11.03.2026
BILANZ

Fokus auf KI: Wirtschaftsagentur Wien förderte 2025 1.177 Projekte mit 48 Mio. Euro

Die Förderungen und Angebote der Wirtschaftsagentur Wien haben im Jahr 2025 laut eigenen Angaben Investitionen von mehr als 500 Millionen Euro am Standort ausgelöst.
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Urban Innovation Vienna
Dominic Weiss ist der Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien. | © UIV/Nele Steinborn

Insgesamt förderte die Wirtschaftsagentur Wien im Jahr 2025 1.177 Projekte mit 48 Millionen Euro. Über ihre Programme, Beratungsleistungen und Standortangebote seien laut Wirtschaftsagentur jedoch deutlich höhere Investitionen ausgelöst worden: Insgesamt flossen 172 Millionen Euro an direkten Fördermitteln in Wiener Projekte. Weitere rund 330 Millionen Euro wurden indirekt durch Immobilienbereitstellung sowie umfassende Beratungsangebote mobilisiert. Insgesamt entstanden dadurch 1.570 neue Arbeitsplätze in Wien.

Digitalisierung und KI als wichtige Förderschwerpunkte

Besonders stark nachgefragt waren Förderprogramme rund um Nahversorgung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Ein zusätzlicher Fokus lag 2025 auf der sogenannten Grätzlwirtschaft – also auf Maßnahmen zur Stärkung lokaler Betriebe und wirtschaftlicher Strukturen in den Wiener Bezirken.

Von den 1.177 Projekten, die von der Wirtschaftsagentur Wien im vergangenen Jahr mit insgesamt 48 Millionen Euro unterstützt wurden, konzentrierten sich rund zehn Prozent vor allem auf umfassende Digitalisierungsmaßnahmen in Unternehmen.

Deutlich gestiegen ist zudem die Zahl jener Projekte, die einen Bezug zur Künstlichen Intelligenz haben. Dazu zählen etwa Initiativen, die KI zur Automatisierung von Prozessen einsetzen oder neue KI-basierte Produkte entwickeln.

„Die Vorjahresbilanz macht deutlich, welche Effekte gezielte Maßnahmen für den Wirtschaftsstandort Wien haben. […] Es liegt in unserer Verantwortung, Unternehmen aktiv zu unterstützen – von kleinen Nahversorgern bis hin zu innovativen Startups. Durch gezielte Investitionsanreize, umfassende Beratung und die Bereitstellung von Infrastruktur ermöglichen wir Wachstum, die Umsetzung von Innovationen und die Sicherung von Beschäftigung. So bleibt Wien ein starker, verlässlicher Wirtschaftsstandort, der Arbeitsplätze schafft, Zukunftstechnologien fördert und seine Position als führender Wirtschaftsstandort national und international weiter festigt“, kommentiert die Wiener Wirtschafts- und Arbeitsstadträtin Barbara Novak.

Rund 10.000 Beratungsgespräche mit Unternehmen

Neben finanziellen Förderungen setzt die Wirtschaftsagentur Wien stark auf Beratung. Im Jahr 2025 führten die Expertinnen und Experten der Organisation rund 10.000 Beratungsgespräche mit Betrieben unterschiedlicher Größen und Branchen. Der Ansatz dahinter: Gerade kleinere Unternehmen verfügen häufig über weniger Ressourcen für umfangreiche Planungs- und Innovationsprozesse.

„Kleine Unternehmen haben üblicherweise weniger Zeit und Personal für Planungsprozesse. Indem wir Förderung und Beratung eng miteinander verbinden und kostenlos anbieten, stellen wir sicher, dass die eingereichten Projekte gut aufgesetzt sind. Außerdem sind innovative Projekte oft komplex und technisch anspruchsvoll. Eine fundierte Beratung hilft den Betrieben, die Risiken ihrer geplanten Vorhaben realistisch einzuschätzen und ihre Konzepte entsprechend zu schärfen“, führt Dominic Weiss, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, aus.

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Ecocircling
© Franz Neumayr - Teresa Millinger (l.), Geschäftsführerin Ecocircling und Grace Sheehan, Investorin und US-Unternehmerin.

Das oberösterreichisch-salzburgische Startup hat knapp ein Jahr nach Projektstart und einem US-Investment seine erste Pilotanlage hochgefahren. Ziel ist es, die starke Importabhängigkeit Österreichs bei Speisefisch zu reduzieren. Die modularen „Cubes“ kombinieren dafür Fischzucht und Pflanzenproduktion in einem geschlossenen Wasserkreislauf, der durch moderne Sensorik und KI-gestütztes Monitoring weitgehend automatisiert betrieben wird.

Ecocircling und die Wasserersparnis

Die aktuelle Pilotanlage ist auf eine Jahresproduktion von bis zu neun Tonnen Wels ausgelegt und punktet vor allem durch einen extrem geringen Ressourcenverbrauch. Millinger erklärt das Prinzip: „Wir geben täglich weniger als fünf Prozent Frischwasser zu, das übrige Wasser wird aufbereitet und wiederverwendet. In unserem Aquaponik-System reinigen zusätzlich die Pflanzen das Wasser, indem sie die Nährstoffe aufnehmen. So kommen wir auf über 90 Prozent Ersparnis gegenüber klassischer Teichhaltung.“

Künftig sollen die Anlagen in unterschiedlichen Größen unter anderem für Hotels, Gastronomie und landwirtschaftliche Betriebe angeboten werden. Dafür musste das Startup jedoch die größte Hürde der Branche meistern: den massiven Energiebedarf.

„Das ist genau der Punkt, an dem viele Wettbewerber gescheitert sind“, sagt die Co-Founderin. „Der entscheidende Faktor ist der Winter: Unsere Fische brauchen eine Beckentemperatur von 26 °C, und dieses Wasser dauerhaft warm zu halten, ist der mit Abstand aufwendigste Energieposten. Genau daran ist bei vielen die Kalkulation zerbrochen. Wir haben unsere Anlagen deshalb konsequent auf diesen Punkt hin optimiert: Durch eine exzellente Dämmung, die den Wärmeverlust von vornherein minimiert, durch eine KI-gesteuerte Wärmerückgewinnung und durch eigene Energiequellen – ein Windrad und eine Biomasseanlage, die als Brennstoff sogar den Abfall aus unserer Gemüseproduktion nutzt.“

PV und Windrad

Dieser Ansatz ist bei Ecocircling bereits in der Umsetzung: Bei der Pilotanlage in Oberösterreich soll in den kommenden Monaten das erwähnte Windrad installiert werden; auch Photovoltaik ist in Planung. „Dadurch fällt der zugekaufte Wärmeanteil sehr gering aus. Genaue Werte für die KWh pro Fisch hängen vom Standort ab. Westliche oder windarme Regionen sind hier benachteiligt“, räumt die Gründerin ein. Durch die eigene Energieversorgung möchte das Startup den Betrieb von den Preisschwankungen des volatilen Marktes entkoppeln. „Damit bleibt unsere Kalkulation planbar, auch wenn die Energiepreise steigen“, so Millinger.

Fokus auf Technologie

Ob es künftig Pläne gibt, diese Prozesstechnologie zu vertreiben, oder „nur“ mit Fischen Geld zu machen, meint Millinger, dass beides in den Köpfen des Teams bestehe, jedoch mit klarer Priorität auf der Technologie.

„Unser Kern ist die Anlage selbst: ein standardisiertes Plug-and-Play-Produkt, das wir künftig in verschiedenen Größen anbieten. Eigene Standorte betreiben wir vor allem als Referenzanlagen. Überzeugend macht das Ganze das Verhältnis von Investition zu Kapazität – 90.000 Euro für zwölf Tonnen Fisch pro Jahr, mit einem Return on Investment von typischerweise unter drei Jahren. Genau diese Kombination aus niedrigem Preis, Standardisierung und geringem Betreuungsaufwand macht die Anlage zu einem echten Produkt. Dass es schon in der Entwicklungsphase internationale Nachfrage gab, bestätigt das.“

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