29.11.2017

Finabro: Wiener FinTech-Startup mit „Service, das sonst nur Reiche bekommen“

Finabro wartet mit seinem Finanzberatungs- und Vermögensverwaltung-Service gleich mit mehreren USPs auf. Adressiert werden nicht nur vermögende Menschen.
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(c) Denise Tibitanzl/der brutkasten: Søren Obling

Die Geschichte des Wiener FinTech-Startups Finabro begann in einer Bank in Dänemark. Founder Søren Obling, ein gebürtiger Däne, begleitete seine Mutter zu einem Beratungsgespräch über ihre Pensionsvorsorge. „Das Erlebnis war kurz gesagt grottenschlecht. Die Beraterin stellte drei Fragen. Erstens: ‚Sind sie eine Spielerin?‘. Zweitens: ‚Sind Sie sehr sicherheitsorientiert?‘ Meine Mutter beantwortete die beiden ersten mit ’nein‘ und wurde in der Kategorie ‚medium risk‘ eingestuft. Die dritte Frage war: ‚Soll das Geld sofort verfügbar sein, oder kann es drei Jahre gebunden sein?‘ Meine Mutter sagte ‚drei Jahre‘. Damit war die Beratung vorbei. Ihr wurde ein Produkt angeboten“, erzählt Obling.

+++ Fokus: FinTech +++

„Diese Industrie ist so viel schlechter, als ich dachte“

Und dieses Produkt sei zwar prinzipiell nicht schlecht gewesen, hätte aber falsche Angaben über den zu erwarteten Ertrag gehabt. „Ihre eigenen Kapitalertrags-Kosten waren einfach nicht eingerechnet“, sagt Obling. Der studierte Ökonom mit reichlich beruflicher Erfahrung in der Finanzwelt ließ das natürlich nicht auf sich bzw. seiner Mutter sitzen. Auf eine gut argumentierte Beschwerde-Mail folgte sogar ein Anruf des Bank-Vorstands. Doch auch der konnte Obling nicht überzeugen. „Nachdem bei einer zweiten Bank genau das gleiche passierte, außer dass mich diesmal nicht der Vorstand angerufen hat, war mir klar: Diese Industrie ist so viel schlechter, als ich dachte.“

Alternative mit mehreren USPs

Ein wenig sollte es dann noch dauern, bis der Däne 2016 mit seinem eigenen digitalen Produkt in Wien startete. Schon früher hatte er seinen späteren Co-Founder Oliver Lintner kennengelernt. „Oliver ist regulatorisch sehr kompetent, was Vermögensverwaltung anbelangt. Er ist auch gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Bank, Börse und Versicherungen. Dieses Know-How ist für uns ein riesiges Asset in so einem stark regulierten Feld“, sagt Obling. Gemeinsam mit Lintner baute er dann an einer digitalen Finanzberatungs- und Vermögensverwaltungs-Lösung, die gleich mit mehreren USPs aufwartet.

Lebensversicherung für Vermögensanlage: Uniqa investierte

Die herausstechendste davon ist, dass Finabro für die Vermögensanlage nicht nur Bankkonten nutzt. Das Startup nutzt auch Fondsgebundene Lebensversicherungen. Das Startup nutzt stattdessen Lebensversicherungen. Das hat auch Versicherer Uniqa dazu bewogen, dieses Jahr mit 400.000 Euro bei Finabro einzusteigen und damit rund 14 Prozent des Startups zu erwerben. Obling erklärt die Hintergründe: „Es ist eine einfache Rechnung. Bei Versicherungen zahlt man bei Einzahlung sofort vier Prozent Steuern. Das tut weh, das gebe ich zu. Dafür gibt es die 27,8 Prozent Kapitalertragssteuer nicht. Auf Dauer steigt man also deutlich besser aus“. Vorausgesetzt natürlich, es gibt einen entsprechenden Kapitalertrag. Auch dafür hat Finabro ein Konzept in petto, mit dem es auch in den weXelerate-Accelerator kam.

„…außer es bricht der dritte Weltkrieg aus oder es gibt eine Hyperinflation wie in den 20er-Jahren. Da können auch wir nichts machen“

Die Zauberworte: „Rebalancing“ und „Risikobrücke“

Zu Beginn wird auch beim Wiener FinTech, wie im eingangs erwähnten Beispiel der Bank, die Risikobereitschaft abgefragt. Doch auch richtigen Draufgängern verspricht Obling eine deutliche Verminderung ihres Risikos, „außer es bricht der dritte Weltkrieg aus oder es gibt eine Hyperinflation wie in den 20er-Jahren. Da können auch wir nichts machen“, schränkt der Gründer ein. Die Zauberworte heißen „Rebalancing“ und „Risikobrücke“. „Eine derartige Vermögensverwaltung bekommen sonst nur wirklich reiche Menschen, die große Summen ab etwa 200.000 Euro anlegen. Wir bieten sie für jeden“, sagt Obling.

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„Rebalancing“: Überschuss auf die sichere Seite

Beim Rebalancing wird das eingelegte Vermögen regelmäßig an die Risikobreitschaft angepasst. „Ein Beispiel: Ich lege 4000 Euro bei mittlerem Risiko an. Das heißt, 2000 Euro wandern in Aktien, die mehr Rendite versprechen, wenn alles gut läuft. Und 2000 Euro werden in Anleihen angelegt, die bei niedrigerer Rendite dafür sehr sicher sind“, erklärt der Founder. Wenn die Aktien dann tatsächlich stark anstiegen, würde sich das Verhältnis von ursprünglich 50 zu 50 immer weiter zugunsten der Aktien ändern. „Wenn etwa zehn Prozent Differenz erreicht werden, rebalancen wir. Wir bringen also den ‚Überschuss‘ auf die sichere Seite.“ Dieser Vorgang passiere automatisch.

„Wir betreiben keine Hellseherei.“

Eine Brücke über das Börsen-Tal

Die „Risikobrücke“ (Das Logo des Startups ist eine Brücke – auf dänisch ‚bro‘) basiert auf einem Konzept, das etwa durch Investor George Soros bekannt ist. „Wenn man sich die langfristigen Trends am Finanzmarkt ansieht, sieht man, dass er wellenförmig verläuft. Wenn es beginnt bergab zu gehen, steigen wir von riskanten auf sichere Produkte um. Sobald es wieder bergauf geht, gehen wir zurück“, sagt Obling. Dahinter steht ein Algorithmus. Rezessionen werden damit „überbrückt“. Hellseherei betreibe man aber nicht. „Wir behaupten nicht, dass wir zum optimalen Zeitpunkt verkaufen bzw. kaufen. Wenn es beginnt bergab zu gehen, sind wir noch drinnen. Erst wenn absehbar wird, dass es ein größerer Trend ist, steigen wir um.“

(c) Finabro: Illustration des Startups zur „Risikobrücke“

Sag niemals „sicher“

Das Risiko könne man mit der Risikobrücke halbieren. Obling räumt ein: „Klar, in der Hochkonjunktur underperformen wir damit Leute, die die Aktien einfach halten. Aber niemand weiß, wann die Hochkonjunktur endet.“ Das Wort „sicher“ nehme er dennoch nie in den Mund, sagt Obling. Das wäre nicht ehrlich. Und letztlich passiere es auch bei Finabro, dass das Modell die Märkte falsch triggere und man doch zu einem suboptimalen Zeitpunkt bei Aktien aus- bzw. einsteige.

Mitarbeiter- und Pensionsvorsorge

Und wen adressiert Finabro damit? „Alle“, sagt Obling. Und doch hat er zwei Produkte, die er besonders herausstreicht. Da wäre zum einen die Mitarbeitervorsorge: „Durch das Versicherungs-System haben wir in Österreich einen Steuervorteil. Brutto-Lohn, der in das Vorsorgeprodukt fließt, wird nur mit den erwähnten vier Prozent besteuert. Man verwandelt ihn also quasi in angelegten Netto-Lohn“, erklärt Obling. Als ganz großes Thema für die Zukunft des Startups sieht der Founder die Pensionsvorsorge: „Die Pensionssysteme in Österreich und Deutschland sind nicht mehr nachhaltig und wir bringen mit unserem Produkt eine wirklich starke Innovation in dem Bereich“, sagt Obling. „Ich habe meiner Mutter damals versprochen, dass ich einen besseren Deal für sie finde.“

+++ Finabro-Mitarbeiter: Christoph Jeschkes neuer Job +++


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Jeff Bezos sprach am Mittwoch auf der Theater-Stage der VivaTech in Paris über sein KI-Projekt Prometheus. (c) Screenshot VivaTech

Am Mittwoch fiel der Startschuss für die zehnte Ausgabe der VivaTech. Das Event in Paris zählt zu den größten Startup- und Technologie-Treffen Europas und bringt über vier Tage hinweg Startups, Investor:innen, Tech-Konzerne und Forscher:innen zusammen. Schon am Vormittag herrschte dichter Andrang in den Hallen der Pariser Porte de Versailles: Zwischen Roboterarmen, Demo-Bühnen und unzähligen Startup-Ständen schoben sich Gründer:innen, Investor:innen und Tech-Fans durch die Gänge. brutkasten ist vor Ort. Für besonderen Andrang sorgte eines der Highlights der diesjährigen Ausgabe: Jeff Bezos, der erst zu Wochenbeginn als Speaker angekündigt worden war. Am Vormittag trat der Amazon-Gründer auf der Theater-Stage auf.

Gemeinsam mit Blue-Origin-CEO Dave Limp saß Bezos schließlich auf der Bühne, moderiert vom früheren NASA-Astronauten Mike Massimino. Der Großteil des Gesprächs drehte sich um Raumfahrt. Aufhorchen ließ Bezos aber, als er auf sein jüngstes Projekt zu sprechen kam: Prometheus, das KI-Unternehmen, das er 2025 mitgegründet hat und als Co-CEO führt.

Bezos beschrieb Prometheus als Versuch, einen „artificial general engineer“ zu bauen, also eine KI, die nicht primär Texte verarbeitet, sondern Ingenieursarbeit leistet. Das Ziel sei, den „dream-build cycle“ zu verkürzen, also die Zeit zwischen der Idee für ein Produkt und seiner serienreifen Fertigung.

„Aller Wohlstand beruht auf Erfindungen“

Diesen Anspruch rahmte Bezos grundsätzlich ein: „Aller zivilisatorische Wohlstand beruht auf Erfindungen. Vor 6.000 Jahren hat jemand den Pflug erfunden, und wir alle wurden wohlhabender.“ Wer den Erfindungszyklus beschleunige, schaffe realen Wohlstand. Was das praktisch heißt, machte er an einem Beispiel fest: Ein neues, sparsameres Triebwerk sei heute ein Zehn-Jahres-Programm. Prometheus solle das schrittweise auf fünf, drei, am Ende ein Jahr drücken.

Klassische Sprachmodelle reichen dafür nach seiner Überzeugung nicht aus. „Mit herkömmlichen großen Sprachmodellen lässt sich das nicht machen. Sie haben ihre Berechtigung“, sagte Bezos. Sein Bild dazu: „Wenn ich tausend Bücher darüber lese, wie man ein großartiger Turner wird, wäre ich danach immer noch ein miserabler Turner.“ Engineering brauche eine andere Art von Training als reine Symbolmanipulation, wie sie Sprachmodelle beherrschen.

Der Sorge, KI könnte Menschen überflüssig machen, widersprach Bezos ausdrücklich. Er erwarte eher das Gegenteil: „KI wird einen Arbeitskräftemangel erzeugen, weil sie es den Menschen ermöglicht, mehr Probleme zu identifizieren.“ Heute sei man „nicht durch unsere Vorstellungskraft begrenzt, sondern durch das, was wir tatsächlich umsetzen können“. Beschleunige man das Bauen, drehe sich dieses Verhältnis um. Als Vorgeschmack nannte er die eigene Erfahrung mit Coding-Tools: „Vor drei Jahren war ich ein miserabler Informatiker. Heute aber kann ich an einem einzigen Nachmittag eine iOS-App schreiben.“ Genau das wolle Prometheus in die physische Welt übertragen.

Querverweis zu Emmi AI

Für die heimische Szene hat die Idee einen vertrauten Klang. Mit Emmi AI verfolgt seit 2024 ein Linzer Startup einen ganz ähnlichen Ansatz, nämlich KI-Modelle, die auf die Physik der realen Welt statt auf Sprache trainiert sind und Ingenieurssimulationen drastisch beschleunigen sollen. Das Unternehmen aus dem Umfeld des KI-Labors NXAI wurde im Mai 2026 vom französischen KI-Konzern Mistral übernommen. Die Stoßrichtung, die Bezos nun auf der großen Bühne skizziert, ist also auch in Österreich prominent vertreten.

Was sonst noch ansteht

Die VivaTech feiert heuer ihr zehnjähriges Bestehen und läuft noch bis Samstag, den 20. Juni. Inhaltlich dreht sich die Jubiläumsausgabe vor allem um Künstliche Intelligenz, Deeptech, Cybersecurity und Energie, wobei sich KI durch nahezu jede der vier Bühnen zieht. Neben Bezos sind weitere prominente Stimmen angekündigt, darunter Nvidia-CEO Jensen Huang mit der GTC-Paris-Keynote, Yann LeCun (AMI Labs, zuvor Meta) und Arthur Mensch, CEO des französischen KI-Konzerns Mistral, der das Linzer Startup Emmi AI übernommen hat. Der Deeptech-Schwerpunkt reicht von Quantencomputing bis Biotech. Zum Abschluss verwandelt sich der Publikumstag am Samstag erstmals in ein offenes VivaTech-Festival, das Technologie einem breiten Publikum zugänglich machen soll.

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