Party), aber auch von Side-Events zu großen Veranstaltungen wie dem Beachvolleyball Grand Slam oder dem Podersdorf Surf Worldcup.

Dem Brutkasten erzählt er von den Anfängen und wie seine Eltern darauf reagiert haben, dass er trotz Doktorratsstudium und Master auf den klassischen Weg verzichtet hat, um Partys zu organisieren. Er beantwortet auch, ob er bei jeder Party mitfeiert und wie es ist, auf Katy Perry zu treffen.

Beim Gespräch mit dabei ist auch Lorenz Edtmayer, Brutkasten-Founder, der Alexander Knechtsberger persönlich kennt. Damit wird die neue Brutkasten-Serie “Foundertalk“ fortgeführt. Ziel der Gesprächsreihe ist es, exklusive persönliche Einblicke in das Leben von erfolgreichen Gründern und Unternehmern zu erhalten.

Alexander, Du bist quasi einer der ersten Founder: Du hast gegründet, als es noch gar nicht üblich war auf Karriere im Anwaltsbüro oder in der Beratungsfirma zu verzichten…

Während meines Jus-Studiums war noch ganz klar: Ich will Anwalt oder Unternehmer werden. Nach dem Studium habe ich noch das Doktorat und einen MBA angehängt und ich hatte das Angebot einer großen Unternehmensberatung. Aber ich dachte mir, dass es das irgendwie doch nicht ist. Ich wollte selbstständig sein. Einzig die eine Idee fehlte mir. Bis ich nachgedacht habe und draufgekommen bin, dass ich schon während des Studiums an ihr gearbeitet habe.

Du hast während des Studiums bereits Events organisiert, nicht wahr?

Stimmt. Ich habe den Tuesday Club im U4 gegründet. Ich hab mir dann überlegt, das Konzept weiterzuentwickeln: Also Produkte zu entwickeln, die ich dann verkaufen kann. Ich wollte Jugend Marketer werden. Darum habe ich dann Zielgruppenevents veranstaltet in den großen Locations wie dem Wiener Rathaus, den Sofiensälen, dem Naturhistorischen Museum. Mit großen Partnern zusammen wie der Raiffeisen, UPS, Red Bull, die ich reingeholt habe, um das ganze auch zu finanzieren. So hat alles begonnen.

Wie haben deine Eltern reagiert?

Meine Eltern haben fast einen Schreikrampf bekommen, als sie gehört haben, was ich vorhabe: „Jetzt hat der Junge in Mindestzeit studiert, einen Doktor und MBA und nun macht er so was!“ Die konnten sich nichts darunter vorstellen. Ich habe dann beschlossen, ein Jahr herzunehmen und es auszuprobieren. Wenn es nicht funktioniert, werde ich eben Anwalt. Aber der Erfolg kam sehr schnell.

Wie hast Du die großen Parnter bekommen? Hast Du dich in den Anzug geschmissen und hast bei der Raiffeisen an die Tür geklopft?

Ich bin gebürtiger Tiroler und in Wien in die Schule gegangen. Allerdings nicht ins Theresianum oder zu den Schotten, wo man vielleicht ein anderes Netzwerk hat als in meiner Schule im 22. Bezirk. Trotzdem habe ich damals mit dem Netzwerken begonnen und das im Studium fortgesetzzt. Ich habe etwa mit der Tochter von Christian Konrad studiert. Wenn du die ersten zwei Sponsoren hast, ist es leichter. Ich habe nie einen Anzug anziehen müssen, außer beim Gerichtsjahr. Das wäre auch rufschädigend für mich gewesen – ich will ja bei den Jungen ankommen.

Gab es ähnliche Konzepte bereits?

Nein, diese Art von Eventreisen gab es damals noch nicht. Die Idee hatte ursprünglich ein Maturant namens Thomas Klinglmüller. Ob es funktioniert, wusste ich damals noch nicht. Ich hätte auch keine Marktforschung machen können: Niemand hätte sich das vorstellen können, weil es sowas damals noch nicht gegeben hat.

Ich tendiere immer eher das zu machen, was mir mein Bauchgefühl rät. Ich glaube grundsätzlich, dass man als Gründer das Gefühl haben muss, was der Markt will. Nicht der Markt soll mir sagen, was er will, sondern ich muss das kreieren, worauf er wartet. Von 40.000 Maturanten fahren heute 20.000 zu Maturareisen- entweder zu mir oder einen der anderen Anbieter, das macht schon ein wenig stolz.

Wie geht man an die Location Suche heran? Wie ist das in Krisengebieten?

Ich habe dann X-Jam gegründet und mich von meinem damaligen Partner getrennt. Am Anfang hatten wir eine Kooperation mit Magic Life, die uns ihre Anlagen zur Verfügung gestellt haben wie in Tunesien oder der Türkei. In den letzten Jahren ist dieses Thema immer komplexer geworden, auch wegen den politischen Situationen. Tunesien und Ägypten, wo es auch wegen der Größe der Hotels ideal wäre, fallen weg, weil es dort viel zu gefährlich ist. Die Eltern würden sofort stornieren. Denn: Deine Kunden sind zwar Maturanten, aber deren Eltern zahlen. Daher muss man ein Produkt schaffen, das beiden schmeckt

Wie lange musst du im Voraus planen?

Ich trete jetzt in Vorleistung für Reisen, die in zwei Jahren stattfinden. Es ist sehr kostenintensiv, denn immerhin sind es 5-Sterne-Hotels mit vielen tausenden Betten, die wir buchen. Da liegen viele Millionen am Tisch. Die X-Jam Maturareisen sind eine Produktion in der Höhe von zehn Millionen Euro. Vergleichbar mit Produktionen wie dem Life Ball oder dem Beachvolleyball Events in Kärnten. Der Verkauf beginnt auch bereits zwei Jahre vorher in den siebten Klassen. Bei der ersten Reise waren wir 15 Leute vom Personal, heute sind wir 300 Leute plus 400 vom Hotel; es ist eine organisatorische Höchstleistung.

Gibt es einen Plan B?

Auf alle Fälle! Den haben wir auch bereits einmal umsetzen müssen. Im Jahr 2003, als der Irak Krieg war. Wir wollten in die Türkei reisen, aber es gab so viele Stornos, dass wir schließlich nach Griechenland gewechselt haben. Wir beobachten die Urlaubsdestinationen ständig. Trotzdem sollte dir so ein Wechsel lieber nicht allzu oft passieren. Das sind Verluste in Millionenhöhe. Aber die Einstellung hat sich auch geändert: Früher, wenn eine Bombe hochgegangen ist, ist jahrelang niemand mehr in die Region gefahren. Heute ist das doch ein bisschen entspannter geworden, denn die Menschen wissen, dass was passieren kann.

Wie schafft man es, so viele Leute gleichzeitig glücklich zu machen?

Man muss auf die Stimmung, die Wünsche ganz genau eingehen und den Maturanten etwas bieten. Es gibt einen Tagesablauf mit Highlights und Ruhephasen. Wir fahren die Stimmung rauf und runter und bauen Erholungsphasen ein. Wir gehen auch auf unterschiedliche Musikrichtungen und Sportwünsche ein. Es gibt auch Regeln. Wenn jemand eine Schlägerei beginnt oder einen Alkoholexzess liefert, dann sitzt er zwei Stunden später im Flieger nach Hause. X-Jam bietet extrem viel Emotion. Das wissen auch unsere Partner und Sponsoren. Nicht umsonst wären so große Namen dabei. Jeder Mensch weiß, wie es auf seiner Maturareise war. Das ist eine einmalige Werbebotschaft und keiner will sich das entgehen lassen, dabei zu sein – darum so viele große Sponsoren.

Deine nächsten Ziele?

Ich habe gerade die Firma grundlegend neu ausgerichtet und für die Zukunft aufgestellt. Wir haben nun auch einen Investor an Board, mit dem wir die internationale Expansion vorantreiben. Nun kommt der deutsche Markt dran. 450.000 Abiturienten. Ein riesiger Markt, wo es unser Produkt noch nicht gibt. Wir planen diesen Schritt bereits seit zwei Jahren.

Werden Österreich und Deutschland als ein Markt oder zwei Märkte gesehen?

Ich bin großer Verfechter des gemeinsamen Europas und grundsätzlich kann man schon mischen. Die „Generation Erasmus“ denkt nicht mehr in Landesgrenzen. Aber es ist abhängig von der Zeit. Die Schüler haben unterschiedliche Zeiten, in denen sie mit der Schule abschließen.

Wie viele Events organisiert ihr? Feierst Du überall mit?

300 Events im Jahr, da ist alles dabei von Clubveranstaltungen, Großevents, Maturareisen, Messen, etc. Ich lasse 298 aus und bei zwei bin ich voll dabei: Beim X-Jam, auf das wir das ganze Jahr lang hinarbeiten. Da bin ich dann in der Menge und führe auch eine Feldstudie. Hier bekomme ich ehrliches, emotionales Feedback. Und beim LIghthouse Festival, das wir als Whitelabel Veranstaltung mit der Pratersauna zusammen machen. Zwei völlig unterschiedliche Konzepte.

Wie ist das mit Star-Bookings?

Wir hatten ganz am Anfang einem DJ Ötzi, der mit Bier überschüttet wurde – der kam zu einer falschen Zeit. Ab 2009 haben wir Starts geholt. Katy Perry zum Beispiel, die ich Backstage gefragt habe, wer sie ist, weil ich sie nicht erkannt habe. Perry war Gast beim Life Ball und ich hatte den gleichen Booker – ich habe sie damals zu einem unglaublich günstigen Preis bekommen. Sie hat dann ihren Freunden von Flo Rida über Pitbull und Taio Cruz erzählt, die dann alle kommen wollten. Deswegen, weil X-Jam vom Konzept eben so einzigartig ist. Dann wollten alle zu uns.

In welcher Größenordnung kann man sich die „günstigen“ Preise vorstellen, die bestimmt trotzdem sehr hoch sind?

Natürlich. Das sind Gagen zwischen 100 und 300.000 Euro, aber bei einem Konzert verlangen sie das Vier- oder Fünffache. Extrem teuer war Beth Dito, die dann von der Bühne gebuht wurde. Aktuell sind die aufstrebenden DJs gefragt, etwa vom Tomorrowland.

Gibt es hier eine Trendwende? Vom Pop zum Elektro/Techno?

Ja, schon. Es gibt einen Trend in Richtung Elektro. Taio Cruz wurde gerade noch angenommen, jetzt sind DJs gefragt.

Thema Startups, liegt das in deinem engeren Wahrnehmungsbereich? Hast Du Ambitionen zu investieren?

Ich habe ja bei Vorgänger von studivz „forstudents“ mitgewirkt. Leider waren wir da viel zu früh dran. Wenn eine gute Idee da ist, klar. Aber ich habe auch so viel vor mit meinem eigenen Unternehmen…

Vielen Dank.

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Bildquelle: © DocLX

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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