19.07.2021

Forum Alpbach 21: Diese Neuerungen bringt die EFA-Spitze Treichl/Wutscher

In Talk mit dem brutkasten erklärt der neue EFA-Generalsekretär Werner Wutscher, wie das Forum Alpbach 2021 abläuft.
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brutkasten-Herausgeber Dejan Jovicevic und EFA-Generalsekretär Werner Wutscher im Talk über das Europäische Forum Alpbach 2021 © brutkasten/schauer-burkart
brutkasten-Herausgeber Dejan Jovicevic und EFA-Generalsekretär Werner Wutscher im Juli 2021 im Talk über das Europäische Forum Alpbach 2021 © brutkasten/schauer-burkart

Am 18. August startet das erste Europäische Forum Alpbach, das von der neuen EFA-Spitze rund um Präsident Andreas Treichl und Generalsekretär Werner Wutscher gestaltet wurde. Es ist bereits das zweite Forum, das unter dem Eindruck der Coronakrise stattfindet. Das alleine bringt schon viel Veränderung, Treichl und Wutscher haben aber auch inhaltlich einige Neuerungen gebracht.

Nur 1.000 Besucher vor Ort

„Wir haben ein sehr vorsichtiges Präventionskonzept und sind auf alle Eventualitäten vorbereitet“, sagt Werner Wutscher in Hinblick auf die unklare Coronalage. Das Event findet zwar wie gewohnt in dem Alpendorf statt, allerdings sind pro Tag nur 1.000 Besucher zugelassen, für die die 3G-Regel gilt. Es werde strenge Kontrollen geben, aber auch Testmöglichkeiten vor Ort, so der Generalsekretär im brutkasten-Talk. Damit trotzdem alle Interessierten zusehen und dabei sein können, ist das Forum als hybrides Event angelegt und kann auch komplett digital verfolgt werden. Neu sind rein digitale Formate wie etwa ein Morning Briefing, das ab 25. August jeden Tag in der Früh den vergangenen Tag zusammenfasst und einen Ausblick auf das kommende Programm gibt. Der Ticketverkauf startete Mitte Juli – wer ein Tagesticket vor Ort löst, darf das gesamte Event digital mitverfolgen.

„Dream Europe again“

Inhaltlich hat sich der Vorstand vorgenommen, sich auf die Wurzeln des Forums Alpbach zu fokussieren: „Wir wollen die Erfolgsgeschichte Europas fortsetzen. Dream Europe again“, sagt Wutscher. Das Forum bleibe interdisziplinär, durch ein wissenschaftliches Kuratorium abgesichert und baue weiterhin auf den Multi-Stakeholder-Dialog mit Wirtschaft, Kunst und Politik. „Kunst ist uns sehr wichtig und wird auch heuer wieder eine zentrale Rolle spielen, weil wir glauben, dass in vielen Fragen, die derzeit diskutiert werden, die Antworten vielleicht nicht nur in der intellektuellen Debatte zu finden sind“, so der Generalsekretär.

Drei Schwerpunkte ziehen sich durch

Inhaltlich lautet das Motto „The Great Transformation“, das sich in Form von drei Schwerpunkten durch das gesamte Event und alle Themen ziehen soll: „Der erste ist Securing the Future of Europe, also Fragen der Sicherheitspolitik, aber auch Fragen der europäischen Identität. Wovor schützen wir uns, wovor fürchten wir uns? Der zweite Schwerpunkt ist The Green Opportunity – der Klimawandel als Chance. Das dritte Thema ist Financing the Future of Europe – also alle Fragen zu den Kapitalmärkten und dass ganz viel Geld in Europa auf Sparguthaben verschimmelt“, erläutert Wutscher. Diese drei Themen sollen sich wie eine inhaltliche Klammer durch das gesamte Forum ziehen.

Wutscher und Treichl liegt Thema Finanzierung am Herzen

Dass das Finanz-Thema ganz besonderes Gewicht hat, mag kaum überraschen, weder bei Bankmanager und Finanzexperte Treichl, noch bei Business Angel und Unternehmer Wutscher. Werner Wutscher ist in der österreichischen Startup-Community tief verankert, war bis kürzlich noch im Vorstand der Austrian Angel Investors Association aaia, trägt den Titel Business Angel of the Year 2020 und war zuvor lange im Vorstand der Rewe, davor im Landwirtschaftsministerium. „Es geht uns darum, wie man Startups, neue Technologien, aber auch das Gesundheitssystem der Zukunft finanzieren kann“, so Wutscher.

Junge Community baut Prototypen in Challenges

Um die starke junge Community des EFAs trotz Corona stärker einzubinden, laufen bereits seit Frühjahr Challenges, die sich an den drei Schwerpunkten orientieren und ganz konkrete Lösungen bringen sollen. „Aktuell läuft auch ein Programm, in dem Prototypen erarbeitet werden, die dann in Alpbach präsentiert werden. Wir wollen die FAN-Community wirklich an das österreichische und internationale Innovations-Ökosystem anbinden“, sagt Wutscher. Das FAN, also Forum Alpbach Network ist bereits in mehr als 160 Ländern aktiv – am stärksten in Afrika – und bringt jährlich 700 junge Menschen als Stipendiaten nach Alpbach. Heuer sind es insgesamt nur 350, weshalb die digitale Komponente der Veranstaltung sehr ernst genommen und professionell umgesetzt werde.

Nach seinen persönlichen Programm-Highlights gefragt, sagt Wutscher natürlich: „Was mich besonders freut: Auch die Startup-Community wird stark vertreten sein“. Sie trifft dort auf starke Prominenz aus Politik und Wirtschaft, unter anderem den neuen Generalsekretär der OECD, Mathias Cormann, Alexander van der Bellen mit Gästen, und einige EU-Kommissare. Und ja: Es wird auch wieder gefeiert, nur eben mit weniger Menschen, hofft Wutscher.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Dass sich die aktuell noch laufenden Verhandlungen zur EU Inc. auf Ratsebene nicht so entwickeln, wie es sich die Initiator:innen der gleichnamigen Initiative wünschen würden, ist allgemein bekannt. Übte man nach der Veröffentlichung des Kommissionsentwurfs im März noch deutliche Kritik an diesem, würde man ihn inzwischen wohl gerne so annehmen. Denn der aktuell noch in Ausarbeitung befindliche Vorschlag des Rats der EU-Justizminister:innen dürfte letztlich, wenn man mit den Verhandlungen vertrauten Personen Glauben schenken darf, kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Vorschlag der Initiative zu tun haben. Die absoluten Kern-Forderungen seien darin de facto zur Gänze gestrichen, was überbleibe sei „nicht mehr als ein Label und vielleicht etwas schnellere Gründung“, hört man.

Österreich als EU-Inc.-Antagonist

Das offizielle Österreich spielt dabei dem Vernehmen nach eher die Rolle des Antagonisten. Das SPÖ-geführte Justizministerium zähle in den Verhandlungen zu den Verhinderern. Rot-weiß-roter Gegenwind zur EU Inc. komme aber auch von anderer Seite, nicht nur, wie allgemein bekannt, von Notariatskammer und Arbeiterkammer, sondern auch von einflussreichen Personen in der Wirtschaftskammer.

Zehetner: deutliche Positionierung pro EU Inc.

In dieser durchaus komplexen Gemengelage von Interessen aus ganz unterschiedlicher Richtung, mag es fast verwundern, dass sich Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner nun öffentlich durchaus deutlich positionierte. „Ich bin unzufrieden damit, wohin sich die Diskussion zur EU Inc. momentan entwickelt – sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene“, sagte sie heute bei einer Keynote im Rahmen des Verbund Venture Day 2026 an der WU Wien. Auf diese Weise werde die EU Inc. nicht zur Alternative zur amerikanischen Delaware Inc., die auch sie sich wünsche.

Mitarbeiter:innenbeteiligung via FlexCo „noch nicht attraktiv genug“

Auch sonst gab sich Zehetner in ihrer Rede, die sich auf europäische Souveränität im Startup-Bereich fokussierte, kritisch. Die FlexCo etwa bezeichnete sie in Sachen Mitarbeiter:innen-Beteiligung als „ersten Schritt“, aber „noch nicht attraktiv genug“. Es brauche neue Steuerregeln, die Mitarbeiter:innenbeteiligung praktikabel machen. Auch ihre bereits einmal dezidiert geäußerte Forderung nach Steuererleichterungen bei Startup-Beteiligungen – vulgo Beteiligungsfreibetrag – wiederholte sie bei der Gelegenheit. Auf europäischer Ebene sieht sie Handlungsbedarf u.a. in Sachen Kapitalmarktunion. Lob gab es von Zehetner dafür für den European Scaleup Funds – ergänzt mit Eigenlob für den geplanten österreichischen Dachfonds.

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