Fit-Up: Linzer Startup übernimmt deutsche Ernährungsplattform
Fit-Up, das Fitness-Startup aus Oberösterreich, erwarb die deutsche Plattform für gesunde Ernährung namens Kilos ade. Gründer Shahab Daban erklärt, wie es dazu kam.
Das oberösterreichische Fitness-Startup Fit-Up vereint verschiedene Aspekte der Gesundheit, legt auch Wert auf präventive Themen, etwa Mobilisation, Achtsamkeit oder Yoga, und bietet diese in diversen Formaten (Live-Kurse und per Mediathek) an – brutkasten berichtete. 2021 konnte man sich ein Millionen-Investment sichern, stellte sich danach neu auf und vermeldet nun die Übernahme der Plattform Kilos ade aus Ahlen, Deutschland, für einen sechsstelligen Betrag.
Fit-Up kauft Plattform per „Earn Out“
Das deutsche Startup bietet u.a. Lernvideos und Quizzes an, sowie Kurse, die auf acht Wochen angelegt sind. Der Kontakt zwischen dem Fit-Up-Founder Shahab Daban und Kilos ade bestand bereits vorher – die Linzer hatten ihren Ernährungsplaner über die nördlichen Nachbarn bezogen.
„Die beiden Founder von Kilos ade haben sich dann bei uns gemeldet und gefragt, ob wir die Firma nicht übernehmen wollen“, erklärt Daban. „Sie würden den Fokus auf andere Dinge legen.“
So kam es zum Kauf per einem „Earn-Out“-Modell, das eine Basisanzahlung beinhaltet sowie einen monatlichen Prozentbetrag vom Umsatz, bis der ausgemachte Kaufbetrag erreicht ist.
Große Chance in Deutschland
Die Bedeutung dieses Schrittes ist für die Linzer ein großer. Man muss wissen, dass es, wie Daban erklärt, in Deutschland wesentlich einfacher ist, etwas im Präventionsbereich zertifizieren zu lassen, als in Österreich. Was Kund:innen große Vorteile bringt.
In der Bundesrepublik gibt es die Zentrale Prüfstelle für Prävention, in der alle deutschen Krankenkassen unter einer Einheit etabliert sind. Unternehmen, die aus dem Fitness- und Gesundheitsbereich etwas anbieten – etwa Nordic Walking, Yoga, Aquafitness, autogenes Training oder gesunde Ernährung – können dort ihr Service zertifizieren lassen. Mit dem Vorteil, dass sie dort von der Einkommenssteuer befreit sind bzw. auf der anderen Seite, Mitarbeiter:innen, die derartige Angebote nutzen, keinen Sachbezug bezahlen müssen. Und bis zu 100 Prozent den zu zahlenden Betrag von der Krankenkassa ersetzt bekommen können.
„Wir möchten mittel- bis kurzfristig das Angebot von Fit-Up unter jenem von Kilos ade anbieten“, erklärt Daban die künftige Strategie. „Und stärker mit zertifizierten Produkten in Deutschland Privatkunden ansprechen.“ Unternehmen könnten zudem auf diese Art Subventionen und Fördertöpfe anzapfen, wenn sie Mitarbeiter:innen diese Fitness-Benefits anbieten.
Fit-Up setzt auf Challenges
Für die nahe Zukunft sucht das Startup eine Person, die den deutschen Markt verantwortet, baut die Ernährungsschiene in Österreich weiter aus und fokussiert weiterhin auf private User:innen und Unternehmen. Außerdem wurde und wird die Sparte „Community Challenges“ ausgebaut. Inklusive Rankings und der Möglichkeit für User:innen tägliche Ziele (u.a. in einer morgen startenden Adventaktion) zu erreichen.
Vom Labor zum Markt: Warum Innovation erst in der Produktion Realität wird
Österreich verfügt über starke Forschung, innovative Life-Science-Unternehmen und Top-Talente. Doch zwischen Wissenschaft und erfolgreicher Versorgung liegt ein entscheidender Schritt, der oft unterschätzt wird: die industrielle Umsetzung.
Vom Labor zum Markt: Warum Innovation erst in der Produktion Realität wird
Österreich verfügt über starke Forschung, innovative Life-Science-Unternehmen und Top-Talente. Doch zwischen Wissenschaft und erfolgreicher Versorgung liegt ein entscheidender Schritt, der oft unterschätzt wird: die industrielle Umsetzung.
Christoph Reinwald, General Manager des Pharma-Startups Complex Pharmaceuticals |
Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 Aufbrechen erschienen.
Wenn über Innovation gesprochen wird, stehen meist Forschung, neue Technologien oder bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse im Mittelpunkt. Gerade im Life-Science-Bereich sind es häufig neue Wirkstoffe, innovative Therapieansätze oder vielversprechende Biotech-Unternehmen, die Aufmerksamkeit erzeugen. Der eigentliche Härtetest beginnt aber oft erst dann, wenn aus einer wissenschaftlichen Idee ein marktfähiges Produkt werden soll.
„Zwischen Forschung und erfolgreicher Versorgung liegt die industrielle Umsetzung – eine hochkomplexe Phase“, gibt Christoph Reinwald zu bedenken. Er ist General Manager von Complex Pharmaceuticals, einem österreichischen Pharma-Startup, das mit neuen Ansätzen zur Versorgungssicherheit und Stärkung des Wirtschaftsstandorts Europa beitragen will.
Die unterschätzte Seite der Innovation
Dabei geht es um weit mehr als Produktion im klassischen Sinn: Verpackung, Serialisierung, Dokumentation, Qualitätssicherung, regulatorische Anforderungen, Lagerung und Distribution bilden gemeinsam jene Infrastruktur, die Innovation überhaupt erst für Patient:innen verfügbar macht.
Genau an diesem Punkt stehen viele europäische Life-Science-Unternehmen vor einer zentralen Herausforderung: „Forschungskompetenz ist vorhanden, technologische Ideen ebenfalls. Doch wenn es um flexible Produktions- und Verpackungskapazitäten geht, fehlen oft geeignete Strukturen“, weiß Reinwald aus eigener Erfahrung. Der Biotechnologe mit Spezialisierung auf Qualitäts- und Risikomanagement beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den regulatorischen und industriellen Anforderungen der Pharmabranche. In leitenden Funktionen verantwortete er Entwicklungs-, Produktions- und Qualitätsprozesse entlang der pharmazeutischen Wertschöpfungskette. Als Qualified Person gemäß EU-GMP-Richtlinie kennt er die Herausforderungen, die zwischen wissenschaftlicher Innovation und industrieller Umsetzung liegen, aus erster Hand.
Während viele industrielle Systeme auf große Produktionsmengen ausgelegt wurden, verändert sich die Branche zunehmend. Spezialisierte Therapien und Produkte, kleinere Chargengrößen und klinische Studien erfordern neue Produktionslogiken. „Gefragt sind heute Produktionssysteme, die schnell skalieren können, kurze Umrüstzeiten ermöglichen und unterschiedlichste Anforderungen des Marktes wirtschaftlich abbilden“, so Reinwald.
Infrastruktur als Innovationsmotor
Genau hier setzt er mit seinem Unternehmen Complex Pharmaceuticals an. In Traiskirchen, südlich von Wien, wird derzeit ein hochmodernes Produktions- und Verpackungszentrum für die pharmazeutische Industrie aufgebaut. Ziel ist es, flexible Kapazitäten für unterschiedliche Marktanforderungen bereitzustellen – von Klein- und Kleinstchargen bis hin zu kommerziellen Produktionsvolumina. Dabei versteht sich das Unternehmen nicht nur als Produktionsdienstleister, sondern als Teil eines größeren Ökosystems.
Denn die beste wissenschaftliche Idee bleibt wirkungslos, wenn sie nicht effizient produziert, verpackt und verteilt werden kann. Wettbewerbsfähigkeit entsteht heute entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Forschung bis zur Auslieferung. Daher braucht erfolgreiche Innovation laut Reinwald die richtige Infrastruktur.
Aus diesem Grund investiert Complex Pharmaceuticals bereits vor dem Produktionsstart Anfang 2027 in den weiteren Ausbau seines Standorts. Die Gesamtfläche wurde auf 15.200 Quadratmeter erweitert und damit beinahe verdoppelt. Neben den bereits vorhandenen Produktionskapazitäten bilden zusätzliche Lagerflächen sowie Infrastruktur für zukünftige Projekte die Grundlage für umfassende pharmazeutische Services.
Die Investition folgt dabei der Überzeugung, dass Europa nicht nur Forschungsexzellenz braucht, sondern auch die Fähigkeit, Innovationen industriell umzusetzen. Gerade Österreich bietet laut Reinwald dafür ideale Voraussetzungen: Universitäten, Forschungszentren, Startups und etablierte Industrieunternehmen bilden ein starkes Netzwerk. Werden diese Kompetenzen durch moderne Produktionsstrukturen ergänzt, entsteht ein Umfeld, in dem Innovation nicht nur gedeihen, sondern auch erfolgreich skaliert werden kann.
Für den Standort Traiskirchen bedeutet das eine langfristige Perspektive: Bis 2028 entstehen mehr als 60 neue Arbeitsplätze, gleichzeitig wird in Automatisierung, Digitalisierung und eine nachhaltige Gebäudetechnik investiert.
Von Science zu Business
Die eigentliche Bedeutung solcher Projekte reicht jedoch weit über einen einzelnen Standort hinaus. Sie zeigen, dass erfolgreiche Innovation nicht nur durch Forschung entsteht; sie entsteht dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse, unternehmerischer Mut und industrielle Umsetzung zusammenkommen. Oder anders gesagt: Der Weg von Science zu Business führt nicht nur durch das Labor, sondern auch durch die Fabrik.
Infobox: Complex Pharmaceuticals ist ein 2024 gegründetes Pharmaunternehmen mit Sitz in Wien und einem Produktions- und Verpackungszentrum in Traiskirchen. Mit seinem Fokus auf hochflexible Sekundärverpackung können unterschiedlichste Chargengrößen effizient und exakt hergestellt werden. So trägt das Unternehmen zur Versorgungssicherheit und Stärkung des Produktionsstandorts Europa bei. www.complex-pharma.com
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