20.02.2019

FFG und aws: „Der Förderdschungel wird oftmals herbeigeredet“

Interview: Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der aws, und Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG, gaben dem brutkasten in einem Doppelinterview eine ausführliche Analyse über den Status Quo der österreichischen Startup- und Förderlandschaft.
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(c) der brutkasten/Haris Dervisevic: Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der aws, und Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG, im Interview mit dem brutkasten

Die österreichische Förderlandschaft sei im internationalen Vergleich – insbesondere was die Frühphasen-Finanzierung angeht – sehr gut aufgestellt, so die Einschätzung von Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der aws, und Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG. In der Anschlussfinanzierung und bei Spin-Offs gebe es jedoch noch Aufholbedarf, da im internationalen Wettbewerb die anderen Länder nicht schlafen würden.

Wieso sollen Startups eigentlich gefördert werden? Welchen volkswirtschaftlichen Mehrwert bieten sie für unsere Wirtschaft?

Egerth: Die Förderungen von Startups kann man mit einer Saat vergleichen. Startups sind neue Unternehmen, die „nachwachsen“ und nach einer gewissen Zeit auch „aufgehen“. Unsere Volkswirtschaft braucht neue Unternehmen und Forschergeist. Die großen Unternehmen waren auch irgendwann einmal klein und konnten sich durch Innovationen etablieren.

Zudem müssen Startups unterstützt werden, weil es für sie schwierig ist, die Finanzierung aufzustellen, und weil es bei der Akquirierung von neuem Kapital oftmals ein Marktversagen gibt. Startups sind auch für Investoren hochriskant – insbesondere im Forschungsbereich. Hier muss die öffentliche Hand das Risiko teilen.

Sagmeister: Die Startups generieren in einer Volkswirtschaft enorm viel Innovation. Allerdings haben sie es im Gegensatz zu etablierten Unternehmen viel schwieriger an Finanzierungen zu kommen. Es muss eine Aufgabe des Staates sein, dieses Marktversagen auszugleichen. Wenn es der private Markt nicht ausreichend schafft, Kapital bereitzustellen, braucht es eben einer öffentlichen Unterstützung.

+++ Förderkonfigurator: aws bringt Quick-Check für Förderungen +++

Das österreichische Fördermodell für Startups und KMUs zeichnet sich im internationalen Vergleich durch hohe Förderquoten aus. Was sagen andere Länder zu unserem Fördermodell?

Egerth: Österreich ist im Bereich Pre-Seed, Seed sowie der weiterführenden Unterstützung von Startups ein Top-Land. Ein starkes Fördermodell ist für die heimische Startup-Landschaft enorm wichtig, denn Risikokapital hat im Vergleich zu anderen Ländern hierzulande nicht so einen hohen Stellenwert. Im internationalen Vergleich sind österreichische Startups viel erfolgreicher und schaffen es, sich am Markt zu etablieren. Unser Fördersystem findet international sehr viel Beachtung. In den letzten Jahren hat sich sehr viel getan.

Was wir sehen ist, dass in den letzten Jahren immer mehr etablierte Unternehmen sich vom Spirit von Startups für das eigene Wirtschaften inspirieren lassen. Corporates versuchen vermehrt mit Startups intensiv zu kooperieren, um Innovationen anzustoßen.

Sagmeister: Was die Frühphasen-Finanzierung betrifft, sind wir international sehr gut aufgestellt. Dafür gibt es auch stichhaltige Evidenzen. Der Global Entrepreneurship Monitor weist klar und deutlich aus, dass wir vorne mit dabei sind. Wir können uns darauf aber nicht ausruhen, da die anderen natürlich nicht schlafen.

Was wir derzeit beobachten ist, dass alle ihre diesbezüglichen Anstrengungen enorm verstärken. Dazu zählen sogar wirtschaftsliberale Ländern, wie beispielsweise Großbritannien. Man würde nicht annehmen, dass auf einem so wirtschaftsliberalen Markt, deutlich vor der Brexit-Abstimmung eine Bank wie die Britisch Business Bank gegründet wurde, die auch aktiv in die Unternehmensfinanzierung eingreift.

Worauf ist dies zurückzuführen?

Sagmeister: Im Prinzip ist dies auf die starke Finanzmarktregulierung nach 2009 zurückzuführen. Diese hatte zur Folge, dass sich private Investoren vermehrt vom Risikokapital-Markt zurückgezogen haben. Das trifft natürlich als erstes jene Startups, die weniger Bonität nachweisen können und etwas riskantere Geschäftsmodelle fahren.

Gibt es zu wenig Risikokapital in der Anschlussfinanzierung?

Sagmeister: Ja, es gibt noch zu wenig Risikokapital-Angebote. Aber man muss hinzufügen, dass viele Startups auch nicht Risikokapital fähig sind. In der Frühphasen-Finanzierung sind wir sehr gut aufgestellt. Was die Anschlussfinanzierungen angeht, haben wir sicherlich noch Herausforderungen zu meistern.

(c) der brutkasten/Haris Dervisevic

Eine lebendige Startup-Szene ist auch für Corporates wichtig, die immer mehr den Austausch mit Startups suchen. Spielen Startups somit auch für die Standortwahl von internationalen Konzernen eine Rolle?

Egerth: Ja, das sehen wir absolut. In der FFG haben wir immer mehr Anfragen von internationalen Unternehmen, die sich nach Startups und Teams mit spezifischen Thematiken beschäftigen, erkundigen wollen. Häufig sind sie auch auf der Suche nach Experten und Spin-Offs von Universitäten.

In Bezug auf Spin-Offs haben wir in Österreich sicherlich noch Nachholbedarf. Das müssen wir in den nächsten Jahren definitiv verstärken, um vermehrt auch internationale Corporates anziehen zu können. Mit dem Programm Spin-Off-Fellowships haben wir vor etwa zwei Jahren gezielt damit begonnen. Aktuell gibt es die dritte Ausschreibung in diesem Programm.

Nach Außen verbindet man die FFG und die aws vor allem mit Finanzierungen. Was läuft im Hintergrund im Servicebereich noch so ab?

Sagmeister: Neben Förderungen haben wir natürlich sehr viel Beratungen und Netzwerke mit etablierten Unternehmen – als Beispiel lässt sich das aws-Industry-Startup-Net, aws i2 Business Angels Network oder das Global Incubator Network (GIN) anführen.

Auch das aws First ist in erster Linie kein Zuschuss getriebenes Programm, sondern es geht viel um Coaching, Mentoring und Begleitung. Neben der Finanzierung werden „Addons“ immer wichtiger, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Egerth: Bei der FFG geht es nicht nur um Geld, sondern neben der Forschungsförderung auch sehr stark um eine Vernetzung in der wissenschaftlichen Community – sowohl national als auch international. Wir betreuen u.a. das europäische Forschungsrahmenprogramm „Horizont 2020“. Das heißt, wir beraten unsere Kunden und Zielgruppen umfassend und unterstützen mit verschiedenen Serviceangeboten punktgenau. Denn Forscher und Unternehmen in Österreich sollen auch europäische Mittel erfolgreich einwerben können. Zudem vermitteln wir auch junge Talente an Startups. Geld ist das eine Essentielle. Es braucht aber mehr als nur Geld.

Viele Prozesse bei der FFG und aws wurden in den letzten Jahren digitalisiert Stichwort Förderkonfigurator. Was wird sich künftig in diesem Bereich noch tun?

Sagmeister: Die aws und FFG haben gemeinsam vor einigen Jahren schon sehr intensiv an der Digitalisierung eigener Prozesse gearbeitet. So haben wir beispielsweise einen Förderpiloten ins Leben gerufen, der die gesamte Wirtschaftsförderung abdeckt – auch in den Bundesländern. Was die technologischen Tools angeht, haben wir als aws eine Vielzahl von Initiativen gesetzt.

Unternehmen finden über den aws Förderkonfigurator mit wenigen Klicks schnell und einfach die passende aws Förderung, die App liefert direkten Zugang zur digitalen Förderbank. Die persönliche Beratung wird mit dem Format „Pitch your idea!“ gestärkt. Unternehmen bekommen dabei unmittelbares, direktes Feedback zu möglichen Förderungen von einem aws Expertenteam – gleichzeitig kommen alle relevanten und weiterführenden Infos unmittelbar digital über den aws DigiCoach.

Die Förderung kann dann in der Folge direkt online beantragt werden – auch die Verträge können digital unterzeichnet werden. Jetzt geht es darum, gewisse Förderprogramme genauer zu beschreiben, damit Antragsteller sich wirklich auskennen.

Egerth: Digitalisierung ist in unserem Alltag als Forschungsförderer gelebte Realität und Praxis: die Abwicklung der Förderprojekte erfolgt seit Jahren digital über unser elektronisches Kundenzentrum den eCall. Trotzdem ist es uns als FFG sehr wichtig, dass wir auch persönlich beraten – vor allem KMU und Startups. So wird jedes Startup, das um Förderung bei der FFG ansucht, von unseren Experten besucht. Der Erfolg gibt uns Recht und zeigt sich insbesondere in der Qualität von Projektanträgen.

Also keine Scheu und gleich direkt bei der FFG andocken und unsere Experten kontaktieren. Wir sind die Förder-Drehscheibe, die viel in Bewegung und mit der richtigen Unterstützung in die Zielgerade bringt.

Was bedeutet dies für Förderberater? Brauchen Unternehmen externe Experten?

Egerth: Diese Frage müssen Unternehmen ganz für sich allein entscheiden! Manchmal erleben wir private Förderberater, die aus wirtschaftlichem Eigeninteresse bewusst den Zugang zu Förderung komplizierter darstellen, als er ist. Das ist nicht ganz fair, vor allem den Unternehmen gegenüber nicht.

Wir erkennen meistens, wenn ein Förderantrag nicht vom Startup bzw. deren Gründer selbst geschrieben wurde. Vor diesem Hintergrund ist es mir lieber, dass ein Projektantrag einen gewissen Spirit hat und möglicherweise, nicht „so perfekt“ ausformuliert ist.

Sagmeister: Es ist absolut legitim, wenn Unternehmen die Förderungsabwicklung an private Anbieter auslagern. Allerdings sehe ich schon, dass einige Förderberater davon leben, dass sie die Komplexität des Systems herbeireden. Zudem muss man sagen, dass die meisten Berater nach einer Erfolgswahrscheinlichkeit arbeiten und nur Startups beraten, bei denen sie auch Chancen für eine positive Förderung sehen. Wir haben nichts gegen „Arbeitsteilung“, aber den Förderdschungel herbeizureden, um sich selbst zu legitimieren, ist definitiv nicht okay.

Digitalisierung und Startups sind derzeit medial sehr präsente Themen und werden zugleich manchmal auch als Bubble kritisiert. Wie sieht hier die weitere Entwicklung aus?

Sagmeister: Digitalisierung und Startups sind definitiv keine Bubble. Der Zug nimmt immer mehr an Geschwindigkeit auf und erreicht auch eine große Bandbreite an Unternehmen. Startups sind in der Regel beweglicher als große Unternehmen. Daher werden sie im öffentlichen Diskurs zunehmend wahrgenommen.

Förderangebote haben wir aber für alle Unternehmen, sowohl Großunternehmen, als auch KMUs. Im Bereich der Förderungen sind die Startups einfach präsenter, da man mit wenigen Mitteln schon sehr viel Wirkung erzielen kann. Startups können etablierte Unternehmen oftmals links, rechts, oben und unten überholen.


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Bernhard Krick, Geschäftsführer der Bybit Payments GmbH | (c) Bybit

Anfang August erhielt die Bybit Payments GmbH von der Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Konzession als E-Geld-Institut, nach rund neun Monaten Verfahren. Laut Geschäftsführer Bernhard Krick gibt es die Lizenz zwar seit rund 25 Jahren, durchschritten hätten das Verfahren aber erst zwei Marktteilnehmer. Mit der Konzession baut die nach eigenen Angaben gemessen am Handelsvolumen zweitgrößte Kryptobörse der Welt ihre EU-Zentrale in Wien weiter aus. Die Schwestergesellschaft Bybit EU GmbH hält bereits seit Mai 2025 eine MiCAR-Zulassung. Im Interview spricht Krick über das Verfahren, die Standortwahl und die Frage, ob am Ende eine Banklizenz steht.


Die Bybit Payments GmbH hat von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Lizenz als E-Geld-Institut erhalten. Wie lange hat das Verfahren gedauert und was waren rückblickend die größten Hürden?

Der eigentliche Lizenzierungsprozess mit der FMA war naturgemäß intensiv und hat sich über einen Zeitraum von rund neun Monaten erstreckt. Wir haben jedoch bereits deutlich davor mit dem Aufbau der lokalen Gesellschaft, der Infrastruktur sowie aller compliance-relevanten Agenden begonnen. Obwohl es die Lizenz seit rund 25 Jahren gibt, haben erst zwei Marktteilnehmer diesen Prozess durchschritten. Die größte Herausforderung bestand darin, die Fülle an Informationen über die eigene Organisation, Prozesse und geplanten Produkte so aufzubereiten, dass sie den hohen Anforderungen der FMA entsprechen und ein klares, transparentes Bild vermitteln. Dabei steht man grundsätzlich auch immer unter einem gewissen Zeitdruck. Unsere Mitarbeiter:innen haben hier eine sehr gute Arbeit geleistet.

Rückblickend war der Prozess zwar anspruchsvoll, aber immens wertvoll. Er hat dazu beigetragen, unsere europäischen Strukturen weiter zu professionalisieren. Die E-Geld-Konzession ist eine wichtige Grundlage für die nächste Phase der Expansion unseres Geschäfts in Europa.

Warum hat Bybit die EMI-Lizenz ausgerechnet in Österreich beantragt? Länder wie Litauen oder Luxemburg gelten in Europa als die klassischen Standorte für E-Geld-Institute.

Wien ist für uns der Standort unserer EU-Zentrale. Von hier aus decken wir MiCAR, E-Geld und MiFID ab. Uns war wichtig, einen Standort mit einem europaweit respektierten Regulator zu wählen. Die FMA bietet dabei die perfekte Balance: streng in der Aufsicht, was für eine Organisation wie uns, die weltweit auf Compliance ausgerichtet ist, kein Problem, sondern ein Vorteil ist, und gleichzeitig kommunikativ, pragmatisch und effizient im Austausch. Wien ist zudem ein zentraler Standort in Europa mit attraktiver Infrastruktur und hoher regulatorischer Kompetenz. Von hier aus können wir langfristige europäische Strukturen aufbauen, mit einem verlässlichen Partner vor Ort, und unser Geschäft in den Märkten ganz Europas steuern.

Die FMA gilt als strenge Aufsicht. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit im Vergleich zu anderen Jurisdiktionen, in denen Bybit tätig ist?

Eine strenge Aufsicht ist aus unserer Sicht kein Nachteil. Ganz im Gegenteil: Wenn man langfristig in einem regulierten europäischen Markt tätig sein möchte, ist Klarheit darüber, welche Anforderungen gelten, ein wesentlicher Vorteil. Unsere Erfahrung ist, dass die Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden naturgemäß intensiv und detailliert ist, und das erwarten wir auch. Wir sehen Regulierung nicht als einmalige Eintrittshürde, sondern als laufenden Prozess, der sehr wichtig für die gesamte Branche ist. Die FMA sehen wir als eine durchaus fordernde, aber vor allem als eine sehr kompetente Behörde, die auch einen sehr guten Ruf in Europa genießt.

In der Aussendung zur Lizenz heißt es, konkrete Termine für die Produkteinführung würden in Kürze bekannt gegeben. Können Sie schon konkreter werden: Welche Dienste starten zuerst, und wann rechnen Sie mit dem Marktstart in Österreich und im restlichen EWR?

Die konkreten Produktneuerungen, Marktstart und Rollout-Phasen werden wir, wie versprochen, zeitnah kommunizieren. Was wir jedoch jetzt bereits sagen können: Unser Ziel ist es, die neue Lizenz schrittweise für den Ausbau eines umfassenderen Payment-Angebots in Europa zu nutzen. Wir haben bereits um das Passporting der Lizenz für den EWR angesucht. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da die relevanten nationalen Behörden in Europa dies bestätigen müssen. Wir verfolgen dabei bewusst einen stufenweisen Ansatz, können aber bereits jetzt sagen: Bybit.eu wird bald viel mehr sein als eine reine Krypto-Plattform und wird sich zu einer universellen Finanzlösung entwickeln.

Die Bybit Card ist in Europa bereits verfügbar. Was ändert sich durch die EMI-Lizenz konkret für das Kartenprogramm? Wird die Bybit Payments GmbH die Kartenausgabe künftig selbst übernehmen?

Die Bybit Card wird auch in Zukunft eines unserer zentralen Produkte bleiben. Zum jetzigen Zeitpunkt möchten wir jedoch keine konkreten Änderungen an bestimmten Produkten vorwegnehmen oder bekanntgeben. Was wir sagen können: Die Lizenz gibt uns generell zusätzliche strategische Flexibilität, um unser europäisches Dienstleistungsangebot im Zahlungsverkehr weiterzuentwickeln sowie attraktiver zu gestalten.

Auf Bybit.eu setzen Sie bei Stablecoins bislang auf regulierte Token von Circle wie EURC. Die EMI-Lizenz würde der Bybit Payments GmbH grundsätzlich auch die Emission eines eigenen E-Geld-Tokens erlauben. Ist ein eigener Euro-Stablecoin ein Thema für Sie?

Stablecoins und andere tokenisierte Zahlungsinstrumente beobachten wir auf dem europäischen Markt sehr genau. Gerade MiCAR schafft hier einen neuen regulatorischen Rahmen, der in den kommenden Jahren erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung digitaler Zahlungsmittel haben wird. Aktuell liegt unser Fokus jedoch darauf, unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu bestehenden regulierten und qualitativ hochwertigen Produkten zu ermöglichen. EURC ist dafür ein gutes Beispiel. Wir schließen grundsätzlich keine strategischen Optionen in diesem Bereich aus, haben derzeit aber nichts anzukündigen.

Bybit EU GmbH und Bybit Payments GmbH sind bewusst getrennte Gesellschaften mit unterschiedlichen Lizenzen. Warum diese Struktur, und was bedeutet die Trennung im Alltag konkret für die Kundinnen und Kunden?

Die Trennung folgt einer klaren regulatorischen und auch organisatorischen Logik. Die Bybit EU GmbH und die Bybit Payments GmbH verfolgen unterschiedliche Geschäftsmodelle und verfügen über unterschiedliche regulatorische Berechtigungen. Deshalb ist es sinnvoll, diese Aktivitäten auch gesellschaftsrechtlich, organisatorisch und in Bezug auf die Regulatorik und das Risikomanagement klar voneinander abzugrenzen. Für die Kundinnen und Kunden wird sich das positiv auswirken, da wir in der Zukunft über eine gemeinsame Finanzplattform und App neue innovative Möglichkeiten im Zahlungsverkehr anbieten werden. Die Kunden werden die volle Transparenz haben, welche Dienstleistung sie von welchem Unternehmen beziehen.

Sie betonen, dass die EMI-Lizenz keine Banklizenz ist. Ist eine Banklizenz der nächste logische Schritt für Bybit in Europa, oder schließen Sie das aus?

Für uns ist die EMI-Lizenz der logische Schritt, um unsere Kompetenz im Zahlungsverkehr in Europa aufzubauen. Wir verfolgen das Ziel, ein globales Finanz-Ökosystem aufzubauen, das den Zugang zu einer modernen Bank-, Investitions- und Zahlungsverkehrsinfrastruktur für alle Kundengruppen bietet. Da ist es natürlich selbstverständlich, dass wir kontinuierlich evaluieren, welche regulatorischen Strukturen und Partnerschaften für unsere langfristige Strategie sinnvoll sind. Eine Banklizenz schließen wir für die Zukunft nicht aus. Aktuell liegt unser Fokus aber klar auf dem erfolgreichen Aufbau und der Skalierung unseres regulierten Geschäfts in Europa.

Mit regulierten Zahlungsdiensten tritt Bybit in direkte Konkurrenz zu Neobanken wie Revolut und N26, aber auch zu anderen Kryptobörsen mit Payment-Ambitionen in Europa. Womit wollen Sie sich in diesem Feld differenzieren?

Bybit ist gemessen am Handelsvolumen die zweitgrößte Krypto-Asset-Plattform der Welt und bietet bereits heute weltweit über 80 Millionen Kundinnen und Kunden viel mehr als reines Krypto-Trading an. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das enorme Volumen im Krypto-Derivate- und Futures-Handel auf der globalen Bybit-Plattform. Mit unserem „Compliance-First-Ansatz“ wird Bybit einer der relevantesten Player in Europa werden. Der entscheidende Faktor ist, das Vertrauen der Kundinnen und Kunden zu bekommen. Unser Ansatz geht daher über das reine Krypto-Trading weit hinaus. Wir verbinden die Welten der digitalen Assets und Web3-Produkte mit den traditionellen Finanzdienstleistungen.

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt Bybit aktuell in Wien, und wie verändert der Aufbau der Payments-Sparte den Standort? Wird derzeit Personal gesucht?

Aktuell beschäftigen wir in Wien rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Ausbau der Payments-Sparte stärkt den Standort zusätzlich, da ein reguliertes Payment-Geschäft weitere spezialisierte Funktionen benötigt, etwa in den Bereichen Produktmanagement, Legal und Compliance, Risk, Finance, Operations und Technology. Hier sind wir derzeit auch auf der Suche und heißen jede Bewerbung willkommen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Sicherheit beim Aufbau des europäischen Zahlungsverkehrsgeschäfts, und wie werden die Kundengelder der Bybit Payments GmbH abgesichert?

Sicherheit und Vertrauen bilden das Fundament des Finanzgeschäfts. Beim Aufbau der Bybit Payments GmbH wurden deshalb regulatorische Anforderungen an Governance, Risikomanagement, IT-Sicherheit und den Umgang mit Kundengeldern von Beginn an berücksichtigt. Die Kundengelder des E-Geld-Instituts werden entsprechend den regulatorischen Vorgaben geschützt und bei einer Bank zu 100 Prozent treuhänderisch verwahrt. Für die Bybit.eu-Plattform gelten zudem dieselben strengen regulatorischen Anforderungen an IT-Sicherheit wie für Banken.

Bybit hat kürzlich seinen Risiko- und Sicherheitsbericht für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz inzwischen in der Sicherheitsarbeit, und was bedeutet das für Nutzerinnen und Nutzer in Europa?

Wir setzen modernste Technologien ein, um Muster schneller zu erkennen, Auffälligkeiten frühzeitig zu identifizieren und potenzielle Risiken effizient zu analysieren. Unser Anspruch ist es, im Bereich Sicherheit immer einen Schritt voraus zu sein, ganz nach dem Credo: Prävention statt Nachsorge. Künstliche Intelligenz ist in der präventiven Sicherheitsarbeit im Zahlungsverkehr ein fixer Bestandteil. Für Nutzerinnen und Nutzer in Europa bedeutet das im Alltag vor allem, dass der Zahlungsverkehr reibungslos und sicher abläuft. Der große europäische Vorteil ist dabei der rechtliche Rahmen. Dank strenger Gesetze wie der DSGVO und dem neuen KI-Gesetz gibt es in Europa klare Leitplanken, die die Privatsphäre aller am Zahlungsverkehr beteiligten Personen schützen.

Wo steht Bybit.eu in drei Jahren?

Unser Anspruch ist klar: Wir wollen in drei Jahren eine der führenden regulierten Plattformen für digitale Finanzdienstleistungen in Europa sein. Krypto und Blockchain wollen wir dabei immer weniger als eigenständige oder alternative Systeme betrachten, sondern die Brücke zwischen der Welt digitaler Assets und traditionellen Finanzdienstleistungen weiter stärken und direkt verbinden. Entscheidend ist Vertrauen: Ein verlässlicher institutioneller Rahmen und klare Regulierungen bilden die Basis, damit immer mehr Unternehmen sowie Kundinnen und Kunden auf diese Technologien setzen. Im Idealfall ist Bybit EU in drei Jahren eine vertrauenswürdige, regulierte All-in-one-Finanzplattform, auf der digitale und traditionelle Finanzdienstleistungen zusammenkommen und nahtlos in den Alltag unserer Kundinnen und Kunden integriert sind.

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