12.08.2025
ZEITERSPARNIS

fonio.ai: Wiener Startup profitiert von zunehmender KI-Akzeptanz

78 Prozent der Menschen sind laut einer Umfrage bereit, mit KI-Sprachassistenten zu reden. Beim Wiener Startup fonio.ai spiegelt sich das in konkreten Zahlen seiner Kunden wider.
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fonio.ai-Gründerteam Daniel Keinrath und Matthias Gruber © fonio.ai
fonio.ai-Gründerteam Daniel Keinrath und Matthias Gruber. | © fonio.ai

Wer mit einer Frage bei einer Hotline anruft, will eigentlich nur eines: eine gute Antwort. Während diese in früheren Zeiten im Normalfall erst dann zu erwarten war, wenn man an eine:n qualifizierte:n Mitarbeiter:in gelangt ist, kann einen heute auch ein KI-Sprachassistent durchaus zufriedenstellen.

Akzeptanz von KI-Sprachassistenten von zwei Faktoren abhängig

Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage im Auftrag von tietoevry: Demnach würden 78 Prozent der Befragten mit einem KI-Sprachassistenten reden, sofern dieser rund um die Uhr erreichbar ist und keine Wartezeiten entstehen. Entscheidend sind laut Umfrage zwei Faktoren: Transparenz – also das Wissen, dass man mit einer KI spricht – sowie die Möglichkeit, im Bedarfsfall an einen menschlichen Ansprechpartner weitergeleitet zu werden.

500.000 Telefonate pro Monat über fonio.ai

Das Wiener Startup fonio.ai macht sich diesen Umstand zunutze. Vor nicht einmal einem Jahr in den Markt gestartet steht das Startup bei mittlerweile rund 1.200 Kunden – 90 Prozent davon in Deutschland – und automatisiert nach eigenen Angaben rund 500.000 Telefonate pro Monat – brutkasten berichtete kürzlich zum Überschreiten der 1.000-Kunden-Marke.

85 Prozent Erfolgsquote

Doch liefern diese von der KI übernommenen Telefonate auch befriedigende Ergebnisse für Kunden und Endkund:innen? Fonio.ai gibt an, eine Erfolgsquote von rund 85 Prozent zu haben. Etwa vier von fünf Anrufen können demnach vollständig und korrekt von der KI gelöst werden. Das spiegelt sich auch in konkreten Zahlen von Referenzkunden wider – konkret in einer der Branchen, auf die das Unternehmen besonders fokussiert: Immobilienverwaltungen.

2.500 Minuten Ersparnis pro Monat bei einer Hausverwaltung

Bei LIM Management, einer der größten Hausverwaltungen Wiens mit über 250 betreuten Objekten, werden etwa laut fonio.ai mehr als 2.000 Anrufe pro Monat automatisiert verarbeitet – das entspreche einer Zeitersparnis von über 2.500 Gesprächsminuten. Bei Immobilientreuhand Jaklitsch in Graz werden demnach mehr als 80 Prozent der Anrufe automatisiert bearbeitet – laut Unternehmen ein wöchentlicher Zeitgewinn von über 20 Stunden.

fonio.ai-Gründer: „wachsendes Verständnis dafür, dass Digitalisierung notwendig ist“

„Wir beobachten in der Branche ein wachsendes Verständnis dafür, dass Digitalisierung notwendig ist, und dass KI dabei eine Schlüsselrolle spielt“, kommentiert fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath. „Mieter:innen, Eigentümer:innen und Dienstleister zeigen eine hohe Akzeptanz, wenn ihr Anliegen durch einen KI-gestützten Telefonassistent schneller und zuverlässig bearbeitet wird.“

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Österreich hat Probleme, seine KI-Expert:innen zu halten. | Symbolbild (c) Envato

Ein kürzlich erschienener Report der WU Wien dürfte gemischte Gefühle in Österreichs KI-Branche auslösen. Hierzulande habe man exzellente KI-Fachkräfte, aber zu wenige und obendrein Probleme, diese zu halten. Die Studie basiert auf der Analyse von 2,86 Millionen Beschäftigungsdatensätzen, also Job- bzw. Positionseinträgen, 1,23 Millionen individuellen Biografien und mehr als 123.000 Unternehmen in Österreich. 

Führend in technologischer Spezialisierung

Österreich belegt im europäischen Vergleich unter 38 Ländern Rang drei bei der technologischen Spezialisierung seiner KI-Fachkräfte. Eine Auszeichnung für die Alpenrepublik, schließlich zähle man in diesem Bereich zu den führenden Standorten in Europa. Trotzdem kommen diese Experten seltener in die breite Wirtschaft als in anderen vergleichbaren Ländern. 97 % der heimischen Unternehmen stellen keine KI-Spezialist:innen an.

„Wer ‚KI-Strategie‘ sagt und nicht ‚Menschen‘ meint, hat den Kern verfehlt: Adoption ist ein Personal-, kein IT-Thema“, sagt Can Tihanyi vom Institut für International Business der WU Wien: „Technologie-Adaption scheitert fast nie an der Technologie. Sondern an den Menschen, die fehlen, um sie in die Unternehmen zu tragen.“

Österreich verliert KI-Experten

Die wenigen Spezialist:innen, die es in Österreich gibt, wandern zudem im Laufe ihrer Karriere ab. Rund 17 % der Fachkräfte in Build-Rollen verlassen das Land. In Bereichen wie Generative AI oder Natural Language Processing ist es rund ein Viertel. Zudem stellen die Autoren der Studie fest, dass 44 % aller Abwander:innen bereits nach dem ersten Jahr Österreich den Rücken kehren.

„Wer hochqualifizierte KI-Expert:innen halten will, muss ihnen vom ersten Tag an attraktive Projekte, Entwicklungsperspektiven und fachliche Verantwortung bieten – genau im ersten Jahr entscheidet sich, ob jemand bleibt“, erklärt Andreas Schumacher, Chief Innovation Officer und Vorstandsmitglied der VTU Group. Der Nachwuchs bleibt hingegen aus, denn sechs Prozent der KI-Beschäftigten in Österreich sind Einstiegskräfte. „Österreich verliert nicht die Breite seiner KI-Fachkräfte, sondern seinen Platz im technologischen Spitzenfeld“, ergänzt Schumacher.

Mehr Ausbildungsplätze, Beratung und bessere Infrastruktur

Die Conclusio der Autoren ist klar: Es brauche mehr Ausbildungskapazitäten für KI-Fachkräfte an Universitäten. Unternehmen sollten zudem durch AI-Readiness-Programme unterstützt werden, KI im eigenen Betrieb einzusetzen. Ein Zugang zu geteilter Infrastruktur und Beratung könnte hierbei Abhilfe schaffen. Österreich benötige außerdem Maßnahmen, um KI-Spezialist:innen langfristig zu halten. Dabei brauche nicht jedes Unternehmen eigene KI-Teams, durch Transferzentren könne diese Lücke geschlossen werden.

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