01.12.2015

Förderungen für Investoren in England

Die britische Regierung hat früh damit begonnen, Anreize für Investoren zu schaffen. Geldgeber setzen meistens voraus, dass Startups die Anforderungen erfüllen.
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© P.CH. - Fotolia.com

Die wichtigsten Förderungen für junge Unternehmen laufen in Großbritannien über zwei Steueranreiz-Modelle, die Investoren große finanzielle Vorteile bringen.

Anreiz für Investoren: Seed Enterprise Investment Scheme

Die wichtigsten Punkte: Über das 2012 ins Leben gerufene Seed Enterprise Investment Scheme (SEIS) können sich Geldgeber 50 Prozent des investierten Betrags für die Einkommensteuer gutschreiben lassen, außerdem zahlen sie für das Investment keine Kapitalertragssteuer. Das betroffene Unternehmen darf nicht älter als zwei Jahre sein, es darf nicht mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigen und nicht mehr als 200.000 Pfund an Anlagen besitzen. Das SEIS gilt für Investments von bis zu 100.000 Pfund pro Jahr. Ein Investor, dem aus seinem Engagement ein Verlust entsteht, kann das verlorene Geld ebenfalls von der Einkommensteuer absetzen.Und für Unternehmensanteile, die über das SEIS erworben wurden, muss im Königreich auch keine Erbschaftssteuer gezahlt werden.

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Enterprise Investment Scheme (EIS)

Höhere Grenzen gibt es unter dem älteren Enterprise Investment Scheme (EIS), dafür auch geringere Vorteile. Investoren können bis zu eine Million Pfund pro Jahr investieren, erhalten aber nur eine Steuergutschrift von 30 Prozent. Auch hier fällt keine Kapitalertragssteuer an, die Anteile müssen aber zumindest drei Jahre lang gehalten werden. Investoren dürfen keine operative Kontrolle über das betroffene Unternehmen haben und höchstens 30 Prozent der Anteile besitzen. Auch hier können Verluste abgesetzt werden, für Anteile fällt keine Erbschaftssteuer an.

+++ Mehr zum Thema: Startup-Szene in London +++

Keine Förderung, kein Geld

Laut Monika Dunkel von Advantage Austria, ein Team des Außenwirtschafts- Büros der WKÖ in London, sind Investoren meistens nur dann an einer Beteiligung interessiert, wenn auch sichergestellt werden kann, dass sie die Steuererleichterungen geltend machen können. Neue Startups würden in der Regel nicht mehr als 500.000 Pfund erhalten, in seltenen Fällen bis zu einer Million Pfund. „Und wenn ein Startup ein gutes Produkt hat, das ‘disruptive’ ist, dann stehen die Chancen in London sehr gut, dass es auch Geld bekommt“, sagt Dunkel.

Limited – Unternehmensform

Für Unternehmer, die es mit einer neuen Geschäftsidee oder einem bestehenden Startup nach London zieht, gibt es die ein oder andere Starthilfe. Am Anfang steht die Gründung einer „Limited“ – eine Unternehmensform ähnlich der österreichischen GmbH. Das benötigt nur 24 Stunden, kostet rund 21 € und kann online erledigt werden. „Wir raten österreichischen Startups, in Großbritannien ein Unternehmen zu gründen, da die Förderungen nur für hier ansässige Firmen gelten. Das Startup muss hier operativ tätig sein, eine reine Briefkastenfirma reicht nicht”, sagt Dunkel. Startkapital sei für die Gründung einer Limited nicht unbedingt notwendig. Dunkel rät aber dazu, bei der Gründung einen gewissen finanziellen Polster zu schaffen und Kapital bereitzustellen.

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Neugründung
(c) Scott Graham via Unsplash

Insgesamt 39.978 Neugründungen gab es in Österreich laut Wirtschaftskammer (WKÖ) im Jahr 2025 – eine weitere Steigerung, nachdem es bereits 2024 ein Allzeithoch gegeben hatte, wie brutkasten zu Jahresbeginn berichtete. Nun gab die WKÖ neue Zahlen und eine begleitende Umfrage für das erste Halbjahr 2026 heraus – und der Aufwärtstrend setzt sich darin deutlich fort.

82,6 Prozent Einzelunternehmen

21.718 Neugründungen (ohne Personenbetreuung) gab es demnach in den ersten sechs Monaten des Jahres – ein Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und damit neuerlich ein Rekord. Startups machen freilich nur einen kleinen Bruchteil davon aus – konkrete Zahlen gibt es dazu nicht. Aber so viel: 82,6 Prozent der Gründungen erfolgten als Einzelunternehmen, davon 42,5 Prozent von Frauen. 41,1 Prozent aller Gründer:innen starten zudem zunächst nebenberuflich.

Stärkste Zuwächse bei jungen Altersgruppen

Die stärksten Zuwächse gebe es dabei bei den unter 20-Jährigen sowie bei den 20- bis 30-Jährigen, heißt es von der WKÖ. Das Durchschnittsalter der Gründer:innen liegt laut Erhebung bei 36,6 Jahren. Die wichtigsten Sparten bei den Neugründungen im ersten Halbjahr waren Gewerbe und Handwerk (37,8 Prozent), Information und Consulting (23,4 Prozent) sowie Handel (22,9 Prozent).

Eigenverantwortung und Flexibilität als größte Motive

Auch die Gründe fürs Gründen wurden in der Motivumfrage des WKÖ-Gründerservice erhoben: 67,9 Prozent der Befragten möchten demnach lieber ihre eigene Chefin oder ihr eigener Chef sein. 67,6 Prozent wollen ihre Zeit flexibler gestalten, 62,3 Prozent wollen mehr Verantwortung übernehmen.

Drei politische Forderungen

Gleichzeitig fragte die WKÖ auch nach den Wünschen der neuen Gründer:innen. Ein klares Ergebnis: 78,1 Prozent wünschen sich einen zentralen digitalen One-Stop-Shop für Gründungen. Diesen fordert auch die Wirtschaftskammer von der Politik. Sie erneuert außerdem die Forderungen nach dem Beteiligungsfreibetrag und nach mehr Flexibiliät bei der Arbeitslosenversicherung für Selbstständige im Opting-in-Modell.

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