09.07.2021

Green Finance: So bekämpfen Fintechs den Klimawandel

GASTBEITRAG. Was erhält man, wenn man den angesagtesten Technologiesektor mit einem der wichtigsten politischen Themen kombiniert? Fintechs zur Bekämpfung des Klimawandels. Ein Gastbeitrag von Susanne Chishti und Walter Mösenbacher von FINTECH Circle.
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Green Finance
© Adobe Stock

Überall auf der Welt fließen gewaltige Kapitalströme in den Bereich Green Finance. Das kann bedeuten, dass in erneuerbare Energien oder verantwortungsvolles Abfallmanagement investiert wird, dass die Treibhausgasemissionen gesenkt werden oder dass grüne Kredite Finanzierungen vergeben werden, also Geld für Nachhaltigkeitsprojekte bereitgestellt wird. Im angloamerikanischen Raum spricht man von ESG – Environmental, Social, and Corporate Governance.

Während Millennials auf den ersten Blick die Generation sind, die am meisten daran interessiert ist, ihre Ideale in Bezug auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) auf ihre Finanzen anzuwenden, zeigt auch die Generation X und die Babyboomer ein wachsendes Interesse. Die ESG Investor Sentiment Study der Allianz Life Insurance Company North America fand heraus, dass für fast zwei Drittel (64 Prozent) der US-Millennials ESG-Themen bei ihren Investitionsentscheidungen wichtig sind.

Eines ist ganz klar: Der Fokus der Öffentlichkeit auf das Thema Klimawandel ist ungebrochen und das wird zu spannenden Innovationen im Bereich Finanzdienstleistung führen, die sich auf die Schaffung einer “grüneren” Welt konzentrieren.

Branche bietet grüne Lösungen

Innovation ist auch das Kernthema von Fintechs. Schon in der Vergangenheit haben Fintechs die Art und Weise, wie wir leben, verändert. Man muss dazu nur an die Innovationen denken von Unternehmen wie PayPal, Revolut, Wise (früher Transferwise), Klarna oder auch an die wachsende Zahl von Challenger-Banken wie Starling Bank und N26. Sie alle haben unser Leben ein Stück besser gemacht, sie haben Vereinfachung und Neues gebracht.

Mit ihrem agilen und innovativen Denken – es ist die DNA von Fintechs – sind sie bestens aufgestellt, um die Herausforderungen anzunehmen. Beispiele gibt es bereits viele.

Das britische Startup Clim8 Invest hat vor kurzem eine App auf den Markt gebracht, mit der man gezielt in ein Portfolio von börsennotierten Unternehmen investieren kann, die bereits einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten. Zu den von Clim8 abgedeckten Sektoren gehören saubere Energie, saubere Technologie, nachhaltige Lebensmittel, intelligente Mo-bilität und Recycling.

Fintechs können mithelfen, unsere Welt im Punkto Klimawandel ein Stück besser zu machen.

Susanne Chishti und Walter Mösenbacher

CarbonChain stellt eine Plattform zur Verfügung, die es Unternehmen ermöglicht, die Treibhausgasemissionen ihrer Supply Chain zu verfolgen und damit quantitative wie auch umsetzbare Lösungen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen in den Lieferketten zu finden und Verbesserungen umzusetzen.

Das Green Fintech ReGal 38183 hat mehrere Produkte im Angebot um die Themen “green finance” und “green Blockchain” voranzutreiben. Vom “Self-Sustainable Green Financial Ecosystem”” mit dem Green Token !Vibrain”, über das Produkt Regal 11 – ein Regulatory & Compliance tool, welches mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz, unterschiedliche Regulierungen in Teilen der Welt miteinander verbindet, bis zu HG2 einer ethischen Handelsplattform, die nur “grüne” Rohstoffe verwendet um die internationale Ziele zum Klimawandel zu erfüllen.

Aber auch in Deutschland springen bereits einige Fintechs auf den Zug auf. Das deutsche Start-up Tomorrow bietet ein Öko-Girokonto am Smartphone an. Tomorrow Zero ist ein Premium-Konto, das die Finanzierung von spezifischen Klimaschutzinitiativen ermöglicht.

Neue grüne Fintech-Lösungen auch im Fokus globaler Finanzkonzerne

Auch die globale Finanzindustrie richtet ihr Augenmerk auf Fintechs, die sich auf Nachhaltigkeit konzentrieren. Die US-Ratingagentur Moody’s etwa kündigte den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an MioTech an, einem Anbieter von ESG-Daten sowie -Analysetools in China. Goldman Sachs trat einer Open-Source-Klimadaten-Initiative bei.

Es besteht kein Zweifel, dass Green Finance die Innovation bei Finanzprodukten und -dienstleistungen vorantreibt. Daher ist es für Europa wichtig, an der Spitze zu stehen. Green Finance wird im nächsten Jahrzehnt einer der wichtigstenTrends im globalen Finanz- und Fintech-Sektor sein, und das zu Recht. Verantwortungsvolle Fintechs sind ein Partner für grüne Investitionen, helfen „Green Washing“ durch erhöhte Transparenz und Rechenschaftspflicht für alle Stakeholder zu verhindern, unterstützen im Bereich Carbon-Budgeting-Tools, und können Enabler sein, indem sie klimarelevante Daten analysieren und auf diese reagieren.

Mit einem Satz: Fintechs können mithelfen, unsere Welt im Punkto Klimawandel ein Stück besser zu machen.

Die große Frage wird sein: Können diese Unternehmen auch Geld verdienen? Aber dafür sind wir als Nutzer, Konsumenten und verantwortungsvolle Bürger auch selbst mitverantwortlich – spannende Innovationen wird es auf alle Fälle geben.


Über die Autorin und den Autoren

Walter Mösenbacher

Susanne Chishti ist Gründerin und CEO des FINTECH Circle und außerdem Chefredakteurin der „FINTECH Book Series“. Die Österreicherin lebt in London. Walter Mösenbacher ist FINTECH Circle Ambassador. Er war zuvor Managing Director der Raiffeisen e-force. Der FINTECH Circle hat nach eigenen Angaben über 130.000 Mitglieder – von UnternehmerInnen über InvestorInnen bis hin zu WissenschaftlerInnen.

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TikTok
Mit „Sell Across Europe" sollen heimische KMU künftig EU-weit verkaufen können | (c) AdobeStock

Nach Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Irland und Großbritannien folgt die nächste Ausbaustufe: Am 15. Juni geht TikTok Shop in Österreich, Belgien, den Niederlanden und Polen live. Bemerkenswert: In den Vorab-Berichten internationaler E-Commerce-Medien tauchte Österreich bislang gar nicht auf – die Branche hatte primär Polen, Benelux und Skandinavien als nächste Märkte erwartet.

Laut TikTok nutzen über 2,7 Millionen Menschen in Österreich die Plattform monatlich. Sie sollen künftig direkt in der App über Shoppable Videos, Live-Shopping-Formate und einen eigenen Shop-Tab einkaufen können, ohne TikTok zu verlassen. Für österreichische Unternehmen öffnet sich die Registrierung bereits zwei Wochen früher, am 1. Juni.

Was den österreichischen Markt aus TikTok-Sicht auszeichne?

„Wir expandieren schrittweise. Dieses Jahr ist der richtige Zeitpunkt für Österreich“, erklärt Ningxin Wu, die TikTok Shop in Österreich, den Niederlanden, Belgien und Polen verantwortet. Man wolle „Learnings aus Deutschland, Italien und anderen Märkten direkt einsetzen“.

Was den österreichischen Markt aus TikTok-Sicht auszeichne? Wu nennt drei Punkte: digital affine Kund:innen, eine Vorliebe für lokale und hochwertige Produkte – ein Muster, das man auch in Deutschland beobachtet habe – und Live-Shopping bzw. -Selling, das in dieser Form bisher keinen breiten Player in Österreich habe.

Ein österreichisches Scaleup als Anker

Zum Start setzt TikTok auf ein Einladungsmodell. Als einziger österreichischer Launch-Partner ist das Wiener Scaleup Neoh unter den ersten Marken – bekannt für zuckerreduzierte Riegel und Süßwaren-Innovationen. Das 2016 gegründete Unternehmen hat seine Discovery-E-Commerce-Strategie zuvor bereits in Deutschland erfolgreich erprobt.

„TikTok Shop ist für uns mehr als ein neuer Kanal – es ist eine andere Art zu verkaufen“, sagt Lisa Krapinger-Rüther, SVP Digital bei Neoh. „Das Einkaufserlebnis entsteht direkt im Content, organisch und authentisch. Wir haben in Deutschland gesehen, wie gut das funktioniert: Produkte, die sich über echte Community-Empfehlungen verkaufen, ohne sich wie klassische Werbung anzufühlen.“

Neben Neoh werden zum Start unter anderem deutsche Marken wie Hitschies, Judith Williams, More Nutrition und Svenja Walberg auf dem österreichischen Markt verfügbar sein. Der Roll-out ist schrittweise geplant, User:innen sollen mehr und mehr Marken und Produkte finden können.

„Sell Across Europe“: Die Chance für heimische KMU

Strategisch relevant für die heimische Startup- und KMU-Landschaft dürfte vor allem die Funktion „Sell Across Europe“ werden, die kurz nach dem Launch freigeschaltet wird: Mit einer einzigen Registrierung können Händler:innen in alle EU-Märkte verkaufen, in denen TikTok Shop verfügbar ist. Produktbeschreibungen lassen sich pro Markt lokalisieren, der Versand erfolgt direkt oder über TikTok-Logistikpartner.

„Österreichische Mittelständler haben durch TikTok Shop jetzt eine Plattform, ihre Produkte europaweit zu verkaufen“, sagt Wu. Lokale Produkte – sie nennt Ski-Sportartikel und Delikatessen – seien bisher häufig nur im Inland entdeckbar gewesen.

Eine Größenordnung liefert Christian Blum, Communications Lead bei TikTok Shop: Nach einem Jahr TikTok Shop in Deutschland habe man laut NielsenIQ 15 Prozent Penetration bei den Online-Shopper:innen erreicht. EU-weit – ohne UK – verzeichne man laut Unternehmensangaben dreistelliges Wachstum beim täglichen Umsatzvolumen seit dem Launch, mit über 100.000 lokalen Verkäufer:innen.

Die Temu-Frage: Wie grenzt man sich ab?

Während TikTok Shop wirbt, geraten Plattformen wie Temu und Shein wegen Billigimporten und Produktsicherheit zunehmend unter Druck. Wie grenzt sich TikTok ab? Wu verweist auf “Discovery-E-Commerce” als neue Art des Online-Shoppings, das vorläufige Einladungsmodell und generell eine strenge Listing Policy auf TikTok Shop, die EU-Compliance-Anforderungen wie der seit Dezember 2024 geltenden General Product Safety Regulation (GPSR) entsprechen müsse.

Konkrete Zahl: Laut TikTok seien 2025 weltweit 700 Millionen Produkte präventiv geblockt worden, bevor sie überhaupt gelistet werden konnten. Zusätzlich verifiziere man Identität, Mehrwertsteuernummer und Bankdaten der Händler:innen; neue Verkäufer:innen durchlaufen eine Probezeit.

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