05.02.2026
NEUORIENTIERUNG

Fokus auf B2B-Infrastruktur: Wiener FinTech Talentir weitet Geschäftsmodell nach Pivot aus

Talentir hat sich vom Creator-Marktplatz zum Payment-Infrastruktur-Anbieter für die Kreativbranche entwickelt. Statt auf monatlich wiederkehrenden Umsatz fokussiert sich das Wiener Startup nun auf das über die Plattform abgewickelte Zahlungsvolumen – ein strategischer Schwenk, der neue Kundensegmente, größere Volumina und einen deutlich größeren Markt erschließen soll.
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Die beiden Talentir-Founder Lukas Sticksel-Steiner und Johannes Kares
Die beiden Talentir-Founder Lukas Steiner und Johannes Kares | © Oliver Jiszda

Seit dem letzten Bericht im Februar 2025 – brutkasten berichtete – hat Talentir eine strategische Neuausrichtung vollzogen. Ursprünglich als Marktplatz gestartet, verlagerte sich der Schwerpunkt zunächst auf Echtzeit-Auszahlungen für YouTuber. Mittlerweile hat das Unternehmen seine Zielgruppe erneut erweitert: Die entwickelte Technologie wird nun direkt Agenturen und Unternehmen angeboten, die Zahlungsströme in der Kreativbranche verwalten.

Talentir mit technologischem Schwenk zur Payment-Infrastruktur

Der Auslöser für diesen Schritt war eine verstärkte Nachfrage von Musikdistributoren, Royalty-Systemen und Influencer-Agenturen. Diese nutzen die Lösung von Talentir nun für ihre eigenen Auszahlungen an Künstler- und Partner:innen. Damit bewegt sich das Unternehmen weg vom reinen Endkundengeschäft hin zu einem Infrastruktur-Anbieter für Firmen. Die ursprüngliche Mission, Auszahlungen an Creators anzubieten, wird damit auf die gesamte Kreativbranche ausgeweitet.

TPV als neue Leitmetrik

Während im Februar 2025 noch das Ziel von einer Millionen USD MRR (monatlicher Umsatz) im Vordergrund stand, kommuniziert Talentir nun primär das TPV (Total Processed Volume). Das TPV gibt das gesamte Zahlungsvolumen an, das über die Plattform abgewickelt wird. Im Bereich der Zahlungsabwicklung gilt diese Kennzahl als Indikator für die Marktdurchdringung und die Integration in die finanziellen Prozesse der Kund:innen. Der eigentliche Umsatz folge diesem Volumen in der Regel mit hoher Vorhersehbarkeit, wie das Talentir-Team betont.

Aus dem Archiv: CEO Lukas Steiner über den Pivot und das siebenstellige Seed-Investment von Talentir

Das annualisierte TPV liege laut eigenen Angaben derzeit bei drei Millionen USD, bei einer durchschnittlichen monatlichen Wachstumsrate von 18 Prozent. Die aktuelle Pipeline umfasse zudem Plattformen, die ein jährliches Transaktionsvolumen von insgesamt 1,2 Milliarden USD repräsentieren. Zu den Kund:innen zählen vor allem Akteure, die große Volumina an Musiker:innen und Influencer ausschütten.

Europa weiter im Fokus

Obwohl das Unternehmen eine mögliche Finanzierungsrunde für das erste oder zweite Quartal 2026 prüft, liege laut einer Talentir-Sprecherin kein unmittelbarer Kapitaldruck vor, da Talentir bereits profitabel sei. Das Interesse potentieller Investor:innen ergebe sich derzeit primär aus Anfragen.

Geografisch konzentriert sich das Geschäft weiterhin auf den europäischen Markt, wobei das Wachstum ohne Werbeausgaben durch Empfehlungen erfolgt.

Talentir liebäugelt mit Milliardenmarkt

„Das YouTube-Geschäft ist ein sehr schönes Feld, in dem man die Gelegenheit hat, mit beeindruckenden Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten und ihnen technische Funktionen zu bieten, die letztlich ihren Alltag verbessern. Uns ist jedoch auch bewusst, dass dies nicht der Weg zum Milliardenmarkt ist“, weiß das Talentir-Team. „Das B2B-Produkt bzw. der Pivot und unsere eigene Stablecoin-Infrastruktur erschließen uns hingegen den 125 Billionen Dollar schweren Markt für B2B-Auszahlungen. Die ganzen Agenturen, Plattformen, Labels, Netzwerke, Marktplätze und Betreiber – das sind die Akteure, die die Geldflüsse koordinieren. Deshalb haben wir begonnen, Software zu entwickeln, die sie deutlich effizienter und profitabler macht. Je mehr Geld wir ihnen einsparen helfen, desto mehr reduzieren wir letztlich die Gebühren für Creators und Konsumenten.“

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Die B&C Gruppe ist als eine der größten Investmentgesellschaften des Landes mit signifikanten Beteiligungen an mehreren Konzernen, aber auch Tech-Scaleups bekannt. Über ihr steht die B&C Privatstiftung mit dem Stiftungszweck der Förderung des österreichischen Unternehmertums. Und diesen verfolgt sie auch über mehrere Förder-Initiativen, konkret den Houskapreis – mit 760.000 Euro jährlicher Dotierung der größte private Preis für anwendungsnahe Forschung in Österreich -, die MEGA Bildungsstiftung sowie die Standortforschungsinitiative eXplore!.

Zuletzt sechs Jahre lang Generalsekretärin der ÖVP-Frauen

Der für diese Initiativen zuständige Bereich Förderwesen der B&C Privatstiftung bekommt nun mit Stephanie Lamezan-Salins eine neue Leiterin. Sie soll in der Funktion die strategische Weiterentwicklung vorantreiben. Zuletzt war sie sechs Jahre lang Generalsekretärin der ÖVP Frauen, davor in mehreren Referentinnen-Positionen in Ministerien tätig.

„Neue Akzente für Wachstum und Unternehmertum setzen“

„Mein Ziel ist es, Projekte mit gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wirkung voranzutreiben, sichtbar zu machen und damit neue Akzente für Wachstum und Unternehmertum zu setzen“, kommentiert Lamezan-Salins. Sie wolle gemeinsam mit dem Team bestehende und neue Aktivitäten entwickeln und Netzwerke weiter ausbauen.

„Führungspersönlichkeit mit hoher Umsetzungskraft“

Und Wolfgang Hofer, Vorstand der B&C Privatstiftung, meint: „Mit Stephanie Lamezan-Salins gewinnen wir eine Führungspersönlichkeit mit hoher Umsetzungskraft, um unsere langfristigen Initiativen weiterhin erfolgreich und in die Zukunft zu führen.“ Ihre „ausgeprägte Schnittstellenkompetenz“ sei eine ideale Verstärkung für die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

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