26.09.2022

Ford: Fußgänger und Radfahrer sollen App nutzen, um nicht überfahren zu werden

US-Autoriese Ford sorgt mit einer neuen Idee zur Unfall-Prävention für Kopfschütteln: Eine App, die alle Beteiligten nutzen müssten.
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Ford App Unfall Aufgriffsrechte im Gesellschaftsvertrag
(c) fotolia.com - Photographee.eu

Mehr Ampeln, besser sichtbare Schutzwege, Geschwindigkeitsbegrenzungen und weitere Formen der Verkehrsberuhigung – es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die ergriffen werden, um Fußgänger:innen und Radfahrer:innen im Straßenverkehr besser zu schützen. Eine neue Idee kam nun vom US-Autoriesen Ford – und wurde gleich gemeinsam mit mehreren großen Partnern, darunter T-Mobile und Ohio State University, in einem „Forschungsprojekt“ umgesetzt: Eine App.

Ford: „Erschwingliche und skalierbare Smartphone-basierte Kommunikationstechnologie“

Es sei eine „erschwingliche und skalierbare Smartphone-basierte Kommunikationstechnologie, die eines Tages dazu beitragen könnte, Autofahrer:innen vor Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und anderen Verkehrsteilnehmer:innen zu warnen – selbst vor solchen, die nicht direkt sichtbar sind“, heißt es dazu in einer Aussendung von Ford. Konkret soll bei Autofahrer:innen via Bluetooth ein Alarm ausgelöst werden, wenn sie sich anderen Verkehrsteilnehmer:innen oder etwa auch Straßenarbeiter:innen nähern.

„Fast wie eine komische Drohung“

„Connected Mobility“ wird vielfach als wichtiger Puzzle-Stein in der Zukunft des Verkehrs betrachtet. Doch im Fall Ford müssten alle Beteiligten die App nutzen. Und dieser Umstand sorgt für Kopfschütteln. „Im besten Fall ist das völlig rätselhaft. Im schlimmsten Fall klingt es fast wie eine komische Drohung: Wäre doch schade, wenn Sie unsere App nicht herunterladen und am Ende von einem Truck überfahren werden, oder?“, schreibt etwa ein Kommentator.

Andere Unfallhergänge häufiger

In einem Kommentar in der US-Ausgabe von Vice, in dem ausführlich argumentiert wird, warum der Ansatz von Ford sein Ziel nicht erreichen dürfte, heißt es: „Es ist auch eine groteske Karikatur dessen, wie sich tödliche Unfälle mit Fußgänger:innen und Radfahrer:innen in der realen Welt ereignen, als ob wir, die Fußgänger:innen und Radfahrer:innen dieser Welt, uns hinter Mauern, Bäumen und Lichtmasten am Straßenrand verstecken würden“. Viel typischer seien Fußgänger:innen, die bei dem Versuch sterben, eine breite Straße mit einer hohen Geschwindigkeitsbegrenzung und ohne Zebrastreifen zu überqueren, oder Radfahrer:innen, die auf einer Straße angefahren werden, wo es keine physische Trennung vom Auto-Fahrstreifen gibt.

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CEO und Founder von Easelink (vierter v.l.) und Gunter Meyer, Chief Market Officer von SEG Automotive (dritter v.l.) verkünden die Zusammenarbeit. (c) Easelink

E-Fahrzeuge laden, ganz ohne ein Kabel manuell anzuschließen. Das steckt hinter der Matrix-Charging-Technologie vom Grazer Startup Easelink. Erst letztes Jahr gründete das Unternehmen seine Matrix Charging Interest Group (MCIG), eine Branchenkooperation gemeinsam mit Audi, Nissan und dem chinesischen Anbieter Voyah, wie brutkasten berichtete.

Jetzt konnte auch SEG Automotive als Partner gewonnen werden, einer der weltweit führenden Zulieferer von Antriebskomponenten für die Automobilindustrie.

Kabelloses Laden

Eine der größten Änderungen, wenn man von einem Verbrenner auf ein E-Auto umsteigt, ist das Laden. Matrix-Charging setzt hier an, denn es funktioniert ohne Kabel: Ein Connector, der sich unter dem Fahrzeug im Bereich der Vorderachse befindet, senkt sich automatisch ab und verbindet sich mit dem Lade-Pad auf dem Parkplatz. Vor allem bei Taxis ist das von Vorteil. Hier hat Easelink bereits 2023 das Pilotprojekt „eTaxi Austria“ gestartet.

Steigende Bedeutung

Laut Easelink seien vor allem steigende Anforderungen an Nutzerkomfort, neue autonome Fahrzeugfunktionen und der Wunsch nach einer Integration von E-Fahrzeugen in intelligente Energiesysteme die Gründe, die die Bedeutung von automatisierten Ladelösungen steigen lassen.

„Wir sehen großes Potenzial für automatisierte Ladelösungen und möchten unseren Kunden künftig entsprechende Produkte und Integrationslösungen anbieten. Gleichzeitig unterstützen wir die Standardisierung innerhalb der MCIG, als wichtigen Schritt für Marktakzeptanz, langfristige Interoperabilität und somit auch Investitionssicherheit“, sagt Gunter Meyer, Chief Market Officer New Business bei SEG Automotive.

Aufnahme in Produktportfolio

Beide Partner verfolgen das Ziel, die Industrialisierung und Markteinführung von Matrix-Charging voranzutreiben. SEG Automotive wird daher die Ladetechnologie künftig direkt den großen Autoherstellern (OEMs) anbieten, damit diese die Technik in ihre neuen Autos einbauen können. SEG Automotive bereitet die Aufnahme der Matrix Charging Technologie in das eigene Produktportfolio bereits vor.

Außerdem wird SEG Automotive wie die anderen zuvor genannten Autohersteller, der Matrix Charging Interest Group (MCIG) beitreten. Die MCIG vereint Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette des automatisierten Ladens.

„Wichtiger Baustein unserer Mission“

„Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit SEG Automotive. Die Partnerschaft ist ein wichtiger Baustein unserer Mission, Innovation voranzutreiben und gemeinsam mit starken Industriepartnern den globalen Standard für automatisiertes Laden zu etablieren. Durch die Lizenzierung der Matrix-Charging-Technologie schaffen wir die Voraussetzungen für eine schnelle Skalierung und können die Technologie optimal in bestehende Wertschöpfungsketten der Automobilindustrie integrieren“, äußert sich Hermann Stockinger, CEO und Gründer von Easelink, über die Partnerschaft.

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