14.02.2017

Finnest etabliert sich im Mittelstand: 1,5 Mio Euro für deutschen Saftproduzenten

Rund zwei Millionen Euro kamen über die Wiener Crowdinvesting-Plattform Finnest für das deutsche Bio-Saft-Unternehmen Voelkel herein. Das Mittelstandsunternehmen nahm 1,5 Millionen an. Es ist damit die bislang größte Online-Finanzierungsrunde ihrer Art. Für Finnest ist es ein wichtiger Schritt.
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(c) fotolia.com - Sergey Novikov

Für Startups ist Crowd-Investing eine wichtige Finanzierungsform. Etablierte Mittelstandsunternehmen gehen mit Möglichkeit derzeit meist noch zurückhaltend um. Ein Erfolg ist diesbezüglich nun der Wiener Crowdinvesting-Plattform Finnest gelungen: Der in dritter Generation geführte Bio-Safthersteller Voelkel aus Niedersachsen nutzte die Online-Plattform erfolgreich für eine Kapitalrunde, um seine Position am Markt weiter zu verstärken. Es ist das größte Online-Investment in ein deutsches Mittelstandsunternhemn bislang. „Die Bestmarke belegt eindrucksvoll, wie groß der Bedarf an dieser neuen Art der Finanzierung auch im etablierten Mittelstand ist“, sagt Finnest-COO Jörg Bartussek.

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„Nur“ 1,5 Millionen waren attraktiv genug

Insgesamt zwei Millionen Euro wurden aufgestellt, dreiviertel davon aus Deutschland. Das Unternehmen nahm aber „nur“ 1,5 Millionen davon an. Das liegt im System der Plattform begründet: Auf Finnest.com schlägt jeder Anleger die Höhe der Verzinsung für sein Engagement selbst vor. Ob es tatsächlich zum Zuschlag kommt, entscheidet das Unternehmen. Bei Voelkel hatten potenzielle Investoren die Wahl zwischen drei und fünf Prozent jährlicher Verzinsung mit einer fixen Laufzeit von fünf Jahren. Der Saftproduzent entschied sich entsprechend für die attraktiveren Angebote mit vier Prozent Fixverzinsung.

+++ Dossier: FinTech +++

Finnest: Einzelinvestment bei durchschnittlich 7.000 Euro

Dieses „Reverse Blind Auction“-System, das gezielt Mittelständler adressiert, führt laut Bartussek auch zu besonders hohen Projektsummen und Einlagen auf der Plattform: „Das durchschnittliche Einzelinvestment liegt bei uns derzeit bei rund 7.000 Euro. Und die durchschnittlichen Projektvolumina werden bald die Eine-Million-Euro-Grenze überschreiten“, erklärt er. Momentan kann man über Finnest übrigens in ein Kärntner Hotel investieren. Eine Kampagne für einen „Marktführer aus dem Gesundheitsbereich“ werde gerade vorbereitet, heißt es von den Betreibern der Plattform.

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„Der Spagat zwischen Karriere und der Betreuung von Angehörigen betrifft in Österreich derzeit rund 400.000 Erwerbstätige“, erklärt Mitgründer von because we care Andreas Gruber. Bis zum Jahr 2050 soll fast jede fünfte erwerbstätige Person eine Pflegeverantwortung übernehmen müssen, fügt er hinzu. Um diesen wachsenden Druck auf Mitarbeitende und Unternehmen abzufedern, positioniert sich „because we care“ als digitale Informationsplattform für Arbeitgeber:innen.

Das Kernprodukt mit bald 200.000 Zugriffsberechtigten hilft pflegenden Angestellten dabei, sich im hochkomplexen heimischen Pflegesystem zurechtzufinden, Anträge zu stellen und entlastende Schritte einzuleiten. Es gehe laut Gruber darum, sich mit Angehörigen auf das Alter vorzubereiten, „lange bevor jemand zu Hause die Treppe runtergefallen ist“. Ursprünglich unter dem Dach der Organisation „Austria Assisted Living“ angesiedelt, agiert die Plattform seit Ende 2024 als eigenständige GmbH, um den wachsenden Markt gezielter zu adressieren.

Branchenübergreifende Nutzungsrate von zehn Prozent

Wie Gründer Andreas Gruber im Gespräch erklärt, verzeichne man bei den teilnehmenden Unternehmen branchenübergreifend eine stabile Nutzungsrate von etwa zehn Prozent. Dies sei für ihn ein klares Indiz, dass das oft unter der Oberfläche schwelende Thema Angehörigenpflege in der Arbeitswelt „voll präsent“ sei. Bislang lag der Fokus der Plattform vor allem auf Lotsenfunktionen für akut Betroffene.

Im September erweitert das gebootstrappte Startup das Angebot jedoch um ein Modul zur mentalen Prophylaxe. Dieses wurde gemeinsam mit Fachleuten aus Psychologie und Mentaltraining entwickelt und richtet sich gezielt an die gesamte Belegschaft. Ziel ist es, rechtzeitig Strategien gegen psychische Belastungen im Arbeits- und Pflegealltag zu vermitteln.

Umbau der Pflegevermittlung

Neben der inhaltlichen Erweiterung steht das Startup vor einem nächsten großen Schritt: Im Oktober soll das System „because we match“ nach aktueller Testphase mit einem großen Salzburger Pilotkunden live gehen. Dieses adressiert einen zentralen Flaschenhals im System, wie Gruber erklärt: die oft wochenlange Suche nach verfügbaren Pflegediensten. Laut dem Gründer vergehen im Schnitt 60 Tage, bis eine Regelversorgung greift – eine Zeitspanne, in der Angehörige unzähligen Anbietern nachtelefonieren müssen. „Wir drehen dieses System jetzt um“, erklärt er im Interview.

Künftig sollen Suchende eine zentrale, rund um die Uhr erreichbare Hotline anrufen können. Dort erfasst ein KI-Voice-Agent den konkreten pflegerischen Bedarf strukturiert und filtert emotionale Bedürfnisse von harten fachlichen Anforderungen. Pflegedienstleister:innen in der jeweiligen Region sehen diese anonymisierten Gesuche auf der Plattform und können sich anschließend bei den Suchenden vorstellen und ihre Leistungen anbieten.

Sprachgesteuertes CRM für das Back-Office

Gleichzeitig sollen die Leistungserbringer von einer digitalen Entlastung im Hintergrund profitieren. Die Software soll im Idealfall für die mobilen Pflegekräfte als sprachgesteuertes CRM-System fungieren. Einsätze lassen sich direkt per Spracheingabe festhalten, während intelligente Voicemails eingehende Anrufe filtern und priorisieren.

Dieser technische Ansatz soll bürokratische Hürden drastisch reduzieren, den Dienstleister:innen das ungeliebte Backoffice abnehmen und „effizienteres Arbeiten näher am Menschen ermöglichen“. Der Hebel dieser Effizienzsteigerung ist laut Gruber beträchtlich: „Wenn wir jeder Pflegefachkraft 30 oder 40 Minuten Orga am Tag abnehmen, geht sich ein Klient mehr aus.“

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