22.01.2025
FINTECH

finmid: B2B2B-Startup von Ex-N26-Leuten startet nach 35 Mio.-Investment in Österreich

2021 gegründet holte sich finmid vergangenes Jahr ein großes Investment. Für einen der Co-Founder des FinTechs ist Österreich bekanntes Terrain.
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Die finmid-Gründer Alexander Talkanitsa und Max Schertel | (c) finmid
Die finmid-Gründer Alexander Talkanitsa und Max Schertel | (c) finmid

Für KMU stellt das Thema Finanzierung häufig eine Herausforderung dar. Nachfrage und Kapazitäten sind zwar da, doch das Geld für den Einkauf fehlt und die Zusammenarbeit mit Banken gestaltet sich schwierig. „Kleine und mittlere Unternehmen sind das Rückgrat der globalen Wirtschaft, doch ihr Zugang zu Kapital ist nach wie vor langsam und veraltet“, meint Max Schertel, Co-Founder des Berliner Startups finmid. 2021 gegründet will dieses kleinen und mittleren Unternehmen einen einfacheren Zugang zu Finanzierung bieten – aktuell mit Schwerpunkt im Bereich Handel.

finmid mit B2B2B-Konzept für KMU-Finanzierung

Das macht finmid aber nicht direkt, sondern über ein B2B2B-Konzept. „Immer mehr KMUs wickeln ihr Geschäft mittlerweile über digitale Software-Plattformen ab – von E-Commerce-Lösungen über Marktplätze bis hin zu Kassensystemen. Wir bei finmid befähigen diese Plattformen, die KMU-Finanzierung nachhaltig zu verändern, indem wir schnelle, personalisierte und bequeme Finanzierung nahtlos in ihr digitales Angebot integrieren“, sagt Schertel. Durch die Verbindung von Plattformen, KMU und Kapitalanbietern schaffe man das erste plattformbasierte Finanzierungsnetzwerk für kleine und mittlere Unternehmen.

Große Expansion in acht weitere Länder, darunter Österreich

Nun verkündete finmid die Expansion in acht europäische Länder, darunter auch Österreich. Insgesamt sei man nun in 20 Ländern am Kontinent vertreten und biete „B2B-Plattformen wie Wolt und Glovo die größte geografische Abdeckung im Bereich Händlerfinanzierung“ – die beiden Unternehmen sind zentrale Partner des FinTechs.

„Abdeckung im restlichen Europa unzureichend“

Der geografische Fokus der aktuellen Expansion liegt in Mittel-, Süd- und Osteuropa, wo es laut Startup größeren Bedarf in dem Bereich gibt. „Globale Reichweite ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für die führenden Plattformen von heute. Während sich viele Finanzierungsanbieter auf Westeuropa konzentrieren, bleibt die Abdeckung im restlichen Europa unzureichend. Das führt dazu, dass Plattformen Chancen verpassen oder mehrere Anbieter jonglieren müssen“, meint finmid-Co-Founder Alexander Talkanitsa. „In Nordeuropa sind wir bereits Marktführer. Mit der aktuellen Expansion bauen wir nun auch unsere Position in Süd-, Zentral- und Osteuropa weiter aus.“

finmid-Gründer beide vorher bei N26

Im Vorjahr hatte das Startup eine 35-Millionen-Euro-Finanierungsrunde abgeschlossen. Investoren waren damals Blossom Capital, Earlybird VC, und N26-Co-Founder Maximilian Tayenthal. Das ist nicht der einzige Bezug der finmid-Gründer Max Schertel und Alexander Talkanitsa zu N26, das von den beiden Wienern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründet wurde. Die beiden finmid-Founder waren vor der Gründung des eigenen Startups beide auch bei N26 in Berlin angestellt.

Co-Founder Talkanitsa lebte und studierte in Wien

Und Co-Founder Talkanitsa hat auch einen besonderen Bezug zu Wien. In Weißrussland geboren verbrachte er einige Jahre in der österreichischen Hauptstadt, studierte hier an der WU und war unter anderem als Rennfahrer für das Team AT Racing tätig.

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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Sie machte Wien zum beliebten Standort für die EU-Niederlassungen internationaler Krypto-Unternehmen: die EU-Kryptoregulierung MiCAR. Denn die heimische Finanzmarktaufsicht FMA genießt den Ruf, bei der Erteilung der für das Krypto-Geschäft in der EU notwendigen MiCAR-Lizenz hart, aber fair zu sein.

FMA: „MiCAR auch im Enforcement angekommen“

Nach einigen Meldungen rund um die Erteilung solcher Lizenzen – und in einem Fall einer vorübergehenden Sanktionierung – in den vergangenen Monaten, erfolgte nun erstmals die Verhängung einer Strafe wegen eines MiCAR-Verstoßes durch die FMA. „Damit wird sichtbar, dass die MiCAR nicht mehr nur ein Konzessions- und Aufsichtsthema ist, sondern auch im Enforcement angekommen ist“, heißt es von der Behörde in einer Aussendung dazu.

Termin-Fehler und fehlende Telefonnummer und Mail-Adresse

Getroffen hat es ausgerechnet Österreichs Krypto-Regulatorik-Musterschüler Bitpanda. Konkret machte das Wiener Unicorn bei der Veröffentlichung eines Whitepapers im Zuge eines Token-Launchs im vergangenen Jahr einige Termin- bzw. Formfehler, wie aus der Bekanntmachung der FMA hervorgeht: Das Whitepaper hätte laut Regelwerk bis spätestens 20 Werktage vor Veröffentlichung an die FMA übermittelt werden müssen, was nicht passierte; eine Marketingmitteilung zum Whitepaper wurde unerlaubterweise bereits vor dessen Veröffentlichung verbreitet; und in einer weiteren Marketingmitteilung fehlten ein Disclaimer, eine Telefonnummer und eine Mail-Adresse.

„Unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben“

70.000 Euro Strafe wurden letztlich verhängt. Seitens Bitpanda stellt man auf brutkasten-Anfrage klar: „Alle von der FMA aufgezeigten Punkte wurden jeweils unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben. Wir haben uns für eine rasche, einvernehmliche Beendigung des Verfahrens entschieden. Die Veröffentlichung erfolgte nach dem österreichischen MiCA-Vollzugsgesetz. Das Verfahren ist damit abgeschlossen.“

Zudem betont man beim Scaleup: „Kundengelder, die Sicherheit unserer Plattform oder die Integrität des Bitpanda-Ökosystems waren zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt. Aus den beanstandeten Punkten ist unseren Kundinnen und Kunden kein finanzieller Schaden entstanden.“

Analyse: Musterschüler als erster Bestrafter als falsches Signal

Das genau Bitpanda die erste Strafe auf MiCAR-Basis ausfasst, ist nachvollziehbar und könnte dennoch ein falsches Signal aussenden. Als größter heimischer Player, der in seinen Prozessen eng mit der FMA zusammenarbeitet, überrascht es nicht, dass gelegentlich Formfehler nicht nur passieren sondern auch unmittelbar bemerkt werden. Indessen sind einige große internationale Player weiterhin ohne MiCAR-Lizenz am heimischen Markt aktiv und entziehen sich erfolgreich der Strafverfolgung. Dass der Formfehler durch die FMA verfolgt wird ist korrekt und konsequent; dass ausgerechnet Bitpanda damit zum Exempel wird, wird den großen regulatorischen Themen am Krypto-Markt aber nicht gerecht.

In der Aussendung der FMA äußert man sich zu dieser Thematik indirekt und gewohnt sachlich: „Der Umstand, dass es sich um den ersten veröffentlichten MiCAR-Fall handelt, begründet für sich genommen keine Sonderstellung des betroffenen Unternehmens oder der festgestellten Verstöße.“

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